Studentenproteste Die Flitzer von Manila
Jedes Jahr im Dezember rennen philippinische Studenten nackt über ihren Campus. Mit der Aktion wollen sie protestieren - wogegen, entscheiden sie ganz spontan.
© Jay Directo/AFP/Getty Images

Die nackten Studenten von Manila
Fritz Sapon kennt das Ritual schon. Es wird laufen wie jedes Jahr, und doch ist er jedes Mal ein bisschen aufgeregt, wenn er sich auf dem Männerklo des Chemischen Instituts der Universität von Manila auszieht: erst Schuhe und Hose, dann Hemd und Strümpfe und zum Schluss die Unterhose. Sein Gesicht vermummt er mit einem Tuch – so weit geht der Mut dann doch nicht. Schließlich schnappt er sich ein Plakat und rennt los – er und rund 30 Brüder seiner Verbindung Alpha Phi Omega. Splitternackt rennen sie über den Campus, vorbei an Fernsehkameras und grölenden Studenten, die das Spektakel mit ihren Handys fotografieren.
»Das Gefühl ist unbeschreiblich«, sagt Fritz, der Vorsitzender von Alpha Phi Omega ist. »Eine Mischung aus Erregung, Nervosität und Adrenalin.« So war es von seinem ersten Nacktlauf im Jahre 2003 an. Er sagt, dass es Spaß mache, wenn die Studentinnen kreischten, kicherten und die Hände ausstreckten, um ihn zu berühren. »Ich mache es aber nicht deswegen. Es geht mir um den Protest.«

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1977 haben Mitglieder der prominenten Studentenverbindung erstmals auf diese Weise protestiert, als der damalige Diktator Ferdinand Marcos ein Theaterstück verbieten ließ, das Menschenrechtsverletzungen anprangerte. Seitdem gibt es den Nacktlauf jedes Jahr, immer zu einem anderen Thema. Die Nacktläufer haben gegen die Erhöhung der Studiengebühren um 300 Prozent protestiert, sie haben den Rücktritt der umstrittenen Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo gefordert und sich für Aids-Aufklärung eingesetzt. »Wir entscheiden erst kurz vorher, wofür wir laufen«, sagt Fritz, »vielleicht laufen wir diesmal dafür, dass es bei der nächsten Präsidentenwahl keinen Betrug gibt.«
Das Vorbild für den sogenannten Oblation Run ist die bronzene Statue eines Jünglings, die am Haupteingang der Universität steht. Oblation – Opfergabe – heißt sie und symbolisiert die Aufopferung der Studenten für ihr Land. Früher war der Jüngling nackt, heute bedeckt ein Feigenblatt seine Genitalien.
In dem konservativen Land, wo 80 Prozent der Bevölkerung katholisch sind, erregen die Nackten jedes Jahr aufs Neue großes Aufsehen. Der Justizminister Raul Gonzales kritisierte die liberale Universität kürzlich mit den Worten, sie bringe nur Unruhestifter und Nacktläufer hervor. Die Verbindungsbrüder waren entzückt. Sie organisierten spontan einen außerordentlichen Nacktlauf – zu Ehren des konservativen Ministers.
- Datum 04.12.2009 - 09:48 Uhr
- Quelle ZEIT CAMPUS 01/2010
- Kommentare 8
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....Das wäre doch mal eine Maßnahme für unsere Studentproteste. Wenn bei uns die gesellschaftlichen Zwänge auch bald asiatische Ausmaße angenommen haben (was zu erwarten ist) - dann wird es endlich auch bei uns Nacktläufer geben....
Sehr vernünftig !!
Denn die momentanen Proteste an deutschen >Universitäten< rufen doch nur den Vergleich mit den ehemaligen ´68ern hervor.
Darüber hinaus werden Einrichtungen zerstört, was schlußendlich nur Zerstörung ist und weder dem Protestthema noch dem laufenden Studier-Unterricht nutzt.
In Manila hingegen wird durch diese Nackt-Aktion öffentliches Aufsehen, sowie eine spontane Bekanntmachung zum jeweiligen Thema hervorgerufen und keine Einrichtungen noch sonstige Sachgegenstände zerstört. Eine insgesamt sinnvolle Aktion !!!
Sehr geehrter waraoindio,
zwar begrüße auch ich die Idee der Nacktläufer von Manila, doch muss ich ihnen erstens mitteilen, dass es bereits Aktionen im Rahmen des Bildungsstreiks gegeben hat, bei denen die Studenten nackt durch Innenstädte gegangen/gerannt sind. Nach dem Motto einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche fassen.
Außerdem verbitte ich mir, die aktuellen Studentenproteste als zerstörerisch darzustellen. Ja es hat Sachbeschädigungen geben. Doch die Mehrheit der Proteste laufen friedlich und ohne Sachschäden ab. Die Studenten kehren die Hörsäle und kümmern sich um einen sauberen und heilen Hörsaal. Es geht ja auch nicht um die Zerstörung der Universitäten, sondern eben um eine bessere und freiere Bildung für viele. Will sagen, abgesehen von einigen traurigen Zwischenfällen gehen die Studenten mit den Universitäten besser um als es die Polizei und auch die Rektorate tun, die die Universitäten räumen lassen.
Sehr geehrter waraoindio,
zwar begrüße auch ich die Idee der Nacktläufer von Manila, doch muss ich ihnen erstens mitteilen, dass es bereits Aktionen im Rahmen des Bildungsstreiks gegeben hat, bei denen die Studenten nackt durch Innenstädte gegangen/gerannt sind. Nach dem Motto einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche fassen.
Außerdem verbitte ich mir, die aktuellen Studentenproteste als zerstörerisch darzustellen. Ja es hat Sachbeschädigungen geben. Doch die Mehrheit der Proteste laufen friedlich und ohne Sachschäden ab. Die Studenten kehren die Hörsäle und kümmern sich um einen sauberen und heilen Hörsaal. Es geht ja auch nicht um die Zerstörung der Universitäten, sondern eben um eine bessere und freiere Bildung für viele. Will sagen, abgesehen von einigen traurigen Zwischenfällen gehen die Studenten mit den Universitäten besser um als es die Polizei und auch die Rektorate tun, die die Universitäten räumen lassen.
Sehr geehrter waraoindio,
zwar begrüße auch ich die Idee der Nacktläufer von Manila, doch muss ich ihnen erstens mitteilen, dass es bereits Aktionen im Rahmen des Bildungsstreiks gegeben hat, bei denen die Studenten nackt durch Innenstädte gegangen/gerannt sind. Nach dem Motto einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche fassen.
Außerdem verbitte ich mir, die aktuellen Studentenproteste als zerstörerisch darzustellen. Ja es hat Sachbeschädigungen geben. Doch die Mehrheit der Proteste laufen friedlich und ohne Sachschäden ab. Die Studenten kehren die Hörsäle und kümmern sich um einen sauberen und heilen Hörsaal. Es geht ja auch nicht um die Zerstörung der Universitäten, sondern eben um eine bessere und freiere Bildung für viele. Will sagen, abgesehen von einigen traurigen Zwischenfällen gehen die Studenten mit den Universitäten besser um als es die Polizei und auch die Rektorate tun, die die Universitäten räumen lassen.
Das passt - unverkennbar am Feigenblatt, irgendwie schamhaft, aber wahrlich revolutionär - zu anderen Akt-Nacktheiten, mit denen anderswo noch erkennbare Weiblichkeiten sich Kalendergelder erblitzen lassen:
http://community.senioren...
... gegen den Nacktscanner rebellieren, oder?
Na ja, so witzig war es jetzt auch nicht. Nehme ich zurück.
Nackt (fast) protestieren gegen den Nacktscanner - wurde gemacht:
http://www.youtube.com/wa...
Nackt (fast) protestieren gegen den Nacktscanner - wurde gemacht:
http://www.youtube.com/wa...
Passagiere, kommt alle nackt zum Flughafen! Hmm, vielleicht eher 'ne Aktion für den August!
Ich verstehe nicht ganz, was einige Kommentatoren hier gegen diese Art des Protestes haben. Es ist zwar eine skurrile Art des Protestes und auch nicht klar, ob es etwas bewirkt. Aber es hilft den Protestierenden sicherlich ihren Mut zu behalten. Und: So ein Protest ist eindeutig gewaltfrei und eigentlich eines sehr lustige und irgendwie auch lebenslustige Idee (es sei denn man hat irgendein gestörtes Verhältnis zu seiner Körperlichkeit - hinschauen muß ja schließlich niemand, den's stört). Schade, hier ist es meistens zu kalt dazu!
Die Idee, nackt ins Flugzeug zu steigen, erscheint mir gar nicht so übel. War das nicht so, dass sehr strenge Muslime keine nackten Frauen sehen dürfen, mit denen sie nicht verheiratet sind, unter Androhung nicht ins Paradies zu kommen?
Nackt (fast) protestieren gegen den Nacktscanner - wurde gemacht:
http://www.youtube.com/wa...
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