Arbeitgeber Uni
Die fünf Verbote
In der Wissenschaft Karriere zu machen, ist nicht einfach. Umso wichtiger ist es, ein paar Regeln zu beachten
Die letzte Absage kam im April, mit einem Poststempel der Uni Mainz. Ein dünner Brief mit den üblichen Floskeln. »Sehr geehrter Herr Karimi, es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen...!« Besonders der letzte Satz klang in Karimis Ohren wie Hohn: »Für Ihre berufliche Zukunft wünschen wir Ihnen alles Gute.«

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Kian-Harald Karimi, 55, Romanistik-Dozent in Augsburg, nahm das Blatt und heftete es in einem dicken Ordner ab, auf dem Stapel der anderen rund 150 Absagen. So oft hat Karimi sich in den vergangenen zehn Jahren um eine Professur beworben – immer erfolglos. Dabei ist er einer von den Guten: Den Doktor machte er mit »magna cum laude«, er sei ein »außergewöhnlich begabter Nachwuchswissenschaftler«, hieß es im Zeugnis seiner Habilitation. 2006 wählten ihn Potsdamer Studenten sogar zum besten Dozenten ihrer Uni. Geholfen hat ihm das nicht. Er schlägt sich mit Lehraufträgen durch, in manchen Monaten muss er sich arbeitslos melden.
Karimis Fall zeigt: Selbst die Besten können in der Wissenschaft am Ende vor dem Nichts stehen, und das nach jahrelanger Ausbildung und Anstrengung. Rund 130.000 Wissenschaftler warten in Deutschland auf eine Professur, schätzt der Kasseler Bildungsforscher Ulrich Teichler. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes existieren jedoch nur 38.000 Stellen für Professoren – und die müssen ja auch noch frei werden, damit jemand nachrücken kann. Weil die Konkurrenz so groß ist, raten Experten den Nachwuchsforschern, bei ihrer Berufsplanung fünf einfache Verbote zu beachten.
Übersicht zu diesem Artikel:
- Datum 29.6.2010 - 07:51 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus 04/2010
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der tenor des artikels suggeriert, dass es nur eine einzige möglichkeit gibt als wissenschafterIn zu arbeiten, bzw. "in den Arbeitsmarkt integriert zu sein" - mit einer professur. da wäre es um die wissenschaft schlecht bestellt.
der tipp sich ein "projekt zu suchen, das von unternehmen bezahlt wird" klingt in zeiten wie diesen fast zynisch - und zeigt in keiner weise mit welchem aufwand man diesen aufträgen "hinterherläuft".
in meiner umgebung hat sich für wissenschafterInnen ein modell als gut lebbar herauskristallisiert, das auf eine kombination aus selbständigkeit und angestelltenverhältnis, lehre, beratung und forschung hinausläuft. oder die gründung von kleinen personengesellschaften als forschungebgemeinschaften. mit publikationen, durchaus auch habilitationen und allem was zum wissenschaftsbetrieb dazugehört. das ist manchmal anstrengend oft ab er auch sehr zufriedenstellend.
in meinem umkreis gibt es übrigens auch wissenschafterInnen mit zweiten standbein, die davon in keinster weise überfordert waren und sind.
wenn man jedoch nur eine einzige definition für wissenschaftliche karriere zuläßt dann wird es wahrlich eng.
"Während seiner letzten Arbeitslosigkeit hat der promovierte Astronom Freistetter ein Blog angefangen. Weil das gut lief, plant er heute, Artikel für Zeitschriften zu schreiben, vielleicht auch ein Buch."
Ich dachte, das wäre eine Voraussetzung, um als Wissenschaftler zu gelten, Artikel schreiben, auch ein Buch.
Und das ist noch ein Understatement. Als einer dieser Akademiker die sich nach einer Promotion und Post-Doc Phase jetzt mit dem Ende der Karriere konfrontiert sieht kann ich nur sagen das einem auf die Dauer das Selbswertgefühl abhanden kommt. Ich bin nämlich gut in meinem Job und habe immer hart dafür gearbeitet. Aber ich arbeite in der Forschung und habe daher auch so eine Mappe mit unzähligen Bewerbungen und Absagen. Nach meinem Biologie Studium war ich damals doch tatsächlich so naiv um zu glauben das es sich hierbei um eine Berufsausbildung handle. Heute weiss ich es besser!
Ich habe inzwischen in drei Europäischen Ländern gearbeitet und ein Faktor war immer der gleiche. Man bekommt einen Zeitvertrag und am Ende fliegt man raus unabhängig davon ob man gut war oder nicht. Es werden keine festen Stellen geschaffen, nur immer drüber geredet und neu Programme gestartet die letztendlich nur extra Jobs für Bürokraten schaffen aber eben nie für die Wissenschaftler. Diese ewige auf und ab im 3-Jahre Rhythmus kann ich inzwischen als eine Art künstlich erzeugten Zustand von manischer Depression beschreiben.
Ich liebe meinen Job, aber er macht mich kaputt weil mit aller Selbstverständlichkeit die Tatsache ignoriert wird das viele Wissenschaftler keine Plan B brauchen sondern Stellen die einem die Möglichkeit geben sich auf die Arbeit zu konzentrieren.
Ich will nicht kreativ nach neuen Betätigungsfeldern suchen müssen, ich will einfach nur meine Job machen!
130.000 WissenschaftlerInnen warten auf eine von 38.000 Professuren. Ist das jetzt neuerdings ein Defekt des Systems? Oder hat das nicht System?
Artikel wie dieser suggerieren es sei eine Tugend, sich in die Karrieremechanismen des dt. Hochschulwesens einzufügen. Händeschütteln statt Literaturlisten abschreiben! Nur aufgrund von Qualifikation sind noch die wenigsten Stellen vergeben worden! Wer kann sich schon leisten die Frage zu stellen, ob die Selektionsmechanismen in Wissenschaft und Hochschule die richtigen sind, wenn er auf gerade diese angewiesen ist?
Wenigstens wird im Artikel noch darauf hingewiesen, dass der richtige Zeitpunkt für den Absprung nicht verpasst werden darf. Denn wie der Vizepräsident meiner Universität kürzlich bemerkte: "Wer noch mit 40 Jahren auf einer Lehrbeauftragtenstelle sitzt, der hat versagt." Der behält mit viel Glück seinen Idealismus, geht gar (zwangsweise) eher Lehrtätigkeiten nach als karriereförderlicher Forschung. Dass es eben diese Menschen sind, die der modernen Massenuniversität allen Widrigkeiten und eigenen Nachteilen zum Trotz noch ein wenig Leben einhauchen, bleibt totgeschwiegen. Von den Führungsriegen der Unis, die sich sonst z.T. selbst in Frage stellen müssten. Von der Politik, die nicht nur das Geld für Veränderungen nicht haben möchte, sondern sich ohnehin unter dem Slogan "Autonomie der Hochschule" aus der Verantwortung zieht. Nicht von denen, die ohnehin keine Perspektive mehr für sich sehen: intelligenzija.jimdo.com
ich glaube, es gibt einen Trugschluss in diesem Artikel und in der Allgemeinen oeffentlichen Diskussion. Als Wissenschaftler gilt man erst, wenn man Professor ist. Ich weiss nicht, woher dieses Missverständnis stammt. Vielleicht aus den guten alten Zeiten von vor 100 Jahren ? Oder aus dem US-System, wo ein Professor aber nicht gleich ein Full-Professor ist, sondern dort werden die Leute zwischen 30 und 40 nicht als Mittelbau- Angestellte sondern als Assistenz Professoren eingestellt, häufig mit eigenen (wenig) finanziellen Mitteln ausgestattet, die sich mit Drittmitteln erweitern muessen.
Fakt ist, die Unis funktionieren nicht gut, weil es keine Kontunitat an leuten gibt, mahcnmal haben die Leute nur befristete 1 Jahres Verträge.
Wissenschaftler an Max Planck Instituten oder Helmoltz haben als Drittmittel-Angestellte sehr oft 3 Jahres Verträge.
Diese Wissenschaftler zwischen 25 und 40 Jahren alt, werden oft wie Auszubildende behandelt (auch vom Gesetzgeber: Wissenschaftzeitgesetz) anstatt wie Arbeitnehmer in anderen Branchen.
Das gesammte System ist hochgradig ineffizient, da alles auf Einzelpersonen (Professoren) hinausläuft und unter den befristeten Angestellten ein gnadenloser Kampf herrscht, der Team-Arbeit fast unmöglich macht.
Vielleicht sollte man nicht Einzelpersonen fördern, sondern Teams mit Drittmitteln fördern, dies würde die Flexibilität und Konkurrenz erhalten, aber als Mitglied einer Gruppe hat man mehr Sicherheit und Planbarkeit.
Ich finde nicht, dass das System Uni schlecht funktioniert.
Natürlich macht es Sinn, einzelne Stellen dauerhaft zu besetzen und damit für Kontinuität zu sorgen. Darüber hinaus bringen aber junge und frische Doktoranden Schwung in den Wissenschaftsalltag und sorgen für neue Impulse. Dafür reichen die vorhandenen Professorenstellen, ergänzt je nach Institutsgröße und -aufgaben um einzelne Dauerstellen.
Je länger Post-Docs sich mit befristeten Stellen an Unis halten, desto geringer werden deren Aussichten, sowohl an Unis als auch erst recht in der "freien Wirtschaft" Stellen zu bekommen. Der Romanist im Artikel ist ein gutes Beispiel. Die Promotion ist durchschnittlich (Standardnote) und er hat offensichtlich erst mit 45 angefangen, sich um Professuren zu bewerben. Eine Habilitation sollte mit 35 "durch" sein. Wer dann noch 10 Jahre auf Teilzeitstellen an der Uni verbringt, ehe er Richtung Professur marschiert, kann so "außergewöhnlich" nicht sein. Sehr gut sicher, aber im Fach Romanistik gibt es eben jede Menge sehr guter Habilitanden, die auf eine Stelle warten. Auch in anderen Berufen erreicht nicht jeder die Stufe in der Hierarchie, die er erreichen möchte. Das Problem vieler Privatdozenten ist wohl, dass sie den Absprung schlicht verpasst haben.
Ok, man kann das Sytem so akzeptieren wie es jetzt ist. Inbesondere wenn man Prof ist, denn die haben als Beamte paradiesche Zustaende. Aber was genau meinen Sie mit Absprung. Absprung in die private Wirtschaft wahrscheinlich. Wuerde dort die gleiche Logik herrschen, hiesse das, wenn man dort nicht mit 45 Geschaeftsführer ist oder im Vorstand einer Firma wird man arbeitslos.
Selbstverständlich muss man beweglich sein, will man an die Hochschule und Karriere machen, aber der Ratschlag ins Ausland zu gehen ist nur bedingt richtig.
Erstens hängt es sehr stark von der Disziplin ab. Ich kenne viele Fälle in denen -gute- Dozenten und Professoren ernsthafte Schwierigkeiten hatten und haben nach Deutschland zurück zu kommen.
Dann muss man auch bedenken: die "Höhere Töchter" Uni in Bahrain oder sonstwo ist in aller Regel als eben das in der "Szene" bekannt. Havard, MIT oder Oxford sind natürlich gern gesehen.
Von dort aus Netzwerke zu pflegen oder gar aufzubauen ist fast unmöglich. Wer ohne Netzwerke ins Ausland geht wird in aller Regel im Ausland bleiben, dort eventuell von Uni zu Uni ziehen. Auch sind die in Deutschland wichtigen Netzwerke von dort eben genau nicht erreichbar, da man nicht mal eben auf einen Kongress nach Düsseldorf fahren kann, aber kaum ein deutscher Akademiker abseits der wirklichen Spitzen beständig auf Kongressen im Ausland weilt. Dummerweise werden auch Lehrpositionen in der überwiegenden Mehrzahl auf Grund persönlicher Empfehlung besetzt, daran ändert das komplizierte wie langwierige Berufungsverfahren nichts.
Ferner ist zu bedenken, dass der Gang ins Ausland auch für den beruflichen Einstieg abseits der Hochschulen nicht ohne Risiko ist, da er die gefühlte "Berufsferne" der akademischen Bewerber aus Sicht der Personaler nur noch unterstreicht. Dies haben mir viele Arbeitsvermittler und Personalchefs genau so bestätigt.
Schon interessant, in welcher Weise da über "uns" Wissenschaftler geschrieben wird. Es wäre schön, wenn talentierten Studienanwärtern schon vor dem Studium gesagt würde, welche Hindernisse sie erwarten, besonders, wenn sie Frauen sind. Leider findet man das erst heraus, wenn es für eine andere Ausbildung schon zu spät ist, denn die Uni-Industrie züchtet sich den Nachwuchs zum Verheizen mit Bedacht, das Kleingedruckte wird gerne unterschlagen.
Auch im obigen Artikel ist mit keiner Silber erwähnt, dass ein Mensch in der Regel auch noch andere Ziele hat neben der wissenschaftlichen Karriere. Diese sind aber für viele mit der Wissenschaft unvereinbar. Versuchen Sie einmal, als Frau eine Familie zu gründen, wenn sie Hauptverdienerin sind, aber nur befristete Verträge bekommen und nicht wissen, ob sie im nächsten Jahr ans andere Ende des Landes (oder der Welt?) ziehen müssen, um Mann und Kinder zu ernähren. Das ist für einen männlichen Prof, der seine jüngere Sekretärin heiratet, bedeutend einfacher. Die Professorinnen in meinem Fachbereich (Anglistik), die mir näher bekannt sind, sind fast alle kinderlos und haben oft keine engeren persönlichen Beziehungen.
Das 6. Gebot fehlt also noch: Schlag dir die Familie und ähnliche Hobbies aus dem Kopf und verbringe statt dessen deine Freizeit mit den Kongresskontakten an der Hotelbar.
Ihnen ist hoffentlich klar, dass Sie - wem auch immer - Sexismus unterstellen, indem sie behaupten, dass Frauen per se benachteiligt werden und dabei selbst sexistisch werden. Wer sich über die schlechte Behandlung der Frauen erregt und dabei Männern unterstellt, sie würden ihre sexy junge Sekretärin ehelichen, weil das so einfach ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn man nicht ernst genommen wird.
Selbst im Fall der Übertreibung - wovon ich im Übrigen stark ausgehe - braucht man sich darüber nicht zu wundern. Denn durch sachliche Auseinandersetzung hat man sich dabei auch in diesem Fall nicht hervorgetan.
PS: Die Sekretärinnen an meinem Institut sind übrigens alle jenseits der 40.
Ihnen ist hoffentlich klar, dass Sie - wem auch immer - Sexismus unterstellen, indem sie behaupten, dass Frauen per se benachteiligt werden und dabei selbst sexistisch werden. Wer sich über die schlechte Behandlung der Frauen erregt und dabei Männern unterstellt, sie würden ihre sexy junge Sekretärin ehelichen, weil das so einfach ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn man nicht ernst genommen wird.
Selbst im Fall der Übertreibung - wovon ich im Übrigen stark ausgehe - braucht man sich darüber nicht zu wundern. Denn durch sachliche Auseinandersetzung hat man sich dabei auch in diesem Fall nicht hervorgetan.
PS: Die Sekretärinnen an meinem Institut sind übrigens alle jenseits der 40.
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