Geisteswissenschaften Grund zum Heulen?
Germanisten und Philosophen haben es heute in der Arbeitswelt schwerer als andere Akademiker. Wie Geisteswissenschaftler trotzdem glücklich werden können.

Geisteswissenschaftler verdienen in der Regel weniger als Ingenieure. Nicht alle sind darüber betrübt
Ein Witz geht so: Zwei Männer sitzen an einer Kreuzung. Da kommt ein Reisender des Weges. Er spricht sie freundlich auf Englisch an: Wo bitte der Weg in die nächste Stadt sei? Die Männer verstehen nicht. Da versucht es der Fremde auf Italienisch und Französisch, auf Russisch, Slowakisch und Chinesisch, schließlich auf Hochbalinesisch. Kopfschütteln. Enttäuscht kehrt der Fremde um. "Der konnte aber viele Sprachen", sagt schließlich einer der Männer. "Na und – hat’s ihm was genützt?", sagt der andere und zuckt mit den Schultern.
Es könnte auch ein Witz über Geisteswissenschaftler sein, die ins Berufsleben starten. Ihr fachliches Wissen interessiert in der Wirtschaftswelt oft keinen. Darauf, argumentieren Optimisten, komme es ja auch gar nicht an; vielmehr hätten Geisteswissenschaftler die viel gerühmten "Schlüsselqualifikationen". Sie können sich schnell neues Wissen erschließen, können kommunizieren, organisieren und analysieren. Damit bringen sie genau das mit, was in der globalen Wissensgesellschaft gefragt ist, die den klugen Umgang mit immer neuen Fragen verlangt und nicht das Abrufen fester Wissensbestände.
- Warum Geisteswissenschaften? Sechs gute Gründe
Weil man nur Dinge, die man gern macht, auch gut macht. Ingenieure verdienen besser? Doch deshalb ist ein Ingenieurstudium nicht automatisch die bessere Alternative. Wer etwas nicht aus Interesse, sondern aus vermeintlicher "Vernunft" studiert, hält das Studium seltener durch. Aber: Nicht jeder, der Geisteswissenschaften studiert, tut dies aus Begeisterung, wie gerne unterstellt wird. Wer merkt, dass er nur aus Unschlüssigkeit da ist, sollte noch mal über seine Fächerwahl nachdenken.
- 2.
Was Erfolg ist, muss jeder für sich selber wissen. Geld jedenfalls finden Abiturienten, die sich für Geisteswissenschaften entscheiden, weniger wichtig als andere. Studenten der Geisteswissenschaften sagen auch seltener als andere, dass sie studieren, um eine gute Stelle zu bekommen. Aber: Es gibt einen Unterschied zwischen "nicht superviel verdienen müssen" und "kaum etwas verdienen". Gerade in den begehrten Bereichen Medien und Kultur kommt Letzteres immer wieder vor.
- 3.
Weil man die Welt so besser versteht, jedenfalls ein bisschen. Denn die Geisteswissenschaften analysieren das menschliche Treiben aus der Distanz, sie eröffnen neue Perspektiven auf Gewohntes. Aber: Nicht jede Vorlesung erfüllt diesen schönen Anspruch. Herausgelöstes Klein-Klein muss man sich jedoch nicht bieten lassen; die "Sinnfrage" darf jeder Student stellen.
- 4.
Weil man sich so schön überlegen fühlen kann und zum Beispiel mit Schiller über den karriereorientierten "Brotgelehrten" spotten kann, "der nur darum die Kräfte seines Geistes in Bewegung setzt, um dadurch seinen sinnlichen Zustand zu verbessern und eine kleinliche Ruhmsucht zu befriedigen". Aber: Den Job müssen später viele in der Welt der Brotgelehrten finden. Da kann sich das Überlegenheitsgefühl schnell ins Gegenteil wandeln.
- 5.
Weil es auch jemanden geben muss, der die Dinge verkompliziert. Einen Sachverhalt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, Dinge hinterfragen und vorschnelle Lösungen kritisieren, das können Geisteswissenschaftler besonders gut, und sie machen es gerne. Damit nerven sie andere; und das ist auch gut so!
- 6.
Weil das mit den Schlüsselqualifikationen kein billiger Trost ist, sondern wirklich stimmt: Dass sie Geisteswissenschaftlern beim Start ins Berufsleben helfen, zeigen Studien. Aber: Ansehen kann einem diese Fähigkeiten keiner. Man muss erst mal die Gelegenheit erhalten, sie unter Beweis zu stellen.
Geisteswissenschaftler sind in dieser Perspektive die Avantgarde am Arbeitsmarkt der Wissensgesellschaft; die Unternehmen müssten sie demzufolge eigentlich umwerben und bestens entlohnen. Tun sie aber nicht, im Gegenteil. Geisteswissenschaftler haben es bei Berufsstart und Karriere viel schwerer als zum Beispiel Betriebswirte und Ingenieure. Das ist nicht nur eine Sorge von Eltern und Großeltern, die zu viel über taxifahrende Germanisten gelesen haben. Es ist die Realität.
Als das Hochschul-Informations-System in Hannover Absolventen aller Fachrichtungen zehn Jahre nach Studienende befragte, wie es ihnen ergangen sei, zeigte sich: Die Geisteswissenschaftler verdienten ein Viertel weniger als der Schnitt der Absolventen und weniger als die Hälfte von dem, was der durchschnittliche Wirtschaftsingenieur aufs Konto bekommt. Ein Viertel der befragten Geisteswissenschaftler arbeitete in einem Job, in dem ein Hochschulabschluss nicht die Regel ist, und empfand die berufliche Position als nicht angemessen.
Eine andere Untersuchung zeigt, dass Geisteswissenschaftler deutlich länger bis zur ersten regulären Stelle brauchen als andere Absolventen. Beispiel Absolventenjahrgang 2005: Nach einem Jahr hatten etwa 90 Prozent der Informatiker und Maschinenbauer und 70 Prozent der Ökonomen, aber nur rund 40 Prozent der Geisteswissenschaftler einen regulären Job. Geisteswissenschaftler fühlen sich zudem überdurchschnittlich häufig unterfordert und verdienen auch schon zu Beginn weniger als ihre ehemaligen Kommilitonen.
Zum Jahr der Geisteswissenschaften 2007 wurde das Thema "Geisteswissenschaftler und Beruf" von verschiedenen Forschern untersucht, die Ergebnisse wurden in zwei schönen Sammelbänden zusammengetragen. Im Grußwort preist die Bundesbildungsministerin Annette Schavan den "Mut und Einfallsreichtum" der Geisteswissenschaftler. Im Inneren ist vieles zu finden, was nicht recht in ein Jubeljahr passen will. Dass die hochwertige Ausbildung "keinen hinreichenden Schutz vor Prekariat" biete, dass hinter dem hohen Anteil von Selbstständigen (16 Prozent) auch Notgründungen vermutet würden und dass Geisteswissenschaftler, um nicht arbeitslos zu werden, "häufig erhebliche Flexibilität und Konzessionsbereitschaft" aufbringen müssten. "Unabhängig vom Geschlecht verspricht ein Studium der Geisteswissenschaften den geringsten beruflichen Erfolg", stellt eine der Studien ernüchternd fest.
Das ist bitter. Was ist mit all jenen, die zurzeit für Romanistik oder Geschichte, Literaturwissenschaften oder Kulturwissenschaften eingeschrieben sind? Müssen sie schnell noch umsatteln auf BWL, um sich nicht unglücklich zu machen?
Klara Sendler, 32, hat Geschichte, Literaturwissenschaften und Französisch studiert. Am Monatsende weiß sie manchmal nicht, wie sie das Mittagessen zahlen soll; bei jedem T-Shirt, das sie kauft, überlegt sie genau, ob sie es wirklich braucht. Sie würde gerne einmal durch die USA reisen, aber das ist "nicht drin". Knapp tausend Euro bleiben ihr im Monat zum Leben.
Dass sie so wenig verdient, ist ihr ein bisschen unangenehm, ihren richtigen Namen möchte sie deshalb auch nicht in der Zeitung lesen. Hätte sie sich am Ende des Studiums vorstellen können, dass es einmal so kommen würde mit dem Start ins Arbeitsleben? "Nein", sagt sie. "Es ist besser gelaufen, als ich dachte." Besser? Ja, besser. Von einem "Traumjob" spricht Klara Sendler. Sie arbeitet als selbstständige Journalistin bei einer großen Tageszeitung. Wenn sie auf Partys erzählt, was sie macht, wird sie beneidet. Sie tut das, was sie schon immer tun wollte. Und das Geld? "Es ist nicht gerade toll, aber es reicht", sagt sie. Auf keinen Fall würde sie mit einem Betriebswirt oder Ingenieur tauschen wollen.
Klara Sendlers Haltung ist typisch für viele Geisteswissenschaftler. "Ich will etwas tun, was mir Spaß macht", lautet das Motto – auch wenn es nicht so gut bezahlt ist. Abiturienten, die Geisteswissenschaften studieren wollen, geben viel häufiger als andere an, die "persönliche Entfaltung" sei für sie ein wichtiger Grund, um zu studieren. Die Aussicht auf einen sicheren Job und das Gehalt sind ihnen dagegen nicht so wichtig.
Allerdings drückt diese Einstellung, wenn viele sie haben, die Preise. Und sie stößt an Grenzen. Marita Kräuter berät in Nürnberg Geisteswissenschaftler, die sich selbstständig machen wollen. Zu ihr kommen nicht nur Hochschulabsolventen, sondern auch Menschen, die das studentisch-bescheidene Leben immer weiter verlängerten, einer schlecht bezahlten, aber spannenden Arbeit zuliebe. "Bis 40 geht das ganz gut, das hat dann noch so einen leichten Bohemiencharakter", sagt sie. "Aber irgendwann ist es nicht mehr so toll." Irgendwann kommen Kinder. Irgendwann muss man fürs Alter vorsorgen. Irgendwann will mancher nicht mehr mit der Unsicherheit leben.
Die entscheidende Frage aber lautet: Sind Geisteswissenschaftler normalerweise glücklich mit ihrem Job? Denn nur, weil sie mehr Wert auf einen spannenden Beruf und weniger Wert aufs Geld legen, heißt das ja nicht automatisch, dass ihre Arbeit auch tatsächlich erfüllend ist. Die Zehnjahresstudie des Hochschul-Informations-Systems gibt auch hier eine Antwort. Egal, ob es um die Arbeitsinhalte, das Arbeitsklima oder die Ausstattung des Arbeitsplatzes geht: Immer liegen die Geisteswissenschaftler bei der Frage nach der Zufriedenheit unter dem Schnitt aller Absolventen. Sie sind nicht zufriedener, sie sind unzufriedener als die anderen!
Doch bevor man diesen Umstand betrauert, sollte man lieber noch mal genau auf die Zahlen schauen. Denn erstens handelt es sich bei der Abweichung nach unten oft nur um ein paar Prozentpunkte. Und zweitens sind, absolut betrachtet, 78 Prozent der Geisteswissenschaftler mit den "Tätigkeitsinhalten" ihrer Arbeit zufrieden. Vier von fünfen machen also das, was sie täglich tun, gerne. Lässt man einmal das Vergleichen mit anderen Fachrichtungen, stehen sie auch beim Einkommen nicht gar so schlecht da. Nach zehn Jahren verdienen sie durchschnittlich immerhin 49500 Euro. Die Zahlen zeigen: Für den Großteil ist es ganz gut gelaufen.
"Geisteswissenschaftler zu sein ist ja auch eine Haltung", sagt Jennifer McNeil, 29. "Ich glaube, wir haben höhere inhaltliche Ansprüche an unsere Jobs und auch höhere Ansprüche an uns selbst, an unsere kritische Reflexion." Die Deutsche mit dem amerikanischen Nachnamen hat den direkten Vergleich. Jennifer studierte in Lüneburg Angewandte Kulturwissenschaften und gleichzeitig BWL auf Diplom. Sie arbeitet jetzt als Assistentin des Geschäftsführers des Wellnessanbieters Meridian Spa. "Ich würde den Job anders machen, wenn ich nur BWL studiert hätte, und das fände ich schade", sagt sie.
In ihrem Studium besuchten auch die Kulturwissenschaftler, die nicht wie Jennifer parallel für BWL eingeschrieben waren, zusammen mit den Betriebswirten einige Veranstaltungen. Es seien in diesen Wirtschaftsvorlesungen immer die Kulturwissenschaftler gewesen, die die kritischen Fragen gestellt hätten: "Warum ist das so? Sind diese Annahmen realistisch?" Den Betriebswirten sei das egal gewesen, "sie lernten das einfach". Jennifer dagegen findet es wichtig, die Dinge zu hinterfragen. Sie will später nicht mal jemand sein, der "ein Renditeziel von 25 Prozent einfach so als gegeben hinnimmt". Sicher hätten es Leute ohne geisteswissenschaftlichen Hintergrund manchmal leichter, "auch weil sie sich nicht so viele Gedanken machen", sagt sie. Aber tauschen – nein! "So möchte ich einfach nicht sein."
Was aber können Geisteswissenschaftler tun, damit der Berufsstart nicht zu hart wird? Praktika während des Studiums, klar! "Halt", sagt Uta Glaubitz, wenn sie das hört. Uta Glaubitz ist Philosophin, sie ist eine von Deutschlands bekanntesten Berufsberaterinnen – eine "Berufsfinderin", wie sie sich werbewirksam nennt. Und sie ist radikal. "Gehen Sie in keine Vorlesung, machen Sie kein Praktikum, ehe Sie Ihr Berufsziel definiert haben", sagt sie. Aber muss man nicht Verschiedenes ausprobieren, um zu wissen…? "Nein", unterbricht Uta Glaubitz. "Der Weg ist nicht das Ausprobieren. Der Weg ist die Selbstreflexion."
Ein Praktikum im wissenschaftlichen Verlag, eines in der Eventagentur, eines im Abgeordnetenbüro, diese Vorstellung beschleunigt den ohnehin schon schnellen Redefluss der Beraterin. "Das führt zu nichts. Am Arbeitsmarkt müssen Sie für etwas stehen, und wenn es so etwas Spezielles wie Apotheken-PR ist", sagt sie. Praktikanten, die mal hier, mal da reinschauten, wollten "nur spielen, und das ist ihr Problem. So erreicht man beruflich nichts." Habe man dagegen einmal ernsthaft entschieden, in welche Richtung es gehen solle, könne man alles darauf zuschneiden. Nach und nach immer höherwertige Praktika machen und seine Seminararbeitsthemen entsprechend danach auswählen.
Da ist sie mit einem Mal wieder, die leidige Frage: Was will ich einmal werden? Sie stellte sich ja schon mal. Nach dem Abi. Und für manchen war ein geisteswissenschaftliches Studium eine willkommene Möglichkeit, diese Entscheidung hinauszuzögern. Es ist paradox: Die Geisteswissenschaften ziehen Unentschlossene an, gerade weil sie keine frühe berufliche Festlegung erzwingen. Aber gerade Geisteswissenschaftler brauchen besonders viel Entschlusskraft, einen funktionierenden inneren Kompass – wiederum, weil das Fach nicht auf einen bestimmten Beruf vorbereitet. Die stille Hoffnung, ein Entschluss werde schon irgendwie während des Studiums reifen, hält Uta Glaubitz für eine Illusion. "Da kommt nichts. Da warten Sie dann noch mit 40 drauf."
Das ist die eine Sicht der Dinge, und sie macht Stress. Marcellus Menke vertritt eine entspannendere Perspektive. Menke ist der Vorsitzende des Dachverbandes der Career Center an den deutschen Hochschulen, jener Einrichtungen, die Absolventen beim Start in den Beruf helfen. Er ermutigt Studenten, verschiedene Berufswelten kennenzulernen. "Wenn Sie immer nur Kartoffeln essen, wissen Sie nicht, wie andere Sachen schmecken", sagt er. Ein "Mythos" seien all die Erfolgsbiografien, die einen glauben machten, alles sei einem stringenten Plan gefolgt.
Aber auch Menke erzählt, wie er mit den ratsuchenden Studenten an den Anfang zurückgeht. "Ich versuche, den Prozess der Entscheidung für den Studiengang bewusst zu machen. Da werden Motivationen sichtbar, an die man dann anknüpfen kann." Dass die Ratsuchenden immer wieder auf sich selbst verwiesen werden, ist kein Zufall. Es gibt einfach keine andere Antwort. Symptomatisch dafür ist die Entwicklung in den Berufsratgebern für Geisteswissenschaftler. Die Literaturwissenschaftlerin Gunhild Berg, die dieses Genre untersucht hat, stellte fest, dass die Bücher in den letzten Jahren zunehmend individuelle Erfolgsgeschichten erzählen, dafür immer weniger typische Einstiegswege beschreiben. "Ratgeber können heute offenbar keine Karrierewege mehr anbieten, die verallgemeinerbar wären oder zur Nachahmung anleiteten", folgert sie.
Jeder muss deshalb bereits im Studium ein persönliches Forschungsprojekt starten, ein Forschungsprojekt mit der Fragestellung: Wo will ich hin? Der Student ähnele dabei einem Bildhauer, der aus einem Holzklotz eine Figur herausarbeite, sagt die Existenzgründungsberaterin Maria Kräuter. Im Holz sind Möglichkeiten angelegt; welche Skulptur entsteht, ist aber offen. Die ebenso lästige wie regelmäßig gestellte Frage "Was willst du damit mal werden?" kann man dabei für sich nutzen wie das Erinnerungsklingeln des Handys; als einen Anlass, kurz zu formulieren (und später aufzuschreiben), welche Schritte man bisher unternommen hat, um der Antwort nahe zu kommen.
Mehr als bei anderen entscheidet bei Geisteswissenschaftlern die Persönlichkeit über den Erfolg und die simple Frage, ob man ihnen zutraut, Dinge hinzubekommen. Der "gesunde Menschenverstand" wird auf einmal wichtig. "Damit komme ich oft weit", erzählt Bettina Voigt. Sie hat Spanisch studiert und in ihrer Magisterarbeit Novellen von Cervantes analysiert. Heute arbeitet sie in einer Firma, die Unternehmen bei der Auswahl von Software berät. Das Studium nützt ihr dabei, indirekt. "Ich muss zum Beispiel schnell herausbekommen, was für einen neuen Kunden oder in einer Branche besonders wichtig ist. Da hilft es mir, dass ich gelernt habe, mich rasch in neue Themen einzuarbeiten." Und mit welcher ausgefeilten Überzeugungsstrategie hat sie, eine Hispanistin, es geschafft, eine Softwarefirma dazu zu bringen, sie einzustellen? Bettina Voigt lacht.
"Da steckte keine echte Strategie dahinter. Ich jobbte bei einer anderen Firma, in demselben Büro, wo auch wir sitzen. Die sahen, dass ich den Laden in Abwesenheit meines damaligen Chefs gut im Griff hatte und ein umgänglicher Mensch bin – und boten mir die Stelle an."
- Datum 06.10.2009 - 11:57 Uhr
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- Quelle ZEIT CAMPUS Nr. 05/09
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Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen und Polemik. Danke, die Redaktion/se.
Lieber Zaitberg
Eines beherrscht aber jeder Geisteswissenschaftler garantiert besser als Ihre Wenigkeit: Die deutsche Orthographie.
Grüße von einer Sozialwissenschaftlerin
"Eine Wahrheit wird nämlcih immer verschwiegen: Geisteswissenschaftler sind überdruchschnittlich oft Nichtskönner und Faulpelze."
Hahahahaha. Lange nicht mehr so laut gelacht. Hier sieht man nur wieder, wie die Geisteswissenschaften systematisch von der Gesellschaft entwertet worden sind. Ich weiß nicht was Sie studiert haben, aber zumindest kann ich Ihnen schon mal eine fantastisch eindimensionale Sicht auf die Welt bescheinigen.
Zum Thema: Ich habe selber acht Monate suchen müssen, um am Ende in die wunderbare Welt der Wirtschaft aufgenommen zu werden. Ich hatte erwartet, dass mehr als ein Arbeitgeber zumindest eine gewisse Neugier bei meinem ungewöhnlichen Lebenslauf entwickeln würde (mehrere Sprachen, zwei Jahre im Ausland studiert und gearbeitet, 1.7 Abschluss). Offensichtlich zieht sich das Gedankengut, dass sich auch in den Kommentaren teilweise widerspiegelt durch die Personalabteilungen deutscher Unternehmen. Am Ende glaube ich aber auch, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Mir wurde die Bedeutung von Praktika, Praxiserfahrung und ähnlichem einfach nicht vermittelt (weder in der Uni, noch von Familie oder Freunden).
In meinem Unternehemen sehe ich bereits jetzt, wo meine Stärken in Zukunft zum Tragen kommen. Ich bemitleide weniger uns Geisteswissenschaftler, als die vielen Unternehmen, die aufgrund ihrem mangelnden Mutes zur Alternative sehr viele gute Köpfe einfach nicht bei ihrer Auswahl berücksichtigen und sich somit selber schaden.
„einen Diplom-Nichtskönner, den man bestenfalls zum Schreiberling verwenden kann.“
Staunen Sie ruhig, aber eben das Schreiben ist DIE geisteswissenschaftliche Tätigkeit. Bestenfalls ist also das Optimum.
Dass Sie das nicht verstehen, erklärt auch, warum Sie die Entlohnung der Geisteswissenschaftler im Vergleich zu Gesellen/Facharbeiter_innen im TVÖD als ungerechtfertigt empfinden.
Vielleicht überschätzen Sie Ihre Fähigkeiten und sind doch nicht in der Lage, die Arbeit eines Geisteswissenschaftlers angemessen zu beurteilen? Vielleicht fehlt Ihnen das Rüstzeug dazu?
Ja, so ist es wohl: Geisteswissenschaftler sind Faulpelze; folglich sind BWLer Blender und Ausländer nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg. Ich bin - gelinde gesagt - erschrocken über diese beschränkte und von Vorurteilen behaftete Denkweise.
...als Magister der Geographie/Germanistik hat es mich in den Marketing-Bereich verschlagen. Beharrlichkeit, Phantasie und die erlernte Möglichkeit, Sachverhalte passend zu beschreiben bzw. zu entwickeln, haben zu einem - zumindest für mich - erfolgreichen Weg verholfen. Merkwürdig waren die sog. Wirtschaftswissenschaftler, die mir auf dem beruflichen Weg begegnet sind, gleich ob als Geshäftsführer oder als sog. Direktoren.
Alle waren in ihren beruflichen Expertisen Marketingexperten, eine genaue Vorstellung bei konkreter Themenbearbeitung hatten sie jedoch nie. Die Krönung war ein Herr, der einst Philosophie studierte, sich aber später "Richtung WW entschied, weil Geld verdient werden musste". Soziale Inkompetenz, fehlende Phantasie und Politiker ähnliche Sprachblasen begleiteten dann das Tagesgeschäft.
Eines ist ganz sicher: Die mehr und mehr Consultant-BWL/VWL dominierte Berufsszene schützt ihre Pfründe und lässt naturgenmäß Andersartiges nicht gelten. Deshalb kann ich nur an die Geisteswissenschaft(ler) appellieren, nie aufzugeben und immer den Weg zu gehen, der individuell Spaß macht, aber auch mit Inhalten gedanklich-phantasievoller Art verknüpft ist.
Denn nur Phantasie und Ideen bringen eine Gesellschaft weiter, Sparer, oder worthülsenerzeugende Wirtschaftler weniger...
Lieber Zaitberg
Eines beherrscht aber jeder Geisteswissenschaftler garantiert besser als Ihre Wenigkeit: Die deutsche Orthographie.
Grüße von einer Sozialwissenschaftlerin
"Eine Wahrheit wird nämlcih immer verschwiegen: Geisteswissenschaftler sind überdruchschnittlich oft Nichtskönner und Faulpelze."
Hahahahaha. Lange nicht mehr so laut gelacht. Hier sieht man nur wieder, wie die Geisteswissenschaften systematisch von der Gesellschaft entwertet worden sind. Ich weiß nicht was Sie studiert haben, aber zumindest kann ich Ihnen schon mal eine fantastisch eindimensionale Sicht auf die Welt bescheinigen.
Zum Thema: Ich habe selber acht Monate suchen müssen, um am Ende in die wunderbare Welt der Wirtschaft aufgenommen zu werden. Ich hatte erwartet, dass mehr als ein Arbeitgeber zumindest eine gewisse Neugier bei meinem ungewöhnlichen Lebenslauf entwickeln würde (mehrere Sprachen, zwei Jahre im Ausland studiert und gearbeitet, 1.7 Abschluss). Offensichtlich zieht sich das Gedankengut, dass sich auch in den Kommentaren teilweise widerspiegelt durch die Personalabteilungen deutscher Unternehmen. Am Ende glaube ich aber auch, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Mir wurde die Bedeutung von Praktika, Praxiserfahrung und ähnlichem einfach nicht vermittelt (weder in der Uni, noch von Familie oder Freunden).
In meinem Unternehemen sehe ich bereits jetzt, wo meine Stärken in Zukunft zum Tragen kommen. Ich bemitleide weniger uns Geisteswissenschaftler, als die vielen Unternehmen, die aufgrund ihrem mangelnden Mutes zur Alternative sehr viele gute Köpfe einfach nicht bei ihrer Auswahl berücksichtigen und sich somit selber schaden.
„einen Diplom-Nichtskönner, den man bestenfalls zum Schreiberling verwenden kann.“
Staunen Sie ruhig, aber eben das Schreiben ist DIE geisteswissenschaftliche Tätigkeit. Bestenfalls ist also das Optimum.
Dass Sie das nicht verstehen, erklärt auch, warum Sie die Entlohnung der Geisteswissenschaftler im Vergleich zu Gesellen/Facharbeiter_innen im TVÖD als ungerechtfertigt empfinden.
Vielleicht überschätzen Sie Ihre Fähigkeiten und sind doch nicht in der Lage, die Arbeit eines Geisteswissenschaftlers angemessen zu beurteilen? Vielleicht fehlt Ihnen das Rüstzeug dazu?
Ja, so ist es wohl: Geisteswissenschaftler sind Faulpelze; folglich sind BWLer Blender und Ausländer nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg. Ich bin - gelinde gesagt - erschrocken über diese beschränkte und von Vorurteilen behaftete Denkweise.
...als Magister der Geographie/Germanistik hat es mich in den Marketing-Bereich verschlagen. Beharrlichkeit, Phantasie und die erlernte Möglichkeit, Sachverhalte passend zu beschreiben bzw. zu entwickeln, haben zu einem - zumindest für mich - erfolgreichen Weg verholfen. Merkwürdig waren die sog. Wirtschaftswissenschaftler, die mir auf dem beruflichen Weg begegnet sind, gleich ob als Geshäftsführer oder als sog. Direktoren.
Alle waren in ihren beruflichen Expertisen Marketingexperten, eine genaue Vorstellung bei konkreter Themenbearbeitung hatten sie jedoch nie. Die Krönung war ein Herr, der einst Philosophie studierte, sich aber später "Richtung WW entschied, weil Geld verdient werden musste". Soziale Inkompetenz, fehlende Phantasie und Politiker ähnliche Sprachblasen begleiteten dann das Tagesgeschäft.
Eines ist ganz sicher: Die mehr und mehr Consultant-BWL/VWL dominierte Berufsszene schützt ihre Pfründe und lässt naturgenmäß Andersartiges nicht gelten. Deshalb kann ich nur an die Geisteswissenschaft(ler) appellieren, nie aufzugeben und immer den Weg zu gehen, der individuell Spaß macht, aber auch mit Inhalten gedanklich-phantasievoller Art verknüpft ist.
Denn nur Phantasie und Ideen bringen eine Gesellschaft weiter, Sparer, oder worthülsenerzeugende Wirtschaftler weniger...
Leider hat mir in meinem nicht-geisteswissenschaftlichen Studium nie jemand beigebracht, mich schnell in neue Inhalte einzuarbeiten oder Aussagen kritisch zu hinterfragen. Über meine Ziele im Leben habe ich als Informatiker eigentlich auch nie nachgedacht, schliesslich reicht das Geld ja für das aktuelle World-Of-Warcraft-Abo. Na da bin ich aber froh, dass ich in meinem drögen, abwechslungsarmen und völlig lebensfremden Job, in dem ich genau das mache, was ich auch schon 6 Jahre im Studium gemacht habe, wenigstens genug Geld verdiene, um den nächsten Termin beim Zahnarzt bezahlen zu können...
Mal im Ernst: ich bewundere die Geisteswissenschaftler in meinem immer für ihre Kreativität, Spontanität, Vielseitigkeit und ihren guten Geschmack, aber Reflektiererei über sich selbst und den Rest der Welt als Schlüsselqualifikation und/oder Hauptaufgabe eines Geisteswissenschaftlers zu verkaufen, das ist dann doch ein bissel knapp, oder?
Wenn ich Philosophie studiere, dann mit dem Ziel spaeter auch mein Brot mit der Philosophie zu verdienen. Es stimmt mich persoenlich traurig, dass diese Geisteswissenschaft so imens an Stellenwert verloren hat. Ganz besonders sieht man dies, zumindest in meiner Stadt, in den verschiedenen Buchhandlungen. Die Regale, frueher einmal gut bestueckt, werden nun immer kleiner und kleiner. Frueher fuenf Reihen, heute nur noch eine. Niemanden interessiert sich mehr fuer eine Wissenschaft, die eigentlich jeden etwas angeht, die sich so tief mit uns selbst beschaeftigt wie keine andere.
Lieber Zaitberg
Eines beherrscht aber jeder Geisteswissenschaftler garantiert besser als Ihre Wenigkeit: Die deutsche Orthographie.
Grüße von einer Sozialwissenschaftlerin
Liebe amelia_s,
offensichtlich beherrscht nicht jede Sozialwissenschaftlerin die deutsche Orthographie perfekt. Ich hätte Ihren Kommentar so geschrieben:
__________________
Lieber Zaitberg,
eines beherrscht aber jeder Geisteswissenschaftler garantiert besser als Ihre Wenigkeit: die deutsche Orthographie.
_________________
Drei Fehler in diesem kurzen Text!
Grüße von einem, der keine Geisteswissenschaften studiert hat.
Diese Antwort ist einer Sozialwissenschaftlerin unwürdig, sie sollten mangelnde Orthografiekenntnisse und Tippfehler zu unterscheiden wissen!
Todo claro?
Liebe amelia_s,
offensichtlich beherrscht nicht jede Sozialwissenschaftlerin die deutsche Orthographie perfekt. Ich hätte Ihren Kommentar so geschrieben:
__________________
Lieber Zaitberg,
eines beherrscht aber jeder Geisteswissenschaftler garantiert besser als Ihre Wenigkeit: die deutsche Orthographie.
_________________
Drei Fehler in diesem kurzen Text!
Grüße von einem, der keine Geisteswissenschaften studiert hat.
Diese Antwort ist einer Sozialwissenschaftlerin unwürdig, sie sollten mangelnde Orthografiekenntnisse und Tippfehler zu unterscheiden wissen!
Todo claro?
Wo haben Sie diese angebliche "Wahrheit" her? Wohl nicht aus wirklicher Erfahrung mit geisteswissenschaftlichen Studiengängen. Dann wüssten Sie nämlich, dass man gerade dort mit bloßem Auswendiglernen nicht weit kommt, sondern die Themen wirklich verstehen, reflektiert beurteilen, zueinander in Verbindung setzen und eigene Meinungen dazu entwickeln und darstellen können muss. "Durchmogeln" kann man sich vielleicht noch zu Anfang des Bachelorstudiums, wo man in Klausuren in Massenvorlesungen leider oft nur die vom Professor zuvor referierten Inhalte wiedergeben muss. Aber probieren Sie mal diese Strategie in einer Hausarbeit, in der Sie die Positionen Nietzsches und Schopenhauers zum Thema Mitleid vergleichend darstellen und kritisch betrachten sollen. Was einem das bringt? Für den bloßen Beruf erst einmal wenig bis gar nichts, sofern dieser nicht mit den Inhalten zu tun hat. Dafür entwickelt man günstigenfalls eine eigene, fundierte Meinung in dieser Frage, an der man sich in künftigen Lebenssituationen orientieren kann. Denn nicht für die Schule, und ich füge hinzu: und auch nicht für die Firma, sondern für das Leben lernen wir. Und in selbigem ist vieles wichtiger, als wieviel Geld man auf dem Konto hat. Wenn ich mich gerade aus Ihrer Sicht als typischer "Nichtskönner" präsentiert haben sollte, seine Sie versichert: Dieses "Nichts" ist ein sehr volles, wenn man es nur aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.
"Eine Wahrheit wird nämlcih immer verschwiegen: Geisteswissenschaftler sind überdruchschnittlich oft Nichtskönner und Faulpelze."
Hahahahaha. Lange nicht mehr so laut gelacht. Hier sieht man nur wieder, wie die Geisteswissenschaften systematisch von der Gesellschaft entwertet worden sind. Ich weiß nicht was Sie studiert haben, aber zumindest kann ich Ihnen schon mal eine fantastisch eindimensionale Sicht auf die Welt bescheinigen.
Zum Thema: Ich habe selber acht Monate suchen müssen, um am Ende in die wunderbare Welt der Wirtschaft aufgenommen zu werden. Ich hatte erwartet, dass mehr als ein Arbeitgeber zumindest eine gewisse Neugier bei meinem ungewöhnlichen Lebenslauf entwickeln würde (mehrere Sprachen, zwei Jahre im Ausland studiert und gearbeitet, 1.7 Abschluss). Offensichtlich zieht sich das Gedankengut, dass sich auch in den Kommentaren teilweise widerspiegelt durch die Personalabteilungen deutscher Unternehmen. Am Ende glaube ich aber auch, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Mir wurde die Bedeutung von Praktika, Praxiserfahrung und ähnlichem einfach nicht vermittelt (weder in der Uni, noch von Familie oder Freunden).
In meinem Unternehemen sehe ich bereits jetzt, wo meine Stärken in Zukunft zum Tragen kommen. Ich bemitleide weniger uns Geisteswissenschaftler, als die vielen Unternehmen, die aufgrund ihrem mangelnden Mutes zur Alternative sehr viele gute Köpfe einfach nicht bei ihrer Auswahl berücksichtigen und sich somit selber schaden.
„einen Diplom-Nichtskönner, den man bestenfalls zum Schreiberling verwenden kann.“
Staunen Sie ruhig, aber eben das Schreiben ist DIE geisteswissenschaftliche Tätigkeit. Bestenfalls ist also das Optimum.
Dass Sie das nicht verstehen, erklärt auch, warum Sie die Entlohnung der Geisteswissenschaftler im Vergleich zu Gesellen/Facharbeiter_innen im TVÖD als ungerechtfertigt empfinden.
Vielleicht überschätzen Sie Ihre Fähigkeiten und sind doch nicht in der Lage, die Arbeit eines Geisteswissenschaftlers angemessen zu beurteilen? Vielleicht fehlt Ihnen das Rüstzeug dazu?
Ich habe Geisteswissenschaften studiert, noch auf Magister, und rate jedem davon ab! Studiert, was der Markt fordert, fertig. Es ist nicht Reflektieren kann man auch in der Freizeit, das wird aber nicht bezahlt. Es ist einfach nicht schön, von 1000 Euro netto zu leben, egal wie toll der Job doch ist. M.E. ist das schon eine Art Selbstverblendung, für wenig Geld so viel zu arbeiten und sich davon auch noch erfüllt zu fühlen.
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