Betrug an der Hochschule Tatort Uni
Kopierte Hausarbeiten, frisierte Laborwerte, gekaufte Doktortitel: Wie Studenten und Professoren auf die schiefe Bahn geraten
© Markus Burke

Wie ehrlich geht es an der Uni zu?
Fast jedes Seminar beginnt heute mit einem Verdacht. Er hat die Größe eines DIN-A4-Zettels und wandert von vorne nach hinten durch die Hörsaalreihen – per Anwesenheitsliste wird kontrolliert, ob auch ja niemand im Bett geblieben ist. Die Verdächtigungen ziehen sich weiter durchs Semester: Die Hausarbeit scannt nicht nur ein scharfer Professorenblick, sondern inzwischen auch eine Software, die prüft, ob sich nicht Passagen aus dem Internet oder der Arbeit eines Kommilitonen darin finden. Während der Klausur begleitet den Studenten an manchen Fakultäten sogar ein Aufpasser zur Toilette – er könnte dort ja Literatur versteckt haben oder einen Freund anrufen, der ihm die Ergebnisse einflüstert.
Studenten scheinen an den Unis kein sonderlich großes Vertrauen zu genießen. Auf der anderen Seite des Hörsaals stehen dagegen die Hüter der Wahrheit – kaum eine Berufsgruppe ist mit so viel Prestige gesegnet wie die Hochschulprofessoren.

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Doch gerade in den letzten Monaten häuften sich Nachrichten, die einen Schatten auf die hehre Welt der Wissenschaft werfen. Da hat ein ehemaliger Professor der Uni Frankfurt versucht, eine wertvolle Sammlung prähistorischer Affenschädel auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Um an Fördergelder zu gelangen, sollen Mitarbeiter der Uni Göttingen die Anträge mit falschen Angaben aufgeppt haben. Und die Staatsanwaltschaft Köln wirft Professoren vor, sie hätten gegen Bestechungsgeld Doktoranden angenommen und mäßige Promotionen durchgewinkt. Die Ermittlungen laufen. Es geht dabei nicht um einige wenige, sondern um über hundert Dozenten. Aus Tübingen, Leipzig, Rostock. Aus Jena, Bayreuth, Ingolstadt. Aus Hamburg, Hannover, Köln und weiteren Uni-Städten. Und die Studenten, die selbst bis zur Peinlichkeit kontrolliert werden, fragen sich: Wo bin ich hier bloß gelandet?
Wer sich an deutschen Unis umsieht, stößt nicht nur auf akademische Wahrheitssuche, sondern auch auf Mauscheleien und auf Betrug. Woran liegt das? Woher kommt diese Unehrlichkeit? Sorgt das System Uni dafür, dass alle kriminell werden? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, kann die Uni für einen Moment als das betrachten, was sie zuweilen ist – als Kulisse für Kriminalfälle. Der erste Schritt: eine Tatortbegehung.
Tatort Labor: Die Jagd nach dem perfekten Ergebnis
Das Labor steht für die Forschung wie kaum ein anderer Ort. Hier bauen Wissenschaftler Experimente auf, hier sammeln sie die Daten, die sie später veröffentlichen und diskutieren. Je aufsehenerregender die Messdaten, desto besser für die Forscher.
Friedhelm H. hat für Aufsehen gesorgt. Schon als junger Forscher hat er in den bedeutendsten Zeitschriften seiner Disziplin veröffentlicht. H. forschte in Mainz, Freiburg, Berlin und Ulm über Jahre hinweg an Blutzellen und der Bekämpfung von Krebs, unter den Biomedizinern war er ein Star. Bis ein Nachwuchswissenschaftler aus seiner Arbeitsgruppe sich eine der Veröffentlichungen genauer ansah und dabei seltsame Widersprüche zu den gemessenen Rohdaten feststellte. Eine »Taskforce F. H.« wurde einberufen und fand bei sage und schreibe 94 Publikationen handfeste Hinweise auf die Manipulation von Daten und Abbildungen. H. und seine Kollegen veröffentlichten Werte, die niemand gemessen hatte. Der Fall ist inzwischen mehr als zehn Jahre her, er traf den deutschen Wissenschaftsbetrieb aber so schwer, dass noch heute darüber diskutiert wird.
Oder die Causa Jan Hendrik Schön. Er war erst 32, als er mit Fälschungen aufflog und seine Karriere als Physiker beenden musste. Nie habe er jemanden in die Irre führen oder Vertrauen missbrauchen wollen, schrieb er später in einer Stellungnahme. Dennoch ermittelte auch in seinem Fall eine Kommission »wissenschaftliches Fehlverhalten« in 16 Fällen. Schön hatte nach seiner Promotion in Konstanz mit den besten Empfehlungen eine Stelle in den angesehenen Bell Laboratories in den USA gefunden. Dort produzierte er eine Neuentdeckung nach der anderen, und so kritische Fachblätter wie Nature und Science rissen sich um seine Artikel, die er in rascher Folge produzierte. Eigentlich hätte schon kurzes Nachrechnen stutzig machen können: Im Jahr 2001 veröffentlichte er mehr als 40 Fachaufsätze im Schnitt fast alle acht Tage einen, die meisten nannten ihn als Erstautor.
Wiederholen und bestätigen konnte niemand seine Experimente. Kein Wunder: Schön hatte Messreihen erfunden und Kurven frisiert. Der Betrug fiel erst auf, als der Forscher leichtsinnig wurde und in einer Publikation für Science eine Abbildung verwendete, die er im Zusammenhang mit einem ganz anderen Experiment schon einmal veröffentlicht hatte.
Niemand weiß tatsächlich, wie viele solcher massiven Fälschungen es gibt, denn gezählt werden kann nur, was bekannt wird. Im Mai 2009 erschien die Studie eines Wissenschaftlers der Uni Edinburgh, in der er einige Umfragen unter Forschern zusammenfasste. Im Schnitt gaben zwei Prozent der Befragten zu, dass sie schon einmal Ergebnisse gefälscht oder Daten manipuliert hatten. 14 Prozent wollten solches Verhalten schon bei ihren Kollegen beobachtet haben. Allerdings bleiben solche Studien umstritten. Wie zuverlässig kann eine Umfrage sein, bei der Lügner ehrliche Selbstauskunft geben sollen?
Tatort Sitzungsraum: Die unheimliche Vermehrung der Aufsätze
Im Sitzungsraum entscheidet sich die Zukunft von Forschungsprojekten, hier werden Karrieren angeschoben oder ausgebremst. Wer sich um eine Professorenstelle bemüht oder Fördergeld beantragt, wird im schlechtesten Fall nur nach der Zahl der Fachaufsätze beurteilt – und nicht nach ihrem Inhalt. »Publish or perish«, heißt ein zynischer Spruch von Wissenschaftlern: Schreib oder stirb. Wer in der Wissenschaft Karriere machen will, muss eine möglichst lange Liste von Veröffentlichungen vorlegen können. Besonders in den Naturwissenschaften und in der Medizin gilt: Je mehr Publikationen die angesehenen Fachmagazine gedruckt haben, je mehr diese Arbeiten zitiert werden, desto größer ist die Reputation.
Und je länger die Publikationslisten werden, desto weniger kommt eine Berufungskommission dazu, die Aufsätze überhaupt zu lesen. Warum also nicht gleich die eigene Publikationsliste durch Tricks ein bisschen verlängern? Warum nicht etwa als sogenannter »Ehrenautor« die Arbeit von Doktoranden mitveröffentlichen, ohne inhaltlich etwas beigesteuert zu haben? Oder zusammenhängende Forschungsergebnisse in getrennten Arbeiten verwerten? So werden aus einer Publikation drei. Wissenschaftler haben für dieses Phänomen spaßeshalber eine eigene physikalische Größe erfunden: die LPU, »least publishable unit«, die »kleinste publizierbare Einheit«.
Wie weit dieses Prinzip führen kann, zeigt sich aktuell an der Uni Göttingen. Dort ist der Sonderforschungsbereich »Stabilität von Randzonen tropischer Regenwälder in Indonesien« zu einem Fall für die Staatsanwaltschaft geworden. In einem Antrag für die Verlängerung von Forschungsgeldern tauchten Veröffentlichungen auf, die gar nicht erschienen waren. Noch dazu sollen die Forschungsmittel nicht korrekt abgerechnet worden sein. Besonders peinlich: Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) speziell geförderten Sonderforschungsbereiche tragen normalerweise enorm zum Prestige einer Hochschule bei. Statt sich zu profilieren, muss die Elite-Uni nun mit der DFG und dem Staatsanwalt klären, wie weit die Fälschungen gingen.
»Noch vor gut zehn Jahren hieß es immer, große Forschungsskandale seien in Deutschland undenkbar«, sagt Ulrike Beisiegel. Die Hamburger Biochemie-Professorin erfährt früher als andere, wie an den Hochschulen getrickst und gemauschelt wird. Sie ist von der DFG als Ombudsfrau damit beauftragt, Menschen zu beraten, die einen Verdacht auf »wissenschaftliches Fehlverhalten« haben (siehe Seite 24). Die Fälschungen in der Arbeitsgruppe des Krebsforschers H. habe die DFG wachgerüttelt, sagt Beisiegel. An jeder Uni gibt es inzwischen eine Vertrauensperson wie sie, die Wissenschaftler und Studenten berät; Regeln für »gute wissenschaftliche Praxis« legen fest, was erlaubt ist und was nicht. Bei der Berufung von Professoren soll es bald überall eine Obergrenze für die Zahl der Publikationen geben. Es wird darüber diskutiert, wie man weniger Gelegenheiten zum Fälschen bietet das Gutachterverfahren, durch das Fachaufsätze vor der Veröffentlichung geprüft werden, soll sich verbessern.
Nur bleibt offen, wie das gelingen kann. Und noch immer ist nicht verbindlich geklärt, welche Konsequenzen Fälscher fürchten müssen. Eine Studie kam kürzlich zu dem Ergebnis: Die Aufklärer, die Forschungsfälschung in ihrer Arbeitsgruppe aufdecken, haben zuweilen größere Nachteile für ihre Karriere zu erwarten als die Betrüger selbst.
Tatort WG-Zimmer: Die Verlockung des schnellen Plagiats
Das alles entspricht so gar nicht dem Ideal von der sauberen Wissenschaft und mag manchen desillusionieren. Gleichzeitig aber handelt es sich doch um extreme Einzelfälle. Und die sind weit weg sind vom kleinen Studenten – oder? »Von wegen«, sagt Ulrike Beisiegel. Mit wenig Aufwand viel erreichen zu wollen, dieses Motiv treibe nicht nur Daten- und Publikationslisten-Fälscher an, sondern manchmal auch schon Studenten. »In der Hausarbeit abgeschrieben, in der Klausur geschummelt – das sind die Einstiegsdrogen«, sagt Beisiegel.
Es muss nicht gleich der ganz große Betrug sein. Viele Studenten etwa kämen gar nicht auf die Idee, sich bei einer Ghostwriting-Agentur eine ganze Haus-, Seminar- oder Doktorarbeit schreiben zu lassen. Trotzdem bleiben genug Kunden übrig, um mehr als ein Dutzend solcher Agenturen in Deutschland mit Aufträgen zu versorgen. Für Preise ab 30 Euro pro Seite schreiben sie jede gewünschte Arbeit, und vor allem Juristen, BWLer und Geisteswissenschaftler greifen darauf zurück.
Aber der Pfusch unter Studenten geht auch ein wenig kleiner, zum Beispiel mit Hausarbeitendatenbanken. Sich dort einzelne Sätze, Gedanken, vielleicht auch einen kurzen Absatz für die eigene Arbeit zu holen – natürlich ohne Quellenangabe – erscheint vielen Studenten nicht verwerflich. Der Soziologiestudent Sebastian Sattler befragte für seine Magisterarbeit seine Kommilitonen an der Uni Leipzig: Neun von zehn waren grundsätzlich zu Plagiaten bereit. An der elitären Cambridge University in England gab in einer Umfrage jeder zweite Student zu, schon einmal die Arbeit von Fremden abgegeben oder einen Essay lediglich aus Wikipedia- Passagen zusammengemixt zu haben – ausgerechnet unter den Jura- studenten waren es sogar 62 Prozent. Meist würden die zusammengewürfelten Essays sogar sehr gut bewertet, hieß es. Es sind diese kleinen Schummeleien, mit deren Hilfe Studenten gern einmal eine kleine Abkürzung nehmen.
Tatort Hörsaal: Der stille Blick zum nächsten Tisch
Wohl nirgendwo ist die Versuchung zu schummeln so groß wie in Klausuren. Im Hörsaal herrscht gespannte Prüfungsatmosphäre, die richtige Antwort fällt einem nicht ein, und ein Blick zum Nachbarn oder auf den Spickzettel könnte weiterhelfen. Klar, das wäre nicht ganz ehrlich. Aber tun die anderen das nicht auch?
Donald McCabe, Management-Professor an der amerikanischen Rutgers University, untersucht seit fast 20 Jahren, wie viele Studenten der Versuchung erliegen. In Befragungen bat er an verschiedenen amerikanischen Universitäten um anonyme Geständnisse. Zwischen einem Viertel und zwei Drittel der Befragten geben serious test cheating zu und kreuzen an: Ja, ich gucke bei meinem Nachbarn ab. Ja, ich schreibe mir Spickzettel. Ja, ich helfe anderen in Klausuren mit der Lösung aus. Als Faustregel gilt: Je mehr an einer Uni gemogelt wird, desto akzeptierter ist es auch; jüngere Studenten schummeln mehr als ältere, schlechtere mehr als bessere.
Am bedenklichsten ist aber die Schlussfolgerung, die McCabe aus seinen Studien gezogen hat: Zwar kennen Erstsemester schon durch die Schule allerlei Schummeltricks; aber die Highschool sehen sie auch nur als lästige Pflicht auf dem Weg zum College. An der Uni erwarten sie dann eine andere Arbeitskultur, das »wahre Lernen« und sind deshalb zunächst bereit, auf ihre Spickzettel zu verzichten. Erst nachdem sie eine Weile beobachtet haben, wie hart die Konkurrenz um gute Noten ist und wie sehr ältere Studenten schummeln, geben sie ihre guten Vorsätze auf. Macht die Uni etwa alle zu Betrügern?
Zwischen der kleinen Schummelei und dem großen Fälschungsskandal scheinen doch Welten zu liegen. »Natürlich weiß ich auch, dass nicht jeder Abschreiber gleich ein Forschungsbetrüger wird«, sagt die Ombudsfrau Ulrike Beisiegel. Und nur ein Bruchteil der Studenten geht ja überhaupt in die Forschung, wo die skandalösen Fälle erst ihren Lauf nehmen können. »Aber die Gefahr, abzurutschen, ist größer, als man zunächst annehmen würde.«
Die Medizinstudentin Sandra spürt sie gerade. Sie möchte ihren richtigen Namen nicht nennen, denn sie bewegt sich derzeit in einer wissenschaftlichen Grauzone. Seit mehr als einem Jahr arbeitet sie neben dem Studium an ihrer Doktorarbeit über eine seltene Krankheit, sie muss Patienten Blut abnehmen und Schlussfolgerungen aus den gemessenen Blutwerten ziehen. »Es ist sehr schwer, passende Patienten zu finden, und ich bekomme unglaublichen Druck von meinem Betreuer«, erzählt Sandra. Er erwarte von ihr, die Patienten zu bedrängen, damit sie ihr Einverständnis für die Studie geben. Als Kontrollwerte für ihre Forschung sollen die Ergebnisse einer Vorgängerin ausreichen. »Dabei habe ich kein gutes Gefühl«, sagt Sandra, »eigentlich sollte ich eigenständige Kontrollen machen, um sicherzugehen, dass die Werte wirklich vergleichbar sind.« Sie hat das auch ihrem Betreuer gesagt, aber vielleicht nicht energisch genug.
Aber nun sitzt sie schon mehr als ein Jahr an ihrer Doktorarbeit und will das Ergebnis nicht mehr durch einen Konflikt gefährden. »Ich könnte mich auch dagegenstellen, aber mir wird vermittelt, dass man so nicht ans Ziel kommt.«
Ulrike Beisiegel kennt etliche solcher Fälle. »In der Medizin ist das leider keine Ausnahme«, sagt sie. Die Methode oder die Ergebnisse einer Studie verändern; wegsehen, wenn ein anderer fehlerhafte Daten verwendet – bei einer Umfrage unter jungen amerikanischen Biowissenschaftlern kreuzten 28 Prozent auf einer Liste mit solchen und weiteren Verhaltensweisen an: Das habe ich in den letzten drei Jahren schon getan. Bei älteren war es sogar jeder Dritte. Das Problem seien gar nicht so sehr die aufsehenerregenden Skandale, sagt Beisiegel: »Größeren Schaden für die Wissenschaft verursachen die alltäglichen Unredlichkeiten.« Den Grund dafür sieht sie in einer »ungesunden Beschleunigung der Wissenschaft«: Von den Forschern würden mehr Publikationen in kürzerer Zeit verlangt, sodass keine Zeit mehr bleibe zum Nachdenken. Also gebe man sich mit weniger zufrieden, Experimente würden nicht wiederholt, unklare Ergebnisse künstlich eindeutig gemacht. »Druck erzeugt Unredlichkeit.«
Kann man dagegen überhaupt etwas tun? Beisiegel und ihre Mitstreiter versuchen es. Ihnen geht es nicht nur darum, die großen Skandale aufzudecken, sie wollen die Atmosphäre an den Unis verändern – und Studenten dafür sensibilisieren, was Recht ist und was Unrecht auf dem Campus. Das Ombudsgremium hat dafür ein »Curriculum für gute wissenschaftliche Praxis« entwickelt, mit dessen Hilfe sich Studenten im Seminar auch mit den ethischen Aspekten der Forschung befassen sollen.
Wer ein Zitat von einem Plagiat unterscheiden kann, schreibt eher ehrliche Hausarbeiten. Wer weiß, was Professoren dürfen und was nicht, traut sich eher, Nein zu unlauterer Forschungspraxis zu sagen. Sandra, die Medizinstudentin, hätte gern energischer widersprochen, aber sie war sich selbst nicht sicher, wie unredlich die Methode war, die ihr Betreuer von ihr verlangte. Betrug war es nicht, und so hat sie sich schließlich gefügt. Mit einem schlechten Gefühl. »Ich mache es jetzt eben so, wie es von mir erwartet wird.«
- Datum 17.02.2010 - 15:32 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus, 01.12.2009 Nr. 01/2010
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an hochschulen werden ergebnisse frisiert,
in Arbeitsmarktinstituten Durchschnittsgehälter nach oben fantasiert,
in Unternehmen Geschäftspartner über die eigene Leistung getäuscht (Stichwort: Prinzipal-Agent),
in Kliniken unsinnige Knieoperationen durchgeführt,
von "schönheitskonzernen" kleinstmengen an billigen Inhaltsstoffen als wundermittel verkauft,
in Banken Berater unter Druck gesetzt, den Kunden Finanzprodukte zu verkaufen, die sie absolut nicht brauchen,
Die "Notlüge" als Grundlage unserer Selbstbetrugs-Gesellschaft.
Was an den Unis geschieht, ist Teil einer Gesamtsystematik.
wenn es nur ausdruck der gesellschaft insgesamt ist, wie mein vorredener im grunde treffend analysiert dann sollte es schnellstens heißen "Tatort Politik"!
wenn es nur ausdruck der gesellschaft insgesamt ist, wie mein vorredener im grunde treffend analysiert dann sollte es schnellstens heißen "Tatort Politik"!
wenn es nur ausdruck der gesellschaft insgesamt ist, wie mein vorredener im grunde treffend analysiert dann sollte es schnellstens heißen "Tatort Politik"!
Sicher ist Politik eine Seite des Problems.
So wäre es möglich bspw. gesetzlich festzulegen, dass Löhne nicht mehr geheim, sondern in der Stellenausschreibung und auch bei besetzten Stellen öffentlich sichtbar sein müssen
der das Gesundheitssystem so zu gestalten, dass Kliniken zur Deckung ihrer Kosten nicht zu solchen Maßnahmen greifen müssen (leichter gesagt als getan)
Kurz: die Politik sollte, wenn es umsetzbar ist, Regeln schaffen, damit sich der Ehrliche im Zweifelsfall nicht für den krummen Weg entscheidet.
Die andere Seite ist aber noch wichtiger: nämlich, dass jeder Einzelne auch eine Aufrichtigkeit zu sich selbst entwickelt, nicht zu betrügen, auch wenn dies in seinem Umfeld der offensichtliche Regelfall ist und andere dadurch Vorteile erzielen.
Es geht also um den "aufrechten Gang" jedes Einzelnen.
Sicher ist Politik eine Seite des Problems.
So wäre es möglich bspw. gesetzlich festzulegen, dass Löhne nicht mehr geheim, sondern in der Stellenausschreibung und auch bei besetzten Stellen öffentlich sichtbar sein müssen
der das Gesundheitssystem so zu gestalten, dass Kliniken zur Deckung ihrer Kosten nicht zu solchen Maßnahmen greifen müssen (leichter gesagt als getan)
Kurz: die Politik sollte, wenn es umsetzbar ist, Regeln schaffen, damit sich der Ehrliche im Zweifelsfall nicht für den krummen Weg entscheidet.
Die andere Seite ist aber noch wichtiger: nämlich, dass jeder Einzelne auch eine Aufrichtigkeit zu sich selbst entwickelt, nicht zu betrügen, auch wenn dies in seinem Umfeld der offensichtliche Regelfall ist und andere dadurch Vorteile erzielen.
Es geht also um den "aufrechten Gang" jedes Einzelnen.
Sicher ist Politik eine Seite des Problems.
So wäre es möglich bspw. gesetzlich festzulegen, dass Löhne nicht mehr geheim, sondern in der Stellenausschreibung und auch bei besetzten Stellen öffentlich sichtbar sein müssen
der das Gesundheitssystem so zu gestalten, dass Kliniken zur Deckung ihrer Kosten nicht zu solchen Maßnahmen greifen müssen (leichter gesagt als getan)
Kurz: die Politik sollte, wenn es umsetzbar ist, Regeln schaffen, damit sich der Ehrliche im Zweifelsfall nicht für den krummen Weg entscheidet.
Die andere Seite ist aber noch wichtiger: nämlich, dass jeder Einzelne auch eine Aufrichtigkeit zu sich selbst entwickelt, nicht zu betrügen, auch wenn dies in seinem Umfeld der offensichtliche Regelfall ist und andere dadurch Vorteile erzielen.
Es geht also um den "aufrechten Gang" jedes Einzelnen.
"Es geht also um den "aufrechten Gang" jedes Einzelnen."
Ja, genau!
"Stolz ist der unsichtbare Knochen, der den Hals gerade hält." (Stephen King → Zitat und kein Plagiat ;) )
Ich will damit nur sagen, dass sich die Ehrlichen gegenüber den Unehrlichen immer zurecht wohl fühlen können. Sie können stolz auf sich sein, was dem Betrüger wahrscheinlich nicht gelingt. Es ist ein verdammt gutes Gefühl, zu wissen, dass man immer aufrecht durchs Leben gegangen ist.
"Es geht also um den "aufrechten Gang" jedes Einzelnen."
Ja, genau!
"Stolz ist der unsichtbare Knochen, der den Hals gerade hält." (Stephen King → Zitat und kein Plagiat ;) )
Ich will damit nur sagen, dass sich die Ehrlichen gegenüber den Unehrlichen immer zurecht wohl fühlen können. Sie können stolz auf sich sein, was dem Betrüger wahrscheinlich nicht gelingt. Es ist ein verdammt gutes Gefühl, zu wissen, dass man immer aufrecht durchs Leben gegangen ist.
Tatort Gesellschaft würde es wohl eher treffen. Denn mehr oder weniger große Betrügereien trifft man ja in jedem bereich der Gesellschaft an. In der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Politik, der Religion und wenn man mal ins Kleinste geht, findet auch jeder "Lügen" in seinem ganz privatem Umkreis.
Allerdings reicht es nicht aus nur festzustellen, was falsch ist, sondern es ist auch wichtig die Ursachen zu ergründen. wie im Artikel beschrieben, trägt zum Beispiel der Leistungsdruck seinen ganz eigenen Anteil an den unlauteren Methoden.
Das die note einer prüfung in einem der ersten Semester imensen Einfluss auf die Gesamtnote des Studiums haben soll, dass für diese Einzelnote unzählige Definitionen, Skripte usw. einfach nur auswendig gelernt werden müssen (etwas anderes wird ja mit [mulitple-choice] Klausuren nicht erwart- und auch nicht umsetzbar), verführt nunmal viele Studenten dazu, sich unerlaubter Hilfsmittel zu bedienen. wenn mann mehrere Prüfungen pro Woche schreibt, hat man garnicht die Möglichkeit, die Stoffmasse auswendig zu lernen. Da aber in den Prüfungen teilweise nahezu exakte Formulierungen aus einem Buch oder einem Skript verlangt werden, erfordert es ja fast schon den Betrug um bestehen zu können. (deswegen glaube ich aber auch, dass gerade die Prüfung im Hörsaal besonders von Betrug betroffen ist / mehr als Hausarbeiten etc.)
Wenn man etwas an diesen Umständen ändern will, dann muss man am Fundament des Studiums, der Uni und der Gesellschaft anfangen.
...können wir "Tatort Mainstream Medien" gleich hinzufügen...
Werter heco, ich stimme selbstverständlich mit Ihnen überein und ich denke es gibt sehr viele Lösungsansätze die aus irgendwelchen Gründen (Hauptsächlich Geld) nicht verfolgt werden... für den erstrebenswerten "aufrechten Gang" benötigt es einer grundlegenden Bewußtseinsänderung... Zu empfehlen ist an dieser Stelle die Botschaft des Songs "Michael Jackson - Man in the Mirror"
Um in einer Klausur zu betrügen, ist wesentlich mehr Geist und Geschick notwendig, als Seitenweise wertlose Daten auswendig zu lernen, die eh nach wenigen Tagen wieder vergessen werden. Was spricht also dagegen? Ich habe mehr Hochachtung vor demjenigen, der mit einem gewitzten Betrug seine 1 im Abi erreicht hat als vor dem, der sie mit strebsamem Auswendiglernen erarbeitet hat.
Auswendiglernen ist eben nicht etwas erstrebenswertes, sondern führt meiner Meinung nach eben in die entgegengesetze Richtung.
Zum einen ist es nicht "Verstehen" - also wenn jemand beim Physikabi sich aus Interesse wirklich mit dem Stoff auseinandergesetzt hat (und dann auch wirklich selbst kreativ Dinge weiter denken kann), anstatt Lösungschema auswendig runterzubeten. Wem es egal ist, ob es etwas versteht oder nicht, der ist, wenn das auswendiglernen nicht mehr reicht, eben auch zu Betrug bereit. Später ist es dann auch Alles OK, solange die Kohle für einen selbst stimmt.
Zum zweiten wird in Schule und Uni jemand natürlich durch Noten bestraft, wenn er nicht den "Stoff" noch zusätzlich blind paukt. Wenn Prüfungen nur multiple choice sind oder auswendiglernen von Power-Point-Phrasen bedeutet, dann sagt das ersten, dass das Bildungsystem leider zu sehr Anpassung belohnt, statt eigenem Denken. Wenn der Stoff unsinnig ist, dann wird man ihn auch nur pauken und schnell wieder vergessen - eindeutiges Versagen der Lehrkräfte.
Je mehr überzogener Leistungsdruck, also Prüfungen die kein Mensch ohne Betrug oder Absterben seines Soziallebens bewältigen kann, desto mehr wird leider Betrug zur Notwendigkeit, wenn man das nicht Studium komplett abbechen will.
Diesen Druck würde ich nicht nur "Leistungsgesellschaft" nennen, sondern auch "Scheinleistungsgesellschaft" - Hauptsache das Ergebnis erscheint anderen als gut und bekommt dafür Belohnung - Noten,Geld
Auswendiglernen ist eben nicht etwas erstrebenswertes, sondern führt meiner Meinung nach eben in die entgegengesetze Richtung.
Zum einen ist es nicht "Verstehen" - also wenn jemand beim Physikabi sich aus Interesse wirklich mit dem Stoff auseinandergesetzt hat (und dann auch wirklich selbst kreativ Dinge weiter denken kann), anstatt Lösungschema auswendig runterzubeten. Wem es egal ist, ob es etwas versteht oder nicht, der ist, wenn das auswendiglernen nicht mehr reicht, eben auch zu Betrug bereit. Später ist es dann auch Alles OK, solange die Kohle für einen selbst stimmt.
Zum zweiten wird in Schule und Uni jemand natürlich durch Noten bestraft, wenn er nicht den "Stoff" noch zusätzlich blind paukt. Wenn Prüfungen nur multiple choice sind oder auswendiglernen von Power-Point-Phrasen bedeutet, dann sagt das ersten, dass das Bildungsystem leider zu sehr Anpassung belohnt, statt eigenem Denken. Wenn der Stoff unsinnig ist, dann wird man ihn auch nur pauken und schnell wieder vergessen - eindeutiges Versagen der Lehrkräfte.
Je mehr überzogener Leistungsdruck, also Prüfungen die kein Mensch ohne Betrug oder Absterben seines Soziallebens bewältigen kann, desto mehr wird leider Betrug zur Notwendigkeit, wenn man das nicht Studium komplett abbechen will.
Diesen Druck würde ich nicht nur "Leistungsgesellschaft" nennen, sondern auch "Scheinleistungsgesellschaft" - Hauptsache das Ergebnis erscheint anderen als gut und bekommt dafür Belohnung - Noten,Geld
Auswendiglernen ist eben nicht etwas erstrebenswertes, sondern führt meiner Meinung nach eben in die entgegengesetze Richtung.
Zum einen ist es nicht "Verstehen" - also wenn jemand beim Physikabi sich aus Interesse wirklich mit dem Stoff auseinandergesetzt hat (und dann auch wirklich selbst kreativ Dinge weiter denken kann), anstatt Lösungschema auswendig runterzubeten. Wem es egal ist, ob es etwas versteht oder nicht, der ist, wenn das auswendiglernen nicht mehr reicht, eben auch zu Betrug bereit. Später ist es dann auch Alles OK, solange die Kohle für einen selbst stimmt.
Zum zweiten wird in Schule und Uni jemand natürlich durch Noten bestraft, wenn er nicht den "Stoff" noch zusätzlich blind paukt. Wenn Prüfungen nur multiple choice sind oder auswendiglernen von Power-Point-Phrasen bedeutet, dann sagt das ersten, dass das Bildungsystem leider zu sehr Anpassung belohnt, statt eigenem Denken. Wenn der Stoff unsinnig ist, dann wird man ihn auch nur pauken und schnell wieder vergessen - eindeutiges Versagen der Lehrkräfte.
Je mehr überzogener Leistungsdruck, also Prüfungen die kein Mensch ohne Betrug oder Absterben seines Soziallebens bewältigen kann, desto mehr wird leider Betrug zur Notwendigkeit, wenn man das nicht Studium komplett abbechen will.
Diesen Druck würde ich nicht nur "Leistungsgesellschaft" nennen, sondern auch "Scheinleistungsgesellschaft" - Hauptsache das Ergebnis erscheint anderen als gut und bekommt dafür Belohnung - Noten,Geld
...in Fällen wie dem von H. Schön besteht darin, dass anscheinend keine Prüfung seiner Veröffentlichungen erfolgte. Gerade von Magazinen wie "Nature" oder "Science" ist zu erwarten gewesen, dass sie Artikel nicht einfach durchwinken, nur weil sie "vom Schön" stammen.
Davon abgesehen: wieso soll die Uni der einzige Sektor sein, in dem nicht betrogen wird?
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