Wellness an der Uni Mens sana, corpus in sauna
In Zürich entspannen Studenten in einem eigenen Wellness-Tempel. Wir fragten an deutschen Unis nach: Wo bleibt bei uns der Luxus?
Wenn Daniel nach ein paar Runden im Pool und einem heißen Saunaaufguss in dem ganz in Weiß gehaltenen Ruheraum entspannt, kann er durch ein großes Panoramafenster seinen Kommilitonen beim Tennis- und Beachvolleyballspielen zuschauen. In solchen Momenten ist Daniel glücklich, dass es ihn zum Biochemiestudium nach Zürich verschlagen hat: "Wer diesen Luxus einmal erlebt hat, will ihn nicht mehr missen."
Auf dem Züricher Campus können sich Studenten wie in einem Sporthotel fühlen. Gestresste scharen sich barfuß um einen Yogi. Andere lassen sich nach einer Klausur massieren oder suchen in Seminaren ihre "Body Balance". Umsonst ist das Ganze nicht – bis Ende des Jahres bezahlen die Studenten dafür pro Tag 6 Franken, umgerechnet 4 Euro, danach 15 Franken, 10 Euro. Dabei wird die Schweizer Staatskasse geschont: Träger des "Sport Center Science City" ist ein privates Unternehmen, das vom Eintrittsgeld und von Sponsorengeldern lebt.
Daniel weiß noch, was dagegen in seinem Heimatland unter Hochschulsport verstanden wird. Bevor er den Master in der Schweiz begonnen hat, studierte er in Marburg. "Die Kurse waren überfüllt und teuer, das Fitnessstudio war ein kleiner Raum mit drei Geräten, und der Tennisplatz war so uneben, dass die Bälle immer zur Seite wegsprangen."
Ganz anders in Zürich, hier setzt man auf den Wellnessfaktor. "Gerade an Hochschulen braucht es Oasen, um den Kopf zu leeren und wieder aufnahmefähig zu sein", sagt Kaspar Egger, der Direktor des Akademischen Sportverbands Zürich. Das leuchtet ein. Warum also gibt es in Konstanz, Jena oder Kiel nicht mehr Dampfbäder und Qi-Gong-Kurse?
"Zürich war schon immer ein Vorbild für uns", erklärt Gerhard Kohl, Leiter des Hochschulsports der Uni Konstanz. Deshalb baue man gerade ein Fitnessstudio und Wellnessräume. Auch andere Unis beeilen sich, ihre Vorzüge zu preisen: Golfen in Paderborn, Sauna und Nordic Walking in Jena, eine Kletterhalle in Göttingen. Die Uni Kiel hält dagegen wenig von der Idee. "Das widerspricht unserer Philosophie: Wir streben Gesunderhaltung durch Bewegung an, weil Studenten viel sitzen. Deshalb haben wir in einen Koordinationspark investiert", sagt Bernd Lange, Leiter des Hochschulsports. Koordinationspark? Daniel muss grinsen. Deutschland ist weit weg. Und sein Tai-Chi-Kurs fängt gleich an.
- Datum 07.10.2009 - 17:59 Uhr
- Quelle ZEIT CAMPUS 06/09
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