Frauen sind in der Kirche unterrepräsentiert
ZEIT CAMPUS: 74 Prozent aller Mitarbeiter sind Frauen, aber in den leitenden Positionen sind das nur ein Drittel.
Käßmann: Das ist ja sogar besser als in der Wirtschaft und der Politik. Aber natürlich sehe ich das Problem. Bei der EKD hatten wir neulich ein Treffen der Leitungsebene: 78 Personen, davon 13 Frauen.
ZEIT CAMPUS: Und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Was denken Sie zum Beispiel über das Betreuungsgeld?
Käßmann: Da bin ich skeptisch. Ich fürchte, dass es manche Familien dazu bringen könnte, ihre Kinder nicht in Betreuungseinrichtungen zu geben, obwohl diese Kinder eine Förderung dringend brauchen würden. Deshalb: wenn überhaupt, dann nur in Form von Gutscheinen für Musikschule, Schwimmunterricht, Mitgliedschaft im Sportverein et cetera.
ZEIT CAMPUS: Ältere Herren in Ihrer Kirche sehen das vermutlich anders.
Käßmann: Ich war mit der Arbeitsministerin Ursula von der Leyen kürzlich beim Evangelischen Arbeitskreis der CDU. Ein älterer Herr aus dem Publikum meldete sich irgendwann und sagte: Meine Damen, ich bin völlig anderer Meinung als Sie, aber da Sie beide zusammen elf Kinder haben, kann ich Ihnen wohl nicht widersprechen.
Dr. theol. Margot Käßmann, 52, war seit Oktober 2009 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das Interview führten Philip Faigle und Philipp Schwenke vor ihrem Rücktritt.
- Datum 03.03.2010 - 10:48 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus 2/2010
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Wie wohltuend, die Stimme von Frau Käßmann zu diesem Thema zu hören. Dies Interview zeugt vom Verstand und Herz dieser Frau. Ich erfuhr heute, daß sie ihre Ämter aufgegeben hat. Das war von ihr nicht anders zu erwarten. Ich bin froh, daß die Autofahrt unter starkem Alkoholeinfluß nicht zu einem Verkehrsunfall mit einem Menschen geführt hat.
Ich wünsche Frau Käßmann, daß sie jetzt nach ihrer Entscheidung einen Großteil ihrer Kraft einsetzt, um wieder zu sich selbst zu finden. Es wird ihr gelingen, da bin ich recht sicher. Und ich hoffe, dass dann irgendwann einmal ihre Stimme wieder von vielen Menschen im Land gehört wird. Das wünsche ich ihr und uns.
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