Berufseinstieg Alles außer Hochdeutsch
Um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, lassen sich Absolventen in Hochdeutschkursen ihren Dialekt abtrainieren.
"A!", sagt Miriam-Anna, 24, und legt den Daumen unter die Schneidezähne. Noch mal: "A!" Dann liest sie laut einen Text, in dem viele As vorkommen, "Anton aß am Abend alle Austern auf." – "Gut! Und den Kiefer schön locker lassen", korrigiert ihre Lehrerin, Ariane Willikonsky. Zweimal im Monat kommt Miriam-Anna zum Unterricht, jedes Mal wird sie ein wenig besser. Ihr Ziel: Sie möchte ihren schwäbischen Dialekt loswerden und Hochdeutsch sprechen.
Immer wenn Miriam-Anna in ihrem Beruf als Schauspielerin beim Vorsprechen sagt: "Grüß Gott, mein Name ischt Miriam-Anna", kommt gleich die Frage: "Können Sie Hochdeutsch?" Miriam-Anna kann es nicht richtig. "Und Schwäbisch macht sich nicht gut auf dem Arbeitsmarkt."

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Nicht nur Schauspieler kennen das Problem. Auch Jule, 21, von Beruf Textilkauffrau, glaubt, dass ihr der Dialekt schaden kann. Sie kommt aus Leipzig, und als sie in Frankfurt am Main lebte, waren die Reaktionen besonders ablehnend. Da stand sie manchmal auf Partys und sagte: "Hallo, isch bin de Jule und gomm aus Leipzsch." Und alle lachten über ihren Dialekt. "Mein Sächsisch klingt eben ein bisschen asozial." Im Beruf bemüht sie sich sehr, Hochdeutsch zu sprechen. "Das Sächsische kommt bei meinen Chefs gar nicht gut an, glaube ich."
"Viele Studenten fragen mich, ob ihr Dialekt ein Problem sei", erzählt Gert Ueding, Rhetorik-Professor in Tübingen. Er hat dann immer dieselbe Antwort: "Leider ist es in unserer Gesellschaft so, dass jemandem, der die Hochsprache nicht korrekt beherrscht, fachlich weniger zugetraut wird."
Auch die Sprachlehrerin Willikonsky sagt, dass Mundart der Karriere schaden könne: "Mit manchen Dialekten verbindet man Inkompetenz." An ihrer Schule in Stuttgart unterrichtet sie Dialektsprecher aus ganz Deutschland, rund ein Viertel davon sind Berufsanfänger wie Miriam-Anna, die sich vom Hochdeutschen bessere Berufschancen erhoffen. 45 Minuten kosten 40 Euro.
Aber werden Dialektsprecher wirklich benachteiligt? Selbst wenn – große Arbeitgeber wie die Deutsche Telekom oder Daimler würden es nicht offen zugeben: "Dialekte sind kein Karrierehindernis", heißt es dort offiziell. Jule würde anders als Miriam-Anna ohnehin niemals für einen Hochdeutschkurs bezahlen. Ihr Argument: Wolfgang Tiefensee brachte es – trotz Sächseln – bis zum Verkehrsminister.
- Datum 01.12.2009 - 10:58 Uhr
- Quelle ZEIT CAMPUS 01/2010
- Kommentare 33
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Das war zumindest bei mir so und ich spreche definitiv keinen Dialekt - obschon ich im Ruhrgebiet aufgewachsen bin...
Falsch gedacht. Im Ruhrgebiet ist Dialekt viel weniger universell als in vielen anderen Regionen wo nahezu jeder Dialekt spricht. In anderen Regionen hat Dialekt einen anderen Stellenwert und wird deswegen auch in der Schule gesprochen, von Schülern und auch Lehrern.
In der Schule sind die Mitschüler selten eine Hilfe ... und die Lehrer auch nicht immer ...
Dass Sie keinen Dialekt sprechen haben Sie nicht aus der Schule sondern von zu Hause und aus Ihrer Umgebung. Gerade im Ruhrgebiet spricht man eben keinen Dialekt wenn man ganz leichten Sprachvariationen absieht. Deswegen finden sich im Ruhrgebiet auch soviele Callcenter, nicht nur gibts hier genug Arbeitslose, die sprechen auch noch sauberes Deutsch wie man es an einer Hotline haben will.
Der Dialekt im Ruhrgebiet ist lange nicht so stark wie der in Bayern, Schwaben oder Sachsen.
Falsch gedacht. Im Ruhrgebiet ist Dialekt viel weniger universell als in vielen anderen Regionen wo nahezu jeder Dialekt spricht. In anderen Regionen hat Dialekt einen anderen Stellenwert und wird deswegen auch in der Schule gesprochen, von Schülern und auch Lehrern.
In der Schule sind die Mitschüler selten eine Hilfe ... und die Lehrer auch nicht immer ...
Dass Sie keinen Dialekt sprechen haben Sie nicht aus der Schule sondern von zu Hause und aus Ihrer Umgebung. Gerade im Ruhrgebiet spricht man eben keinen Dialekt wenn man ganz leichten Sprachvariationen absieht. Deswegen finden sich im Ruhrgebiet auch soviele Callcenter, nicht nur gibts hier genug Arbeitslose, die sprechen auch noch sauberes Deutsch wie man es an einer Hotline haben will.
Der Dialekt im Ruhrgebiet ist lange nicht so stark wie der in Bayern, Schwaben oder Sachsen.
Falsch gedacht. Im Ruhrgebiet ist Dialekt viel weniger universell als in vielen anderen Regionen wo nahezu jeder Dialekt spricht. In anderen Regionen hat Dialekt einen anderen Stellenwert und wird deswegen auch in der Schule gesprochen, von Schülern und auch Lehrern.
hochdeutsch zu können ist ja auch gut! fein! lob! englisch aber auch! das ist für mich eine DIN norm! eine art minimum, nichts zum angeben! wer dann noch einen dialekt dazu beherrscht, wird für mich interessant!
In der Schule sind die Mitschüler selten eine Hilfe ... und die Lehrer auch nicht immer ...
wenn man sonst keine hobbys hat...
Dialekt zu Hause, Familie, im Ort, im Verein - alles ok!
Hochdeutsch ist aber Muss in Business und Politik. Ein Deutscher, der nicht richtig hochdeutsch sprechen und schreiben kann ist ein "No GO"! In der Schweiz können
z.B. weniger als 10% richtiges Hochdeutsch sprechen
und schreiben. Ca. 60% können nur ihren Dialekt sprechen!
Das ist grausam! Es gibt dort Wortkreationen, über die man in Deutschland lachen oder mit dem Kopf schütteln würde.
In der Schweiz werden vier verschiedene Sprachen gesprochen. Da ist es wichtiger, dass man französisch, italienisch und deutsch versteht und sich darin verständigen kann (wer da noch rumantsch kann: Hut ab!) - und natürlich in englisch, das ist selbstverständlich.
Wenn verlangt wird, dass man nach deutschem Vorbild den Dialekt ablegt und "reines Hochdeutsch" spricht ist das etwas viel verlangt. Woher haben Sie denn diese Zahlen?
Schon in den Schulen der deutschsprachigen Kantone spricht man Hochdeutsch; die TV-Sendungen sind grösstenteils auf deutsch; es existieren weder Zeitschriften noch Bücher auf schweizerdeutsch. Wir schreiben genau so Hochdeutsch wie sie. Die 90%, die Ihrer Meinung nach weder Hochdeutsch sprechen noch schreiben kann, die möchte ich gerne mal sehen.
Ausserdem: Warum sollte da das Schweizer-Hochdeutsch ganz ohne Akzent sein? Das ist ein eigenes Land und ausserdem finden es doch gerade die Deutschen so ungeheuer "süss", wenn die Schweizer mit ihrem charmanten Akzent Hochdeutsch reden.
Ohjeh, mit solchen Dummgeschwätz machen Sie sich Schweizer zu Feinden. Schweizer sprechen keinen Dialekt. Schweizerdeutsch ist kein Dialekt des Deutschen.
In der Schweiz werden vier verschiedene Sprachen gesprochen. Da ist es wichtiger, dass man französisch, italienisch und deutsch versteht und sich darin verständigen kann (wer da noch rumantsch kann: Hut ab!) - und natürlich in englisch, das ist selbstverständlich.
Wenn verlangt wird, dass man nach deutschem Vorbild den Dialekt ablegt und "reines Hochdeutsch" spricht ist das etwas viel verlangt. Woher haben Sie denn diese Zahlen?
Schon in den Schulen der deutschsprachigen Kantone spricht man Hochdeutsch; die TV-Sendungen sind grösstenteils auf deutsch; es existieren weder Zeitschriften noch Bücher auf schweizerdeutsch. Wir schreiben genau so Hochdeutsch wie sie. Die 90%, die Ihrer Meinung nach weder Hochdeutsch sprechen noch schreiben kann, die möchte ich gerne mal sehen.
Ausserdem: Warum sollte da das Schweizer-Hochdeutsch ganz ohne Akzent sein? Das ist ein eigenes Land und ausserdem finden es doch gerade die Deutschen so ungeheuer "süss", wenn die Schweizer mit ihrem charmanten Akzent Hochdeutsch reden.
Ohjeh, mit solchen Dummgeschwätz machen Sie sich Schweizer zu Feinden. Schweizer sprechen keinen Dialekt. Schweizerdeutsch ist kein Dialekt des Deutschen.
Also, ich spreche ja keinen Dialekt, aber Leute deswegen beruflich zu benachteiligen, hat schon etwas Abartiges an sich.
Diese extreme Oberflächlichkeit kann echt nicht gesund sein.
O tempora, o mores.
*kopfschüttel*
"Also, ich spreche ja keinen Dialekt, aber Leute deswegen beruflich zu benachteiligen, hat schon etwas Abartiges an sich." Falsch, des muss fei sein. Schäuble: "Die Welt zu Gascht bei Freunden" - peinlich, peinlich. Bei Kohl hat alle Welt die Nase gerümpft, weil man ihm den Pfälzer anhörte; er wurde bekanntlich noch als Kanzler belächelt (sicherlich auch aus anderen Gründen).
"Also, ich spreche ja keinen Dialekt, aber Leute deswegen beruflich zu benachteiligen, hat schon etwas Abartiges an sich." Falsch, des muss fei sein. Schäuble: "Die Welt zu Gascht bei Freunden" - peinlich, peinlich. Bei Kohl hat alle Welt die Nase gerümpft, weil man ihm den Pfälzer anhörte; er wurde bekanntlich noch als Kanzler belächelt (sicherlich auch aus anderen Gründen).
...zwischen Dialekt und Akzent. Es gibt Dialekte, die haben teilweise eine eigene Grammatik und eigene Vokabeln. Mit sowas kann man oft nichtmal in einer Firma ankommen, die im Gebiet des Dialekts liegt. Und das ist meines Erachtens auch richtig so.
Aber jemanden wegen eines Akzents beruflich zu benachteiligen zeugt von einer ziemlichen Arroganz! Herkunft darf kein Nachteil sein, und man sollte sie auch nicht verstecken müssen.
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