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Der Landarzt Robert Koch bewies, dass Keime Krankheiten auslösen. Was wohl heute aus ihm geworden wäre? Teil 22 einer Serie über Studenten von früher

Der deutsche Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch

Der deutsche Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch

Mit vier Jahren überrascht Robert Koch seine Eltern damit, dass er lesen kann – er hat es heimlich von seinen älteren Brüdern gelernt. Auch sonst ist der Sohn einer Bergmannsfamilie aus Clausthal-Zellerfeld im Harz ausgesprochen wissbegierig. Während seine Geschwister ausgelassen herumtollen, liebt es der stille Junge, mit Käferglas, Raupenschachtel und Insektennadeln ausgestattet, durch die Natur zu streifen und Pflanzen, Insekten und Steine zu sammeln.

In der Schule belegt er alle freiwilligen Fächer und lernt zusätzlich zu Latein, Griechisch, Französisch und Englisch auch Hebräisch. Wenn er nicht gerade Schmetterlinge aufspießt, spielt er Klavier und steirische Zither oder aber Schach, was er meisterhaft beherrscht. Ein Mitschüler beschreibt ihn später als zurückhaltenden Kameraden: "Ausgelassen war er nie. Es kommt mir überhaupt vor, als ob er immer Maß gehalten habe, dabei die Rechtschaffenheit selber; eine führende Rolle hat Robert Koch aber nicht gespielt."

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Steckbrief

Name: Robert Koch (1843 bis 1910)

Studium: Robert Koch will zunächst Lehrer werden, studiert Physik und Botanik und wechselt schließlich zur Medizin

Abschluss: Promotion

Lebenswerk

Beruf: Landarzt und Naturwissenschaftler

Besondere Vorkommnisse: Ist im Studium so arm, dass er sich das Mittagessen spart und am Abend nur ein Schmalzbrot isst

Wichtigste Auszeichnung: 1905 wird Robert Koch an seinem 62. Geburtstag in Stockholm der Nobelpreis für Medizin verliehen

Eigentlich will Robert Kaufmann werden und ferne Länder bereisen, aber seine Eltern sind für den soliden Lehrerberuf. Als er 1862 in Göttingen sein Studium beginnt, belegt er jedoch nicht Philologie, wie es in seinem Abiturzeugnis als Studienwahl angegeben ist, sondern Naturwissenschaften. Robert wohnt in einem bescheidenen Wirtshauszimmer und spart an allen Enden. In einem Brief an seine Mutter schreibt er: "Mein Essen habe ich so billig, als nur irgend möglich ist, eingerichtet. Morgens trinke ich Milch und esse ein Stück Brod dazu, Mittags den sogenannten Aschanti (Mittagessen von minderer Qualität), und zwar dreiviertel Portion von der schlechtesten Sorte, und Abends ein Schmalzbrod. An Frühstück und Nachmittagsbrod darf ich nicht denken."

Zeit Campus 3/2010
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Zu Beginn seines Studiums wählt Robert Kurse in Physik, Trigonometrie und Botanik und hat dabei noch das Lehramt im Kopf. Bereits ab dem zweiten Semester aber belegt er auch medizinische Fächer und stürzt sich ab dem dritten Semester mit ganzem Eifer auf die Medizin. Aus Zeit- und Geldmangel lehnt er es ab, mit anderen in den Sommerferien zu verreisen. An Weihnachten 1864 fährt er direkt nach den Feiertagen wieder zurück nach Göttingen. Seine Mutter schreibt besorgt: "Er gönnt sich bei seinem eifrigen Studieren keine Ruhe."

Der Einsatz macht sich bezahlt. Der Direktor des Pathologischen Instituts bietet Robert eine Assistentenstelle an. Stolz berichtet der Vater an Roberts ältesten Bruder Adolf: "Es ist dies ein Beweis dafür, daß Robert sich besonders ausgezeichnet hat, da solche Stellen nur tüchtigen und ausstudierten Leuten gegeben werden, während Robert erst im sechsten Semester ist. Diese Ehre wird freilich viel Geld kosten, da er sich hat verpflichten müssen, noch drei Jahre in Göttingen zu bleiben, und nur 40 Thaler Jahresgehalt bekommt."

Sein knapp vierjähriges Studium schließt Robert mit Bravour ab. Anfang 1866 wird er promoviert und drei Monate später approbiert. Nun verlobt er sich mit seiner Jugendliebe Emmy Fraatz, die die arbeitsamen Studienjahre hindurch geduldig ausgeharrt hat. Für sie unterdrückt Robert erneut seinen Reisedrang und fährt nicht wie geplant als Schiffsarzt zur See. Stattdessen erforscht er 1872 als Landarzt den Milzbranderreger und beweist, dass Krankheiten durch Keime ausgelöst werden, die für das bloße Auge unsichtbar sind. Es folgt die Identifizierung der Erreger für Cholera, Tuberkulose, Malaria und Pest. Nicht als Kaufmann oder Schiffsarzt, sondern als Forschungsreisender kommt er jetzt in der Welt herum. Am 11. Dezember 1905, seinem 62. Geburtstag, wird Robert Koch der Nobelpreis für Medizin verliehen. Fünf Jahre später stirbt der längst hochberühmte Forscher bei einer Erholungskur in Baden-Baden. Am 27. Mai jährt sich Kochs 100. Todestag.

Was für ein Student Koch heute wäre? Vermutlich könnte er sich dank eines Jobs als Hiwi am Max-Planck-Institut immerhin das Mittagessen leisten und mit dem DAAD ins Ausland gehen. Vom Kneipenbesuch würde er sich höflich mit seiner Laborgruppe herausreden. Als Wissenschaftler täte er sich wegen fehlender Alpha-Mentalität in der exzellenz-fixierten Forschungslandschaft schwer, in der sich alles darum dreht, sich und seine Forschung zu vermarkten. Etwas so Grundlegendes wie die Existenz von Krankheitserregern nachzuweisen würde heute schwierig. Aber ein unbekanntes Bakterium gäbe es bestimmt noch zu finden.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Hiwi?

    Höchstwahrscheinlich würde er dorthin gehen, wo man ihm nicht nur eine Hiwi-Stelle anbieten würde. (Welch abwertendes Wort)

    Deutschland:
    Ich beim Übernahmegespräch nach meiner Ausbildung (o.k., schon etwas her):
    Chef: Wir bieten Ihnen ein Salaris von 360 DM.
    Ich: Super, 360 DM pro Woche, das sind ja beinahe 1.500 DM im Monat!
    Chef: Nein, nein, 360 im Monat!
    Ich: Auf Nimmerwiedersehen!

  2. Bei dem bürokratischen Getue um Studium und Studienplätze hätte der Mann wahrscheinlich nicht einmal einen Studienplatz in Medizin bekommen (wobei ich seine Abi- oder vergleichbaren Noten nicht kenne). Aber nachgewiesenermaßen ist die 1,0 im Abitur mitnichten ein Maß für die Qualität eines späteren Arztes oder gar Landarztes! Außerdem wäre er möglicherweise an den Studiengebühren und sonstigen Gebühren gescheitert, mit denen heutzutage der Wissenserwerb erschwert wird.....

  3. 3. ??????

    Wo bitte ist denn der Unterschied zwischen einem Arzt und einem Landarzt? Das nenn ich mal abwertend....

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Tja, erfahrungsgemäß fehlen als erstes wegen der harten Randbedingungen Ärzte auf dem Land und bekannterweise gibt es böse Gerüchte, dass sich manche Mediziner bei der Praxiswahl eher an der Zahl der Luxuskarossen in einem Viertel leiten lassen, als vom wirklichen Bedarf. Aber wie gesagt, vielleicht ist das ja tatsächlich nur ein Gerücht......
    Die Ärzte auf dem Land leisten im Allgemeinen mindestens genauso viel oder mehr wie ihre Kollegen in der Stadt.

    Tja, erfahrungsgemäß fehlen als erstes wegen der harten Randbedingungen Ärzte auf dem Land und bekannterweise gibt es böse Gerüchte, dass sich manche Mediziner bei der Praxiswahl eher an der Zahl der Luxuskarossen in einem Viertel leiten lassen, als vom wirklichen Bedarf. Aber wie gesagt, vielleicht ist das ja tatsächlich nur ein Gerücht......
    Die Ärzte auf dem Land leisten im Allgemeinen mindestens genauso viel oder mehr wie ihre Kollegen in der Stadt.

  4. Tja, erfahrungsgemäß fehlen als erstes wegen der harten Randbedingungen Ärzte auf dem Land und bekannterweise gibt es böse Gerüchte, dass sich manche Mediziner bei der Praxiswahl eher an der Zahl der Luxuskarossen in einem Viertel leiten lassen, als vom wirklichen Bedarf. Aber wie gesagt, vielleicht ist das ja tatsächlich nur ein Gerücht......
    Die Ärzte auf dem Land leisten im Allgemeinen mindestens genauso viel oder mehr wie ihre Kollegen in der Stadt.

    Antwort auf "??????"
  5. Ich finde diese sehr spekulative Serie etwas befremdlich.

    Was sagt sie aus? Dass es früher einfacher war, etwas zu werden, wenn man es schwer hatte? Das ist zynisch und bieder. Oder, dass heute alles doof ist? Nun, wer's mag.

    Meiner bescheidenen Erfahrung als Wissenschaftler, ist es heute einfacher als früher aufzufallen. Die Floskel ob Alpha-Clubs, renommierte Teams oder reiche Eltern scheinen irgendwie ein journalistische Mythen zu sein.

    Sie beschreiben nicht, wie Robert Koch sich verkauft hat. Sie verweisen auf einen introvertierten Jugendlichen. Doch, was interessiert mich die Jugend, wenn ich einen erwachsenen Wissenschaftler vor mir habe? War er wirklich so geduldig? Ich bezweifle es. Ein Mann, der über keine Referenzen verfügt, entdeckt die Keime. Was denken Sie, wie er diese verkauft hat, um nicht bestohlen zu werden?

    Meine persönliche Erfahrung ist, dass Leute, die offenbar etwas beherrschen und hartnäckig sind, und sich nicht dauernd in anständigen Hoffnungen und Allüren verlieren, andere anziehen, die sich von ihm oder ihr angezogen fühlen.

    Natürlich ist so eine Person unbequem, unheimlich. Ein Mann, der sich während des Studium von weniger als Wenig ernährt, ist kein einfacher Freund. Er riecht nach Armut und wird entsprechend im Studium behandelt. Dennoch bildet so ein Mensch einen ambitionierten Zirkel um sich, der ihn nach vorne schubst.

    Es ist zweifellos eine Erfahrung, die den meisten Menschen oder Studenten mystisch oder unerreicht vorkommen wird.

  6. Oder genauer gesagt: mit hoher Wahrscheinlichkeit wäre gar nichts aus Herrn Koch geworden, denn erstens herrscht heute nicht nur in der Wissenschaft ein Geist, der es zu einer Sünde par excellence macht, die vorherrschende Lehrmeinung grundsätzlich in Frage zu stellen und außerdem hat heute niemand außerhalb der Verteter der Lehrmeinung dazu die wirtschaftlichen Möglichkeiten d.h. z.B. die technischen Mittel. Und so reiten wir weiter auf der schmierigen Welle einer selbsterfüllenden Prophezeiung, dass richtig ist, was richtig sein muss.

  7. Dass Koch in allen Epochen eine glänzende Karriere gelungen wäre, davon zeugt sein Tuberkulin-Projekt, das ja nicht zuletzt ein Meisterstück hinsichtlich Selbstvermarktung war. Selbstverständlich war Koch ein Alpha-Tierchen. (Auch sein Auftritt als Cholera-Beauftragter, 1892 in Hamburg sei in diesem Zusammenhang erwähnt.) Es mag tagespolitisch opportun sein, zu behaupten, ein genialer Wissenschaftler wie Koch hätte heutzutage nichts werden können, journalistisch hingegen ist es mangelhaft.

  8. wenn es herr koch heutzutage zu nichts gebracht hätte, wäre es sicher in erster linie der internationalen konkurrenz geschuldet als dem geist der wissenschaft. außerdem: auf einer unbekannten insel neues territorium zu entdecken ist sicher einfacher als im ruhrpott. insofern sind die vergleichsmöglichkeiten sicher auch eingeschränkt.

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  • Serie Ehemaligenverein
  • Quelle ZEIT Campus 3/2010
  • Kommentare 8
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  • Schlagworte Robert Koch | Hochschule | DAAD | Göttingen | Baden-Baden | Harz
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