Neulich war Felix Schmidt, 25, krank, eine Erkältung, nichts Ernstes. Der Freiburger Medizinstudent geht zum Arzt, bekommt ein Attest und gibt es beim Prüfungsamt ab. »Da fehlt die Angabe der Symptome«, sagt der Mitarbeiter der Uni. »Wie bitte?«, fragt Felix. Er ist empört. »Was geht die an, was ich habe? Und wenn es etwas Intimes ist?«, sagt er später.

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Tatsächlich verlangen einige Unis von Studenten Atteste, auf denen die Symptome oder eine Diagnose steht, egal, ob es sich um eine Erkältung oder eine Geschlechtskrankheit handelt. Betroffen sind unter anderem die Hochschulen in Münster, Rostock , Dortmund , Bingen und Konstanz . Datenschützer sind entsetzt und halten die Praxis für rechtswidrig. »Der Arzt ist Fachmann, die Prüfungsbehörde nicht. Ein normales Attest muss reichen, sonst wird das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt. Ich halte es für fraglich, ob das verfassungsgemäß ist«, sagt Peter Diekmann, der stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz in Baden-Württemberg . Womöglich verstoßen die Unis also gegen das Grundgesetz. 

Die Hochschulen begründen die strengen Regeln mit einer Häufung von Gefälligkeitsattesten. Außerdem könne nur die Uni entscheiden, wer prüfungsfähig sei, nicht der Arzt, heißt es von der TU Dortmund. Will heißen: Ist der linke Arm eines Rechtshänders gebrochen, kann der die Klausur trotzdem schreiben.

Um ein Attest mit Diagnose zu bringen, müssen Studenten ihren Arzt von der Schweigepflicht entbinden. Gezwungen werden sie dazu angeblich nicht. »Niemand muss diese Information liefern«, sagt Falk Mehlhorn, Leiter des VWL-Prüfungsamtes der Uni Freiburg. Allerdings gilt: Wer keine Diagnose bringt, muss seine Krankheit anders glaubhaft machen. Die Frage ist bloß: wie? Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland Konsequenzen aus der Kritik gezogen. Ein Attest mit Angabe der Symptome wird dort neuerdings erst ab der zweiten Krankmeldung verlangt.