Friedrich Dürrenmatt Der SchwarzmalerSeite 2/2
Unter diesen glotzenden Fratzen und Dämonen, die später seine Werke bevölkern sollten, kam es bis 1945, als Dürrenmatt sein Philosophie- und Literaturstudium abbrach, zu häufigen Zusammenkünften: »Der Lärm war manchmal beträchtlich, besonders wenn sich eine Gesellschaft gegen ein Uhr in der Nacht zu mir nach oben begab, jeder eine Flasche unter dem Arm, oder gegen Morgen mehr oder weniger sanft die vier Treppen nach unten bewältigte, was nicht ohne Stürze abging.«
Die Eltern billigten seine Gesellschaften, nur einmal, berichtet Dürrenmatt in Turmbau, habe sich der Vater gegen vier Uhr morgens schüchtern beschwert, als es inmitten dichter Rauchschwaden besonders hoch hergegangen sei. »Ich bewirtete einen Kunstmaler, dessen Frau, Studenten und den außerordentlichen Professor für Kunstgeschichte, Wilhelm Stein. Mein Vater wirkte gespenstisch in seiner notdürftigen Kleidung, er hatte nicht erwartet, einen Professor bei mir zu finden.«
In Dürrenmatts Studentenbude kann man sich heute einmieten, für rund 35 Euro pro Nacht. Man könnte sich mit einer Flasche Wein auf den Holzboden setzen, die Bilder betrachten und sich angesichts der Motive fragen, was Dürrenmatt heute mit seinen Gedanken anfangen würde. Wahrscheinlich wendet er sich der Filmkunst zu und erschafft am Computer Dämonenwelten.
An der FU Berlin schreibt er sich am Seminar für Filmwissenschaft ein, schafft aber weder Bachelor noch Master. Statt Vorlesungen zu besuchen, inszeniert er dunkle Komödien und groteske Science-Fiction-Stücke. Bei einer seiner Filmpremieren trifft er eine junge Filmstudentin namens Charlotte Kerr, sie wird in diesem Leben nicht seine zweite, sondern seine erste Frau. In Cannes hat ihm die Jury für Die Gentechniker soeben die Goldene Palme überreicht. Der Film handelt von Wissenschaftlern in einer Irrenanstalt. Nun ruft Hollywood!
- Datum 18.09.2009 - 15:26 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Serie Ehemaligenverein
- Quelle ZEIT Campus, 05/2009
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren