Studenten in Iran "Ich spüre Hoffnung"
Die Uni von Teheran gilt als Herz der Demokratiebewegung in Iran. Wir fragten einen Studenten per E-Mail: Wie geht es jetzt weiter?
ZEIT CAMPUS:Amir, wie geht es Ihnen?
Amir: Nicht so gut. Ich fühle mich erniedrigt. Wir haben wochenlang friedlich demonstriert und wurden dafür von der Regierung als Aufständische und Handlanger des Westens beschimpft. Außerdem hat uns die Gewalt der Milizen schockiert, sie gehen mit großer Brutalität vor. Wir haben ständig Angst.
ZEIT CAMPUS:Was haben Sie erlebt?
Amir: In der Nacht nach der Wahl griffen Religionswächter die Teheraner Universität an, die als das Herz der Bewegung gilt. Die Wohnheime wurden komplett demoliert. Ich habe gesehen, wie Polizisten auf Motorrädern Studenten jagten. Sie isolierten Einzelne und schlugen sie mit Stöcken. Eine Frau neben mir schrie: "Schlagt sie nicht! Es könnten eure eigenen Kinder sein!" Der Polizist hielt ihr eine Dose Pfefferspray vor das Gesicht und befahl ihr, den Mund zu halten.
ZEIT CAMPUS:Protestieren nur Studenten?
Amir: Nein, die Studenten haben eine führende Rolle, das Neue aber ist, dass auch normale Bürger das Regime ablehnen.
ZEIT CAMPUS:Wie hat die Protestbewegung Ihr Land verändert?
Amir: Einerseits haben wir verloren, Ahmadineschad wird auch die nächsten vier Jahre Präsident sein, und alles wird schlechter werden, die Konjunktur, die Außenpolitik und damit auch die Stimmung im Land.
ZEIT CAMPUS:Und andererseits?
- Datum 19.08.2009 - 09:34 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 12.08.2009 Nr. 05
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Wenn man ernsthaft Filtern will nimmt man aus jedem Wort routinemäßig Punkte, Unterstriche, doppelte Buchstaben, Leerzeichen und weitere Verfälschungen raus. Je nachdem wie ausgefeilt man vorgeht sucht man eigentlich nur nach Konsonantenketten.
Schwer zu glauben das ein Student im Iran das nicht weiß, bei einem Journalisten schon wahrscheinlicher.
Ich waere jetzt davon ausgegangen, dass Interviews mit politisch Gefaehrdeten verschluesselt stattfinden, z.B. http://www.gnupg.org/
Die Jerusalem Post hat eine eigene Rubrik für den Iran Thread. Vieleicht könnte die Zeit so etwas ebenfalls einrichten....
Berichtenswerte Menschenrechtsverletzungen und Einschüchterung von Opositionellen gibt es leider nicht nur im Iran sondern auch in vielen anderen Staaten, deren Regierungen uns aber wohgesonnen sind.
Wo bleibt in diesen Fällen der mediale Aufschrei - oder haben die dort Betroffenen vielleicht Benachteiligung und Folter gar verdient, weil sie unsere Wertevorstellungen nicht teilen.
Ahmadineschad ist ein verbrecherischer Diktator (entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Die Redaktion/jk) ! Hoffentlich wird er bald abgesetzt und verschwindet für immer von der Bildfläche. Es wäre zumindest wünschenswert für das iranische Volk und auch für eine zukünftige demokratische Welt!
dass dieser Student "Amir" davon ausgeht, dass Ahmadinedjad weitere 4 Monate an der Macht bleiben wird. Das Interview ist sehr gut gemacht worden, finde ich. Ich glaube aber, dass iranische Regierung keine weitere 4 Jahre zusammen halten kann. Der Widerstand und die inttere Streitugkeiten sind dafür viel zu groß.
[Ein deutschsprachiges Blog über den Iran: http://dustandtrash.blogspot.com]
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren