Islamwissenschaft "Der Koran ist auch ein europäischer Text"
In jeder Ausgabe besucht ZEIT CAMPUS eine Koryphäe ihres Fachs. Diesmal: Die Islamwissenschaftlerin Angelika Neuwirth, die über den Koran forscht
© dpa/Rolf Vennenbernd

Ein Moslem beim Studium des Koran
ZEIT CAMPUS: Frau Neuwirth, seit den Anschlägen des 11. September hat die Islamwissenschaft in Europa stark an Bedeutung gewonnen. Ist sie eine Wissenschaft zum besseren Verständnis des Terrors?
Angelika Neuwirth: Sicher nicht. Das Bild des Korans muss von den Schlacken der jahrhundertealten Islampolemik gereinigt werden, um bestehende Vorurteile endlich abzubauen. Der Islam ist Teil unserer Lebenswelt, viele Muslime leben in Europa. Und die islamische Kulturgeschichte hat der Entwicklung Europas entscheidende Impulse gegeben.
ZEIT CAMPUS: Worauf konzentriert sich die Islamwissenschaft denn heute?

Lehrstuhl: Arabistik an der FU Berlin
Habilitation: »Studien zur Komposition der mekkanischen Suren«
Wichtigste Auszeichnung: Ehrendoktor in Katholischer Theologie
Neuwirth: Der Schwerpunkt ist heute sozial-wissenschaftlich. Das heißt, die Islamwissenschaft befasst sich außer mit Geschichte vor allem mit Diskursen der Moderne, wie etwa intellektuellen und ideologischen Strömungen. Nicht zuletzt soll das Studium unsere Absolventen für die Politikberatung qualifizieren.
ZEIT CAMPUS: Sie sind Arabistin, forschen also in einer Teildisziplin der Islamwissenschaft, und beschäftigen sich seit dreißig Jahren mit dem Koran. Aktuell leiten Sie Corpus Coranicum, ein Projekt, das die Genese des Korans rekonstruiert. Das hört sich solide an. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« schrieb trotzdem, Ihre Arbeit »wäre imstande, Reiche zu wenden und Herrscher zu stürzen«.
Neuwirth: Da wünscht sich offenbar der Autor, dass diese erstarrte islamische Religion wie er sie wohl sieht aus ihrem Schlaf erwachen und sich von den Europäern sagen lassen müsste, wo es langgeht. Das trifft aber überhaupt nicht unsere Absicht.

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ZEIT CAMPUS: Und was genau macht dann Corpus Coranicum?
Neuwirth: Forschungslücken füllen. Wir wollen methodische Standards setzen, um eine feste Grundlage für die Diskussion über die Entstehung des Korans zu legen. Wir wollen die Geisteswelt des Korans rekonstruieren und zeichnen deshalb die Interaktion der koranischen Gemeinde mit ihrem spätantiken, christlichen und jüdischen Umfeld nach. Wir wollen herausarbeiten, wie der Koran Altes aufgreift, um Neues zu sagen. Das alles tun wir auf unaufgeregte Weise, ebenso frei von Islamophobie wie von romantischer Verklärung.
- Datum 23.03.2010 - 09:42 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus, 23.02.2010 Nr. 02
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Alles gut und nett was diese Frau da macht, aber ich fürchte das die Zeit dessen Relevanz ein Bisschen zu hoch einschätzt.
Ist ja klar, dass der Islam ursprünglich aus den gleichen Spätantike, Biblische und Altpersische Quellen hervorkam wie das Christentum, dass Judentum so wie auch der Humanismus.
Aber anzunehnem, dass diese ständig wiederholte akademische Mantra über "historische Verwandschaft" zum gegenseitigen Verständnis und Integration der hier ansässigen Muslimen beitragen würde, ist sehr naiv.
Das heutige Problem mit dem Islam ist im Grunde nicht theologisch, sondern kulturell.
Es ist nicht der Koran an sich, sondern die Tatsache, das viele hier ansässigen Muslimen glauben buchstäblich danach leben zu müssen, und sogar von uns erwarten dass wir das gleiche machen.
Dazu kommen noch die blutige Strafen für alle diejenigen, die ihren eigenen Weg im Leben wählen (weil es in diesem Buch so geschrieben steht).
Es wird hoch Zeit dass Muslimen, wenn sie in Europa leben wollen, einsehen dass sie bei sich eine gleiche sekularisierung erlauben müssen, wie dies das Christentum und Judentum schon längst getan haben, und dazu lernen, den Koran nicht mehr buchstäblich zu interpetieren.
Christen und Juden taten dass auch einst, haben aber gelernt, dies nicht mehr zu machen.
Dass dieses gelingen kan, zeigen die hochgebildete Einwandern aus den Iran und den Irak.
Daher glaube ich, dass eine Fixierung auf "heilige" Texte dass Problem eher bestätigt als lösen könnte.
Sie haben vollkommen recht mit der Ansicht, dass die Moderne es eher mit einem kulturellen Konflikt, wie mit einem theologischen zu tun hat!
Jedodch war und ist dies schon immer ein kultureller Konflikt gewesen, nicht nur in europäischen Ländern!
Ich denke jedoch auch das eine Säkularisierung noch nie in einem solchen Rahmen angemessen war (egal in welcher Religion!)
Ein Mitglied einer Religion "glaubt"; Glauben, da die heiligen Schriften einer Quelle entspringen, welche mit menschlicher Vernunft nicht komplett zu lösen sind!
(stellen Sie sich ein Kind im Erziehungsprozess vor: läuft es angemessen, so übernimmt es Haltungsweisen der Erzieher an, beruhend auf das Vertrauen zu diesen; erst später mündet dies evtl. in einen "Aha-Effekt")
In vielen religiösen Gemeinden ist dieser Prozess ähnlich. Mitglieder mit einer geringen Aufklärung lehnen sich, da ad hoc keine anderer Zugang zur Quelle besteht, an die Worte des jeweiligen Vermittlers.
Da das Glaubensbewusstsein des Mitglieds eng mit seiner Lebensweise gekoppelt ist, kommt es zwangsweise zu einem kulturellen Prozess!
Das Beispiel eines Tunnels ist gut getroffen.
Auf der einen Seite kann eine Form der Aufklärung den Mitgliedern nur Gutes beitragen (sei es z.B. im Verständnis der Überlieferungen); und auf der anderen Seite verhilft es der Entwicklung vieler Europäer in ihrer Haltung gegenüber dem Islam (sei es z.B. das Aufheben von xenophobischen Gedanken).
"Corpus Coranicus" könnte hier einen guten Beitrag leisten!
Hier geht es um Wissenschaft, nicht um Sozialpolitik.
Wir brauchen überhaupt erst einmal eine wissenschaftlich gesicherte historische Textgrundlage. Erst dann kann man die Inhalte wirklich beurteilen.
Denn wer heute einen Koran positivistisch liest, findet ein Buch voller Hetze, Gewaltaufrufe, voller Widersprüche zu fast allen uns heiligen Grundwerten. Aber da fehlt eben eine historisch-kritische Aufarbeitung.
Es ist erstaunlich, daß es dazu ´externer´ Wissenschaftler und überhaupt eines ´externen´ Anstoßes bedarf. Erstaunlich auch, daß das erst jetzt angegangen wird und daß es so lange nach Mignes Patrologien oder dem Corpus Christianorum nichts vergleichbares aus der islamischen Welt zu geben scheint.
Sie haben vollkommen recht mit der Ansicht, dass die Moderne es eher mit einem kulturellen Konflikt, wie mit einem theologischen zu tun hat!
Jedodch war und ist dies schon immer ein kultureller Konflikt gewesen, nicht nur in europäischen Ländern!
Ich denke jedoch auch das eine Säkularisierung noch nie in einem solchen Rahmen angemessen war (egal in welcher Religion!)
Ein Mitglied einer Religion "glaubt"; Glauben, da die heiligen Schriften einer Quelle entspringen, welche mit menschlicher Vernunft nicht komplett zu lösen sind!
(stellen Sie sich ein Kind im Erziehungsprozess vor: läuft es angemessen, so übernimmt es Haltungsweisen der Erzieher an, beruhend auf das Vertrauen zu diesen; erst später mündet dies evtl. in einen "Aha-Effekt")
In vielen religiösen Gemeinden ist dieser Prozess ähnlich. Mitglieder mit einer geringen Aufklärung lehnen sich, da ad hoc keine anderer Zugang zur Quelle besteht, an die Worte des jeweiligen Vermittlers.
Da das Glaubensbewusstsein des Mitglieds eng mit seiner Lebensweise gekoppelt ist, kommt es zwangsweise zu einem kulturellen Prozess!
Das Beispiel eines Tunnels ist gut getroffen.
Auf der einen Seite kann eine Form der Aufklärung den Mitgliedern nur Gutes beitragen (sei es z.B. im Verständnis der Überlieferungen); und auf der anderen Seite verhilft es der Entwicklung vieler Europäer in ihrer Haltung gegenüber dem Islam (sei es z.B. das Aufheben von xenophobischen Gedanken).
"Corpus Coranicus" könnte hier einen guten Beitrag leisten!
Hier geht es um Wissenschaft, nicht um Sozialpolitik.
Wir brauchen überhaupt erst einmal eine wissenschaftlich gesicherte historische Textgrundlage. Erst dann kann man die Inhalte wirklich beurteilen.
Denn wer heute einen Koran positivistisch liest, findet ein Buch voller Hetze, Gewaltaufrufe, voller Widersprüche zu fast allen uns heiligen Grundwerten. Aber da fehlt eben eine historisch-kritische Aufarbeitung.
Es ist erstaunlich, daß es dazu ´externer´ Wissenschaftler und überhaupt eines ´externen´ Anstoßes bedarf. Erstaunlich auch, daß das erst jetzt angegangen wird und daß es so lange nach Mignes Patrologien oder dem Corpus Christianorum nichts vergleichbares aus der islamischen Welt zu geben scheint.
Sie haben vollkommen recht mit der Ansicht, dass die Moderne es eher mit einem kulturellen Konflikt, wie mit einem theologischen zu tun hat!
Jedodch war und ist dies schon immer ein kultureller Konflikt gewesen, nicht nur in europäischen Ländern!
Ich denke jedoch auch das eine Säkularisierung noch nie in einem solchen Rahmen angemessen war (egal in welcher Religion!)
Ein Mitglied einer Religion "glaubt"; Glauben, da die heiligen Schriften einer Quelle entspringen, welche mit menschlicher Vernunft nicht komplett zu lösen sind!
(stellen Sie sich ein Kind im Erziehungsprozess vor: läuft es angemessen, so übernimmt es Haltungsweisen der Erzieher an, beruhend auf das Vertrauen zu diesen; erst später mündet dies evtl. in einen "Aha-Effekt")
In vielen religiösen Gemeinden ist dieser Prozess ähnlich. Mitglieder mit einer geringen Aufklärung lehnen sich, da ad hoc keine anderer Zugang zur Quelle besteht, an die Worte des jeweiligen Vermittlers.
Da das Glaubensbewusstsein des Mitglieds eng mit seiner Lebensweise gekoppelt ist, kommt es zwangsweise zu einem kulturellen Prozess!
Das Beispiel eines Tunnels ist gut getroffen.
Auf der einen Seite kann eine Form der Aufklärung den Mitgliedern nur Gutes beitragen (sei es z.B. im Verständnis der Überlieferungen); und auf der anderen Seite verhilft es der Entwicklung vieler Europäer in ihrer Haltung gegenüber dem Islam (sei es z.B. das Aufheben von xenophobischen Gedanken).
"Corpus Coranicus" könnte hier einen guten Beitrag leisten!
...war die Aussage eines Fachmanns: "Viele islamische Intellektuelle arbeiten im Ausland, ihre Heimatländer sind dabei, geistig völlig auszubluten."
Wie soll man Verständniss und Dialog zu einem Kulturkreis finden, der sich selbst immer mehr geistig kastriert?
Es ist erschütternd zu beobachten, wie ein einstmals geistig hochstehender Kulturkreis sozusagen im tiefsten Aberglauben versinkt. Und das ist natürlich auch eine sehr gute Begründung für eine aufkeimende "Islamophobie" in unserer Kultur.
Ich kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass der Islam 622 Jahre jünger ist, als das Christentum. Dies ist immer dann erforderlich, wenn zur Verteidigung gesagt wird, dass das Alte Testament genauso blutrünstig sei wie der Koran. Sicher! Jede Religion durchlebt ihre Entwicklung, die, wenn es gut geht, in einer Phase der Aufklärung mündet, also einer Phase, in der die Anhänger sagen, man sollte das alles nicht so wörtlich nehmen. Das Christentum in Europa hatte diesen Zustand schon vor geraumer Zeit erreicht, der Islam noch lange nicht. Das macht ihn so gefährlich!
Sie wird ihre Forschungen über die antiken Einflüsse auf den Text des Qur'an zwar im europäisch universitären Umfeld und vielleicht in einigen intellektuellen Zirkeln an Universitäten in Marokko oder Iran diskutieren, aber darüber hinaus dürfte es nach Draußen in die Praxis der muslimischen Länder kaum dringen, im Gegenteil, eine Fatwa von einem Imam oder Mufti ausgesprochen, dürften ihr bald einiges Kopfzerbrechen bereiten wie seinerzeit Herrn Salman Rushdie.
des Korans muss man sich einfach seiner zeitgeschichtlichen Entstehung zuwenden. Wie im Text gesagt wird, wird diese Schrift heute von Regierungen in islamischen Ländern für Machterhaltszwecke und Unterdrückung missbraucht. Das Dogma der Endgültigkeit und die Tatsache, dass es kein anerkanntes Oberhaupt in diesem Glauben gibt, führt dazu, dass sich so gut wie alles mit dem Inhalt des Korans rechtfertigen lässt. Als der Koran entstand, war er in vielen Dingen ultramodern und wegweisend, forderte und proklamierte z.B. Bildung für jedermann. Was daraus gemacht wurde ist restriktiv und rückwärtsgewandt und dient der Unterdrückung ganzer Völker durch das Vorenthaltung eben jener allumfassenden Bildung.
Hier geht es um Wissenschaft, nicht um Sozialpolitik.
Wir brauchen überhaupt erst einmal eine wissenschaftlich gesicherte historische Textgrundlage. Erst dann kann man die Inhalte wirklich beurteilen.
Denn wer heute einen Koran positivistisch liest, findet ein Buch voller Hetze, Gewaltaufrufe, voller Widersprüche zu fast allen uns heiligen Grundwerten. Aber da fehlt eben eine historisch-kritische Aufarbeitung.
Es ist erstaunlich, daß es dazu ´externer´ Wissenschaftler und überhaupt eines ´externen´ Anstoßes bedarf. Erstaunlich auch, daß das erst jetzt angegangen wird und daß es so lange nach Mignes Patrologien oder dem Corpus Christianorum nichts vergleichbares aus der islamischen Welt zu geben scheint.
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