Studium Soziale Arbeit Eltern ihr Kind wegnehmenSeite 2/2
Der hat sich an mein Bein geschmiegt und nach meiner Hand gegriffen. Was mache ich jetzt, habe ich nur gedacht. Eigentlich sind wir immer bemüht, die Kinder in den Familien zu lassen, wenn die Eltern mit uns zusammenarbeiten. Meistens wollen auch die Kinder das. Sie lieben die Mama und den Papa, selbst wenn sie vernachlässigt oder sogar geschlagen werden. Das darf ich bei meiner Arbeit nicht vergessen, auch wenn es für das Verhalten der Eltern keine Entschuldigung gibt.
Ich habe dann versucht, einen Kollegen zu erreichen. Normalerweise hat immer jemand ein offenes Ohr für meine Fragen, und davon hatte ich gerade in der Anfangszeit sehr viele. Aber ausgerechnet an diesem Donnerstagabend war niemand mehr da. Es war inzwischen nach 18 Uhr. In dem Moment ist mir bewusst geworden, dass ich alleine entscheiden muss. Nehme ich den Jungen in Obhut? Wie sieht die rechtliche Lage aus? Laut Paragraf 8a des Sozialgesetzbuches darf ich das Kind in Obhut nehmen, wenn eine "dringende Gefahr" besteht. So habe ich es in meinem Studienfach Soziale Arbeit gelernt. Ob das ab der ersten Ohrfeige gilt oder ab einem blauen Fleck, muss ich selbst entscheiden.
Zum Glück ist mir eingefallen, dass ein Kollege im Jugendamt immer Bereitschaftsdienst hat. Den habe ich dann angerufen. "Klar, fahr ihn in eine Kinder-Sofortaufnahme", hat er gesagt. Letztendlich hatte ich sowieso keine Wahl. Zu seinem Vater bringen wollte ich den Jungen nicht, schließlich bestand die Gefahr, dass er wieder geschlagen würde. Manche Kinder wehren sich mit Händen und Füßen und weinen, wenn wir ihnen sagen, dass sie nicht mehr bei ihren Eltern wohnen dürfen. Dieses Mal hat es mir der Kleine zum Glück sehr leicht gemacht. "Kann ich jetzt bei dir wohnen?", hat er mich gefragt, als ich ihm erklärt habe, dass er erst einmal nicht zu Mama und Papa zurückdarf.
Als ich ihn im Kinderheim untergebracht hatte, war es bereits 19 Uhr. Ich bin dann zum Leichtathletik-Training gefahren. Ich wollte auf andere Gedanken kommen und nicht grübeln, wie es dem Kleinen wohl geht. Wirklich geklappt hat das aber nicht. Heute kann ich sagen, dass meine Entscheidung damals richtig war. Der Junge wohnt wieder bei seinen Eltern, ich besuche ihn alle acht Wochen und spreche auch mit seiner Familie. Der Vater hat ihn meines Wissens nie wieder geschlagen.
- Datum 31.05.2010 - 11:24 Uhr
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- Serie Das erste Mal
- Quelle ZEIT Campus 3/2010
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...so eine Entscheidung kann auch voll in die Hose gehen, wir 2 Brüder 4&5 Jahre alt kamen von unseren Hippieeltern weg und dann zu einer absoluten brutalen und perversen Plegefamilie, die uns wie Vieh gehalten hat, umd uns mit allem erdenklichen Arten gefoltert und gequält hat und das Jugendamt bemerkte nix und hat fleißig immer mehr Kinder gebracht...
Ich bekam die blauen Flecken noch von der Lehrerin.
Wenn ich das meinen Eltern erzählt hätte, hätte ich noch eine Watschen obendrein bekommen. Vom Jugendamt hatte ich nie gehört.
schlimm zu hören, aber zum Glück ändern sich die Zeiten und Kinderschlagen gehört nicht mehr in den angemessenen Erziehungskanon. Toller Artikel! Das Jugendamt hat auch mal P.R. verdient, denn dort arbeiten auch Menschen, die sich wirklich einsetzen. Wahrscheinlich wurde der Vater auch mal geschlagen, darum ist es beeindruckend, wenn sich eine junge Frau einsetzt und den Teufelskreis durchbrechen möchte. Weiter so, großen Respekt :)
schlimm zu hören, aber zum Glück ändern sich die Zeiten und Kinderschlagen gehört nicht mehr in den angemessenen Erziehungskanon. Toller Artikel! Das Jugendamt hat auch mal P.R. verdient, denn dort arbeiten auch Menschen, die sich wirklich einsetzen. Wahrscheinlich wurde der Vater auch mal geschlagen, darum ist es beeindruckend, wenn sich eine junge Frau einsetzt und den Teufelskreis durchbrechen möchte. Weiter so, großen Respekt :)
wie wär's denn mal, wenn man nicht das Kind dafür bestraft, dass es mißhandelt wird, sondern die Eltern, also die Täter...warum werden nicht schlagende Elternteile aus der Familie 'geholt', sondern die Kinder 'in die Obhut der Behörde'...?
Der neue Grundrechte-Report 2010 zeigt auf, dass wenn Jugendamt und Gerichte eine Familie einmal als gefährlich für das Kindeswohl identifiziert haben, nicht mehr mit der Familie, sondern gegen die Familie gearbeitet wird…
Willkommen im George Orwells totalitären Überwachungs- und Präventionsstaat…
Auch wenn hier kostenlose Werbung für das Jugendamt gemacht wird; diese Behörde ist in keinem Fall angemessen evaluiert und besticht vor allem durch eine Vielzahl von Fehlern das Bild öffentlicher Meinung. Und soweit man dies aus den veröffentlichten Fallstudien ablesen kann, hat das Jugendamt zurecht ein schlechtes Ansehen. Entweder man handelt zu spät, wie auch oben beschrieben; man handelt einseitig nicht für die Interessen der Kinder, sondern der Mutter - was sich dann Engagement für das Kindeswohl nennt, also Mutter- und Kindesinteressen sind kongruent. Da ist es eine Behörde, die oft radikalfeministisch daherkommt, Männer dämonisiert und benachteiligt. Wo also, lt.Volk Kinderklaubehörde, soll das Vertrauen gegenüber den Jugendämtern herkommen? Bestimmt nicht daher, dass sich die Autorin des Artikels oben sicher bemüht und die offensichtlichen Fälle zur Legitimation des eigenen Wirkens heranzieht. Das Jugendamt in der jetzigen Form gehört abgeschafft und neu geordnet in eine überprüfte Form der Kindes- und Elternbetreuung überführt. Der momentane Zustand ist vor allem für die Opfer der Jugendämter unerträglich. Gleichzeitig ist Sorge zu tragen, dass das neu zu schaffende Amt nicht unter dem Deckmantel der Ideologie arbeitet, sondern sich tatsächlich als Anwalt der Schwächsten versteht. Allein auf die Überprüfung der Entscheidungen innerhalb deutscher Normgrenzen wird ein jeder warten können - im Gegenteil, die Richter kungeln mehr mit den Jugendämtern, als sie dürften.
schlimm zu hören, aber zum Glück ändern sich die Zeiten und Kinderschlagen gehört nicht mehr in den angemessenen Erziehungskanon. Toller Artikel! Das Jugendamt hat auch mal P.R. verdient, denn dort arbeiten auch Menschen, die sich wirklich einsetzen. Wahrscheinlich wurde der Vater auch mal geschlagen, darum ist es beeindruckend, wenn sich eine junge Frau einsetzt und den Teufelskreis durchbrechen möchte. Weiter so, großen Respekt :)
geht absolut gar nicht, und das muss in unserer Gesellschaft endlich den Weg ins Massenbewusstsein finden.
Wenn ich Streit mit einem Erwachsenen habe, gehe ich doch auch nicht einfach zu ihm hin, und schlage ihn....wie kommt es dann, dass weite Teile der erwachsenen Bevölkerung bei Kindern keine Hemmungen haben, einfach mal Ohrfeigen zu verteilen?
Ich finde, sowas sollte definitiv hart bestraft werden, und auch eine Ohrfeige ist nicht einfach zu entschuldigen. Das ist Körperverletzung und erniedrigt den anderen Menschen. Und es läuft §1 im Grundgesetz zuwider: Es nimmt dem Kind seine Würde, wenn ein anderer Mensch, zu dem es in einer natürlichen Abhängigkeit steht, einfach die Grenze der körperlichen Unversehrtheit überschreitet. Kein Wunder, wenn es dann den Erwachenen überhaupt nicht mehr vertraut.
Also: Aufklärung für werdende Eltern und regelmäßige Begleitung der Familie in größeren Abständen zur Pflicht gemacht. Würde ich auch für meine Familie akzeptieren, zum wohle meines Kindes.....
Es ist ein unerträglicher Gedanke, daß überforderte Mittelschichtstrutschen wie diese Stefanie Bause, geprägt durch völlig weltfremde Erziehungsideale, von Behörden mit solchen Befugnissen ausgestattet werden.
...aber mit überforderten Unterschichtseltern, die ihren Kindern handtellergroße Hämatome mit Gürteln zufügen, können Sie offenbar gut leben, oder wie?
Und was genau bezeichnen Sie als "völlig weltfremde Erziehungsideale" dieser Jugendamtsmitarbeiterin? Kinder nicht zu schlagen?
Ihr Kommentar ist unerträglich.
Ich finde den Artikel sehr gut, denn er zeigt, daß es Menschen gibt, die sich mit diesem schwierigen Thema verantwortungsvoll und mit dem nötigen Zweifel auseinandersetzen. Das macht Mut.
...aber mit überforderten Unterschichtseltern, die ihren Kindern handtellergroße Hämatome mit Gürteln zufügen, können Sie offenbar gut leben, oder wie?
Und was genau bezeichnen Sie als "völlig weltfremde Erziehungsideale" dieser Jugendamtsmitarbeiterin? Kinder nicht zu schlagen?
Ihr Kommentar ist unerträglich.
Ich finde den Artikel sehr gut, denn er zeigt, daß es Menschen gibt, die sich mit diesem schwierigen Thema verantwortungsvoll und mit dem nötigen Zweifel auseinandersetzen. Das macht Mut.
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