Semesterstart Rhetorik für Anfänger

Wie halte ich ein spannendes Referat? Was hilft wirklich gegen Nervosität? Ein Interview mit dem Tübinger Rhetorik-Dozenten Boris Kositzke

Wer beim Reden locker bleiben will, muss sich nicht unbedingt vorstellen, die Zuhörer seien alle nackt oder Kohlköpfe

Wer beim Reden locker bleiben will, muss sich nicht unbedingt vorstellen, die Zuhörer seien alle nackt oder Kohlköpfe

ZEIT CAMPUS: Herr Kositzke, Sie lehren Rhetorik an der Uni Tübingen, am einzigen Rhetorik- Seminar in Deutschland. Wofür muss man überhaupt reden lernen – geht es bei Vorträgen nicht vor allem um die Sache?

Boris Kositzke: Das denken Redner oft. Sie beschäftigen sich mit dem Gegenstand, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wem sie das alles erzählen wollen. Dabei hat eine Rede nur einen Sinn, weil es ein Publikum gibt. Um dieses zu erreichen, brauchen Sie Rhetorik.

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ZEIT CAMPUS: Was genau ist eigentlich Rhetorik?

Kositzke: Nach der klassischen Definition: die Kunst, zu überzeugen. In den Anfängen der Rhetorik geht es um politische Reden und Gerichtsreden. Mit dem Fachvortrag beschäftigt sie sich erst später. Obwohl der erste Text über Rhetorik selbst einer ist – eine Vorlesung von Aristoteles.

Die besten Bücher und Blogs zum Thema

Für unfallfreies Abspielen von Präsentationen auf fremden Laptops (auch auf solchen, die PowerPoint nicht installiert haben) sorgt die Funktion "Verpacken für CD" oder "Pack&go" in PowerPoint. Sie kopiert PPPs auf CD – Hilfsdateien und Viewer inklusive.

Schöne Folienhintergründe, praktische Shortcuts, die schlimmsten Präsentationssünden und alles rund um das Thema Foliendesign finden sich auf www.slidemagnet.com.

AußergewöhnlichePräsentationen zeigt www.blog.ted.com. Die etwa 20-minütigen Videos stammen von einer Konferenz, auf der große Köpfe wie Clinton oder Gates über Zukunftsideen redeten.

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Die Präsentationstrends 2009 und warum man Aufzählungs- zeichen meiden sollte, erfährt man auf der Seite der neuseeländischen Trainerin Olivia Mitchell: www.speakingaboutpresenting.com.

Die "Ratschläge für einen schlechten Redner" von Kurt Tucholsky sind so unterhaltsam, weil sie die gute Rede in ihr Gegenteil verkehren, zum Beispiel: "Fang immer bei den alten Römern an!" Der kleine Essay steht im Netz, zum Beispiel hier.

Zum Weiterlesen empfiehlt sich "Sicher präsentieren – wirksamer vortragen" in der Neuauflage von Martin Dall (Redline Verlag, 398 Seiten, 49,90 Euro). Zumindest die ältere Version gibt es in den meisten Uni-Bibliotheken.

ZEIT CAMPUS: An der Uni und im Berufsleben scheinen Vorträge ja immer wichtiger zu werden.

Kositzke: Die Rhetorik erlebt zumindest in Deutschland eine Renaissance. Lange war sie aus Universitäten und Schulen fast verschwunden, weil es keine rhetorische Kultur gab: Anders als in England oder Frankreich konnte sie sich auf politischer Ebene bis ins 20. Jahrhundert hinein nie richtig frei entfalten. Auf den internationalen Märkten haben die Deutschen dann gemerkt, dass andere rhetorisch besser sind und dass es gut wäre, diese Schlüsselqualifikation zu entwickeln.

ZEIT CAMPUS: Und welche Möglichkeiten gibt es dafür?

Leser-Kommentare
  1. ... wenn die Referate wenigstens inhaltlich gut ausgearbeitet wären.
    Schwätzer, die ihre Substanzlosigkeit durch rhetorische Phrasen verdecken, braucht es wirklich nicht.

    PS: aber ich sehe gerade die passende google-Anzeige unter diesem Artikel, wahrhafter Journalismus.

    • xoxox
    • 15.09.2009 um 8:48 Uhr

    Antwort: Um den Managern lustige, bunte Präsentionen zu verkaufen, weil die eh von nichts eine Ahnung haben, aber leider den Finger auf dem Budget. Oder wir diese Präsentationenen gerne nennen: KKG (Kurz, Knapp, Gelogen).

    Ingenieure unter sich brauchen diesen ganzen Mummenschanz nicht. Wir sagen was Sache ist, reden nicht um den heissen Brei herum, lügen uns nichts selber in die Tasche, arbeiten am Problem, nicht an Schuldzuweisungen.

    Oder kurz gesagt: Scheisse bleibt Scheisse, auch wenn ein hübsches rosa Band drumherum gewickelt wird. Rhetorik brauchen diejenigen, die keine echten Argumente haben.

    [Anmerkung: Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion /axg]

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    "Wozu braucht ein Ingenieur Rethorik?"

    Solang die Spezies Ingenör unter sich bleibt (anscheinend) nicht. Da sprechen Zahlen und keine Menschen. Ist ja auch viel einfacher, wenn man dem dummen Rest der Welt nichts erklären muss.

    Oder halten Sie vielleicht doch ab und zu Fachvorträge vor einem nicht ganz so homogenen Publikum?

    Rhetorik ist nicht die Veränderung von Inhalten der Rede, sondern bezieht sich auf das Hand- und Mundwerk des Präsentirenden.

    Die Auffassung von guter Rhetorik, die vom Verfasser des Artikels vertreten wird, müsste dem Ingenör doch passen. Eben ohne "Mummenschanz", sondern auf das Wesentliche konzentriert. Es ist für den Zuhörer nicht so anstrengend wenn wenigstens ein paar grundsätzliche Dinge von Rednern beachtet würden. Wirklich! ;-)

    "Wozu braucht ein Ingenieur Rethorik?"

    Solang die Spezies Ingenör unter sich bleibt (anscheinend) nicht. Da sprechen Zahlen und keine Menschen. Ist ja auch viel einfacher, wenn man dem dummen Rest der Welt nichts erklären muss.

    Oder halten Sie vielleicht doch ab und zu Fachvorträge vor einem nicht ganz so homogenen Publikum?

    Rhetorik ist nicht die Veränderung von Inhalten der Rede, sondern bezieht sich auf das Hand- und Mundwerk des Präsentirenden.

    Die Auffassung von guter Rhetorik, die vom Verfasser des Artikels vertreten wird, müsste dem Ingenör doch passen. Eben ohne "Mummenschanz", sondern auf das Wesentliche konzentriert. Es ist für den Zuhörer nicht so anstrengend wenn wenigstens ein paar grundsätzliche Dinge von Rednern beachtet würden. Wirklich! ;-)

  2. Auch wer Argumente hat, braucht Rhetorik. Das Problem an unseren Universitäten (wen wundert es, sind sie doch auch nur ein gesellschaftliches Spiegelbild) ist doch, dass viele Studenten (nicht nur Erstsemester) inhaltlich derart schlecht für ihr Thema gerüstet sind, dass es schon schmerzt. Die schlechten kommunikativen Fähigkeiten sind da schon das geringere Problem. Die meisten Referate (gefühlte 2/3), die ich in der Geschichtswissenschaft und Anglistik erlebe, sind unterirdisch, versuchen nicht einmal dem Anschein wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen und werden überdies langweilig vorgetragen. Es fehlen Thesen, die ihren Namen verdienen, es fehlen Literaturkenntnisse (außer wikipedia.de freilich) und es fehlt das Interesse am Thema, was kaum verwundert, werden Referate doch heute in den ersten Sitzungen vergeben (selten gewählt) und von den Studenten dann als nötiges Übel lustlos abgearbeitet.
    Wichtiger als alle notwendige Rhetorik ist zunächst einmal beim Inhalt anzusetzen. Die Rhetorik ist wichtig, aber in einer Blender-Gesellschaft sollte man zumindest an den Universitäten nicht vergessen: erst die Pflicht, dann die Kür.

  3. "ZEIT CAMPUS: Herr Kositzke, Sie lehren Rhetorik an der Uni Tübingen, am einzigen Rhetorik- Seminar in Deutschland."

    Sehr geehrter Herr Kositzke, sehr geehrtes Zeit Campus Magazin, veehrte Zuhörerinnen und Zuhörer.

    Tübingen, dass Land der Rhetorik! Nirgendwo sonst gibt es Rhetorikseminare. Managerseminare, Seminare an anderen Universitäten für Juristen, Politikstudenten etc. Gibt es alles nicht! Schreiben sie sich in Tübingen ein! Dann lösen sie ihre Rhetorikprobleme! Am einzigen Ort wo sie dies erlernen könnten.

    Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit
    *bleibt noch einige Sekunden später um den Beifall entgegen zu nehmen und lächelt in die Runde*

    • retrop
    • 15.09.2009 um 12:12 Uhr

    "Sie lehren Rhetorik an der Uni Tübingen, am einzigen Rhetorik- Seminar in Deutschland."

    Das nächste Mal bitte genauer recherchieren: Auch die Uni Greifswald bietet Rhetorik-Seminare an. Darüber hinaus werden sogar für angehende Juristen und auch für angehende Lehrer speziell zugeschnittene Rhetorik-Seminare angeboten.

    Darüber hinaus, in Bezug auf die Diskussion: Rhetorik ist kein Blender-Handwerk. Viel mehr ist es doch so, dass die Art und Weise wie ich einen Sachverhalt darlege auch seinen von den Zuhörern wahrgenommenen Inhalt bestimmt. Rhetorik ist mehr als das Finden von Metaphern und gelungenen Pointen. Es geht um Argumentationsformen, Strukturen und den inhaltlichen Aufbau - also Merkmale eines Vortrages/Rede die in konkretem Zusammenhang mit seinem Inhalt stehen. Dass dafür der Inhalt natürlich sitzen muss, ist klar: Wenn kein Wissen vorhanden ist, kann keine verständliche Struktur und keine nachvollziehbare Argumentation aufgebaut werden.

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    Sicherlich, ist Rhetorik kein Blender-Werk. Auch gute Argumente müssen rhetorisch gekonnt vorgetragen werden, um anzukommen. Das bestreite ich doch gar nicht. Es geht um eine Inhaltsleere, die jedoch auch keine noch so guten rhetorischen Fähigkeiten ausgleichen können.
    Zum Greifswalder Rhetorik-Seminar: soweit ich mich erinnere ist dieses Bockseminar Bestandteil der im BA obligatorischen "General Studies" am Medienzentrum und qualitativ etwa so anspruchsvoll wie entsprechende Angebote, die viele Schulen in der Oberstufe anbieten. Zumindest war das meine Erfahrung vor etwa 4 Jahren.

    Also, um hier mal Klarheit reinzubringen: Tübingen nennt wirklich das bislang einzige Rhetorikseminar in Deutschland sein eigen - "Seminar" im Sinne von "Institut", nicht im Sinne von "Lehrveranstaltung".

    Sicherlich, ist Rhetorik kein Blender-Werk. Auch gute Argumente müssen rhetorisch gekonnt vorgetragen werden, um anzukommen. Das bestreite ich doch gar nicht. Es geht um eine Inhaltsleere, die jedoch auch keine noch so guten rhetorischen Fähigkeiten ausgleichen können.
    Zum Greifswalder Rhetorik-Seminar: soweit ich mich erinnere ist dieses Bockseminar Bestandteil der im BA obligatorischen "General Studies" am Medienzentrum und qualitativ etwa so anspruchsvoll wie entsprechende Angebote, die viele Schulen in der Oberstufe anbieten. Zumindest war das meine Erfahrung vor etwa 4 Jahren.

    Also, um hier mal Klarheit reinzubringen: Tübingen nennt wirklich das bislang einzige Rhetorikseminar in Deutschland sein eigen - "Seminar" im Sinne von "Institut", nicht im Sinne von "Lehrveranstaltung".

  4. Sicherlich, ist Rhetorik kein Blender-Werk. Auch gute Argumente müssen rhetorisch gekonnt vorgetragen werden, um anzukommen. Das bestreite ich doch gar nicht. Es geht um eine Inhaltsleere, die jedoch auch keine noch so guten rhetorischen Fähigkeiten ausgleichen können.
    Zum Greifswalder Rhetorik-Seminar: soweit ich mich erinnere ist dieses Bockseminar Bestandteil der im BA obligatorischen "General Studies" am Medienzentrum und qualitativ etwa so anspruchsvoll wie entsprechende Angebote, die viele Schulen in der Oberstufe anbieten. Zumindest war das meine Erfahrung vor etwa 4 Jahren.

  5. "Wozu braucht ein Ingenieur Rethorik?"

    Solang die Spezies Ingenör unter sich bleibt (anscheinend) nicht. Da sprechen Zahlen und keine Menschen. Ist ja auch viel einfacher, wenn man dem dummen Rest der Welt nichts erklären muss.

    Oder halten Sie vielleicht doch ab und zu Fachvorträge vor einem nicht ganz so homogenen Publikum?

    Rhetorik ist nicht die Veränderung von Inhalten der Rede, sondern bezieht sich auf das Hand- und Mundwerk des Präsentirenden.

    Die Auffassung von guter Rhetorik, die vom Verfasser des Artikels vertreten wird, müsste dem Ingenör doch passen. Eben ohne "Mummenschanz", sondern auf das Wesentliche konzentriert. Es ist für den Zuhörer nicht so anstrengend wenn wenigstens ein paar grundsätzliche Dinge von Rednern beachtet würden. Wirklich! ;-)

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    Da kann ich Ihnen nur zustimmen.

    Zu einem Großteil sind die Vorlesungen im Fachbereich Maschinenbau, die ich an meiner Universität höre, trotz fachlicher Brillanz sowohl rhetorisch als auch didaktisch leider unterirdisch. Ich beobachte sowohl unter Professoren als auch erstaunlicherweise unter den Studierenden eine derbe Arroganz gegenüber Themen, die sich mit Wahrnehmung und Kommunikation auseinandersetzten – sie werden vielfach als überflüssig bezeichnet. Für mich leidet das Fachinteresse erheblich, wenn ein Professor nicht seine eigene Begeisterung für sein Fach transportieren kann.

    Gerade Ingenieure sollten aber doch in der Lage sein, (nicht nur technische) Problemstellungen aus vielen Perspektiven erfassen zu können, um zu einem "Gesamtbild" gelangen zu können und wertvolle Lösungsansätze erarbeiten zu können. Zu diesem Gesamtbild gehören dann allerdings auch alle menschlichen, also weichen, Faktoren.

    Da kann ich Ihnen nur zustimmen.

    Zu einem Großteil sind die Vorlesungen im Fachbereich Maschinenbau, die ich an meiner Universität höre, trotz fachlicher Brillanz sowohl rhetorisch als auch didaktisch leider unterirdisch. Ich beobachte sowohl unter Professoren als auch erstaunlicherweise unter den Studierenden eine derbe Arroganz gegenüber Themen, die sich mit Wahrnehmung und Kommunikation auseinandersetzten – sie werden vielfach als überflüssig bezeichnet. Für mich leidet das Fachinteresse erheblich, wenn ein Professor nicht seine eigene Begeisterung für sein Fach transportieren kann.

    Gerade Ingenieure sollten aber doch in der Lage sein, (nicht nur technische) Problemstellungen aus vielen Perspektiven erfassen zu können, um zu einem "Gesamtbild" gelangen zu können und wertvolle Lösungsansätze erarbeiten zu können. Zu diesem Gesamtbild gehören dann allerdings auch alle menschlichen, also weichen, Faktoren.

  6. 8.

    Da kann ich Ihnen nur zustimmen.

    Zu einem Großteil sind die Vorlesungen im Fachbereich Maschinenbau, die ich an meiner Universität höre, trotz fachlicher Brillanz sowohl rhetorisch als auch didaktisch leider unterirdisch. Ich beobachte sowohl unter Professoren als auch erstaunlicherweise unter den Studierenden eine derbe Arroganz gegenüber Themen, die sich mit Wahrnehmung und Kommunikation auseinandersetzten – sie werden vielfach als überflüssig bezeichnet. Für mich leidet das Fachinteresse erheblich, wenn ein Professor nicht seine eigene Begeisterung für sein Fach transportieren kann.

    Gerade Ingenieure sollten aber doch in der Lage sein, (nicht nur technische) Problemstellungen aus vielen Perspektiven erfassen zu können, um zu einem "Gesamtbild" gelangen zu können und wertvolle Lösungsansätze erarbeiten zu können. Zu diesem Gesamtbild gehören dann allerdings auch alle menschlichen, also weichen, Faktoren.

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