Gebrüder GrimmGeschwisterliebe unter BrüdernSeite 2/2

Das Studium ist alles andere als märchenhaft: Im Hörsaal notieren die Brüder lateinische Definitionen, um sie daheim auswendig zu lernen. Das ändert sich erst, als sie Friedrich Carl von Savigny kennenlernen. Der Juraprofessor und spätere preußische Justizminister lässt sich die Hausarbeiten der Brüder in seine Mansardenwohnung in der Ritterstraße bringen. Dort entdeckt Jacob auf einem Bücherbrett die Sammlung von Minneliedern aus dem schwäbischen Zeitpunkte – im mittelhochdeutschen Original. Obwohl er Mühe hat, sie zu verstehen, ist er fasziniert.

In dieser Zeit zieht Clemens Brentano in die Reitgasse Nummer sechs – nur 300 Meter von den Grimms entfernt. Savigny macht die Studenten mit dem Dichter und dessen Frau bekannt; bald sind die Brüder häufige Gäste, diskutieren über Literatur, Poesie – und deutsches Liedgut. Anders als Brentano, der die Volkspoesie für seine eigene Dichtung verwendet, haben die Grimms keine Ambitionen als Literaten. Ihnen liegt das Dokumentarische, das gewissenhafte Aufzeichnen von Geschichten. In ihrer Freizeit sehen sie alte Manuskripte durch und notieren akribisch die Märchen, die Freunde ihnen erzählen. Frau Holle. Rapunzel. Schneewittchen und die sieben Zwerge. Mit ihrer wissenschaftlichen Genauigkeit werden sie zu Mitbegründern der Germanistik. Jacob bricht bald sein Studium ab und arbeitet zunächst in der kurfürstlichen Verwaltung; Wilhelm macht Examen, Asthma und Herzbeschwerden aber hindern ihn daran, eine Stelle anzutreten. 1812 veröffentlichen sie den ersten Band der Kinder- und Hausmärchen – eines der erfolgreichsten deutschen Bücher aller Zeiten.

Und wenn sie nicht gestorben wären? Wahrscheinlich würden sie Maschinenbau in Frankfurt studieren; das ist solide, vernünftig und nicht zu weit von zu Hause. In einem Blog dokumentierten sie die SMS-Kultur der Gegenwart; Wilhelm würde Kontakte knüpfen, Jacob die Kurznachrichten abtippen. Ein Facebook-Profil teilten sie sich. Jacob würde auf Studentendemos sprechen – und zum Bachelor dasselbe sagen wie zum Studium 1831: "es entspringt aus den vielen studienvorschriften, wenn sie durchzusetzen sind, einförmige regelmäszigkeit, mit welcher der staat in schwierigen hauptfällen doch nicht berathen ist. es ist alles zu viel vorausgesehn und vorausgeordnet, auch im kopf der studierenden."

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Leserkommentare
  1. Hallo, Zeit?
    Wie kann man BEI IHNEN einen Artikel über die Grimms so plakativ betiteln, dass jeder denken muss: "Huch, waren die Gebrüder etwa schwul?" ???
    Entweder kann der Autor sich nicht vorstellen und uns Lesern transportieren, wie es sich vor 200 Jahren angefühlt hat, als Angehöriger des "achten Ranges" zu studieren, oder der Artikel ist wieder ein blöder Lückenfüller, der eine möglichtst große Leseranzahl haschen soll. [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

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