Semesterstart Rhetorik für AnfängerSeite 4/4

Kositzke: Wenn es richtig gemacht wird, schon. Redner müssen sich aber bewusst sein, dass sie mit ihren Medien um Aufmerksamkeit auf der visuellen und auf der akustischen Ebene konkurrieren. Bei PowerPoint-Präsentationen gilt deshalb: so wenig Folien wie möglich und so viele grafische Elemente wie möglich einsetzen. Aber auch da nur Sinnvolles, also keinen Kopf von Aristoteles, falls es in dem Vortrag nicht um ihn als Person oder um seine Physiognomie geht.

ZEIT CAMPUS: Was ist mit Fotos und Videos?

Kositzke: Die schlucken sehr viel Aufmerksamkeit. Wer bei einem Vortrag über Kommunikation am Anfang ein Loriot-Video zeigt, muss damit rechnen, dass am Ende zwar jeder den Sketch nachsprechen kann, der Rest des Vortrags aber sofort wieder aus der Erinnerung verschwunden ist. Und das ist nicht Sinn der Sache.

ZEIT CAMPUS: Kann so ein Sketch am Anfang nicht auch die Stimmung etwas auflockern?

Kositzke: Wenn so was nicht zum Kern der Sache führt, lassen Sie es. Sparsamkeit und Schlichtheit sollten die oberste Regel sein.

ZEIT CAMPUS: Haben Sie einen Rat speziell für Vortragssituationen an der Uni?

Kositzke: Es gibt auch beim Fachvortrag keinen Grund, distanziert zu sein. Nur wer engagiert wirkt und seiner Sache neugierig nachgeht, wird am Ende auch ein interessiertes Publikum haben

ZEIT CAMPUS: Was hilft gegen Nervosität?

Kositzke: Von gängigen Tricks, wie sich vorzustellen, im Publikum säßen Kohlköpfe oder alle wären nackt, rate ich ab. Für ein Kohlkopffeld muss ich nicht reden. Gegen Lampenfieber hilft gute Vorbereitung – nicht nur inhaltlich, sondern eben auch rhetorisch.

Boris Kositzke ist Lehrbeauftragter am Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen, wo er unter anderem Wahlkampfreden untersucht. Außerhalb der Universität gibt Kositzke Rhetorikkurse, etwa für Juristen und Naturwissenschaftler

 
Leser-Kommentare
  1. ... wenn die Referate wenigstens inhaltlich gut ausgearbeitet wären.
    Schwätzer, die ihre Substanzlosigkeit durch rhetorische Phrasen verdecken, braucht es wirklich nicht.

    PS: aber ich sehe gerade die passende google-Anzeige unter diesem Artikel, wahrhafter Journalismus.

    • xoxox
    • 15.09.2009 um 8:48 Uhr

    Antwort: Um den Managern lustige, bunte Präsentionen zu verkaufen, weil die eh von nichts eine Ahnung haben, aber leider den Finger auf dem Budget. Oder wir diese Präsentationenen gerne nennen: KKG (Kurz, Knapp, Gelogen).

    Ingenieure unter sich brauchen diesen ganzen Mummenschanz nicht. Wir sagen was Sache ist, reden nicht um den heissen Brei herum, lügen uns nichts selber in die Tasche, arbeiten am Problem, nicht an Schuldzuweisungen.

    Oder kurz gesagt: Scheisse bleibt Scheisse, auch wenn ein hübsches rosa Band drumherum gewickelt wird. Rhetorik brauchen diejenigen, die keine echten Argumente haben.

    [Anmerkung: Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion /axg]

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    "Wozu braucht ein Ingenieur Rethorik?"

    Solang die Spezies Ingenör unter sich bleibt (anscheinend) nicht. Da sprechen Zahlen und keine Menschen. Ist ja auch viel einfacher, wenn man dem dummen Rest der Welt nichts erklären muss.

    Oder halten Sie vielleicht doch ab und zu Fachvorträge vor einem nicht ganz so homogenen Publikum?

    Rhetorik ist nicht die Veränderung von Inhalten der Rede, sondern bezieht sich auf das Hand- und Mundwerk des Präsentirenden.

    Die Auffassung von guter Rhetorik, die vom Verfasser des Artikels vertreten wird, müsste dem Ingenör doch passen. Eben ohne "Mummenschanz", sondern auf das Wesentliche konzentriert. Es ist für den Zuhörer nicht so anstrengend wenn wenigstens ein paar grundsätzliche Dinge von Rednern beachtet würden. Wirklich! ;-)

    "Wozu braucht ein Ingenieur Rethorik?"

    Solang die Spezies Ingenör unter sich bleibt (anscheinend) nicht. Da sprechen Zahlen und keine Menschen. Ist ja auch viel einfacher, wenn man dem dummen Rest der Welt nichts erklären muss.

    Oder halten Sie vielleicht doch ab und zu Fachvorträge vor einem nicht ganz so homogenen Publikum?

    Rhetorik ist nicht die Veränderung von Inhalten der Rede, sondern bezieht sich auf das Hand- und Mundwerk des Präsentirenden.

    Die Auffassung von guter Rhetorik, die vom Verfasser des Artikels vertreten wird, müsste dem Ingenör doch passen. Eben ohne "Mummenschanz", sondern auf das Wesentliche konzentriert. Es ist für den Zuhörer nicht so anstrengend wenn wenigstens ein paar grundsätzliche Dinge von Rednern beachtet würden. Wirklich! ;-)

  2. Auch wer Argumente hat, braucht Rhetorik. Das Problem an unseren Universitäten (wen wundert es, sind sie doch auch nur ein gesellschaftliches Spiegelbild) ist doch, dass viele Studenten (nicht nur Erstsemester) inhaltlich derart schlecht für ihr Thema gerüstet sind, dass es schon schmerzt. Die schlechten kommunikativen Fähigkeiten sind da schon das geringere Problem. Die meisten Referate (gefühlte 2/3), die ich in der Geschichtswissenschaft und Anglistik erlebe, sind unterirdisch, versuchen nicht einmal dem Anschein wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen und werden überdies langweilig vorgetragen. Es fehlen Thesen, die ihren Namen verdienen, es fehlen Literaturkenntnisse (außer wikipedia.de freilich) und es fehlt das Interesse am Thema, was kaum verwundert, werden Referate doch heute in den ersten Sitzungen vergeben (selten gewählt) und von den Studenten dann als nötiges Übel lustlos abgearbeitet.
    Wichtiger als alle notwendige Rhetorik ist zunächst einmal beim Inhalt anzusetzen. Die Rhetorik ist wichtig, aber in einer Blender-Gesellschaft sollte man zumindest an den Universitäten nicht vergessen: erst die Pflicht, dann die Kür.

  3. "ZEIT CAMPUS: Herr Kositzke, Sie lehren Rhetorik an der Uni Tübingen, am einzigen Rhetorik- Seminar in Deutschland."

    Sehr geehrter Herr Kositzke, sehr geehrtes Zeit Campus Magazin, veehrte Zuhörerinnen und Zuhörer.

    Tübingen, dass Land der Rhetorik! Nirgendwo sonst gibt es Rhetorikseminare. Managerseminare, Seminare an anderen Universitäten für Juristen, Politikstudenten etc. Gibt es alles nicht! Schreiben sie sich in Tübingen ein! Dann lösen sie ihre Rhetorikprobleme! Am einzigen Ort wo sie dies erlernen könnten.

    Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit
    *bleibt noch einige Sekunden später um den Beifall entgegen zu nehmen und lächelt in die Runde*

    • retrop
    • 15.09.2009 um 12:12 Uhr

    "Sie lehren Rhetorik an der Uni Tübingen, am einzigen Rhetorik- Seminar in Deutschland."

    Das nächste Mal bitte genauer recherchieren: Auch die Uni Greifswald bietet Rhetorik-Seminare an. Darüber hinaus werden sogar für angehende Juristen und auch für angehende Lehrer speziell zugeschnittene Rhetorik-Seminare angeboten.

    Darüber hinaus, in Bezug auf die Diskussion: Rhetorik ist kein Blender-Handwerk. Viel mehr ist es doch so, dass die Art und Weise wie ich einen Sachverhalt darlege auch seinen von den Zuhörern wahrgenommenen Inhalt bestimmt. Rhetorik ist mehr als das Finden von Metaphern und gelungenen Pointen. Es geht um Argumentationsformen, Strukturen und den inhaltlichen Aufbau - also Merkmale eines Vortrages/Rede die in konkretem Zusammenhang mit seinem Inhalt stehen. Dass dafür der Inhalt natürlich sitzen muss, ist klar: Wenn kein Wissen vorhanden ist, kann keine verständliche Struktur und keine nachvollziehbare Argumentation aufgebaut werden.

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    Sicherlich, ist Rhetorik kein Blender-Werk. Auch gute Argumente müssen rhetorisch gekonnt vorgetragen werden, um anzukommen. Das bestreite ich doch gar nicht. Es geht um eine Inhaltsleere, die jedoch auch keine noch so guten rhetorischen Fähigkeiten ausgleichen können.
    Zum Greifswalder Rhetorik-Seminar: soweit ich mich erinnere ist dieses Bockseminar Bestandteil der im BA obligatorischen "General Studies" am Medienzentrum und qualitativ etwa so anspruchsvoll wie entsprechende Angebote, die viele Schulen in der Oberstufe anbieten. Zumindest war das meine Erfahrung vor etwa 4 Jahren.

    Also, um hier mal Klarheit reinzubringen: Tübingen nennt wirklich das bislang einzige Rhetorikseminar in Deutschland sein eigen - "Seminar" im Sinne von "Institut", nicht im Sinne von "Lehrveranstaltung".

    Sicherlich, ist Rhetorik kein Blender-Werk. Auch gute Argumente müssen rhetorisch gekonnt vorgetragen werden, um anzukommen. Das bestreite ich doch gar nicht. Es geht um eine Inhaltsleere, die jedoch auch keine noch so guten rhetorischen Fähigkeiten ausgleichen können.
    Zum Greifswalder Rhetorik-Seminar: soweit ich mich erinnere ist dieses Bockseminar Bestandteil der im BA obligatorischen "General Studies" am Medienzentrum und qualitativ etwa so anspruchsvoll wie entsprechende Angebote, die viele Schulen in der Oberstufe anbieten. Zumindest war das meine Erfahrung vor etwa 4 Jahren.

    Also, um hier mal Klarheit reinzubringen: Tübingen nennt wirklich das bislang einzige Rhetorikseminar in Deutschland sein eigen - "Seminar" im Sinne von "Institut", nicht im Sinne von "Lehrveranstaltung".

  4. Sicherlich, ist Rhetorik kein Blender-Werk. Auch gute Argumente müssen rhetorisch gekonnt vorgetragen werden, um anzukommen. Das bestreite ich doch gar nicht. Es geht um eine Inhaltsleere, die jedoch auch keine noch so guten rhetorischen Fähigkeiten ausgleichen können.
    Zum Greifswalder Rhetorik-Seminar: soweit ich mich erinnere ist dieses Bockseminar Bestandteil der im BA obligatorischen "General Studies" am Medienzentrum und qualitativ etwa so anspruchsvoll wie entsprechende Angebote, die viele Schulen in der Oberstufe anbieten. Zumindest war das meine Erfahrung vor etwa 4 Jahren.

  5. "Wozu braucht ein Ingenieur Rethorik?"

    Solang die Spezies Ingenör unter sich bleibt (anscheinend) nicht. Da sprechen Zahlen und keine Menschen. Ist ja auch viel einfacher, wenn man dem dummen Rest der Welt nichts erklären muss.

    Oder halten Sie vielleicht doch ab und zu Fachvorträge vor einem nicht ganz so homogenen Publikum?

    Rhetorik ist nicht die Veränderung von Inhalten der Rede, sondern bezieht sich auf das Hand- und Mundwerk des Präsentirenden.

    Die Auffassung von guter Rhetorik, die vom Verfasser des Artikels vertreten wird, müsste dem Ingenör doch passen. Eben ohne "Mummenschanz", sondern auf das Wesentliche konzentriert. Es ist für den Zuhörer nicht so anstrengend wenn wenigstens ein paar grundsätzliche Dinge von Rednern beachtet würden. Wirklich! ;-)

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    Da kann ich Ihnen nur zustimmen.

    Zu einem Großteil sind die Vorlesungen im Fachbereich Maschinenbau, die ich an meiner Universität höre, trotz fachlicher Brillanz sowohl rhetorisch als auch didaktisch leider unterirdisch. Ich beobachte sowohl unter Professoren als auch erstaunlicherweise unter den Studierenden eine derbe Arroganz gegenüber Themen, die sich mit Wahrnehmung und Kommunikation auseinandersetzten – sie werden vielfach als überflüssig bezeichnet. Für mich leidet das Fachinteresse erheblich, wenn ein Professor nicht seine eigene Begeisterung für sein Fach transportieren kann.

    Gerade Ingenieure sollten aber doch in der Lage sein, (nicht nur technische) Problemstellungen aus vielen Perspektiven erfassen zu können, um zu einem "Gesamtbild" gelangen zu können und wertvolle Lösungsansätze erarbeiten zu können. Zu diesem Gesamtbild gehören dann allerdings auch alle menschlichen, also weichen, Faktoren.

    Da kann ich Ihnen nur zustimmen.

    Zu einem Großteil sind die Vorlesungen im Fachbereich Maschinenbau, die ich an meiner Universität höre, trotz fachlicher Brillanz sowohl rhetorisch als auch didaktisch leider unterirdisch. Ich beobachte sowohl unter Professoren als auch erstaunlicherweise unter den Studierenden eine derbe Arroganz gegenüber Themen, die sich mit Wahrnehmung und Kommunikation auseinandersetzten – sie werden vielfach als überflüssig bezeichnet. Für mich leidet das Fachinteresse erheblich, wenn ein Professor nicht seine eigene Begeisterung für sein Fach transportieren kann.

    Gerade Ingenieure sollten aber doch in der Lage sein, (nicht nur technische) Problemstellungen aus vielen Perspektiven erfassen zu können, um zu einem "Gesamtbild" gelangen zu können und wertvolle Lösungsansätze erarbeiten zu können. Zu diesem Gesamtbild gehören dann allerdings auch alle menschlichen, also weichen, Faktoren.

  6. 8.

    Da kann ich Ihnen nur zustimmen.

    Zu einem Großteil sind die Vorlesungen im Fachbereich Maschinenbau, die ich an meiner Universität höre, trotz fachlicher Brillanz sowohl rhetorisch als auch didaktisch leider unterirdisch. Ich beobachte sowohl unter Professoren als auch erstaunlicherweise unter den Studierenden eine derbe Arroganz gegenüber Themen, die sich mit Wahrnehmung und Kommunikation auseinandersetzten – sie werden vielfach als überflüssig bezeichnet. Für mich leidet das Fachinteresse erheblich, wenn ein Professor nicht seine eigene Begeisterung für sein Fach transportieren kann.

    Gerade Ingenieure sollten aber doch in der Lage sein, (nicht nur technische) Problemstellungen aus vielen Perspektiven erfassen zu können, um zu einem "Gesamtbild" gelangen zu können und wertvolle Lösungsansätze erarbeiten zu können. Zu diesem Gesamtbild gehören dann allerdings auch alle menschlichen, also weichen, Faktoren.

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