Wissenschaft und Forschung Beruf: Forscher

Wer die Uni-Laufbahn einschlägt, geht ein hohes Risiko ein. Als Wissenschaftler arbeiten kann man aber auch woanders

ARBEITSWELT UNI _______Professuren machen nur rund ein Fünftel der wissenschaftlichen Stellen an Hochschulen aus. Die anderen Stellen bezeichnet man als akademischen Mittelbau. Zwei Drittel von ihnen sind befristet. Häufig teilen sich zwei Doktoranden eine Stelle. Ein Teil promoviert auch auf Drittmittelstellen, also im Rahmen von Projekten, für die Gelder eingeworben wurden. Typisch für die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses ist die Kombination von schwierigen Arbeitsbedingungen (Befristung, teils kurze Phasen der Arbeitslosigkeit zwischen den Verträgen, starke Arbeitsbelastung, hohe Abhängigkeit vom Professor, oft zu wenig Zeit für die eigene Doktorarbeit) und einer großen Zufriedenheit mit ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit.

ZEIT CAMPUS 4/2010
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PROFESSOR WERDEN _______Etwa acht Prozent der Promovierten lassen der Promotion die Habilitation folgen, die sie mit durchschnittlich 40 Jahren abschließen. Danach warten sie auf einen »Ruf«, also darauf, dass eine Hochschule ihnen eine Professur anbietet. Ergattern sie keinen Professorenposten, haben sie ein Problem: Dauerstellungen für Habilitierte ohne Professur machen nur einen geringen Teil aller wissenschaftlichen Stellen an Hochschulen aus. Und mit steigendem Alter sinkt auch die Aussicht, doch noch einen Ruf zu bekommen.

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JOBPERSPEKTIVEN _______Während die Zahl der Professoren in den vergangenen Jahren stagnierte, ist die der wissenschaftlichen Mitarbeiter stetig gestiegen (wobei die Stellen nicht genau so schnell mitwuchsen). Prognosen sind schwierig, da die Stellenentwicklung von Entscheidungen der Politik und der Hochschulen abhängt. So entstanden durch die Exzellenzinitiative über 4000 Stellen, darunter viele für Wissenschaftler. Im Aufwind ist die sogenannte strukturierte Promotion, bei der Doktoranden eine Art Ausbildungsprogramm durchlaufen und systematisch betreut werden. Zum Angebot zählen die 219 Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit rund 3300 Doktoranden. Zunehmend legen aber auch die Länder und die Hochschulen eigene Programme auf. Eine Alternative zur Wissenschaftskarriere an der Hochschule bieten außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie etwa die Institute der Max-Planck-Gesellschaft oder der Fraunhofer-Gesellschaft sowie die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Industrie.

WER WIRD GESUCHT? _______Zwischen Mai 2009 und April 2010 entfielen von den Stellenanzeigen im Bereich Forschung in den Print- medien die meisten auf Maschinenbau- und Elektroingenieure. Das ergab eine Auswertung des Personaldienstleisters Adecco. Es folgten Biologen, dann Sozialwissenschaftler und Mediziner. Die Zahl der Stellenanzeigen insgesamt lag, vermutlich auch aufgrund der Wirtschaftskrise, mit 5727 deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum (8567). Laut einer Studie der Vergütungsberatung personalmarkt.de verdient die Hälfte der promovierten Berufseinsteiger in der Forschung mehr als 48.000 Euro im Jahr. Mit fünf Jahren Berufserfahrung steigt der Wert auf 59.000 Euro. Forscherjobs in der Industrie sind lukrativer als die in den Forschungsinstituten: So erhielt in der Industrie die Hälfte der Forscher mehr als 59.000 Euro, in den Instituten lag dieser Wert bei 44.200 Euro.

 
Leser-Kommentare
    • Rudi01
    • 05.07.2010 um 12:48 Uhr

    "Häufig teilen sich zwei Doktoranden eine Stelle." Hinter dieser (sachlich durchaus zutreffenden) Bemerkung steckt die in Deutschland in vielen Fächern, bei Professoren, Uni-Leitungen und Förderorganisationen verbreitete Auffassung, dass man ruhig einen Doktoranden auch nur halb bezahlen kann und darf. Dieses Modell der "Kostenersparnis" funktioniert tatsächlich, denn wer auf einer Halbtagsstelle sitzt und tatsächlich um die Mittagszeit nach Hause fährt, dürfte sich in den meisten Uni-Arbeitsgruppen nicht lange halten, und kann die Hoffnung auf einen Doktortitel schnell begraben.

    Es ist ein Skandal ersten Ranges, dass es in Deutschland nicht nur möglich, sondern weitgehend üblich ist, die höchstqualifiziertesten jungen Leute unseres Landes systematisch für drei bis fünf Jahre um die Hälfte ihres Arbeitseinkommens zu prellen. Wissenschaftliche Forschung an den Universitäten ist ohne den massiven Einsatz von Doktorand(inn)en völlig unmöglich, und die Ergebnisse dieser Doktoranden rechnet für den jeweiligen Professor und die jeweilige Universität als Ergebnis eigener Leistung. Volle Stellen zum halben Tarif wären da wenigstens noch ehrlich.

    Wo diese jungen Leute das Geld für eine einigermassen würdevolle Existenz herbekommen sollen, wie sie bei diesen Verhältnissen eine Familie gründen und für ihr Alter vorsorgen sollen, darüber möchte man sich unter denjenigen, die solche "halben" Stellen vergeben, lieber keine Gedanken machen.

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    und wenn die Gelder für die "halben" Stellen mal versiegen, werden Doktoranden genötigt,
    auf Arbeitslosengeld weiter zu arbeiten.

    und wenn die Gelder für die "halben" Stellen mal versiegen, werden Doktoranden genötigt,
    auf Arbeitslosengeld weiter zu arbeiten.

  1. und wenn die Gelder für die "halben" Stellen mal versiegen, werden Doktoranden genötigt,
    auf Arbeitslosengeld weiter zu arbeiten.

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