Von: Inge. Betreff: Grüße an den Chauvi!

Justus, was war das denn?! Hast du gerade in der Konferenz wirklich gesagt, dass Männer und Frauen niemals gleich sein werden? Das kann nicht dein Ernst sein.

Von: Justus. Re: Grüße an den Chauvi!

Doch. Weil es nämlich so ist.

Von: Inge. Re: Re: Grüße an den Chauvi!

Wir sind doch schon weit gekommen. Sieh dir nur mal die Unis an: Dort studieren inzwischen fast auf die Kommastelle genau 50 Prozent Männer und 50 Prozent Frauen.

Von: Justus. Re: Re: Re: Grüße an den Chauvi!

Ja, das ist aber auch alles. Die Gleichberechtigung endet, wenn alle anfangen zu arbeiten. Jeder glaubt doch, dass man alles erreichen kann, egal, ob Mann oder Frau. Aber das stimmt einfach nicht.

  Von: Inge. Re: Re: Re: Re: Grüße an den Chauvi!

Wieso nicht? Was Noten angeht, haben Frauen die Männer schon überholt: 2008 machten 33.500 Frauen ihr Examen mit einer Eins, das schafften nur 29.000 Männer. Warum sollten sie die Männer nicht auch im Beruf einholen? Die Studenten wiederum haben gemerkt, dass Karriere nicht alles ist. Denk an unsere ZEIT-CAMPUS-Umfrage von 2008, da sagten 71 Prozent der Männer, sie wollten später viel Zeit mit der Familie verbringen. Beide können jetzt alles haben, Beruf und Familie.

Von: Justus. Betreff: Grüße an die Träumerin!

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Was ist dann damit: 83 Prozent der deutschen Frauen putzen zu Hause immer noch die Toilette. Das habe ich gerade in einer Studie des Statistischen Bundesamtes gelesen. Nur zwei Prozent der Männer bügeln zu Hause ihre Hemden selbst. Irgendwann landen Männer und Frauen doch wieder in den alten Rollen, das sehe ich traurigerweise gerade bei einer Freundin von mir. Sie hat Physik studiert, ein Topexamen hingelegt und drei Jahre lang in einer Unternehmensberatung gearbeitet. Jetzt hat sie ein Kind bekommen, steht jeden Tag in der Küche und rührt Babybrei. Ihr Mann schafft das Geld ran und sieht das Kind nur schlafend oder am Wochenende. Im Studium wollten die beiden alles anders machen als ihre Eltern. Heute sind sie genauso wie sie. Seit den fünfziger Jahren hat sich nicht viel geändert.

Von: Inge. Re: Grüße an die Träumerin!

Und ob sich seitdem was geändert hat! Bis Mitte der siebziger Jahre durften Frauen in Deutschland nur arbeiten, wenn sie dazu die Erlaubnis ihres Ehemanns hatten – stell dir das einmal vor! Mittlerweile können auch Männer Elternzeit nehmen, und es ist selbstverständlich, dass wir von einer Kanzlerin regiert werden. Ich gebe allerdings zu, dass das alles noch nicht genug ist. Auch mir sind gerade ein paar solcher Physikerinnen eingefallen, die einen Doktortitel haben und nun nichts tun, als zu Hause bei ihren Kindern die Windeln zu wechseln. Vielleicht sollten wir einmal rauskriegen, woran das eigentlich liegt.