Junge TalenteDie Liste der 100

Nicht die Streber bewegen die Welt, sondern die, die sich für etwas begeistern. Denn das steckt an.

Christina König, 23
Wenn man nach "Roland Berger in sympathisch" sucht, landet man schnell bei ihr. Mit 23 hat Christina König ihre erste Firma gegründet: "Lucid Laundry". Sie berät Textilunternehmen, die auf Nachhaltigkeit und Fairness setzen. Damit hat sie gleich eine neue Branche erfunden: Moralische Strategieberatung.

Wenn man nach "Roland Berger in sympathisch" sucht, landet man schnell bei ihr. Mit 23 hat Christina König ihre erste Firma gegründet: "Lucid Laundry". Sie berät Textilunternehmen, die auf Nachhaltigkeit und Fairness setzen. Damit hat sie gleich eine neue Branche erfunden: Moralische Strategieberatung.

Über ihre Zukunft können die meisten Studenten so viel sagen wie über die nächste Staffel ihrer Lieblingsserie: Sie wissen nicht, was passieren wird, aber sie hoffen, dass alles gut ausgeht. Wer weiß schon, wohin einen die seltsamen Dinge, die man in seinem Leben tut, eines Tages führen werden? Vielleicht in die hoch bezahlte Chefetage eines Unternehmens, vielleicht in die Arbeitslosigkeit, vielleicht in ein Leben, dessen Glück sich nicht nach Gehaltsscheck und Visitenkarte bemisst. Mit Sicherheit kann das heute noch keiner sagen. Diese Titelgeschichte versucht also das Unmögliche, sie versucht, eine Prognose abzugeben, welche Studenten unser Land in den kommenden Jahrzehnten umkrempeln werden. Wochenlang hat die Redaktion dafür recherchiert. Wir haben Nobelpreisträger gefragt und Personalberater. Wir haben bei Parteien angerufen und bei den Kirchen, bei Stiftungen, Instituten, Vorstandsbüros und Galerien.

Felix Hofmann, 26
Seinetwegen wird irgendwann der Fotokopierer abgeschafft. Er hat "PaperC" gegründet, eine Webplattform zum Lesen und Runterladen von Fachliteratur. Generationen von Studenten werden es ihm danken.

Seinetwegen wird irgendwann der Fotokopierer abgeschafft. Er hat "PaperC" gegründet, eine Webplattform zum Lesen und Runterladen von Fachliteratur. Generationen von Studenten werden es ihm danken.

Wir haben Nachfolger für Personen gesucht und für Ämter, die erst in einigen Jahren zu vergeben sein werden: die neue Angela Merkel. Den nächsten Josef Ackermann. Den besseren Helge Schneider. Den zweiten Immanuel Kant. Herausgekommen ist eine Liste mit einhundert Namen von Studenten und jungen Absolventen, die mit Mitte zwanzig schon mehr auf dem Kasten haben als manche von denen, die heute das Sagen haben.

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Natürlich gibt es mehr als 100 Talente im deutschsprachigen Raum, deshalb muss diese Liste unvollständig sein. Aber gerade weil die Auswahl streng war, wird man von den Genannten mit großer Wahrscheinlichkeit noch hören. Zum Beispiel von Ralf Retter, der mit 27 Jahren schon an seiner Habilitation schreibt und für den Bundesverband der Deutschen Industrie als Referent für Klimafragen arbeitet. Das ist bemerkenswert.

Johanna Zimmermann und Julian Schrögel
Retten mit den Ökoklamotten von "artgerechtes.de" gleich die ganze Welt: Kinderarbeiter, Baumwollbauern und unseren Planeten. Der Gewinn fließt in Projekte

Retten mit den Ökoklamotten von "artgerechtes.de" gleich die ganze Welt: Kinderarbeiter, Baumwollbauern und unseren Planeten. Der Gewinn fließt in Projekte

Gleichzeitig muss man wissen, dass diese Liste kein Wunschzettel ist. Es geht nicht um ein Urteil, von welchen Studenten die Welt noch hören will oder hören sollte, sondern von welchen sie noch hören wird. Vielleicht wird Ralf Retter einmal der neue Hans-Olaf Henkel, ein lauter Marktliberaler, mit dem man streiten kann, mit dem nicht jeder einverstanden ist und der gerade deshalb so wichtig ist. Man könnte diese Liste auch für eine Art StreberVZ halten, weil viele der Genannten im Studium brillant sind, weil sie Einsen schreiben und Auslandssemester in Cambridge und Oxford machen. Aber darum ging es bei der Zusammenstellung nicht. Das Kriterium war nicht der optimale Lebenslauf mit den meisten Praktika, den spektakulärsten Auslandsaufenthalten und dem honorigsten sozialen Engagement.

Niemand ist in der Liste gelandet, der Dinge nur unternimmt, damit sie im Lebenslauf funkeln. Stattdessen haben wir Studenten gefunden, die Dinge aus Begeisterung tun. Warum hat Silvia Arroyo Camejo mit 17 ein Buch über Quantenphysik geschrieben? Weil sie Lust dazu hatte. Warum will Paul Ovtschinnikow Hauptschüler bis zur Hochschulreife bringen? Weil er selbst diesen Weg gegangen ist und glaubt, dass auch andere das schaffen können.

Leserkommentare
    • Delok
    • 12.06.2010 um 11:48 Uhr

    Die vorgestellten Unternehmen sind ja ganz süß, aber werden wahrscheinlich in den nächsten 10 jahren pleitegehen.
    Beratungen und anderes Dienstleistungszeugs macht doch heute hinz und kunz, dass ist völlig austauschbar.
    Öko und Faire Produkte herstellen ist zwar ganz nett, aber sobald die grossen Konzerne auf den Zug aufspringen können die einpacken.

    Ich vermisse den nächsten Krupp, den nächsten Bosch meinetwegen auch den nächsten Herrenknecht:
    Leute die etwas greifbares und grosses schaffen wollen.
    Dienstleistungsgesellschaften haben seit der Bankenkriese ausgedient wir brauchen wieder mehr Industrie, vor allem als Exportland.

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    • mhmmmm
    • 12.06.2010 um 12:13 Uhr

    sind die, die mit den Konzepten und Methoden der Vergangenheit die Zukunft gestalten wollen.

    Und wo sollen die Ressourcen für diese Industrie herkommen?1 Es wird doch jetzt schon knapp. Wenn wir den Rest der Welt, sollte er über kurz oder lang zu Geld kommen, auch noch mit unserem Wohlstandskrempel überschwemmen, können wir uns die ehrgeizigen Klimaziele noch viel mehr in die Haare schmieren, als ohnehin schon. Wer braucht bitte den ganze Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?

    ja die hatten auch ihre Konzepte, gut aber noch im vorletzten Jahrundert. Andere Technik, andere Zeiten
    Zu dieser Zeit glaubten führende Wissenschaftler auch nicht an das, was sie nicht sinnlich erfahren können. Aber Atome gibt es trotzdem, wo wäre unser USB-Stick ohne Tunneleffekt?
    Manchmal sind Güter auch immateriell, wie Solidarität oder Bildung, aber ihren Wert haben sie trotzdem und besonders JETZT wo Innovation und Freidenkertum mehr gebraucht werden als die alten Kardinaltugenden, die nie eh wirklich praktiziert wurden, aber immer gerne genannt wurden.
    Aktienkontainer sind da doch einfach unangenehme Auswüchse, wie die Tabbak- oder Olindustrie.

    • mhmmmm
    • 12.06.2010 um 12:13 Uhr

    sind die, die mit den Konzepten und Methoden der Vergangenheit die Zukunft gestalten wollen.

    Und wo sollen die Ressourcen für diese Industrie herkommen?1 Es wird doch jetzt schon knapp. Wenn wir den Rest der Welt, sollte er über kurz oder lang zu Geld kommen, auch noch mit unserem Wohlstandskrempel überschwemmen, können wir uns die ehrgeizigen Klimaziele noch viel mehr in die Haare schmieren, als ohnehin schon. Wer braucht bitte den ganze Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?

    ja die hatten auch ihre Konzepte, gut aber noch im vorletzten Jahrundert. Andere Technik, andere Zeiten
    Zu dieser Zeit glaubten führende Wissenschaftler auch nicht an das, was sie nicht sinnlich erfahren können. Aber Atome gibt es trotzdem, wo wäre unser USB-Stick ohne Tunneleffekt?
    Manchmal sind Güter auch immateriell, wie Solidarität oder Bildung, aber ihren Wert haben sie trotzdem und besonders JETZT wo Innovation und Freidenkertum mehr gebraucht werden als die alten Kardinaltugenden, die nie eh wirklich praktiziert wurden, aber immer gerne genannt wurden.
    Aktienkontainer sind da doch einfach unangenehme Auswüchse, wie die Tabbak- oder Olindustrie.

  1. folgende Organisation für eine geplante Selbständigkeit nahelegen:

    ASHOKA Deutschland "Email: info_de@ashoka.org"

    Ich hoffe, Zeit-Online weiß um die Reputation dieser Organisation, und läßt diesen Hinweis stehen.

    • mhmmmm
    • 12.06.2010 um 12:13 Uhr

    sind die, die mit den Konzepten und Methoden der Vergangenheit die Zukunft gestalten wollen.

    Antwort auf "nicht Zukunftsfähig"
  2. Interessant, ja, weil eine große Zeitung junge Menschen aggressiv an die Öffentlichkeit presst. Das ist gut, sollte öfter versucht werden. Solche Ausgaben sind öffentlich oft wirksamer als jeder kleine Preis.

    Womit ich schon bei den Nomierten wäre.

    PaperC: Dort habe ich mich gleich angemeldet, da ich die Idee, von Google Books ausgehend, richtig und treffend finde. Google Books habe ich eine Zeitlang, als es noch offener war, benutzt, um zu recherchieren. Ich ahnte damals schon, welche Möglichkeiten sich mir eröffnen, wenn ich seltene Komplettbände über das Internet abrufen kann ohne in die Bibliothek gehen zu müssen.

    Bei PaperC schreckt mich nur der Preis ab: 5 Euro / 50 Seiten. Für 9 Euro erhalte ich bereits nicht unwichtige wiss. Lektüre von stw. 5 Euro sind mir für ein 50-seitiges PDF leider zu viel.

    Julia Zange: Noch so eine poppige Open-Mike-Gewinnerin, die bei einem großen Verlag untergekommen ist. Die Mike-Autoren würde ich eher als eine vorübergende Modeerscheinung interpretieren. Es lohnt andere Teilnehmer zu lesen, um zu verstehen, welche Art von Texten angesagt ist – und warum die Gewinner wie aus der Retorte wirken.

    Insofern kann man die gesamte Liste möglicherweise am ehesten als öffentliche Zuhilfenahme, als Spiegel der Gegenwart oder jetzigen Mode betrachten, was ich auch voll unterstütze. Wo sonst bekommen einzelne, junge Personen so viel Aufmerksamkeit auf einmal?

  3. zwar wird behauptet, es würden nur Leute vorgestellt, die sich nicht aus rein strategischen Gründen engagieren, aber dann geht es doch um Karriere, Karriere und nochmal Karriere. In diesem Zusammenhang Kant zu erwähnen zeugt von totaler Ahnungslosigkeit, denn der wurde erst nach seinem Tod eigentlich berühmt und musste zeitlebens Philosophie zweiten Ranges unterrichten, die heute vergessen ist. Hunderttausende junge Leute engagieren sich in NGOs, bohren Brunnen in Afrika und bringen Hilfsgüter nach Afghanistan, ohne dass dies Anlass zu einer Art Pseudogeniekult gibt. Überlassen wir es doch der Geschichte zu entscheiden, wer und was Bestand hat.

  4. Und wo sollen die Ressourcen für diese Industrie herkommen?1 Es wird doch jetzt schon knapp. Wenn wir den Rest der Welt, sollte er über kurz oder lang zu Geld kommen, auch noch mit unserem Wohlstandskrempel überschwemmen, können wir uns die ehrgeizigen Klimaziele noch viel mehr in die Haare schmieren, als ohnehin schon. Wer braucht bitte den ganze Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?

    Antwort auf "nicht Zukunftsfähig"
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    „Wer braucht bitte den ganzen Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?“

    Wer den ganzen „industriell hergestellten Krempel“ braucht ist doch irrelevant, die Produktion orientiert sich nach dem Absatzmark und nicht nach dem Sinn welche eine Sache evtl. für die Menschheit hat.
    Wer braucht Zigaretten, Bier, Fernsehen zum überleben? Keiner! Schaffen wir es deshalb ab?

    Aber am leichtesten kann man immer noch Geld machen indem man die Klimapanik schürt und gleichzeitig Wildlachs(!) mit BIO-Sigeln beklebt.
    Aber hier stellt sich auch nicht die Sinnfrage, wenn es gekauft wird hat es seine Berechtigung.

    „Wer braucht bitte den ganzen Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?“

    Wer den ganzen „industriell hergestellten Krempel“ braucht ist doch irrelevant, die Produktion orientiert sich nach dem Absatzmark und nicht nach dem Sinn welche eine Sache evtl. für die Menschheit hat.
    Wer braucht Zigaretten, Bier, Fernsehen zum überleben? Keiner! Schaffen wir es deshalb ab?

    Aber am leichtesten kann man immer noch Geld machen indem man die Klimapanik schürt und gleichzeitig Wildlachs(!) mit BIO-Sigeln beklebt.
    Aber hier stellt sich auch nicht die Sinnfrage, wenn es gekauft wird hat es seine Berechtigung.

  5. Fraglich, ob die Vorgestellten wirklich so erfolgreich sein werden.
    Für sich persönlich sicherlich, das ist auch ok, doch fällt mir auf, das viele der "Ideen" Bedürfnisse decken, die lediglich auf Modetrends gründen, also keinen echten Bedarf oder Mehrwert befriedigen.
    Solange unsere Gesellschaft reich ist, kann man damit Sahne abschöpfen. Aber echte Innovation? Innovationen die wirklich zusätzlichen Mehrwert schaffen oder diesen ermöglicht scheint nur hier und da realistisch?

    Die Leute sind sicher clever und sie werden ihren Weg machen in einer Welt in der Phantasie und Einbildung mehr zählen als harte Fakten. Weil die Erosion der Wohlstandsgrundlagen irgendwann nicht mehr mit Marketing kompensierbar ist.

    H.

  6. „Wer braucht bitte den ganzen Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?“

    Wer den ganzen „industriell hergestellten Krempel“ braucht ist doch irrelevant, die Produktion orientiert sich nach dem Absatzmark und nicht nach dem Sinn welche eine Sache evtl. für die Menschheit hat.
    Wer braucht Zigaretten, Bier, Fernsehen zum überleben? Keiner! Schaffen wir es deshalb ab?

    Aber am leichtesten kann man immer noch Geld machen indem man die Klimapanik schürt und gleichzeitig Wildlachs(!) mit BIO-Sigeln beklebt.
    Aber hier stellt sich auch nicht die Sinnfrage, wenn es gekauft wird hat es seine Berechtigung.

    Antwort auf "Wird knapp..."
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    Natürlich gibt es immer einen Markt für Luxus. Die aktuelle Klimapolitik und die daraus resultierenden Geschäftsideen sehe ich ich weitgehend auch als Luxus in diesem Sinne.
    Damit will ich nicht die Probleme negieren, ich glaube aber nicht an die Therapievorschläge, weil eine guter Teil von Ihnen zu höheren Ressourcenverbrauch führt, ein anderer wirkungslos bleibt und ein Dritter das Problem nur verlagert.

    Solange aber unsere Volkswirtschaft genug Massenwohlstand schafft, stellt das kein Problem dar. Nur die meisten dieser hier vorgestellten Geschäftsideen, stehen bei mir im Verdacht eben keinen Massenwohlstand schaffen zu können, im Gegenteil sogar teilweise sogar solche Produktionen zu ersetzen.
    Also unzureichender Ersatz für die Wertschöpfung des allgemeinen Wohlstand darstellt.

    H.

    Natürlich gibt es immer einen Markt für Luxus. Die aktuelle Klimapolitik und die daraus resultierenden Geschäftsideen sehe ich ich weitgehend auch als Luxus in diesem Sinne.
    Damit will ich nicht die Probleme negieren, ich glaube aber nicht an die Therapievorschläge, weil eine guter Teil von Ihnen zu höheren Ressourcenverbrauch führt, ein anderer wirkungslos bleibt und ein Dritter das Problem nur verlagert.

    Solange aber unsere Volkswirtschaft genug Massenwohlstand schafft, stellt das kein Problem dar. Nur die meisten dieser hier vorgestellten Geschäftsideen, stehen bei mir im Verdacht eben keinen Massenwohlstand schaffen zu können, im Gegenteil sogar teilweise sogar solche Produktionen zu ersetzen.
    Also unzureichender Ersatz für die Wertschöpfung des allgemeinen Wohlstand darstellt.

    H.

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