Studentenproteste Da bewegt sich was
So viel Engagement wie 2009 gab es lange nicht mehr an den Unis. Was die Proteste gebracht haben
Studiengänge werden flexibler
Das Karlsruher Institut für Technologie hat eine neue Studienordnung für Elektrotechnik und Informationstechnik verabschiedet, nach der alle Bachelor- und Mastermodule in jedem Semester angeboten werden müssen und beliebig belegt werden können. An der Uni Münster beginnen Masterstudiengänge jetzt auch im Sommersemester.
Auslandssemester werden unterstützt
An der Uni Tübingen gibt es schon zwei neue achtsemestrige Bachelorstudiengänge, Physik und Psychologie, in denen ein »Mobilitätsfenster« für den Auslandsaufenthalt eingeplant ist. Die Uni Münster hat ein International Office eingerichtet, das Studenten hilft, ihr Auslandssemester besser zu integrieren.
Mehr Studenten engagieren sich
Zum Beispiel Gizem Goecer, 23, Asienwissenschaftlerin an der Uni Bonn: »Hochschulpolitik hatte mich vor den Protesten kaum interessiert«, erzählt sie. »Beim ersten Streik im Sommer hat es mich aber richtig schockiert, dass so viele Studenten über Probleme an der Uni meckern – aber so wenige auf die Straße gehen. Da habe ich mir vorgenommen, aktiver zu werden. Als ich von der ersten Hörsaalbesetzung im Herbst hörte, bin ich voller Endorphine hingeflitzt und geblieben, trotz vollem Stundenplan. Bald bildete sich ein harter Kern Engagierter, der die Gespräche mit dem Rektor vorbereitete und wöchentlich eine Protestzeitung herausgab. Inzwischen haben wir eine Hochschulgruppe gegründet, die einmal monatlich eine Diskussionsrunde für alle Studenten veranstaltet. Der Streik ist zwar vorbei, aber an der Uni muss sich noch vieles ändern!«

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Die Anwesenheitspflicht wird gelockert
An der Humboldt Uni Berlin findet bis zum Ende des Wintersemesters am 31. März eine Versuchsphase statt, in der auf Anwesenheitskontrollen verzichtet wird. Die Uni-Leitung geht davon aus, dass es danach einen Kompromiss geben wird und die Anwesenheit nur noch in bestimmten Veranstaltungen abgefragt wird, etwa nur in Seminaren, nicht in Vorlesungen. An der Uni Passau darf Anwesenheitspflicht nur noch dann verordnet werden, »wenn das für den Lernerfolg unabdingbar ist«. Am Karlsruher Institut für Technologie zum Beispiel wurde sie ganz gestrichen.
Es wird nicht mehr alles benotet
An der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Göttingen sollen Leistungen im Umfang von 24 Credits ohne Wertung in die Abschlussnote eingehen.
Studenten dürfen mehr mitreden
Unis wie Jena, Hamburg und Bremen haben einen Bologna-Tag veranstaltet, bei dem Studenten, Dozenten, Rektorat und externe Fachleute Verbesserungsmöglichkeiten besprochen und einen Zeitplan für die Umsetzung festgelegt haben. An der Uni Tübingen wurde ein Runder Tisch eingerichtet, durch den Studenten sich stärker an den Themen beteiligen können, die sie betreffen. Ein Newsletter informiert über Neuerungen. An der Uni Passau bekommen die Studenten einen zweiten stimmberechtigten Vertreter im Senat. Das Psychologische Institut der Uni Göttingen hat Feedbackgespräche zwischen Studenten und Dozenten eingeführt.
Die Prüfungszeit wird entzerrt
An der Uni Ulm ballen sich die Prüfungen nicht mehr am Semesterende, sondern finden auch während des Semesters statt. An allen Fachbereichen der Uni Jena wird darüber nachgedacht, Prüfungen zu reduzieren. Am Institut für Psychologie der Uni Göttingen wurden Prüfungen teilweise durch andere Leistungsnachweise wie die schriftliche Ausarbeitung eines Experiments ersetzt, manche wurden auch ganz abgeschafft.
Die Lehre wird verbessert
Die Uni Greifswald bildet ihre Dozenten jetzt in einem Seminar »Didaktik für Hochschullehrer« weiter. Die Uni Münster hat eine Abteilung »Qualität in der Lehre« eingerichtet, die TU Chemnitz eine Arbeitsgruppe »Qualität in Lehre und Studium«, die die Umsetzung des Bologna-Prozesses verbessern soll. Die Uni Göttingen will auch ihr Angebot erweitern und den Studenten ein Studium generale anbieten, das ein Sechstel des Studiums ausmachen darf.
Studenten kriegen Zeit für Politik
An der Uni Köln gibt es vom nächsten Semester an ein »studentisches Zeitfenster« einmal pro Woche von 12 bis 14 Uhr, in dem keine Vorlesungen stattfinden. Hier sollen alle Studenten die Möglichkeit haben, sich zu Diskussionen zu treffen, ohne dass sie dafür Seminare ausfallen lassen müssen.
Isa und Chris haben sich gefunden
Der Arabistikstudent und die Medizinerin haben sich beim gemeinsamen Demonstrieren an der Uni Göttingen verliebt. Allein dort sind mindestens fünf weitere Protestpärchen entstanden. Ob sich die Proteste auch auf die Geburtenrate ausgewirkt haben, wurde noch nicht ermittelt.
Mitarbeit: Katharina Wagner
- Datum 23.02.2010 - 10:22 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus 2/2010
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