Anpassung als Weg der jungen Studentengeneration?

Nina, aufgeweckt und Einserkandidatin, ist unsicher. Sie weiß nicht, ob sie lieber Wirtschaftsingenieurin werden soll oder Juristin, welches die besten Unis und die vielversprechendsten Praktika sind. Nur eines weiß sie ganz genau: Sie will alles richtig machen. Keine Chance vergeben, kein Talent vergeuden. »Ich will mitnehmen, was ich kann, da bin ich bekennender Egoist.«

Nina spielt gern Klavier, früher wollte sie Musik studieren. Doch das Zerrbild des arbeitslosen Künstlers schreckte sie ab. Später will sie ein großes Haus, sie braucht Platz für den Flügel. Deshalb wird sie wahrscheinlich Jura wählen. Sie sieht sich und ihre Generation ganz nüchtern: »Wir fragen: Was will der Markt? Und dann liefern wir das.«

Allein ist Nina mit dieser Einstellung nicht, im Gegenteil. Pragmatisch bis in die Knochen arbeiten sich die Post-Bologna-Studenten so effizient und fokussiert durch ihr Pensum wie kaum eine Generation vor ihnen. Die Antennen stets auf die vermeintlichen Erwartungen der Wirtschaft, die Tipps der Karriere-Ratgeber und die eigene employability ausgerichtet. Kühlen Blicks haben die Jungrealisten das Erst-mal-Drauflosstudieren entsorgt und – zum Teil mehr als bereitwillig – die straffen Strukturen des Bologna-Studiums angenommen.

Sicher, es gab einen Aufstand, Zehntausende gingen auf die Straße. Doch der Frust entzündete sich nicht an den Grundideen der Bachelorreform, sondern an der Angst, im neuen System nicht mehr mithalten zu können. Der Bildungsexperte Konrad Schily fasst diese Einstellung so zusammen: »Von vielgesichtigen Ängsten getrieben, in irgendeiner Form den Anschluss zu verpassen, beschränkt sich die aktuelle Studentengeneration darauf, sich systemkonform zu verhalten.«

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Fast neunzig Prozent der Studenten sagen in Umfragen, der Leistungsdruck, der auf ihrer Generation laste, sei »enorm hoch«. Er ist das Resultat eines apokalyptischen Trommelfeuers von Wirtschaftsverbänden, Politikern und Jobexperten. »Du kannst alles schaffen«, lautet ihre Botschaft, »aber es wird verdammt hart!« Die Konkurrenz kommt nicht mehr aus Bielefeld und Nürnberg, sondern aus Kapstadt und Shanghai. 33 Millionen Absolventen aus Schwellen- und Entwicklungsländern stehen halb so viele »Hochqualifizierte« aus der Ersten und Zweiten Welt gegenüber. Einfach nur gut zu sein, das scheint da längst nicht mehr gut genug. Du brauchst »passion to perform«, um »Leistung aus Leidenschaft zu bringen« (so formuliert es die Deutsche Bank), musst »das Spiel gestalten, anstatt nur mitzumachen« (so lautet die Version von McKinsey).