Arbeiten bei der KripoEinen Mord aufklären

Jürgen Mutenzer, 34, ist Kriminalhauptkommissar bei der Münchner Mordkommission. Bei seinem ersten Fall stieß er bald auf Indizien. Aber der Verdächtige stritt alles ab von Stéphanie Souron

Am 6. Februar 1993 zwischen 1.30 und 5.15 Uhr wurde in einem Hinterhofzugang der Münchner Morassistraße der britische Staatsangehörige Brian D. gewaltsam getötet. Laut Obduktionsgutachten starb das Opfer durch »vielfache stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Schädel und eventuell auch teilweise halbscharfe Gewalt«. Außerdem stahl man seine Geldbörse mit circa 300 britischen Pfund.

Als ich im Januar 2007 dieses Protokoll auf den Tisch bekam, war Brian D. seit 14 Jahren tot und sein Fall nicht mehr als ein Stapel grauer Aktenordner. Meine Kollegen hatten ihn damals ungelöst abgelegt – zu der Tat gab es keine Zeugen, keine Verdächtigen, nichts. Nur Asservate wie etwa die Kleidung des Opfers waren noch vorhanden. Es schien fast aussichtslos, jemals den Mörder zu finden.

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Ich war etwa seit einem halben Jahr bei der Mordkommission; der tote Engländer war mein erster richtiger Mordfall. Wir wurden zu zweit für die Bearbeitung eingeteilt – der Kommissar als Einzelkämpfer, das gibt’s nur im Fernsehen. Als Erstes habe ich die Asservate durchgesehen. Dazu gehörte eine Zigarettenkippe, die damals in der Nähe des Tatorts gefunden worden war und die mein Kollege inzwischen auf DNA-Spuren hatte untersuchen lassen. Das war 1993 technisch noch nicht möglich gewesen. Und jetzt kommt’s: Auf dem Zigarettenstummel fand sich tatsächlich ein genetischer Fingerabdruck. Den habe ich durch unsere DNA-Datei gejagt, und siehe da: Treffer! Die Spur passte zu Manuel M., 38, gelernter Trockenbauer und wegen Körperverletzung vorbestraft. Wir hatten einen Verdächtigen. Endlich, nach 14 Jahren.

Zeit Campus 2/2010
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Ich kann sehr sachlich an Mordfälle herangehen, sie berühren mich nicht emotional. Ich schlafe auch nicht schlecht, ich kann gut abschalten. Vor der Vernehmung war ich aber doch ein wenig aufgeregt, denn ich wusste: Das ist jetzt entscheidend für den Erfolg. Wir hatten auf der Polizeischule zwar solche Situationen geübt, aber direkt darauf vorbereiten kann man sich ohne echte Verdächtige nicht. In der Vernehmung von Manuel M. haben wir ihm nichts von der Zigarette erzählt. Und auch nichts von weiteren DNA-Spuren, die die Spurensicherung inzwischen entdeckt hatte. Ich sagte M. nur, dass wir Spuren von ihm am Tatort gefunden hatten. Ich hatte gehofft, dass er sich verrät – dass er etwas preisgibt, das nur der Täter wissen kann. Aber Manuel M. hat alles abgestritten. Also fingen wir an, seinen Bekanntenkreis zu durchforsten.

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