Studentenvertretung Die zehn größten Verschwendungen des Asta
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 Ein Grillfest auf Kosten der Studenten

Die früheren Bonner Funktionäre, die für diese Mängel die Verantwortung tragen, weisen die Vorwürfe weit von sich. "Da hat der Landesrechnungshof sich verrechnet", sagt der ehemalige Asta-Chef der Universität Bonn, Thomas Möws, zum Vorwurf von überhöhten Personalkosten. Andere Asta-Vertreter pochen darauf, dass alle Ausgaben von demokratisch gewählten Repräsentanten genehmigt wurden – wie zum Beispiel das fulminante Grillfest, das im Sommer 2007 in Bonn stattfand.

Die Leute vom Asta-Sportreferat hatten Lust auf ein schönes Barbecue. Also kauften sie Fleisch für 295,41 Euro, mieteten ein Auto für 107,07 Euro und fuhren ins Grüne – alles auf Spesenkosten. Der damalige Asta-Chef Christopher Paesen rechtfertigt das so: "Die Obleuteversammlung als Organ der Selbstverwaltung des Hochschulsports hat diese Ausgaben geplant. Damit liegt ein demokratisch legitimierter Beschluss vor, den es zum Schutz der studentischen Selbstverwaltung zu achten gilt."

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Mit anderen Worten: Wer Verschwendung kritisiert, stellt die studentische Selbstverwaltung infrage. Unklar ist aber, ob die Studentenvertreter bei einer oft marginalen Wahlbeteiligung von höchstens 30 Prozent noch den Mehrheitswillen der Studenten repräsentieren – oder einfach nur deren Geld ausgeben. Und ob die Fehler der heutigen Asta-Vertreter das Engagement und die Wahlbeteiligung in Zukunft noch weiter verringern werden.

Der Asta der Uni Duisburg-Essen hatte nur das Beste für die Studenten gewollt. Er betrieb jahrelang ein Kulturcafé, in dem Studenten exotische Cocktails für 2,50 Euro trinken konnten. Weil die Einnahmen nicht die Kosten deckten, häuften sich Verluste in Höhe von 450.000 Euro an. In Frankfurt gründeten die Studenten eine Autovermietung und machten damit 100.000 Euro Verlust. In beiden Fällen waren die Verluste des Asta ein Gewinn für die Studenten: Sie tranken Whiskey Sour und fuhren günstige Mietwagen. Nur waren die Subventionen nicht mit Absicht, sondern aus Unvermögen entstanden. Dieselben Summen hätten in anderen Bereichen möglicherweise eine größere Wirkung gehabt.

Überträgt man das, was in vielen Asten Normalität ist, auf die große Politik, zeigt sich die Brisanz noch deutlicher. Man denke an Bundestagsabgeordnete, die auf Staatskosten privat zu Kongressen nach Brasilien düsen. Oder an ein Parlament, das extreme politische Organisationen finanziell unterstützt. Das wären Skandale der Bundespolitik. In deutschen Asten passieren sie jeden Tag, ohne dass jemand einschreitet.

In den neunziger Jahren wurde der Bonner Asta Mitglied des Hartmut-Meyer-Archivs mit einem Beschluss des Studentenparlaments. Das Archiv, in dem rechtsradikale Flugblätter und 1000 Bücher von Neofaschisten zu Forschungszwecken lagern, wird von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) getragen, zu der auch die Antifa gehört. Mitglieder der VVN/BdA wurden in der Vergangenheit vom Verfassungsschutz beobachtet und als "linksextremistisch beeinflusst" eingestuft, weil sie "kommunistische Verbrechen leugnen".

Der Jahresbeitrag zu diesem Archiv betrug nicht mehr als 300 Euro. Fraglich ist trotzdem, ob der Asta dazu da ist, politische Organisationen zu unterstützen, ganz gleich ob FDP, SPD oder VVN/BdA. Als erste Amtshandlung beendete Wolfgang Schoop 2009 deshalb die Mitgliedschaft in dem Archiv.

*Anmerkung der ZEIT CAMPUS-Redaktion: Der Vorfall ereignete sich im Jahr 1998

 
Leser-Kommentare
    • TDU
    • 03.03.2010 um 10:41 Uhr

    Früh übt sich, wer ein Meister werden will.

  1. Wenn man die Verschwendung der Politik betrachtet...
    Die Asta's sind Teilkörperschaften des öffentlichen Rechts und müssen somit nach der jeweiligen Landeshaushaltsordnung arbeiten. (so ist es in Brandenburg)

  2. wohin das Auge blickt.

    Vielleicht sollte ich mich Selbständig machen und Lorbeer- und Myrtenkränze flechten. Wenn ich bedenke, wo ich die überall verhökern kann.

    ;-)

    MfG
    AoM

    • farn
    • 03.03.2010 um 12:40 Uhr

    Man hätte zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt tiefer ins Klo greifen können. Da sind Asten zur Studentenunterstützung da, rufen zu Streiks auf, da die Hochschulen unterfinanziert sind und dann sowas...
    Sicherlich wird nicht jede Asta so grob wie in den hier geschilderten Fällen Geld verschwenden, es fällt aber dennoch ein übles Licht auf studentische Vertretungen.
    Sind die Verschwendungen Kleinmist im Gegensatz zum Steuergeld der Bundesbürger, das in der Bundespolitik hin und her geschoben wird, ist es dennoch viel im Vergleich zu den Hürden, die man nehmen muss, um in die Asta zu kommen - denn dann relativiert sich das wieder.

    Wie dem auch sei: Es bleibt im Hinblick auf die Studentenproteste ein übler Nachgeschmack, den dieser Artikel erzeugt...

  3. ...da müssen sie sogar, selbst wenn sie nur ein paar Stifte fürs Büro der Studentenvertretung kaufen wollen, zuerst einen Antrag stellen und dann, oh Wunder, wird dem nach einigen Wochen hoffentlich statt gegeben und sie dürfen sich für zwanzig Euro Stifte kaufen.

    Ich weiß auch warum die Wahlbeteiligung so niedrig ist: Waren sie mal auf so einer Studentenparlamentssitzung? Einmal und nie wieder, das war der größte Kindergarten den ich jemals gesehen habe, so was von ineffizient habe ich nie wieder gesehen weil ich nie wieder hingegangen bin und auch nie wieder gewählt habe weil ich Sozialverhalten wie im Sandkasten nicht unterstützen mag.

    Beispiele gefällig?

    *"der Antrag kommt nicht für uns also sind wir dagegen"

    *"Oh, da will der RCDS ausnahmsweise mal das Gleiche wie wir - aber wir sind trotzdem dagegen weil der Antrag nicht von uns ist sondern vom pöhsen RCDS" (ich fand den RCDS auch doof, schon allein wegen dem "christlich" - aber wenn die Idee gut ist bzw. das ist was man selber auch will ist mir das egal.

    *oder noch beliebter: Auf irgendwelchen Ordnungen/Formfehlern herumzuhacken - beispielsweise gegen eine Änderung von Rechtschreib/Tippfehlern in der eigenen Satzung zu sein weil die eigene Fraktion den Antrag dazu (angeblich) nicht rechtzeitig erhalten habe.

    Nee, sorry, sowas legitimiere ich nicht mit meiner Stimme auch wenn ich eine Zeit lang selbst Teil eines Nicht-Astas war. Deshalb: Nichtwählen oder besser machen.

    • honett
    • 03.03.2010 um 14:01 Uhr

    Warum die Beitraege nicht senken oder einfach eliminieren, das loest das Problem!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo,

    das ist auch nicht die Lösung. Denn aus den Gebühren werden auch viele andere Sachen für die Studierenden bezahlt. Z.B wird an einigen Unis der Hochschulsport davon unterstützt, oder Projekte für Studierende finanziert.

    Im Übrigen würde ich den Autor des Artikels bitten, hinter den einzelnen "Vorfällen" mal die Jahreszahl zu schreiben. Da einige Sachen verjährt sind, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden und viele auch nicht mehr Studierende sind. Sicherlich sind einige Vorfälle sehr Traurig und krass. Dennoch denke ich das daraus auch gelernt wurde.

    Bloß leider wird hier wieder nur ein Bild abgegeben was schlecht läuft und nicht was auch Positives zu berichten gibt. Leider auch selten in anderen Artikeln.

    Hallo,

    das ist auch nicht die Lösung. Denn aus den Gebühren werden auch viele andere Sachen für die Studierenden bezahlt. Z.B wird an einigen Unis der Hochschulsport davon unterstützt, oder Projekte für Studierende finanziert.

    Im Übrigen würde ich den Autor des Artikels bitten, hinter den einzelnen "Vorfällen" mal die Jahreszahl zu schreiben. Da einige Sachen verjährt sind, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden und viele auch nicht mehr Studierende sind. Sicherlich sind einige Vorfälle sehr Traurig und krass. Dennoch denke ich das daraus auch gelernt wurde.

    Bloß leider wird hier wieder nur ein Bild abgegeben was schlecht läuft und nicht was auch Positives zu berichten gibt. Leider auch selten in anderen Artikeln.

  4. Hallo,

    das ist auch nicht die Lösung. Denn aus den Gebühren werden auch viele andere Sachen für die Studierenden bezahlt. Z.B wird an einigen Unis der Hochschulsport davon unterstützt, oder Projekte für Studierende finanziert.

    Im Übrigen würde ich den Autor des Artikels bitten, hinter den einzelnen "Vorfällen" mal die Jahreszahl zu schreiben. Da einige Sachen verjährt sind, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden und viele auch nicht mehr Studierende sind. Sicherlich sind einige Vorfälle sehr Traurig und krass. Dennoch denke ich das daraus auch gelernt wurde.

    Bloß leider wird hier wieder nur ein Bild abgegeben was schlecht läuft und nicht was auch Positives zu berichten gibt. Leider auch selten in anderen Artikeln.

    Antwort auf "ASTA GEBUEHREN:"
  5. Ja lol dacht ich. Bis zu diesem Abschnitt hab ich das ganze nur mit Interesse verfolgt:

    "Überträgt man das, was in vielen Asten Normalität ist, auf die große Politik, zeigt sich die Brisanz noch deutlicher. Man denke an Bundestagsabgeordnete, die auf Staatskosten privat zu Kongressen nach Brasilien düsen. Oder an ein Parlament, das extreme politische Organisationen finanziell unterstützt. Das wären Skandale der Bundespolitik. In deutschen Asten passieren sie jeden Tag, ohne dass jemand einschreitet."

    Da musste ich wirkich lachen. Denn leider, leider, leider leider ist das in unserer Politik gang und gäbe. Die betrügen und belügen und fälschen. Weiß jemand, was aus den Geldern der ehemaligen SED wurde? Nein. Was machen wir mit einem, der Schwarzgeldkassen betreut hat? Finanzminister. Was wird aus einem Kanzler und einem Außenminister nach seinem (neutralen) Amt? Mitarbeiter der Energiewirtschaft. Was machen wir mit Banken, die höchstspekulativ mit unserem Geld gearbeitet haben? Belohnen mit Milliarden.
    Soll ich weiter machen oder tuts schon weh?

    Kurzum, wer sich für Lobbyismus und Schwarzgelder, Korruption und co interessiert, der findet das, was in den Asten passiert als wahrhaftige Peanuts. Es ist schlimm und absolut ungerechtfertigt. Aber guckt dann lieber nicht in die Politik, denn da wird einem schlecht.

    Kann mich nur einem Vorschreiber anschließen: Nicht mehr wählen gehen!

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    • slomo
    • 04.03.2010 um 17:24 Uhr

    Ja, der Absatz mit dem Übertragen auf die "große Politik" ist schon sehr naiv.
    Der Artikel ist interessant aber sehr einseitig (so wurden z.B. die JuSos in Bochum auf Grund ihrer Verschwendung abgewählt und ihr Vorgehen wird ihnen immernoch bei jeder Gelegenheit vorgehalten).

    Als Konsequenz nicht mehr zu den StuPa-Wahlen zu gehen, ist albern - schließlich könnte man gerade bei der geringen Wahlbeteiligung z.B. eine "Liste gegen Verschwendung" gründen und wäre - wenn man sich geschickt anstellt - vermutlich sofort im Parlament. Muss man nur tun.

    • slomo
    • 04.03.2010 um 17:24 Uhr

    Ja, der Absatz mit dem Übertragen auf die "große Politik" ist schon sehr naiv.
    Der Artikel ist interessant aber sehr einseitig (so wurden z.B. die JuSos in Bochum auf Grund ihrer Verschwendung abgewählt und ihr Vorgehen wird ihnen immernoch bei jeder Gelegenheit vorgehalten).

    Als Konsequenz nicht mehr zu den StuPa-Wahlen zu gehen, ist albern - schließlich könnte man gerade bei der geringen Wahlbeteiligung z.B. eine "Liste gegen Verschwendung" gründen und wäre - wenn man sich geschickt anstellt - vermutlich sofort im Parlament. Muss man nur tun.

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