Alfred Kinsey Im Hosenstall der Wissenschaft
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In Harvard fand Kinsey sein Lebensthema

In Maine stürzte er sich in sein Biologiestudium, belegte jeden Kurs, der zu belegen war, und vergrub für eine Studie Schlangen, um ihr Überwintern zu untersuchen. Nur zu den Kommilitonen hielt er Distanz. Seine Biografen streiten darüber, ob Kinsey sich damals schon seiner Bisexualität bewusst war. Fest steht: Er, der später Zehntausende Amerikaner zu ihrem Sexualverhalten befragen und sich und seine Hiwis beim Gruppensex filmen sollte, hatte an der Uni keine Rendezvous, geschweige denn eine Freundin.

Alfred Charles Kinsey

Alfred Charles Kinsey entdeckte eher zufällig sein Interesse an der menschlichen Sexualität, als er 1936 Eheberatungskurse für Studenten gab. 1947 gründete er an der Universität von Indiana das Institut für Sexualforschung, das heutige Kinsey-Institut für Sexual-, Geschlechts- und Reproduktions-Forschung. Seine in den Fünfziger Jahren veröffentlichen Kinsey Reports riefen eine heftigen Meinungsstreit hervor und sind bis heute vor allem unter religiösen und konservativen Gruppen umstritten.

Fest steht auch: Er hielt sich generell aus dem Campusleben heraus und verbrachte seine Freizeit allein am Klavier. Seine Kommilitonen achteten ihn sehr, aber Freundschaften schloss er kaum. "Er war erwachsener als wir", erinnerte sich später ein Bekannter. Seinen Professoren fiel er auf, sie empfahlen ihn nach Harvard. Dort fand er als junger Doktorand sein Lebensthema. Das erste von zweien jedenfalls – gut 15 Jahre bevor er begann, sich wissenschaftlich für die Sexualität der menschlichen Männchen und Weibchen zu interessieren, faszinierte ihn: die Gallwespe. Seine Besessenheit, Daten zusammenzutragen, bewies er schon hier, den Doktortitel verdiente er sich mit einer wegweisenden Arbeit, für die er Zehntausende Wespen sammelte; er entdeckte Dutzende neuer Arten und ist bis heute einer der wichtigsten Gallwespen-Forscher. Wahrscheinlich brachte ihn auch das komplexe Zeugungsverhalten der Gallwespen – die für die Fortpflanzung nicht unbedingt beide Geschlechter brauchen – auf das Fortpflanzungsverhalten des Menschen.

Was wohl heute aus ihm geworden wäre? Das Gleiche vermutlich, bloß früher. Er hätte sein zweites Lebensthema während der Amtszeit von George W. Bush gefunden: die sexuelle Aufklärung. Gegen staatlich geförderte Enthaltsamkeitsprogramme würde er sich engagieren, die an den Schulen statt Aufklärung lieber Abstinenz und schlechtes Gewissen lehren. Er war außerdem fest überzeugt, dass Darwin mit seiner Evolutionstheorie recht hatte, und so würde er heute immer noch gegen die Kreationisten anforschen. Gott als einziger Schöpfer jeder Spezies auf der Erde? Niemals!

Lesetipps:
James H. Jones: "Alfred C. Kinsey: A Public/Private Life", Norton, 937 Seiten, antiquarisch
T. C. Boyle: "Dr. Sex" (Roman), dtv, 544 Seiten, 9,95 Euro

 
Leser-Kommentare
  1. immer darüber wie heterosexueller und homosexueller Sex zu sein hat und dürfte selbst keinen haben, jedenfalls sieht man sie nie mit irgendjemandem oder hört was darüber, dass sie eine Beziehung hat

    solche Leute sind dubios, wie man in der Vergangenheit immer wieder sehen konnte

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    nicht darüber geredet, wie "es" zu sein hat, sondern sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt.
    Was ist daran dubios und auf welche Vergangenheit spielen Sie an?

    nicht darüber geredet, wie "es" zu sein hat, sondern sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt.
    Was ist daran dubios und auf welche Vergangenheit spielen Sie an?

  2. nicht darüber geredet, wie "es" zu sein hat, sondern sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt.
    Was ist daran dubios und auf welche Vergangenheit spielen Sie an?

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    mein letzter Satz bezieht sich nicht auf Kinsey, er bezieht sich viel mehr auf diverse Promis, die über das Privatleben anderer zwar reden, das eigene Privatleben aber unter Verschluss halten und dann kommen ungute Geschichten zu Tage

    mein letzter Satz bezieht sich nicht auf Kinsey, er bezieht sich viel mehr auf diverse Promis, die über das Privatleben anderer zwar reden, das eigene Privatleben aber unter Verschluss halten und dann kommen ungute Geschichten zu Tage

  3. mein letzter Satz bezieht sich nicht auf Kinsey, er bezieht sich viel mehr auf diverse Promis, die über das Privatleben anderer zwar reden, das eigene Privatleben aber unter Verschluss halten und dann kommen ungute Geschichten zu Tage

    Antwort auf "Nur hat Kinsey"

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