Professoren-Kolumne Die Königsmacher

Können Hochschullehrer das Potenzial ihrer Studenten erkennen? Ja, meint unser Kolumnist Professor Fritz. Allerdings vor allem solche Talente, die ihnen gleichen.

Erste Antwort: Na klar! Da sitzen sie vor mir, 45 neue Studenten, und antworten auf meine Fragen. Der mit dem Bart redet nur, um zu reden. Die mit der karierten Bluse kann sich nicht so recht ausdrücken, hat aber was auf dem Kasten. Der mit der Baseballcap denkt mit der Präzision einer Keule. Am Ende der Sitzung habe ich mir nur von vieren den Namen gemerkt. Aus denen könnte was werden.

Zeit Campus 3/2010
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Aber der Schein trügt. Was wir als Königsmacher schnell entdecken, sind Talente, die uns gleichen. Profs sind nämlich Narzissten. Das soll man uns aber so wenig vorwerfen wie dem Pfau seine Federn. Es gehört zum Job. Professoren müssen andere von ihren Ideen überzeugen, denn selbst die klügste Einsicht setzt sich nicht von allein durch. Dafür müssen wir an uns selbst glauben, sonst sind Konkurrenzdruck und Selbstzweifel schwer auszuhalten. Jeder Prof ist sich selbst Modell und Maßstab. Selbstverliebtheit ist also Teil des Geschäfts. Daher kommt es zu dem Kurzschluss, dass wir andere für gut halten, die uns ähneln. Aber selbst beim schlausten Denker sind nicht alle Wesenszüge ein Zeugnis von Talent. Wie einer die Pinzette hält oder Fremdwörter benutzt, sagt wenig über sein Potenzial.

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Man muss auch fragen: Potenzial wozu? Für die meisten Profs ist das eine unsinnige Frage: Potenzial zum Wissenschaftler natürlich. Dass unsere Studiengänge nicht mehr primär zur Ausbildung von Professoren bestimmt sind – falls sie es je waren – verdrängen wir meistens gerne. In Wirklichkeit bilden die meisten Studiengänge für andere Berufe aus: Lehrer, Anwalt, Verwaltungsleiter, Arzt, Ingenieur, Manager. Und das Potenzial, in einem dieser Berufe Wunderbares zu leisten, wird von Professor Narzissus selten wahrgenommen.

Wer Professor wird, ist wie der mittelalterliche Lehrling durch ein persönliches System der Ausbildung gelaufen. Ein Meister hat einen ausgewählt, damit man dessen Wissen und Ruhm weiterverbreitet. Daher darf man bei ihm lernen, promovieren, habilitieren. Und ebenso selektieren die Profs weiter: Hat der Student da vor mir das Zeug, um mein Schüler zu sein? Da geht es zum Teil um ganz anderes als um Intelligenz und Begabung.

Diese Schemata haben Profs so verinnerlicht, dass sie Talente tatsächlich oft nach einem einzigen Treffen küren. Die mit der karierten Bluse, die wird es schaffen. Aber trotzdem ist es auch für die anderen Studis nicht hoffnungslos. Profs entdecken auch später gerne noch Begabungen: Der mit dem Baseballcap – wie heißt er noch gleich? – der hat richtig was von mir gelernt und ist jetzt echt gut. Wir sind sogar so gute Narzissten, dass wir uns selbst die Begabung anderer zurechnen und als ein Produkt der Wohltat unserer Lehre deklarieren. Es leben die Pfauen!

 
Leser-Kommentare
    • th
    • 27.04.2010 um 15:04 Uhr

    aber das wäre mittelalterlich.
    Wozu gab es eigentlich 1968?

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    • Ascag
    • 27.04.2010 um 15:31 Uhr

    Ich habe an anderer Stelle mal den durchaus treffenden Vergleich gelesen, daß sich in der Wissenschaft schon seit langem ähnliche klerikal-verkrustete Strukturen eingenistet haben wie in der katholischen Kirche im Spätmittelalter.

    Solche Strukturen können äußerst zäh und widerstandsfähig sein. Eine kleine, abgeschottete und etwas weltfremde privilegierte Kaste, ein äußerst selektives zermürbendes Aufnahmeritual, und ganz wichtig: Wer zu den ganz wenigen gehört, die es tatsächlich in den Zirkel schaffen, der verspürt keinen Abscheu dem System mehr gegenüber. Ganz im Gegenteil, er wird sich umso mehr ins Zeug legen, daß er seine neuen Privilegien halten und ausbauen kann. Hier in der ZEIT wurden an anderer Stelle mal unsere Professoren beschrieben als "Platzhirsche, die ihr Territorium eisern verteidigen"

    Dagegen kann auch eine Revolte von der Größe von '68 nichts ausrichten. Es ist sehr aufschlußreich, die Lebensläufe mancher 68er-Revolutionäre zu studieren, die erfolgreich assimiliert wurden.

    Nur ist in einer globalisierten Welt solch ein mittelalterliches Gebaren verheerend. Einer der schlimmsten Managementfehler den man in der freien Wirtschaft machen kann, ist sich in seinem Team einen 'Golden Boy' herauszusuchen der sämtliche Ressourcen bekommt, und den Rest des Teams völlig zu vernachlässigen. Genau so führen aber viele Professoren ihr Forschungsteam, weil sie immer noch dem antiquierten Bild eines mittelalterlichen Scholaren mit einem Adepten anhängen.

    • Ascag
    • 27.04.2010 um 15:31 Uhr

    Ich habe an anderer Stelle mal den durchaus treffenden Vergleich gelesen, daß sich in der Wissenschaft schon seit langem ähnliche klerikal-verkrustete Strukturen eingenistet haben wie in der katholischen Kirche im Spätmittelalter.

    Solche Strukturen können äußerst zäh und widerstandsfähig sein. Eine kleine, abgeschottete und etwas weltfremde privilegierte Kaste, ein äußerst selektives zermürbendes Aufnahmeritual, und ganz wichtig: Wer zu den ganz wenigen gehört, die es tatsächlich in den Zirkel schaffen, der verspürt keinen Abscheu dem System mehr gegenüber. Ganz im Gegenteil, er wird sich umso mehr ins Zeug legen, daß er seine neuen Privilegien halten und ausbauen kann. Hier in der ZEIT wurden an anderer Stelle mal unsere Professoren beschrieben als "Platzhirsche, die ihr Territorium eisern verteidigen"

    Dagegen kann auch eine Revolte von der Größe von '68 nichts ausrichten. Es ist sehr aufschlußreich, die Lebensläufe mancher 68er-Revolutionäre zu studieren, die erfolgreich assimiliert wurden.

    Nur ist in einer globalisierten Welt solch ein mittelalterliches Gebaren verheerend. Einer der schlimmsten Managementfehler den man in der freien Wirtschaft machen kann, ist sich in seinem Team einen 'Golden Boy' herauszusuchen der sämtliche Ressourcen bekommt, und den Rest des Teams völlig zu vernachlässigen. Genau so führen aber viele Professoren ihr Forschungsteam, weil sie immer noch dem antiquierten Bild eines mittelalterlichen Scholaren mit einem Adepten anhängen.

    • Ascag
    • 27.04.2010 um 15:31 Uhr

    Ich habe an anderer Stelle mal den durchaus treffenden Vergleich gelesen, daß sich in der Wissenschaft schon seit langem ähnliche klerikal-verkrustete Strukturen eingenistet haben wie in der katholischen Kirche im Spätmittelalter.

    Solche Strukturen können äußerst zäh und widerstandsfähig sein. Eine kleine, abgeschottete und etwas weltfremde privilegierte Kaste, ein äußerst selektives zermürbendes Aufnahmeritual, und ganz wichtig: Wer zu den ganz wenigen gehört, die es tatsächlich in den Zirkel schaffen, der verspürt keinen Abscheu dem System mehr gegenüber. Ganz im Gegenteil, er wird sich umso mehr ins Zeug legen, daß er seine neuen Privilegien halten und ausbauen kann. Hier in der ZEIT wurden an anderer Stelle mal unsere Professoren beschrieben als "Platzhirsche, die ihr Territorium eisern verteidigen"

    Dagegen kann auch eine Revolte von der Größe von '68 nichts ausrichten. Es ist sehr aufschlußreich, die Lebensläufe mancher 68er-Revolutionäre zu studieren, die erfolgreich assimiliert wurden.

    Nur ist in einer globalisierten Welt solch ein mittelalterliches Gebaren verheerend. Einer der schlimmsten Managementfehler den man in der freien Wirtschaft machen kann, ist sich in seinem Team einen 'Golden Boy' herauszusuchen der sämtliche Ressourcen bekommt, und den Rest des Teams völlig zu vernachlässigen. Genau so führen aber viele Professoren ihr Forschungsteam, weil sie immer noch dem antiquierten Bild eines mittelalterlichen Scholaren mit einem Adepten anhängen.

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    zu und in den Parteien werden von den Königsmachern und Platzhirschen die Nachwuchsleute geduckt, weggebissen oder ignoriert, die ihnen Macht und Ansehen womöglich streitig machen könnten oder sonst nicht in gewünschten Maße auf Parteiobrigkeitslinie sind.
    Übrig bleiben dann meist die stromlinienförmigen, austauschbaren Konformisten, die nahtlos von einem Parteiposten zum nächsten Ministeramt springen können, ohne dass man in der Öffentlichkeit irgendeine Veränderung bemerkt.

    In diesem Bereich wäre ein Aufbrechen der verkrusteten, esoterischen Strukturen wesentlich wichtiger als im Hochschulwesen. Aber, ich weiß, das ist ja nicht Thema des Artikels.

    zu und in den Parteien werden von den Königsmachern und Platzhirschen die Nachwuchsleute geduckt, weggebissen oder ignoriert, die ihnen Macht und Ansehen womöglich streitig machen könnten oder sonst nicht in gewünschten Maße auf Parteiobrigkeitslinie sind.
    Übrig bleiben dann meist die stromlinienförmigen, austauschbaren Konformisten, die nahtlos von einem Parteiposten zum nächsten Ministeramt springen können, ohne dass man in der Öffentlichkeit irgendeine Veränderung bemerkt.

    In diesem Bereich wäre ein Aufbrechen der verkrusteten, esoterischen Strukturen wesentlich wichtiger als im Hochschulwesen. Aber, ich weiß, das ist ja nicht Thema des Artikels.

  1. zu und in den Parteien werden von den Königsmachern und Platzhirschen die Nachwuchsleute geduckt, weggebissen oder ignoriert, die ihnen Macht und Ansehen womöglich streitig machen könnten oder sonst nicht in gewünschten Maße auf Parteiobrigkeitslinie sind.
    Übrig bleiben dann meist die stromlinienförmigen, austauschbaren Konformisten, die nahtlos von einem Parteiposten zum nächsten Ministeramt springen können, ohne dass man in der Öffentlichkeit irgendeine Veränderung bemerkt.

    In diesem Bereich wäre ein Aufbrechen der verkrusteten, esoterischen Strukturen wesentlich wichtiger als im Hochschulwesen. Aber, ich weiß, das ist ja nicht Thema des Artikels.

    • Iratha
    • 28.04.2010 um 20:17 Uhr

    Die humorvoll, mit sarkastischem Charme dargelegte Elitenbildung sollte als Skandal begriffen werden, vergleichbar dem Verkauf von akademischen Graden.

    Die selbstherrliche Egozentrik der dekadenten Professorenschaft ist tatsächlich eine wesentliche Ursache für den fortgeschrittenen Verfall der Geisteswissenschaften.
    Spassig ist dies weniger, so wie ein Reaktorunfall auch nur als lustig empfunden werden kann, wenn die Perspektivität ins Absurde verzerrt worden ist.

    Eigentlich sollten die Geisteswissenschaften die schnell wachsenden Problemberge unserer Gesellschaft endlich lösen.
    Wozu brauchen wir sonst den akademischen Berufsstand?
    Zum Bespassen als "hochqualifizierte" Hofnarren wohl eher nicht.

    Jedoch sind die Akademiker zu dekadent und inkmpetent geworden, um sinnvolle Problemlösungen zu generieren, weil innovative Denkweisen durch diese auf primitive Reproduktion ausgerichtete Auslesemethode eliminiert werden.
    Eine Kopie ist schlechter als das Original.

    Bereits Thomas Kuhn hat vor etlichen Dekaden diese schweren Mängel der akademischen Wissenschaft in "Struktur wissenschaftlicher Revolutionen" offengelegt. Passiert ist seit dieser weisen Wissenschaftskritik bemerkenswert wenig.

    Es wäre falsch, angesichts dieser Verhältnisse zu resignieren. Es gibt gangbare Wege aus dieser Misere: Eine Neustrukturierung des Wissenschaftsbetriebes auf der Basis der neuen Medien mit Hilfe demokratischer Abstimmungsprozesse.

  2. Sosehr sind die Profs offensichtlich auf ihresgleichen fixiert, dass sie eines übersehen: Profs sind keine Königsmacher, indem sie ihnen "fähig" erscheinende Studis fördern, so dass diese später selber mal in den akademischen Olymp aufsteigen- vulgo: selber Profs werden!

    Profs sind deshalb Königsmacher, weil wir an ihnen nur allzuoft sehen, wie man es NICHT machen soll- das gilt zumindest für die habilitierten Beamten hier in D: Kämpfe um Thesen und Antithese, die draussen in der realen Welt nichts bedeuten, Postengeschacher, Glänzen mit Abwesenheit in der Lehre, ewige Korrekturzeiten, Skripten seitenweise aus achtteiligen, unverständlichen Schachtelsätzen bestehend, einfaches verkomplizieren, nur um sich selbst zu erhöhen, etc. pp.

    Das Studium, sagt man ja auch, sei eben nicht Ausbildung, sondern Bildung. Und gebildet sein, heißt doch letzten Endes nichts anderes, als die Kultur des eigenen Landes zu kennen. Und das gelingt an einer deutschen Uni mit all ihrem Bürokratismus, Positivismus, ihrer Staatsgläubigkeit, ihrem Byzantinismus und der sehr oft zu beobachtenden Unterwürfigkeit der Studenten (=Untertanen) in der Regel gründlich!

    König ist nicht der, der an der Uni bleibt, sondern der fortgeht, und sein eigenes Reich gründet, der den endlosen Kämpfen um nichts entkommt.

    Nach 12 Jahren Studium und Facharztausbildung habe ich mein eigenes Reich (=Praxis) gegründet. Ich fühle mich, als sei ich entkommen und -irgendwie königlich!

  3. sondern Assistentenmacher.

    Einen kompetenten Jungwissenschaftler lässt man keine Karriere machen, sondern behält ihn dort, wo man ihn am besten ausbeuten kann. In die inneren Zirkel kommt man auf andere Weise, etwa durch das unter Medizinern besonders beliebte Spielchen "habilitierst du meinen Sohn, habilitiere ich deinen".

  4. Mein Freund hat Geschichte studiert. Er hat an einem humanistischen Gymnasium Latinum und Graecum gemacht, hat einen Geschichts-LK besucht und schon vor dem Studium für die Alte Geschichte gelebt, weshalb er auch in Richtung ALte Geschichte ging. Man sagte ihm, dass er wirklich gut sei, er hatte auch entsprechende Noten.
    Unter die Fittiche genommen bzw. Hilfsstellen verteilt haben Prof. und Dozent aber nur an die, die besonders gut Kaffe kochen und Teilchen mitbringen konnten.
    Beispiel: Eine Lehramtsstudentin ohne Latein- und Griechischkenntnisse wurde vom Dozenten gefördert, einfach nur, weil sie ihm hinterherhechelte.
    Mein Freund? Der studiert heute keine Geschichte mehr, er will sich das Fach nicht kaputt machen lassen.
    Das ist keine Einzelfall. Die meisten Profs und Dozenten lassen sich von Oberflächlichkeiten blenden und fördern Mittelmäßigkeit. Wer nicht schleimen kann, hat keine Chance. So ists um den Bildungsstandort Deutschland bestellt.

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    Wer nicht schleimen kann, wird (so gut wie) nie an hohe Positionen kommen (Ausnahmen bestätigen die Regel), da es den Leuten einfach gefällt umschmeichelt zu werden. Naja nicht allen, aber den meisten... das ist einfach unsere Kultur, man muss sich nur Politiker oder einen Großteil der Manager anschauen

    meine Meinung ;)

    Lg Chris

    Wer nicht schleimen kann, wird (so gut wie) nie an hohe Positionen kommen (Ausnahmen bestätigen die Regel), da es den Leuten einfach gefällt umschmeichelt zu werden. Naja nicht allen, aber den meisten... das ist einfach unsere Kultur, man muss sich nur Politiker oder einen Großteil der Manager anschauen

    meine Meinung ;)

    Lg Chris

  5. Wer nicht schleimen kann, wird (so gut wie) nie an hohe Positionen kommen (Ausnahmen bestätigen die Regel), da es den Leuten einfach gefällt umschmeichelt zu werden. Naja nicht allen, aber den meisten... das ist einfach unsere Kultur, man muss sich nur Politiker oder einen Großteil der Manager anschauen

    meine Meinung ;)

    Lg Chris

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