Hochschule Hilfe, mein Kommilitone ist ein Nazi!

An deutschen Hochschulen studieren mehr Rechtsextreme, als man denkt. Was tun, wenn sie im Hörsaal agitieren? Ein Gespräch mit der Mainzer Asta-Chefin Laura Luise Hammel

Auch an der Uni gibt es Neonazis

Auch an der Uni gibt es Neonazis

ZEIT CAMPUS: Frau Hammel, bei Ihnen in Mainz gab es kürzlich Aufregung um einen rechtsextremen Studenten: Der Vizechef der hessischen NPD, Mario Matthes, hatte sich für das Fach Geschichte eingeschrieben.

Laura Luise Hammel: Ja, er war nur ein Semester über mir.

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ZEIT CAMPUS: Hat er im Seminar agitiert?

Hammel: Nein, er war verbal immer sehr zurückhaltend. Aber er hat im Januar 2008 einen Studenten auf dem Campus zusammengeschlagen.

ZEIT CAMPUS: Wie kam es dazu?

Hammel: Matthes stritt sich mit einem Kommilitonen, den er als Gegendemonstranten von einer NPD-Kundgebung kannte. Der Kommilitone erzählte, Matthes, der ein erfahrene Kickboxer ist, habe ihn angespuckt, vor der Universitätsbibliothek zu Boden gestoßen und ins Gesicht getreten. Sein Gesicht musste daraufhin an mehreren Stellen genäht werden, und er verlor einen Schneidezahn.

ZEIT CAMPUS: Matthes stand daraufhin wegen Körperverletzung vor Gericht. Gab es eine Reaktion der Universität?

Leser-Kommentare
  1. 1. ...

    "Leider tolerieren auch die meisten Dozenten Rechtsextreme in ihren Veranstaltungen, solange diese sich nicht politisch äußern. Es gibt Dozenten, die weigern sich, rechtsextreme Studenten zu prüfen. Die sind aber in der Minderheit."

    Ich bin zwar wirklich kein Freund der Rechtsextremen, aber ich finde es zutiefst undemokratisch und unserem demokratischen Wesen unwürdig jemanden aufgrund seiner politischen Ansicht von Prüfungen auszuschliessen. Gibts da nicht einen Paragrafen, der besagt das Leute nicht aufgrund ihrer politischen Ansichten ausgegrenzt werden dürfen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gerade um unsere Damokratie zu schützen, sollte es ein grundsätzliches Verbot der NSDAP geben. Da ist die Politik gefordert. Schließlich sind Vereinigungen mit krimmineller Energie oder Sekten auch verboten. Es ist unglaublich, dass die braune Sch...durch die Straßen mit Polizeischutz demonstriert...die Welt steht Kopf....

    "Matthes stritt sich mit einem Kommilitonen, den er als Gegendemonstranten von einer NPD-Kundgebung kannte"

    Und da kann man sofort davon ausgehen, dass natürlich der böse Nazi angefangen hat? Auch wenn sich das am Ende so rausstellt, erwarte ich doch ein bischen mehr Objektivität was die Darstellung der Fakten angeht.

    Zum anderen ist Rechtsextremismus nicht verboten und auch nicht kriminell so wie es hier suggeriert wird. Ich frage mich in welcher Demokratie ich lebe, in der eine kontroverse Meinung zum gängingen links-alternativen Mainstream nicht erlaubt und wird und ihre Anhänger gehetzt wird.

    Mit freundlichem Gruß von einem Nicht-Nazi

    Ja, diesen Paragraphen, besser gesagt Artikel, gibt es:

    Artikel 3 Absatz 3 Satz 1 des Grundgesetzes:

    "Niemand darf wegen ... seiner ... politischen Anschauungen benachteiligt ... werden."

    Da eine Rechtfertigung für diese Benachteiligung nach den Maßstäben der Verfassung nicht ersichtlich ist, begehen solche Dozenten - wenn sie Beamte sind - ein Dienstvergehen, das disziplinarisch zu verfolgen ist.

    Darüber hinaus gewährleistet das Grundrecht auf Ausbildungs- und Berufsfreiheit nach Art. 12 des Grundgesetzes einen Anspruch darauf, nicht von entsprechenden Prüfungen ferngehalten zu werden.

    Insofern sollten den betreffenden Dozenten einige Nachhilfestunden über unsere Grundgesetz und insbesondere die Bürgerrechet, erteilt werden.

    Gerade um unsere Damokratie zu schützen, sollte es ein grundsätzliches Verbot der NSDAP geben. Da ist die Politik gefordert. Schließlich sind Vereinigungen mit krimmineller Energie oder Sekten auch verboten. Es ist unglaublich, dass die braune Sch...durch die Straßen mit Polizeischutz demonstriert...die Welt steht Kopf....

    "Matthes stritt sich mit einem Kommilitonen, den er als Gegendemonstranten von einer NPD-Kundgebung kannte"

    Und da kann man sofort davon ausgehen, dass natürlich der böse Nazi angefangen hat? Auch wenn sich das am Ende so rausstellt, erwarte ich doch ein bischen mehr Objektivität was die Darstellung der Fakten angeht.

    Zum anderen ist Rechtsextremismus nicht verboten und auch nicht kriminell so wie es hier suggeriert wird. Ich frage mich in welcher Demokratie ich lebe, in der eine kontroverse Meinung zum gängingen links-alternativen Mainstream nicht erlaubt und wird und ihre Anhänger gehetzt wird.

    Mit freundlichem Gruß von einem Nicht-Nazi

    Ja, diesen Paragraphen, besser gesagt Artikel, gibt es:

    Artikel 3 Absatz 3 Satz 1 des Grundgesetzes:

    "Niemand darf wegen ... seiner ... politischen Anschauungen benachteiligt ... werden."

    Da eine Rechtfertigung für diese Benachteiligung nach den Maßstäben der Verfassung nicht ersichtlich ist, begehen solche Dozenten - wenn sie Beamte sind - ein Dienstvergehen, das disziplinarisch zu verfolgen ist.

    Darüber hinaus gewährleistet das Grundrecht auf Ausbildungs- und Berufsfreiheit nach Art. 12 des Grundgesetzes einen Anspruch darauf, nicht von entsprechenden Prüfungen ferngehalten zu werden.

    Insofern sollten den betreffenden Dozenten einige Nachhilfestunden über unsere Grundgesetz und insbesondere die Bürgerrechet, erteilt werden.

  2. Sehe ich ähnlich, solang er die Klappe hält und einfach ein nur zu Hause das praktiziert muss man ihn leider tollerieren.
    Einen angeblichen Neonazi nicht zu prüfen kann auch bös nach hinten losgehen, man bedenke, dass die meisten Menschen den Unterschied zwischen einem Skinhead und einem Neonazi nicht kennen, da kann es folgenschwere Verwechslungen geben.

  3. 3. ...

    "ZEIT CAMPUS: Neonazis haben den Ruf, nicht besonders intelligent zu sein. Gibt es noch mehr rechtsextreme Studenten wie Matthes?"

    der interviewer scheint wohl noch im glauben zu verharren, nur besonders intelligente menschen würden eine hochschulzugangsberechtigung erwerben und sich anschließend auch an einer solchen höheren bildungseinrichtung einschreiben. dabei haben wir ja laut eben erschienenem oecd-bericht eher noch viel zu wenige studenten!

    • Zenith
    • 10.09.2009 um 11:23 Uhr

    "Leider tolerieren auch die meisten Dozenten Rechtsextreme in ihren Veranstaltungen, solange diese sich nicht politisch äußern. Es gibt Dozenten, die weigern sich, rechtsextreme Studenten zu prüfen. Die sind aber in der Minderheit."
    "Gibts da nicht einen Paragrafen, der besagt das Leute nicht aufgrund ihrer politischen Ansichten ausgegrenzt werden dürfen?"
    Nun, zum Nachdenken ist es schon, wenn dann daneben steht: "Kommentar als bedenklich melden"

  4. "Hammel: Matthes stritt sich mit einem Kommilitonen, den er als Gegendemonstranten von einer NPD-Kundgebung kannte. Der Kommilitone erzählte, Matthes, der ein erfahrene Kickboxer ist, habe ihn angespuckt, vor der Universitätsbibliothek zu Boden gestoßen und ins Gesicht getreten. Sein Gesicht musste daraufhin an mehreren Stellen genäht werden, und er verlor einen Schneidezahn.
    Hammel: Wir fanden sie zynisch, es war ja eindeutig eine politisch motivierte Tat!
    Hammel: Zuerst schon, dann berichteten Medien über den Fall. Es gründeten sich Bündnisse, die einen Rausschmiss forderten. Und als Matthes von einem Gericht wegen Körperverletzung verurteilt war, tagte der Ausschuss wieder. Diesmal entschied er, Mario Matthes zum Sommersemester 2009 zu exmatrikulieren."

    Wir erfahren hier nur die Sichtweise des Opfers, nicht aber die des Taeters. Wir erfahren nichts ueber den Tathergang, beispielsweise, ob der Taeter provoziert wurde. Wir lesen die unbewiesene Behauptung, es habe sich um eine politisch motivierte Tat gehandelt. Wir lernen, dass eine Rechtsauffassung umgeworfen werden kann, wenn nur genuegend oeffentlicher Druck aufgebaut wird. Wir erfahren dass der Asta es bedauert, dass Vertreter kontroverser Meinungen in Vorlesungen geduldet werden.
    Wo steuern dieses Land und seine Medien eigentlich hin?

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    Kann "Kassandro" nur beipflichten. Der Beitrag inklusive Fragesteller und Antwortgeberin insinuiert, was und wie man denken soll.

    Vorurteilige Meinungen werden transportiert und man ergeht sich selbstgerecht in dem, wovon man glaubt, es sei das Richtige.

    Dabei stünde es gerade der akademischen Tradition der freien Meinungsäußerung gut an, auch einmal auf Hochschulniveau über brisante historische Inhalte zu diskutieren. Nicht nur vom linken, sondern auch vom rechten Standpunkt aus. Ganz gleich, ob im Historischen oder im Philosophischen Seminar. Und mit wem auch immer, solange es sachlich zugeht...

    "Selbst zu denken" ist eine Forderung nicht erst seit der Aufklärung. Und nicht sagen zu dürfen, was man denkt, ist im Sinne Kants nichts anderes als die fremdverschuldete Unmöglichkeit des Menschen mündig zu werden.

    Kann "Kassandro" nur beipflichten. Der Beitrag inklusive Fragesteller und Antwortgeberin insinuiert, was und wie man denken soll.

    Vorurteilige Meinungen werden transportiert und man ergeht sich selbstgerecht in dem, wovon man glaubt, es sei das Richtige.

    Dabei stünde es gerade der akademischen Tradition der freien Meinungsäußerung gut an, auch einmal auf Hochschulniveau über brisante historische Inhalte zu diskutieren. Nicht nur vom linken, sondern auch vom rechten Standpunkt aus. Ganz gleich, ob im Historischen oder im Philosophischen Seminar. Und mit wem auch immer, solange es sachlich zugeht...

    "Selbst zu denken" ist eine Forderung nicht erst seit der Aufklärung. Und nicht sagen zu dürfen, was man denkt, ist im Sinne Kants nichts anderes als die fremdverschuldete Unmöglichkeit des Menschen mündig zu werden.

    • Pyr
    • 10.09.2009 um 11:50 Uhr

    Der Typ wurde offensichtlich wegen der Tat verurteilt. Somit ist erwiesen, dass er der Schuldige war. Im Verlaufe des Prozesses kam eben auch heraus, dass es eine politisch motivierte Tat war. Warum sollte man ihn dann nicht exmatrikulieren dürfen? Zweifelst du an der Entscheidung des Gerichts?

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    Ja, leider. Justitia ist auf dem rechten Auge blind vor Wut. Eine Asta Dame, die ZEIT, die Justiz, alle sind dafür dass es für Rechtsextreme Sondergesetze geben sollte. Würde man jeden verurteilten linksradikalen Student exmatrikulieren, dann würde das zu einem Aufschrei in der linken Szene führen, forderte man für rechtsextreme Täter Sicherungsverwahrung und stets lebenslänglich, die Gutmenschliga würde es als konsequenten Schritt des Linksstaates sehen. Mit Recht, Gesetz und demokratischen Methoden hat das Bekämpfen des Rechtsextremismus wenig zu tun.

    Ja, leider. Justitia ist auf dem rechten Auge blind vor Wut. Eine Asta Dame, die ZEIT, die Justiz, alle sind dafür dass es für Rechtsextreme Sondergesetze geben sollte. Würde man jeden verurteilten linksradikalen Student exmatrikulieren, dann würde das zu einem Aufschrei in der linken Szene führen, forderte man für rechtsextreme Täter Sicherungsverwahrung und stets lebenslänglich, die Gutmenschliga würde es als konsequenten Schritt des Linksstaates sehen. Mit Recht, Gesetz und demokratischen Methoden hat das Bekämpfen des Rechtsextremismus wenig zu tun.

    • Anonym
    • 10.09.2009 um 12:01 Uhr

    "Leider tolerieren auch die meisten Dozenten Rechtsextreme in ihren Veranstaltungen, solange diese sich nicht politisch äußern."

    Die darauffolgende Antwort lautet:

    "Nein, das [ein Studienverbot für Rechtsextreme] wäre undemokratisch, der richtige Weg ist die Aufklärungsarbeit"

    Mit Verlaub: das widerspricht sich fundamental. Eine klare Linie seitens der Interviewten wäre angebracht.

  5. "Was kann man tun, wenn im Geschichtsseminar ein rechtsextremer Student sagt, es habe keine Gaskammern gegeben?
    .
    Hammel: Erst einmal sollte man ihm widersprechen, weil seine These leicht mit Fakten zu widerlegen ist."
    .
    Das kann nach hinten losgehen. Der normale Student kennt nur die Lehrbuchmeinung und das auch eher diffus, der Rechtsextreme kennt die Details. Etwa, dass die Gaskammern von den Nazis hochgesprengt wurden. Die Fakten- und Beweislage ist also mal wieder nicht so leicht zu handhaben, wie sich das manche gern wünschen. Sonst gäbe es schliesslich keine entsprechenden Verschwörungstheorien. Die Rechten sind zwar selten sehr helle Köpfe, aber wer es bis an die Hochschule schafft, ist normalerweise auch keine Skinhead-Hohlbirne.
    .
    Und auch wenn es die deutsche Meinungszensur verbietet, man sollte sich dringend mit den Argumenten der Verschwörer auseinandersetzen, sonst steht man in einer Diskussion leicht als der begossene Pudel da, während die Rechten Symphatiepunkte sammeln.

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    Bei Weitem nicht jeder Skinhead ist Rechts oder eine Hohlbirne, nur so nebenbei.

    Bei Weitem nicht jeder Skinhead ist Rechts oder eine Hohlbirne, nur so nebenbei.

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