Mensagespräch mit E. v. Hirschhausen "Schadenfreude geht immer"
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"Jeder Schüler sollte mal eine Woche Krankenpflege gemacht haben"

Hirschhausen: Wenn man einen toten Menschen sieht, fragt man sich schon: Wo ist denn die Seele jetzt? Die Materialisten sagen: Das Hirn ist nicht mehr durchblutet, da passiert nichts mehr. Trotzdem kann man sich vorstellen, dass es einen Geist und eine Seele gibt, die unsterblich sind. Darüber macht man sich schon seine Gedanken. 

ZEIT CAMPUS: Wie lernt man als junger Arzt, mit dem Tod umzugehen?

Hirschhausen: Indem man lernt, die Angst davor zu verlieren. Vor allem im Umgang mit Menschen, die nicht plötzlich sterben. Auf eine kuriose Art hegen wir den Wunsch, so zu sterben, dass man möglichst wenig davon mitbekommt. Im Mittelalter hätte man niemandem einen schnellen Tod gewünscht, weil man dadurch der Zeit beraubt wurde, sich bewusst zu arrangieren.

ZEIT CAMPUS: Sie haben nie als Arzt praktiziert, waren aber noch als Arzt im Praktikum in einem Krankenhaus. Mussten Sie Patienten mit ihrem eigenen Tod konfrontieren?

Hirschhausen: Ich musste einem Elternpaar sagen, dass ihr Kind fast hirntot war und weite Teile seines Bewusstseins nie wiedererlangen würde. Der Junge war auf einer Treppe unglücklich auf den Hinterkopf gefallen. Das war brutal, die Eltern waren beide selbst Ärzte.

ZEIT CAMPUS: Wird man auf so eine Situation vorbereitet?

Hirschhausen: Überhaupt nicht. Man wird reingeschmissen, egal, ob man das kann oder nicht. Die Ausbildung in dieser Richtung ist katastrophal.

ZEIT CAMPUS: Aber kann das überhaupt gelehrt werden?

 Hirschhausen: Es gibt kein Patentrezept. Was ich grundsätzlich schade finde: Eine Kunst wird normalerweise von einem Meister an einen Schüler weitergegeben. Ganz viel von dem, was man lernt, lernt man durch Imitation und nicht durch Bücher. Medizin ist oft auch eine Kunst: Die Kunst des Patientengesprächs, die Kunst, einen Sterbenden zu begleiten. Es müsste in der Medizin ein besseres Mentorensystem geben.

ZEIT CAMPUS: Und was muss man selbst lernen?

Hirschhausen: Dass man nicht alle retten kann.

ZEIT CAMPUS: Die Leiche im Präparierkurs war die erste in ihrem Leben?

Hirschhausen: Ich hatte schon im Pflegepraktikum Menschen sterben sehen. Ich glaube, das ist eine Erfahrung, die jeder Mensch machen sollte.

ZEIT CAMPUS: Warum?

Hirschhausen: Ich finde das falsch, dass wir so wenig Kontakt haben zum Zyklus des Lebens. Ich glaube, genauso wie es Betriebspraktika gibt, sollte jeder Schüler auch mal eine Woche Krankenpflege gemacht haben. Jeder sollte einmal erlebt haben, was Demenz ist, wie Altenheime funktionieren, wie Menschen am Ende ihrer Zeit aussehen. Auf eine gewisse Art ist es gut zu wissen, wie man jemanden windelt und ihm den Po abputzt.

ZEIT CAMPUS: Nämlich?

Zeit Campus 2/2010
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Hirschhausen: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", steht in der Bibel. Das heißt ja: Liebe ihn, denn er ist genau wie du. Man kapiert, dass man sich verneigen kann vor der Großartigkeit eines Menschen, aber auch vor seinen Ausscheidungen. Die sind ja genau wie deine. Das ist doch beruhigend zu wissen: Auch wer Geld hat, kackt.

Die Fragen stellte Philipp Schwenke

Mit ZEIT CAMPUS kehren Prominente an ihre alte Uni zurück. Alle Gespräche zum Nachlesen gibt es, zum Beispiel mit Peter Klöppel, Sven Regener oder den Sportfreunden Stillerin unserer Serie "In der Mensa mit"

 
Leser-Kommentare
  1. Herrn Hirschhausen bei seinen Auftritten zuzusehen, sei es bei Harald Schmidt oder sonstwo. Es ist irgendwie ein Humor für trockene Protestantentöchterwitwen, da fehlt vollkommen die Schärfe und die Lust am Zupacken. Alles so rund und weich und pilawahaft..Wenn er kommt mach ich aus !

  2. In der Süddeutschen gab es neulich einen Artikel über diesen Humoriker, in dem stand, dass er es sich vor der Veröffentlichung eines Interviews vorbehalten würde, den gesamten Text zu redigieren. Außerdem sollte man doch gleich eine "Maske" zum Termin mitbringen. Die SZ war damit nicht einverstanden und verzichtete auf die Veröffentlichung der Einsichten des Doktors. Vielleicht sollte man hier ebenso verfahren?

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    • Lapje
    • 12.04.2010 um 13:06 Uhr

    ...haben Sie mit Journalismus nichts am Hut. Bei den meisten ist es so dass sie das fertige Interview noch einmal sehen wollen, zumindest war esbei meinem Volontariat so - was auch verständlich ist: Bei dem Müll, der manchmal aus einem Interview gezogen wird. Dann lieber im Vorfeld Dinge anmerken, als nacher eine Gegendarstellung durchzubekommen, die dann eh keiner liest...

    Warum man ihm das hier ankreidet ist mir schleierhaft...

    ...sondern die Süddeutsche Zeitung. Jedenfalls waren für diese die Bedingungen, unter denen sie das Interview drucken sollte, nicht akzeptabel. Aber vielleicht hat die größte deutsche Qualitätszeitung ja auch nichts mit Journalismus am Hut...

    • Lapje
    • 12.04.2010 um 13:06 Uhr

    ...haben Sie mit Journalismus nichts am Hut. Bei den meisten ist es so dass sie das fertige Interview noch einmal sehen wollen, zumindest war esbei meinem Volontariat so - was auch verständlich ist: Bei dem Müll, der manchmal aus einem Interview gezogen wird. Dann lieber im Vorfeld Dinge anmerken, als nacher eine Gegendarstellung durchzubekommen, die dann eh keiner liest...

    Warum man ihm das hier ankreidet ist mir schleierhaft...

    ...sondern die Süddeutsche Zeitung. Jedenfalls waren für diese die Bedingungen, unter denen sie das Interview drucken sollte, nicht akzeptabel. Aber vielleicht hat die größte deutsche Qualitätszeitung ja auch nichts mit Journalismus am Hut...

    • Lapje
    • 12.04.2010 um 13:06 Uhr

    ...haben Sie mit Journalismus nichts am Hut. Bei den meisten ist es so dass sie das fertige Interview noch einmal sehen wollen, zumindest war esbei meinem Volontariat so - was auch verständlich ist: Bei dem Müll, der manchmal aus einem Interview gezogen wird. Dann lieber im Vorfeld Dinge anmerken, als nacher eine Gegendarstellung durchzubekommen, die dann eh keiner liest...

    Warum man ihm das hier ankreidet ist mir schleierhaft...

  3. Er hat schon recht damit, dass junge Menschen sich mit den Grenzen der Autonomie und des Lebens auseinandersetzen sollten. Aber, im Falle dass ich Hilfe nötig hätte, wären angeekelte, zwangsverpflichtete Schüler/innen und ihr entwicklungsbedingter Voyerismus das letzte, was ich brauchen könnte.

    • Lapje
    • 12.04.2010 um 13:10 Uhr

    So wie "Little Britain"?? Da wundert mich gar nichts mehr dass die Leute über Hirschhausen nicht lachen - wenn sie intelligent verpackten Humor nicht kapieren und stattdessen untersten Brachialhumor bevorzugen.

    Ach ja: EvH hatte schon vor den ganzen Sendungen als Kabaretist großen Erfolg und volle Säle...manchmal braucht es auch keine Sendungen...

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    Als Kritiker der Kritiker hier, wie Sie sich darstellen oder ev. als Angestellter des Hirschhausen-Clans stimme ich Ihnen voll zu mit Ihrer Aussage: Manchmal braucht es auch keine Sendungen.. Es wäre nur gut, wenn Ihr Gute-Laune-Terrorist Hirschhausen das auch selbst beherzigen würde!

    Als Kritiker der Kritiker hier, wie Sie sich darstellen oder ev. als Angestellter des Hirschhausen-Clans stimme ich Ihnen voll zu mit Ihrer Aussage: Manchmal braucht es auch keine Sendungen.. Es wäre nur gut, wenn Ihr Gute-Laune-Terrorist Hirschhausen das auch selbst beherzigen würde!

  4. Als Kritiker der Kritiker hier, wie Sie sich darstellen oder ev. als Angestellter des Hirschhausen-Clans stimme ich Ihnen voll zu mit Ihrer Aussage: Manchmal braucht es auch keine Sendungen.. Es wäre nur gut, wenn Ihr Gute-Laune-Terrorist Hirschhausen das auch selbst beherzigen würde!

    Antwort auf "Erstklassige Comedy?"
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    • medwed
    • 12.04.2010 um 20:26 Uhr

    Als glühender Verehrer von Mario Barth können Sie sich für EvH nicht erwärmen, das ist verständlich. Ihn aber, weil er ein klein wenig anspruchsvoll ist, gleich als Terroristen zu bezeichnen, ist nicht lieb.

    • medwed
    • 12.04.2010 um 20:26 Uhr

    Als glühender Verehrer von Mario Barth können Sie sich für EvH nicht erwärmen, das ist verständlich. Ihn aber, weil er ein klein wenig anspruchsvoll ist, gleich als Terroristen zu bezeichnen, ist nicht lieb.

  5. ...sondern die Süddeutsche Zeitung. Jedenfalls waren für diese die Bedingungen, unter denen sie das Interview drucken sollte, nicht akzeptabel. Aber vielleicht hat die größte deutsche Qualitätszeitung ja auch nichts mit Journalismus am Hut...

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    • Lapje
    • 12.04.2010 um 14:36 Uhr

    ...für Qualitätsjournalismus bekannt...und was daraus geworden ist sieht man ja hier...also würde ich diesen Hammer nicht zu doll schwingen...

    • Lapje
    • 12.04.2010 um 14:36 Uhr

    ...für Qualitätsjournalismus bekannt...und was daraus geworden ist sieht man ja hier...also würde ich diesen Hammer nicht zu doll schwingen...

    • Lapje
    • 12.04.2010 um 14:36 Uhr

    ...für Qualitätsjournalismus bekannt...und was daraus geworden ist sieht man ja hier...also würde ich diesen Hammer nicht zu doll schwingen...

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