Nicht die Streber bewegen die Welt, sondern die, die sich für etwas begeistern. Denn das steckt an.

Wenn man nach "Roland Berger in sympathisch" sucht, landet man schnell bei ihr. Mit 23 hat Christina König ihre erste Firma gegründet: "Lucid Laundry". Sie berät Textilunternehmen, die auf Nachhaltigkeit und Fairness setzen. Damit hat sie gleich eine neue Branche erfunden: Moralische Strategieberatung. © Katrin Binner

Über ihre Zukunft können die meisten Studenten so viel sagen wie über die nächste Staffel ihrer Lieblingsserie: Sie wissen nicht, was passieren wird, aber sie hoffen, dass alles gut ausgeht. Wer weiß schon, wohin einen die seltsamen Dinge, die man in seinem Leben tut, eines Tages führen werden? Vielleicht in die hoch bezahlte Chefetage eines Unternehmens, vielleicht in die Arbeitslosigkeit, vielleicht in ein Leben, dessen Glück sich nicht nach Gehaltsscheck und Visitenkarte bemisst.

Mit Sicherheit kann das heute noch keiner sagen. Diese Titelgeschichte versucht also das Unmögliche, sie versucht, eine Prognose abzugeben, welche Studenten unser Land in den kommenden Jahrzehnten umkrempeln werden. Wochenlang hat die Redaktion dafür recherchiert. Wir haben Nobelpreisträger gefragt und Personalberater. Wir haben bei Parteien angerufen und bei den Kirchen, bei Stiftungen, Instituten, Vorstandsbüros und Galerien.

Seinetwegen wird irgendwann der Fotokopierer abgeschafft. Er hat "PaperC" gegründet, eine Webplattform zum Lesen und Runterladen von Fachliteratur. Generationen von Studenten werden es ihm danken. © Norman Konrad

Wir haben Nachfolger für Personen gesucht und für Ämter, die erst in einigen Jahren zu vergeben sein werden: die neue Angela Merkel. Den nächsten Josef Ackermann. Den besseren Helge Schneider. Den zweiten Immanuel Kant. Herausgekommen ist eine Liste mit einhundert Namen von Studenten und jungen Absolventen, die mit Mitte zwanzig schon mehr auf dem Kasten haben als manche von denen, die heute das Sagen haben.

Natürlich gibt es mehr als 100 Talente im deutschsprachigen Raum, deshalb muss diese Liste unvollständig sein. Aber gerade weil die Auswahl streng war, wird man von den Genannten mit großer Wahrscheinlichkeit noch hören. Zum Beispiel von Ralf Retter, der mit 27 Jahren schon an seiner Habilitation schreibt und für den Bundesverband der Deutschen Industrie als Referent für Klimafragen arbeitet. Das ist bemerkenswert.

Retten mit den Ökoklamotten von "artgerechtes.de" gleich die ganze Welt: Kinderarbeiter, Baumwollbauern und unseren Planeten. Der Gewinn fließt in Projekte © Katrin Binner

Gleichzeitig muss man wissen, dass diese Liste kein Wunschzettel ist. Es geht nicht um ein Urteil, von welchen Studenten die Welt noch hören will oder hören sollte, sondern von welchen sie noch hören wird. Vielleicht wird Ralf Retter einmal der neue Hans-Olaf Henkel, ein lauter Marktliberaler, mit dem man streiten kann, mit dem nicht jeder einverstanden ist und der gerade deshalb so wichtig ist. Man könnte diese Liste auch für eine Art StreberVZ halten, weil viele der Genannten im Studium brillant sind, weil sie Einsen schreiben und Auslandssemester in Cambridge und Oxford machen. Aber darum ging es bei der Zusammenstellung nicht. Das Kriterium war nicht der optimale Lebenslauf mit den meisten Praktika, den spektakulärsten Auslandsaufenthalten und dem honorigsten sozialen Engagement.

Niemand ist in der Liste gelandet, der Dinge nur unternimmt, damit sie im Lebenslauf funkeln. Stattdessen haben wir Studenten gefunden, die Dinge aus Begeisterung tun. Warum hat Silvia Arroyo Camejo mit 17 ein Buch über Quantenphysik geschrieben? Weil sie Lust dazu hatte. Warum will Paul Ovtschinnikow Hauptschüler bis zur Hochschulreife bringen? Weil er selbst diesen Weg gegangen ist und glaubt, dass auch andere das schaffen können.