Junge Talente Die Liste der 100Seite 2/2

Julia Zange, 26
Die abgründige Lolitaprosa ihres Debütromans "Die Anstalt der besseren Mädchen" verzaubert. Diverse Literaturwettbewerbe hat sie schon gewonnen. Gerade schreibt sie ihren zweiten Roman und ein Drehbuch für einen Kinofilm.

Die abgründige Lolitaprosa ihres Debütromans "Die Anstalt der besseren Mädchen" verzaubert. Diverse Literaturwettbewerbe hat sie schon gewonnen. Gerade schreibt sie ihren zweiten Roman und ein Drehbuch für einen Kinofilm.

Nimmt man die Geschichten aller hundert Studenten zusammen, entsteht so etwas wie der Lebenslauf einer ganzen Generation. Gern wird dann allen ein plakatives Etikett angeheftet, damit man in der Vielfalt nicht den Überblick verliert: die Generation Krise, die Generation Praktikum, die Generation Bachelor. Und wenn von den Studenten von heute die Rede ist, dann gern mit Häme: Sie hätten den Idealismus ihrer Eltern gegen einen Opportunismus in Stromlinienform eingetauscht, heißt es manchmal. An die Stelle der Träume früherer Generationen (gern der 68er) seien Pragmatismus und Egoismus getreten. »Traurige Streber« nannte Jens Jessen die junge Generation unlängst im Feuilleton der ZEIT .

Die Geschichten der Hundert ergeben ein anderes Bild. Erstens: Es gibt keine Generation. Es gibt Träumer und Pragmatiker, Angepasste und Subversive, Nachwuchspolitiker und Aktivisten, Menschen wie Ralf Retter und Menschen wie Malte Bischof, der in Tübingen im dritten Semester Philosophie studiert und an nichts Geringerem als an einer metaphysischen Weltformel arbeitet. 

Christoph Fahle, 30
Ist der Lenin des 21. Jahrhunderts, weil er die Arbeitswelt revolutioniert. In seinem Berliner Betahaus-Büro mieten sich Freiberufler ohne festen Arbeitsplatz ein. Filialen in Zürich, Lissabon und Hamburg sind geplant.

Ist der Lenin des 21. Jahrhunderts, weil er die Arbeitswelt revolutioniert. In seinem Berliner Betahaus-Büro mieten sich Freiberufler ohne festen Arbeitsplatz ein. Filialen in Zürich, Lissabon und Hamburg sind geplant.

Zweitens: Es gibt viel Idealismus. Er drückt sich nur anders aus, nämlich effizienter als früher. Statt mit bunten Plakaten in der Fußgängerzone Solidarität mit Nicaragua zu fordern, gehen Studenten heute dorthin, wo sie wirklich helfen können. Vielleicht könnte man Alexander Rybka auch als Streber bezeichnen. Er macht gerade mit 21 Jahren seinen Masterabschluss am Imperial College in London. Das ist eine der besten Universitäten Europas. Imponierender aber ist E.quinox , ein Projekt, das Rybka mit Kommilitonen aufgebaut hat: In armen Dörfern von Ruanda installieren sie Solarzellen, über die sich die Bewohner mit Strom versorgen. So gesehen ist Rybka wirklich anders als die Generation seiner Eltern: Er wandelt seinen Idealismus in pragmatische Lösungen um.

Anja Plaschg, 20
War in Daniel Richters Meisterklasse, um Bildende Kunst zu lernen, und warf hin, um Musik zu machen. Als das erste Soap&Skin-Album herauskam, war sie 18. Beängstigend jung für eine beängstigend reife Platte.

War in Daniel Richters Meisterklasse, um Bildende Kunst zu lernen, und warf hin, um Musik zu machen. Als das erste Soap&Skin-Album herauskam, war sie 18. Beängstigend jung für eine beängstigend reife Platte.

Für noch mehr Überraschung sorgt der Blick auf die Bilder. Wie stellt man sich jemanden vor, der an seiner Universität als bester BWL-Doktorand seit 15 Jahren gilt? Mit Maßhemd und Goldknopfjackett vielleicht? Säße man neben Jorgo Georgiadis in der U-Bahn, man würde ihn vielleicht für einen Sportler halten, aber nicht für den Wissenschaftler, der er ist. Oder würde man dem 23-jährigen Wolfgang Silbermann auf einer Party abnehmen, dass er persönlicher Referent von Frank-Walter Steinmeier ist?

Fragt sich am Ende, welchen Gewinn man aus einer solchen Liste ziehen kann. Die Mahnung, selbst schnell fünf NGOs zu gründen, um den Regenwald inklusive sämtlicher Ureinwohner zu retten? Den Zwang, das Auslandssemester lieber mit Seitenscheitel in Oxford statt mit Badehose in Barcelona zu verbringen?

Besser nicht. Aber man kann sich inspirieren lassen von dem Mut, mit dem manche Kommilitonen sich auf das konzentrieren, wofür sie sich wirklich begeistern. Und von der Energie, mit der sie ihren Weg gehen.

Zeit Campus 3/2010
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Sie engagieren sich für Frieden und Klimaschutz, sie schreiben Romane und Musicals, sie gründen Unternehmen, melden Patente an und suchen die Weltformel: Die komplette Liste der 100 Studenten lesen Sie in der Titelgeschichte "100 Studenten von denen wir noch hören werden" im aktuellen ZEIT CAMPUS-Heft.

 
Leser-Kommentare
    • Delok
    • 12.06.2010 um 11:48 Uhr

    Die vorgestellten Unternehmen sind ja ganz süß, aber werden wahrscheinlich in den nächsten 10 jahren pleitegehen.
    Beratungen und anderes Dienstleistungszeugs macht doch heute hinz und kunz, dass ist völlig austauschbar.
    Öko und Faire Produkte herstellen ist zwar ganz nett, aber sobald die grossen Konzerne auf den Zug aufspringen können die einpacken.

    Ich vermisse den nächsten Krupp, den nächsten Bosch meinetwegen auch den nächsten Herrenknecht:
    Leute die etwas greifbares und grosses schaffen wollen.
    Dienstleistungsgesellschaften haben seit der Bankenkriese ausgedient wir brauchen wieder mehr Industrie, vor allem als Exportland.

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    • mhmmmm
    • 12.06.2010 um 12:13 Uhr

    sind die, die mit den Konzepten und Methoden der Vergangenheit die Zukunft gestalten wollen.

    Und wo sollen die Ressourcen für diese Industrie herkommen?1 Es wird doch jetzt schon knapp. Wenn wir den Rest der Welt, sollte er über kurz oder lang zu Geld kommen, auch noch mit unserem Wohlstandskrempel überschwemmen, können wir uns die ehrgeizigen Klimaziele noch viel mehr in die Haare schmieren, als ohnehin schon. Wer braucht bitte den ganze Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?

    ja die hatten auch ihre Konzepte, gut aber noch im vorletzten Jahrundert. Andere Technik, andere Zeiten
    Zu dieser Zeit glaubten führende Wissenschaftler auch nicht an das, was sie nicht sinnlich erfahren können. Aber Atome gibt es trotzdem, wo wäre unser USB-Stick ohne Tunneleffekt?
    Manchmal sind Güter auch immateriell, wie Solidarität oder Bildung, aber ihren Wert haben sie trotzdem und besonders JETZT wo Innovation und Freidenkertum mehr gebraucht werden als die alten Kardinaltugenden, die nie eh wirklich praktiziert wurden, aber immer gerne genannt wurden.
    Aktienkontainer sind da doch einfach unangenehme Auswüchse, wie die Tabbak- oder Olindustrie.

    • mhmmmm
    • 12.06.2010 um 12:13 Uhr

    sind die, die mit den Konzepten und Methoden der Vergangenheit die Zukunft gestalten wollen.

    Und wo sollen die Ressourcen für diese Industrie herkommen?1 Es wird doch jetzt schon knapp. Wenn wir den Rest der Welt, sollte er über kurz oder lang zu Geld kommen, auch noch mit unserem Wohlstandskrempel überschwemmen, können wir uns die ehrgeizigen Klimaziele noch viel mehr in die Haare schmieren, als ohnehin schon. Wer braucht bitte den ganze Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?

    ja die hatten auch ihre Konzepte, gut aber noch im vorletzten Jahrundert. Andere Technik, andere Zeiten
    Zu dieser Zeit glaubten führende Wissenschaftler auch nicht an das, was sie nicht sinnlich erfahren können. Aber Atome gibt es trotzdem, wo wäre unser USB-Stick ohne Tunneleffekt?
    Manchmal sind Güter auch immateriell, wie Solidarität oder Bildung, aber ihren Wert haben sie trotzdem und besonders JETZT wo Innovation und Freidenkertum mehr gebraucht werden als die alten Kardinaltugenden, die nie eh wirklich praktiziert wurden, aber immer gerne genannt wurden.
    Aktienkontainer sind da doch einfach unangenehme Auswüchse, wie die Tabbak- oder Olindustrie.

  1. folgende Organisation für eine geplante Selbständigkeit nahelegen:

    ASHOKA Deutschland "Email: info_de@ashoka.org"

    Ich hoffe, Zeit-Online weiß um die Reputation dieser Organisation, und läßt diesen Hinweis stehen.

    • mhmmmm
    • 12.06.2010 um 12:13 Uhr

    sind die, die mit den Konzepten und Methoden der Vergangenheit die Zukunft gestalten wollen.

    Antwort auf "nicht Zukunftsfähig"
  2. Interessant, ja, weil eine große Zeitung junge Menschen aggressiv an die Öffentlichkeit presst. Das ist gut, sollte öfter versucht werden. Solche Ausgaben sind öffentlich oft wirksamer als jeder kleine Preis.

    Womit ich schon bei den Nomierten wäre.

    PaperC: Dort habe ich mich gleich angemeldet, da ich die Idee, von Google Books ausgehend, richtig und treffend finde. Google Books habe ich eine Zeitlang, als es noch offener war, benutzt, um zu recherchieren. Ich ahnte damals schon, welche Möglichkeiten sich mir eröffnen, wenn ich seltene Komplettbände über das Internet abrufen kann ohne in die Bibliothek gehen zu müssen.

    Bei PaperC schreckt mich nur der Preis ab: 5 Euro / 50 Seiten. Für 9 Euro erhalte ich bereits nicht unwichtige wiss. Lektüre von stw. 5 Euro sind mir für ein 50-seitiges PDF leider zu viel.

    Julia Zange: Noch so eine poppige Open-Mike-Gewinnerin, die bei einem großen Verlag untergekommen ist. Die Mike-Autoren würde ich eher als eine vorübergende Modeerscheinung interpretieren. Es lohnt andere Teilnehmer zu lesen, um zu verstehen, welche Art von Texten angesagt ist – und warum die Gewinner wie aus der Retorte wirken.

    Insofern kann man die gesamte Liste möglicherweise am ehesten als öffentliche Zuhilfenahme, als Spiegel der Gegenwart oder jetzigen Mode betrachten, was ich auch voll unterstütze. Wo sonst bekommen einzelne, junge Personen so viel Aufmerksamkeit auf einmal?

  3. zwar wird behauptet, es würden nur Leute vorgestellt, die sich nicht aus rein strategischen Gründen engagieren, aber dann geht es doch um Karriere, Karriere und nochmal Karriere. In diesem Zusammenhang Kant zu erwähnen zeugt von totaler Ahnungslosigkeit, denn der wurde erst nach seinem Tod eigentlich berühmt und musste zeitlebens Philosophie zweiten Ranges unterrichten, die heute vergessen ist. Hunderttausende junge Leute engagieren sich in NGOs, bohren Brunnen in Afrika und bringen Hilfsgüter nach Afghanistan, ohne dass dies Anlass zu einer Art Pseudogeniekult gibt. Überlassen wir es doch der Geschichte zu entscheiden, wer und was Bestand hat.

  4. Und wo sollen die Ressourcen für diese Industrie herkommen?1 Es wird doch jetzt schon knapp. Wenn wir den Rest der Welt, sollte er über kurz oder lang zu Geld kommen, auch noch mit unserem Wohlstandskrempel überschwemmen, können wir uns die ehrgeizigen Klimaziele noch viel mehr in die Haare schmieren, als ohnehin schon. Wer braucht bitte den ganze Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?

    Antwort auf "nicht Zukunftsfähig"
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    „Wer braucht bitte den ganzen Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?“

    Wer den ganzen „industriell hergestellten Krempel“ braucht ist doch irrelevant, die Produktion orientiert sich nach dem Absatzmark und nicht nach dem Sinn welche eine Sache evtl. für die Menschheit hat.
    Wer braucht Zigaretten, Bier, Fernsehen zum überleben? Keiner! Schaffen wir es deshalb ab?

    Aber am leichtesten kann man immer noch Geld machen indem man die Klimapanik schürt und gleichzeitig Wildlachs(!) mit BIO-Sigeln beklebt.
    Aber hier stellt sich auch nicht die Sinnfrage, wenn es gekauft wird hat es seine Berechtigung.

    „Wer braucht bitte den ganzen Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?“

    Wer den ganzen „industriell hergestellten Krempel“ braucht ist doch irrelevant, die Produktion orientiert sich nach dem Absatzmark und nicht nach dem Sinn welche eine Sache evtl. für die Menschheit hat.
    Wer braucht Zigaretten, Bier, Fernsehen zum überleben? Keiner! Schaffen wir es deshalb ab?

    Aber am leichtesten kann man immer noch Geld machen indem man die Klimapanik schürt und gleichzeitig Wildlachs(!) mit BIO-Sigeln beklebt.
    Aber hier stellt sich auch nicht die Sinnfrage, wenn es gekauft wird hat es seine Berechtigung.

  5. Fraglich, ob die Vorgestellten wirklich so erfolgreich sein werden.
    Für sich persönlich sicherlich, das ist auch ok, doch fällt mir auf, das viele der "Ideen" Bedürfnisse decken, die lediglich auf Modetrends gründen, also keinen echten Bedarf oder Mehrwert befriedigen.
    Solange unsere Gesellschaft reich ist, kann man damit Sahne abschöpfen. Aber echte Innovation? Innovationen die wirklich zusätzlichen Mehrwert schaffen oder diesen ermöglicht scheint nur hier und da realistisch?

    Die Leute sind sicher clever und sie werden ihren Weg machen in einer Welt in der Phantasie und Einbildung mehr zählen als harte Fakten. Weil die Erosion der Wohlstandsgrundlagen irgendwann nicht mehr mit Marketing kompensierbar ist.

    H.

  6. „Wer braucht bitte den ganzen Krempel, der den lieben langen Tag industriell produziert wird?“

    Wer den ganzen „industriell hergestellten Krempel“ braucht ist doch irrelevant, die Produktion orientiert sich nach dem Absatzmark und nicht nach dem Sinn welche eine Sache evtl. für die Menschheit hat.
    Wer braucht Zigaretten, Bier, Fernsehen zum überleben? Keiner! Schaffen wir es deshalb ab?

    Aber am leichtesten kann man immer noch Geld machen indem man die Klimapanik schürt und gleichzeitig Wildlachs(!) mit BIO-Sigeln beklebt.
    Aber hier stellt sich auch nicht die Sinnfrage, wenn es gekauft wird hat es seine Berechtigung.

    Antwort auf "Wird knapp..."
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    Natürlich gibt es immer einen Markt für Luxus. Die aktuelle Klimapolitik und die daraus resultierenden Geschäftsideen sehe ich ich weitgehend auch als Luxus in diesem Sinne.
    Damit will ich nicht die Probleme negieren, ich glaube aber nicht an die Therapievorschläge, weil eine guter Teil von Ihnen zu höheren Ressourcenverbrauch führt, ein anderer wirkungslos bleibt und ein Dritter das Problem nur verlagert.

    Solange aber unsere Volkswirtschaft genug Massenwohlstand schafft, stellt das kein Problem dar. Nur die meisten dieser hier vorgestellten Geschäftsideen, stehen bei mir im Verdacht eben keinen Massenwohlstand schaffen zu können, im Gegenteil sogar teilweise sogar solche Produktionen zu ersetzen.
    Also unzureichender Ersatz für die Wertschöpfung des allgemeinen Wohlstand darstellt.

    H.

    Natürlich gibt es immer einen Markt für Luxus. Die aktuelle Klimapolitik und die daraus resultierenden Geschäftsideen sehe ich ich weitgehend auch als Luxus in diesem Sinne.
    Damit will ich nicht die Probleme negieren, ich glaube aber nicht an die Therapievorschläge, weil eine guter Teil von Ihnen zu höheren Ressourcenverbrauch führt, ein anderer wirkungslos bleibt und ein Dritter das Problem nur verlagert.

    Solange aber unsere Volkswirtschaft genug Massenwohlstand schafft, stellt das kein Problem dar. Nur die meisten dieser hier vorgestellten Geschäftsideen, stehen bei mir im Verdacht eben keinen Massenwohlstand schaffen zu können, im Gegenteil sogar teilweise sogar solche Produktionen zu ersetzen.
    Also unzureichender Ersatz für die Wertschöpfung des allgemeinen Wohlstand darstellt.

    H.

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