Peter Kloeppel nimmt gern die Currywurst, obwohl er als Nachrichtenmann jeden Lebensmittelskandal kennt – und als Agrarwissenschaftler weiß, wo das Fleisch herkommt. Kloeppel, 51, hat das Fach in Göttingen studiert. 1985 ging er zu einem kleinen Sender namens RTL, wurde dort Praktikant, später Nachrichtenmoderator und schließlich Chefredakteur.

ZEIT CAMPUS: Herr Kloeppel , was macht man eigentlich, wenn Schweinen langweilig ist?

Peter Kloeppel: Man muss sie beschäftigen. Natürlich hat der Bauer keine Zeit, mit den Schweinen zu spielen, also muss er ihnen was zum Spielen geben. Stroh zum Beispiel. Das Schwein ist ein sehr haptisch orientiertes Tier, es kann dann mit seiner Rüsselscheibe im Stroh herumwühlen und tun, was es am liebsten tut: Schwein sein.

ZEIT CAMPUS: Genau davon handelte Ihre Diplomarbeit »Vergleich von Verhaltensaktivitäten und Aufzuchtentwicklung von Ferkeln in einstreulosen und eingestreuten Haltungssystemen«. Was haben Sie herausgefunden?

Kloeppel: Dass das Schwein sich freut, wenn es etwas zu tun hat. Wenn man den Ferkeln etwas zum Spielen gibt, belohnen sie das mit besseren Aufzuchtentwicklungen, wie wir Fachleute sagen.

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ZEIT CAMPUS: Waren Sie vor dem Studium überhaupt jemals auf einem Bauernhof?

Kloeppel: Zumindest nicht zum Arbeiten.

ZEIT CAMPUS: Wie kamen Sie dann auf das Fach?

Kloeppel: Der Vater eines Freundes war Agrarwissenschaftler, ich fand das spannend.

ZEIT CAMPUS: Haben Sie auch als Bauer gearbeitet?

Kloeppel: Ich habe direkt nach dem Abitur mein erstes Praktikum auf einem Hof in Nordhessen absolviert. Am ersten Tag habe ich Trecker fahren gelernt, am zweiten Tag mit dem Trecker im Dorf einen Zaun kaputt gemacht. Ich wusste nicht, dass man beim Fahren mit Anhänger einen weiten Bogen in der Kurve machen muss. Es war trotzdem nicht mein letztes Praktikum.

ZEIT CAMPUS: Sie sind dennoch nicht Landwirt geworden, sondern Journalist. Warum?

Kloeppel: Es gibt für Landwirte keinen Samstag und Sonntag, und wenn sie mal für eine Woche in den Urlaub fahren können, dann ist das schon viel. Ich war aber gern unterwegs, weg von der eigenen Scholle. Ich habe auch gern geschrieben, gern Sachen erklärt, gern Dinge herausgefunden. Deswegen schien mir Agrarjournalismus eine Alternative zu sein.

Natürlich gab es Momente bei "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!", in denen ich dachte: Muss das sein?

ZEIT CAMPUS: An der Journalistenschule in Hamburg müssen Sie ein ziemlicher Exot gewesen sein.

Kloeppel: Ja, aber wahrscheinlich bin ich genau deswegen genommen worden. Anfang der Achtziger wurden Umweltthemen wichtig, die Auswahljury hat sich wohl gedacht, es könne nicht schaden, einen Bauern zu haben, der sich damit auskennt. Meine Mitschüler waren meist Germanisten oder Politologen. Die haben sich nicht mehr eingekriegt, als ich ihnen einmal die künstliche Besamung von Schweinen erklärt habe.

ZEIT CAMPUS: Wie geht das denn?

Kloeppel: Erst mal braucht man natürlich eine Sau, die »in der Rausche« ist, also in der fruchtbaren Phase ihres Zyklus. Das kann man als Landwirt gut erkennen: Sie brummt vor sich hin, steht stocksteif da und will sich nicht bewegen. In dem Moment muss man einen Eber bei der Hand haben oder den Samen eines Ebers – aber das wollen Sie doch nicht ernsthaft wissen, oder?

ZEIT CAMPUS: Warum nicht?

Kloeppel: Um es kurz zu machen: Man nimmt eine Pipette, der Samen wird eingeführt, fertig.

ZEIT CAMPUS: Können Sie auch ein Rind zerlegen?

Kloeppel: Ich habe gelernt, ein Huhn zu schlachten. Ein ganzes Rind würde ich mir nicht zutrauen.

ZEIT CAMPUS: Was kann man in der Landwirtschaft fürs Leben lernen?

Kloeppel: Man lernt, Geduld zu haben: Man kann nicht nach dem Säen gleich wieder ernten, man muss eine Saison lang hart dafür arbeiten. Die Landwirtschaft lehrt einen auch Pragmatismus und Demut: Man muss lernen, damit zu leben, dass man sich größte Mühe geben kann, alles richtig macht und einem trotzdem ein Hagelsturm die Ernte eines ganzen Jahres zerstört.