Universität BonnSkandal im Lehrbezirk

In Bonn verläuft der Straßenstrich direkt vor einem Uni-Institut. Weil Freier dort die Studentinnen belästigen, wird er jetzt verlegt

Der Straßenstrich in Bonn verläuft ganz in der Nähe des Uni-Instituts. Nun soll er verlegt werden

Der Straßenstrich in Bonn verläuft ganz in der Nähe des Uni-Instituts. Nun soll er verlegt werden

Als Sophie in der Dämmerung von der Uni nach Hause radelt, bremst neben ihr ein dunkles Auto. Die Scheibe surrt herunter. "He – du! Wie viel?", fragt ein Mann. "Ich studiere hier nur!", sagt Sophie. "Komm, hab dich doch nicht so", sagt der Mann, "30 Euro?"

Es ist nicht das erste Mal, dass Sophie auf dem Nachhauseweg von einem Freier angesprochen wird – der Bonner Straßenstrich verläuft direkt vor dem Institut für Chemie und Pharmazie. Als sie im Sommer mit Freunden auf dem Campus grillte, führte eine Prostituierte ihren Kunden an seinem Penis spazieren und verschwand mit ihm in einem Gebüsch. Manchmal kommt Sophie ihr Campus vor wie das Rotlichtviertel einer Großstadt. Auf dem Parkplatz und in den Toiletten liegen Spritzen und Kondome. Auch Spanner und Exhibitionisten treiben sich in der Nähe der Uni herum.

Anzeige
Zeit Campus 2/2010
Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

"Dieses Milieu ist sehr gefährlich", sagt Sophie. Ihre Freundin wurde schon von Prostituierten als Konkurrentin gesehen und vom Bürgersteig auf die Straße geschubst. Zum Glück kam gerade kein Auto. Die Freier, die im Internet ebenfalls über die Situation diskutieren, sehen das gelassener. "Puffveteran" schreibt, die Studentinnen sollten sich nicht wundern, für Prostituierte gehalten zu werden, sie sähen schließlich auch so aus.

Die Stadt Bonn versuchte, das Problem lösen, indem sie Prostitution nur noch zwischen acht Uhr abends und sechs Uhr morgens erlaubte. Aber der Wachdienst der Universität meldete nach einem halben Jahr schon 220 Verstöße. Im Dezember entschied der Stadtrat nun, den Strich zu verlegen. Doch die Lösung stößt auf Kritik. Die Sozialpolitikerin Uschi Salzburger klagt, der neue Strich sei zu kurz, "da passen nicht alle Frauen hin". Ohne den Schutz ihrer Kolleginnen aber seien die Prostituierten ihren Freiern völlig ausgeliefert. Daran hätten die Studenten bei ihrem Protest wohl nicht gedacht.

 
Leserkommentare
  1. "Daran hätten die Studenten bei ihrem Protest wohl nicht gedacht."

    Nun, zumindest haben die Studenten ein Recht darauf nicht auf die Straße geschubst zu werden und auf den Erhalt der Hygiene ihres Instituts. Etwas mehr Rücksicht der Prostituierten auf die besondere Lokalität ihres Strichs kann man, denke ich, schon erwarten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    wer auf seiner Existenzberechtigung pocht, muss zunächst die seiner nächsten anerkennen und respektieren.

    wer auf seiner Existenzberechtigung pocht, muss zunächst die seiner nächsten anerkennen und respektieren.

  2. wer auf seiner Existenzberechtigung pocht, muss zunächst die seiner nächsten anerkennen und respektieren.

    Antwort auf "jedem das seine"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Pencil
    • 16.04.2010 um 9:28 Uhr

    Und diese wurde, zumindest beispielhaft in diesem Artikel nicht von den Studentinnen gefährlich verletzt..

    • Pencil
    • 16.04.2010 um 9:28 Uhr

    Und diese wurde, zumindest beispielhaft in diesem Artikel nicht von den Studentinnen gefährlich verletzt..

    • Pencil
    • 16.04.2010 um 9:28 Uhr

    Und diese wurde, zumindest beispielhaft in diesem Artikel nicht von den Studentinnen gefährlich verletzt..

    Antwort auf "Ganz genau,"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... hatte ich es gemeint, ja. Die Damen des horizontalen gewerbes brechen sich mit Sicherheit keinen Zacken aus der Krone, wenn Sie Rücksicht auf den "besonderen" Bereich Ihrer Erwerbszone nehmen und entsprechende "Utensilien" nicht achtlos liegen lassen, bzw. sich rücksichtsvoll zu benehmen bemühen. Wenigstens bemühen.

    ... hatte ich es gemeint, ja. Die Damen des horizontalen gewerbes brechen sich mit Sicherheit keinen Zacken aus der Krone, wenn Sie Rücksicht auf den "besonderen" Bereich Ihrer Erwerbszone nehmen und entsprechende "Utensilien" nicht achtlos liegen lassen, bzw. sich rücksichtsvoll zu benehmen bemühen. Wenigstens bemühen.

  3. den strich direkt vor der uni.
    muss man ja sonst immer ewig laufen nach dem seminarende...

  4. Jedem das Seine, lateinisch "suum cuique", ist einer der klassischen Grundsätze des Rechts.

    In der Politeia stellte Platon fest, dass Gerechtigkeit besteht, „wenn man das Seine tut und nicht vielerlei Dinge treibt“

    In den Institutionen des Kaisers Justinian heißt es ganz zu Beginn, im ersten Teil des Corpus Iuris Civilis: iuris praecepta sunt haec: honeste vivere, alterum non laedere, suum cuique tribuere. - Die Gebote des Rechts sind diese: Ehrenhaft leben, niemanden verletzen, jedem das Seine gewähre

    Dass dieses Zitat über dem Eingangstor vom KZ Buchenwald hing, hat es pervertiert, mehr nicht.

    Bedenken Sie dies, wenn Sie nächstes mal die Keule rausholen und auf einen Mitforisten einprügeln...

    Antwort auf
  5. Ich wüsste nicht welchen Nazi ich zitiert haben soll, aber vielleicht kennen sie entsprechende Lektüre besser als ich.

    Zudem steht es (sofern nicht Verfassungswidrig) jedem frei sich zu kleiden wie es einem beliebt. Ein körperlicher Angriff (und sei es aus Verwechslung) oder ein verbaler Angriff (weil sie ein persönliches Problem mit aktuellen Modetrends haben und zudem den Studentinnen pauschal eine Oberschichtzugehörigkeit zuschreiben) sind hingegen dem Grundgesetz widersprechend - im Gegenteil, solche Praktiken finden sich sehr oft im extremen Spektrum der Gesellschaft.

    Antwort auf
  6. 7. Na...

    ...ich finde das äußerst umweltfreundlich und sozialökonomisch sinnvoll! So braucht man vom Arbeitsplatz bis zur Entrichtung der Studiengebühren auch die öffentlichen Verkehrsmittel nicht zu überlasten. Das Beispiel sollte Schule machen!

  7. Redaktion

    Liebe Leser,

    anstelle dieses Artikels hatten wir kurzzeitig versehentlich ein älteren Stück zum gleichen Thema veröffentlicht.

    Wir bitten um Entschuldigung.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT Campus 2/2010
  • Kommentare 33
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Bonn | Universität | Auto | Euro | Glück | Internet
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service