Kopierte Hausarbeiten, frisierte Laborwerte, gekaufte Doktortitel: Wie Studenten und Professoren auf die schiefe Bahn geraten

Fast jedes Seminar beginnt heute mit einem Verdacht. Er hat die Größe eines DIN-A4-Zettels und wandert von vorne nach hinten durch die Hörsaalreihen – per Anwesenheitsliste wird kontrolliert, ob auch ja niemand im Bett geblieben ist. Die Verdächtigungen ziehen sich weiter durchs Semester: Die Hausarbeit scannt nicht nur ein scharfer Professorenblick, sondern inzwischen auch eine Software, die prüft, ob sich nicht Passagen aus dem Internet oder der Arbeit eines Kommilitonen darin finden. Während der Klausur begleitet den Studenten an manchen Fakultäten sogar ein Aufpasser zur Toilette – er könnte dort ja Literatur versteckt haben oder einen Freund anrufen, der ihm die Ergebnisse einflüstert.

Studenten scheinen an den Unis kein sonderlich großes Vertrauen zu genießen. Auf der anderen Seite des Hörsaals stehen dagegen die Hüter der Wahrheit – kaum eine Berufsgruppe ist mit so viel Prestige gesegnet wie die Hochschulprofessoren.

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Doch gerade in den letzten Monaten häuften sich Nachrichten, die einen Schatten auf die hehre Welt der Wissenschaft werfen. Da hat ein ehemaliger Professor der Uni Frankfurt versucht, eine wertvolle Sammlung prähistorischer Affenschädel auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Um an Fördergelder zu gelangen, sollen Mitarbeiter der Uni Göttingen die Anträge mit falschen Angaben aufgeppt haben. Und die Staatsanwaltschaft Köln wirft Professoren vor, sie hätten gegen Bestechungsgeld Doktoranden angenommen und mäßige Promotionen durchgewinkt. Die Ermittlungen laufen. Es geht dabei nicht um einige wenige, sondern um über hundert Dozenten. Aus Tübingen , Leipzig, Rostock . Aus Jena, Bayreuth , Ingolstadt. Aus Hamburg, Hannover , Köln und weiteren Uni-Städten. Und die Studenten, die selbst bis zur Peinlichkeit kontrolliert werden, fragen sich: Wo bin ich hier bloß gelandet?

Wer sich an deutschen Unis umsieht, stößt nicht nur auf akademische Wahrheitssuche, sondern auch auf Mauscheleien und auf Betrug. Woran liegt das? Woher kommt diese Unehrlichkeit? Sorgt das System Uni dafür, dass alle kriminell werden? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, kann die Uni für einen Moment als das betrachten, was sie zuweilen ist – als Kulisse für Kriminalfälle. Der erste Schritt: eine Tatortbegehung.