Professoren-Kolumne Lassen sich Professoren bestechen?

Unser Kolumnist Fritz Breithaupt nimmt nie Geschenke von Studenten an. Er freut sich aber stets über ein "Danke".

Blumen, nein danke.

Blumen, nein danke.

Einmal habe ich selbst zu bestechen versucht. Es war in Afrika, eine Grenzstation in der Wüste wurde direkt vor meiner Nase geschlossen. Morgen wiederkommen, sagte der einsame Beamte. Er blieb aber einfach stehen. Ich drückte ihm also meinen Pass in die Hand, den ich zuvor mit einer Zehn-Dollar-Note präpariert hatte. Sie fiel heraus, der Beamte gab sie angewidert zurück, ich durfte eine Nacht auf dem Wüstenboden schlafen.

Was habe ich bloß falsch gemacht? Und kann es sein, dass meine Zunft korrupter ist als Beamte südlich der Sahara? Um die hundert deutsche Professoren, so wissen wir seit kurzem, haben die Banknoten stillschweigend eingesteckt und die Studenten zum Doktortitel durchgewinkt.

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Also: Wie besticht man erfolgreich? Wie ich gelernt habe, muss man beim Bestechen den ersten Schritt vorsichtig tun. Lieber abwarten, ob Bestechung erwünscht ist. So funktioniert es etwa in Russland, wo angeblich rund 50 Prozent aller Studenten ihre Dozenten schmieren. Dort verkündet der Professor seine Raten; zu Beginn des Semesters ist es meist billiger als später.

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Wer es wirklich darauf anlegen will, kann einen Prof, der einen hat durchfallen lassen, natürlich fragen, ob es noch irgendwelche Chancen gäbe. "Ich würde ja alles tun…" Erst im zweiten Schritt sollte man durchblicken lassen, dass man außerdem einen Stapel 500-Euro-Scheine günstig abzugeben hätte. Ein Doktortitel entspricht – wie wir jetzt wissen – etwa dem Wert eines halben Porsches.

Natürlich geht es auch ein bisschen kleiner: mit feinen Pralinen oder dem iPod, den Papas Firma gerade an die Mitarbeiter verteilt und nun sind da welche übrig geblieben. Für Ihre Kinder, Herr Professor Fritz! Nehmen Sie doch drei! Die Spender hoffen dabei wohl weniger auf einen ganzen Doktortitel als auf einen Extrapunkt pro iPod.

Ich nehme das alles nicht an. Auch nicht die noch kleineren Geschenke, die oft nicht einmal als Bestechung, sondern nur nett gemeint sind. Aber deutsche Professoren nagen im Gegensatz zu manchen russischen Kollegen nicht am Hungertuch und können sich ihren Wein notfalls selbst kaufen.

Was aber, wenn man sich als Student nun tatsächlich einmal dankbar fühlt? Wenn der Professor sich für einen ins Zeug legt, etwa ein tolles Gutachten schreibt? – Ein Ständchen singen? Ein Aquarell malen? Um Gottes willen! Eine kleine Dankeskarte ist genau richtig und genug. Es muss auch wirklich keine 10-Dollar-Note drin sein.

Professor Fritz Breithaupt, 42, erklärt in ZEIT CAMPUS regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrte Germanistik in Hamburg, Mannheim und an der FU Berlin und arbeitet nun an der Indiana University in Bloomington, USA

 
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