Mensagespräch

"Wissen ist keine Schande, es nützt nur nichts!"

Sven Regener, Sänger und Bestsellerautor, im Gespräch über ein Studium an der Berliner Mauer, Pferdewetten und die Wahl der richtigen Kneipe

Sven Regener im Schwarzen Café in Berlin

Sven Regener im Schwarzen Café in Berlin

Sven Regener hat ab 1981 Germanistik, Kunst- und Musikwissenschaft an der TU Berlin studiert und abgebrochen, als es mit Element of Crime ernst wurde. Der Autor von "Herr Lehmann" ist lieber in die Kneipe gegangen als in die Mensa, deswegen treffen wir ihn ausnahmsweise dort. Er trinkt erst einen Kaffee, dann bestellt er mit milder Verachtung in der Stimme "so ein Jever Fun".

ZEIT Campus: Herr Regener, wie findet der Mensch eine Kneipe, die zu ihm passt?

Sven Regener: Das ist nicht schwer. Die Qualität einer Kneipe hängt einzig von den Menschen ab, die hinter dem Tresen arbeiten, mit denen muss man auskommen. Was man aber grundsätzlich zu beachten hat: Als junger Mensch kannst du nicht in eine Kneipe gehen, in der weiße Gardinen an den Fenstern hängen. Das sind die Stammkneipen von älteren Leuten, die in der Gegend wohnen. Da nervt man bloß. Das sind kulturelle Signale, die man deuten können sollte.

ZEIT Campus: Und wie finden Sie eine, die passt?

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Regener: Heute gar nicht mehr. Früher spielte die richtige Kneipe eine große Rolle: Orte, an denen ich den Tag herumbringen konnte. Hell war nicht meine präferierte Tageszeit. Ich habe in den Achtzigern vor allem im Dunkeln gelebt.

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ZEIT Campus: Wir sitzen hier im Schwarzen Café, unweit Ihrer früheren Uni. Ein prägender Ort?

Regener: Es war sicher ein glamouröser Ort, ein Platz der Boheme, mit einem legendären französischen Frühstück, das aus einem Kaffee und einer Zigarette bestand. Es war auch das Café, wo man durchmachen konnte: 24 Stunden geöffnet, bis auf einen Tag in der Woche. Da wurde geputzt.

ZEIT Campus: "Herr Lehmann" führt auch so ein Leben, aber Sie haben persönliche Ähnlichkeiten mit Ihrer Figur immer abgestritten.

Regener: Ich empfinde das als Beleidigung. Es läuft darauf hinaus: Der Autor kann sich nichts ausdenken, sondern nur das eigene Leben abpinseln.

ZEIT Campus: Herr Lehmann steht hinter der Kneipentheke. Haben Sie nie gekellnert als Student?

Regener: Ich habe beim Kleinanzeigenmagazin Zweite Hand am Telefon die Gratisanzeigen aufgenommen. Die Rubrikennummern weiß ich heute noch auswendig: 11-1-1 war "Wohnen: Möbel: Schlafen". 11-1-2 war "Wohnen: Möbel: Bad". Und so weiter.

ZEIT Campus:  Und die schlüpfrigen Anzeigen?

Regener: Das war eine eigene Abteilung. Das war mit Chiffre, das kostete 5 Mark.

ZEIT Campus: Sie haben an der TU Berlin Musikwissenschaft studiert. Was hat die Hochschule dem Musiker Regener mitgegeben?

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Leser-Kommentare

  1. 1.

    "Was sind das denn jetzt für Johannes-B.-Kerner-Fragen: "Was haben Sie dabei empfunden?" So funktioniert das nicht."

    So eine Offenheit wünsche ich mir von mehr Interviewten, die sich manchmal einen Käse fragen lassen müssen und darauf auch noch antworten......

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    mir das auch. " Die Berliner haben sich auch da als extrem gelassen
    erwiesen " .... geeenauuuu ! Schöne Grüsse ... ein Berliner ( W ).

  2. Ist es sehr peinlich, wenn ich zugeben, dass ich Sven Regener nicht kenne?
    ps: meine Ausrede ist mein Alter und meine Herkunft -> 31, Ossi

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    gerade als ossi   glückskeks

    sollte man sven regener kennen, besonders durch seine wunderbaren bücher wie herr lehmann... also, ich kann dieses buch nur jedem wärmstens empfehlen, der autor schreibt wunderbar "realitätsnah" :D

    In die näxte Bibliothek latschen/fahren und nach dem Namen im dortigen Rechner gucken.
    Da gibts garantiert diese Lehmann-Bücher (auf ne unaufgeregte Art und Weise schwer lustig und interessant) und Element of Crime -Platten.
    Die auch mal hören, lohnt sich!
    Ob der Lehmann-Film gut ist, weiß ich nicht, hab ich ned gesehen.

    Im Grunde ist der eigentlich ein Spaßvogel auch wenner immer so spröde tut.

  3. Ja, wenn "ganz oben" die Dummheit regiert!

  4. ...aber natürlich nicht allen. Schon gar nicht denen, die nur *glauben*, es zu haben.

    Nosce te ipsum.

  5. mir das auch. " Die Berliner haben sich auch da als extrem gelassen
    erwiesen " .... geeenauuuu ! Schöne Grüsse ... ein Berliner ( W ).

    Antwort auf "Kommentar Nr. 1"
  6. wer ist das?
    hat die b-promi-szene eine noch unbesetzte nische aufgetan?
    ;-)

  7. sollte man sven regener kennen, besonders durch seine wunderbaren bücher wie herr lehmann... also, ich kann dieses buch nur jedem wärmstens empfehlen, der autor schreibt wunderbar "realitätsnah" :D

    Antwort auf "Sven Regener...Wer?"
  8. Cooler Typ, cooles Interview. Gefällt mir super.

    Aber "Wissen ist keine Schande. Es nützt halt nur nichts" stimmt ja so nicht - mit Wissen kann man tierisch viel Geld machen, meistens.

    aj

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    --   BettyFord

    >>Aber "Wissen ist keine Schande. Es nützt halt nur nichts" stimmt ja so nicht - mit Wissen kann man tierisch viel Geld machen, meistens.<<

    mit wissen schon, mit erkenntnis eher weniger.

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