Besser Silvester feiern "Ja, äh, und du so?"
Das Schlimmste auf WG-Partys sind langweilige Gespräche und peinliche Flirts. Wir haben Roger Willemsen und Flirtcoach Sergej Linz gefragt, wie man das ändern kann.
So kommt man ins Gespräch
ZEIT CAMPUS: Herr Willemsen, Sie gelten als Meister der Konversation. Worüber sprechen Sie mit Menschen, die Sie nicht kennen?
Roger Willemsen: Meistens über ein Thema, bei dem ich Gemeinsamkeiten vermute. Außerdem konzentriere ich mich auf das, was mir am Gegenüber schön erscheint. Menschen sollten sich öfter Angenehmes sagen und Konventionelles vermeiden.
ZEIT CAMPUS: Nennen Sie mal ein Beispiel.
Willemsen: Ich habe mal einen Mann angesprochen, der auffälliges Brusthaar hatte. Ich sagte als Erstes: Mann, haben Sie Haar! Das war ein wenig intim, aber es hat funktioniert.
ZEIT CAMPUS: War das angenehm für Ihr Gegenüber?
Willemsen: Für diesen Mann, dem ich Humor zutraute, war es zumindest erträglich. Unterhaltungen, die in der Kühnheit geboren sind, sind zumindest nicht langweilig. Es ist gut, zu Beginn des Gesprächs eine unausweichliche Frage zu stellen, weil das eine klare Antwort provoziert. Und sei es eine brüskierte Antwort.
ZEIT CAMPUS: Worüber redet man mit Menschen, an denen man nichts spannend findet?
Willemsen: Am besten über das, wovon sie etwas verstehen. Neulich saß ich mit Bankern zusammen. Das interessanteste Gespräch war das über Geld.
ZEIT CAMPUS: Und worüber sprechen Sie gern?
Willemsen: Ich versuche stets, Einsamkeit zu überbrücken, indem ich Gemeinsamkeit herstelle. Und sei es, dass ich sage: Jenes Hotel in Sydney ist ein Ärgernis. Und dann beschreibe ich die Form der Handtuchhalter. Dann habe ich etwas Spezifisches gesagt und bin mit meinem Gefühl des Missfallens nicht mehr alleine. Das Reden über Klischees hingegen ist deshalb so trostlos, weil es einen vereinsamt. Denn da gibt man nichts von sich selbst preis.
ZEIT CAMPUS: Waren die Handtuchhalter in Sydney denn wirklich schrecklich?
Willemsen: Ja, aber nicht so schrecklich wie die zu einem gleichschenkligen Dreieck gefalteten Toilettenpapierspitzen. Da muss ich immer daran denken, wie Wanderarbeiter sich abmühen, um uns das Herausziehen von Toilettenpapierblättern zu erleichtern.
ZEIT CAMPUS: Worüber reden Menschen am liebsten?
Willemsen: Die meisten finden sehr bald einen Weg, um über sich selbst zu sprechen. Gesprächspartner wollen häufig, dass man ihnen eine Brücke baut, damit sie selber reden können.
ZEIT CAMPUS: Gibt es Themen, die Sie auf Partys nicht mehr hören können?
Willemsen: Der politische Diskurs erscheint mir da, wo er zum Kotzen liberal ist, schon aus hygienischen Gründen unerfreulich.
ZEIT CAMPUS: Es gibt auf YouTube ein Video, in dem Sie mit Charlotte Roche »Wahrheit oder Pflicht« spielen. Würden Sie das Spiel für Partys empfehlen?
Willemsen: Sehr. Aber ich empfehle es nur unter der Voraussetzung, dass man sich an die Statuten hält, bei Wahrheit aufrichtig ist und bei Pflicht nicht feige wird. Dann stellt man fest, dass es wenige gibt, die gute Fragen stellen. Und dass es viele windelweiche Wege gibt, sich aus der Verantwortung zu stehlen.»
Roger Willemsen ist Publizist und bekannt für seine ausdauernde Gesprächigkeit
- Datum 30.12.2009 - 15:31 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.12.2009 Nr. 01
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billige tricks für 14jährige.
;-)
...echtes Interesse!
Die erste Seite des Artikels war in gewissem Maße amüsant, die zweite mehr lächerlich.
Ach, wie ist die Welt doch so kompliziert!
Wer sich unter Menschen auf einer Party langweilt, ist entweder auf der falschen Party, oder hat sich das falsche Scheinselbst aufgebaut. Man könnte, nur so als Tipp, die Party verlassen, oder einfach mal (für die anderen überraschend) authentisch sein. Da wäre die Langeweile sehr schnell weg.
Und wer sein Gegenüber nicht auf Objektstatus reduziert, wie der Baggerfahrer auf Seite zwei, ist wesentlich interessanter, weil er nicht das gleiche Verhalten und den gleichen Sprachmüll absondert, wie die anderen Baggerfahrerauszubildnen.
Wer Einsam bleiben will, braucht nur absolut cool und desinteressiert auftreten und sich selbst für die/den Größte/n zu halten. Bei der nächsten Party, merken wir uns eben andere Filmstars, andere Gesten und Bewegungen, andere Plattkopfsprüche aus Privat-TV Comedys, die garantiert niemand kennt. Dann klappt das schon, mit dem süßen Knackarsch, der/die zu blöd ist, einfach mal die Maske abzunehmen.
Hach, was man nicht Alles von selbsternannten "Flirtcoaches" lernen kann:
1. Wir Frauchen wollen Aufmerksamkeit!
2. Und zwar von Alpha-Männern, die, von ihrem unwiderstehlichen Charme überzeugt, des Nachts auf die Jagd nach Weibchen gehen.
3. Wir gieren nach der Beachtung eines solchen Prachtexemplars und werden sofort eifersüchtig, wenn es sich mit einer unserer Freundinnen/Konkurrentinnen beschäftigt.
4. Dann verfallen wir in den Balz-Modus und lassen unsere Reize spielen.
5. Wenn das gewirkt hat, testen wir die Versorgerqualitäten des Männchens mit perfiden Tricks, denn jedes Weibchen sucht nach einem Ernährer und Beschützer.
6. Diese Taktik wird natürlich sofort durchschaut. Wo kämen wir hin, wenn ein Alpha-Männchen auf die Wünsche seines Zielobjekts eingehen würde! Gönnerhaft, wie es nun einmal ist, holt es dennoch einen Drink.
7. Dafür muss das Frauchen sich aber auch revanchieren! Umsonst gibt es nichts.
8. Wir, das oberflächliche Geschlecht, interessieren uns auch nicht für Männerkram wie Politik und Wirtschaft (ganz zu schweigen von sozialen, gesellschaftlichen oder philosophischen Themen). Nein, unsere kleinen Mädchenhirne wollen nur wissen, was dieser begehrenswerte Rudelführer in seinem aufregenden Alltag erlebt.
Danke an den Baggerführer und Alpha-Macho Sergej Linz, der uns das so schön erklärt hat!
Bei Frauen muss man auf sogenannte Shit-Tests aufpassen. Wenn eine Frau fragt, ob man ihr was zu trinken holen kann, will sie nicht nur ein Getränk, sondern etwas über den Mann erfahren: Wie schnell geht er auf meine Wünsche ein?
Ich würde irgendwie nie auf die Idee kommen, jemanden aufzufordern, mir was zu trinken zu holen. Den Wunsch muss derjenige schon selbst verspüren. Das ist doch wirklich ein Scheißtest.
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