Arbeitgeber Uni Die fünf Verbote
In der Wissenschaft Karriere zu machen, ist nicht einfach. Umso wichtiger ist es, ein paar Regeln zu beachten
Die letzte Absage kam im April, mit einem Poststempel der Uni Mainz. Ein dünner Brief mit den üblichen Floskeln. »Sehr geehrter Herr Karimi, es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen...!« Besonders der letzte Satz klang in Karimis Ohren wie Hohn: »Für Ihre berufliche Zukunft wünschen wir Ihnen alles Gute.«

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Kian-Harald Karimi, 55, Romanistik-Dozent in Augsburg, nahm das Blatt und heftete es in einem dicken Ordner ab, auf dem Stapel der anderen rund 150 Absagen. So oft hat Karimi sich in den vergangenen zehn Jahren um eine Professur beworben – immer erfolglos. Dabei ist er einer von den Guten: Den Doktor machte er mit »magna cum laude«, er sei ein »außergewöhnlich begabter Nachwuchswissenschaftler«, hieß es im Zeugnis seiner Habilitation. 2006 wählten ihn Potsdamer Studenten sogar zum besten Dozenten ihrer Uni. Geholfen hat ihm das nicht. Er schlägt sich mit Lehraufträgen durch, in manchen Monaten muss er sich arbeitslos melden.
Karimis Fall zeigt: Selbst die Besten können in der Wissenschaft am Ende vor dem Nichts stehen, und das nach jahrelanger Ausbildung und Anstrengung. Rund 130.000 Wissenschaftler warten in Deutschland auf eine Professur, schätzt der Kasseler Bildungsforscher Ulrich Teichler. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes existieren jedoch nur 38.000 Stellen für Professoren – und die müssen ja auch noch frei werden, damit jemand nachrücken kann. Weil die Konkurrenz so groß ist, raten Experten den Nachwuchsforschern, bei ihrer Berufsplanung fünf einfache Verbote zu beachten.
Nur keine Schüchternheit! Wissenschaftliche Kongresse sind vor allem zum Händeschütteln da, nicht zum Abschreiben von Literaturlisten. Gleiches gilt für den Uni-Alltag: Für den Werde- gang eines Jungforschers sind Kontakte zu anderen Wissenschaftlern mindestens so wichtig wie die Qualität der eigenen Forschung. Wo bald eine Stelle frei wird oder wie die Bewerbung um das Stipendium funktioniert, erfährt man eher über die Flüsterpost auf dem Geburtstag des Dekans als über Aushänge am Schwarzen Brett. »Das klingt banal«, sagt Bertram Welker, Karriereberater an der TU Berlin. »Aber viele wissen das nur theoretisch. Im Alltag tun sie zu wenig für gute Kontakte.«
Wie es gehen kann, erzählt der Heidelberger Nachwuchsastronom Florian Freistetter. »Die Großen des Fachs sitzen nach Konferenzen oft abends an der Hotelbar herum. Klar, man muss sich überwinden, sie anzuquatschen, aber ich habe noch nie eine Abfuhr bekommen.« Wofür ein Kontakt gut ist, weiß man vorher nie. »Einmal habe ich im Lesesaal meinen Nachbarn angesprochen, der ein Buch aus meinem Fachgebiet las«, erzählt der Berliner Historiker Bernd Robionek. Später hat er von diesem Kollegen das Angebot bekommen, an einem Rechercheprojekt mitzuwirken.
Seine Kontakte kann man sogar vom Computer aus pflegen: etwa indem man ein Profil auf www.researchgate.net anlegt, dem Facebook für Wissenschaftler, und dort Kollegen anschreibt. Für die Promotion empfiehlt Welker Graduiertenschulen. Dort promovieren Forscher in einer Art Klassenverband. Die Kontakte in die Fachwelt sind so von Anfang an intensiv.
Wer Heimweh hat, verliert. Über 400 Hochschulen gibt es in Deutschland. Aber wer im Inland keine Stelle findet, sollte ins Ausland gehen, bevor der Lebenslauf eine Delle bekommt. Am häufigsten zieht es deutsche Forscher in die USA und nach Großbritannien. »Sicher sind dort nicht alle Unis Topadressen«, sagt Annedore Bröker, Beraterin der Hamburger Arbeitsagentur. »Aber selbst an einer Hochschule in der Pampa kann man eine Karriere starten. Man hat den Fuß in der Tür.«
Der Geheimtipp sind Schwellenländer, vor allem in Asien, die in den vergangenen Jahren hohe Summen in ihr Bildungswesen investiert haben. In China ist die Zahl der Hochschulen in den letzten zehn Jahren um 80 Prozent angestiegen, die Zahl der Hochschullehrer um 137 Prozent, die Studentenzahl noch stärker. Nun will die chinesische Regierung die Qualität der Ausbildung verbessern – und lockt ausländische Wissenschaftler mit Förderprogrammen ins Land. Nicht einmal Mandarin müssen die Dozenten können, Unterrichtssprache ist häufig Englisch.
Stellen im Ausland vermittelt der DAAD, aktuelle Ausschreibungen findet man unter bit.ly/ZCdaadAS . Außerdem rät Bröker, Professoren mit Auslandskontakten zu fragen, welche Länder sie empfehlen. Das Schönste am Forschungsexil aber ist die Heimkehr. »Wer einmal im Ausland war, gilt hier als begehrter«, sagt der Berliner Berater Welker. Der Plan für ganz Gewiefte: Erst vom DAAD ins Ausland vermitteln lassen und dann das Rückkehrer-Programm der Bundesregierung nutzen. Mehr dazu unter bit.ly/ZCdaadR.
Nicht nur auf die Wissenschaft setzen! Aus dem Mund der Eltern klingt es so einfach. »Wenn das mit der Philosophie nicht klappt, solltest du dir ein zweites Standbein als Unternehmensberater aufbauen!« Eine vollkommen unrealistische Forderung – sagen Nachwuchsforscher und Berufsberater. »Neben der Promotion kann man keinen Zweitjob aus einem anderen Bereich machen«, warnt die Beraterin Bröker. Und der Jungforscher Florian Freistetter ergänzt: »Man wäre einfach überfordert.«
Trotzdem ist es möglich, einen Plan B zu haben, wenn es mit der Wissenschaftskarriere nicht klappt. Das fängt im Studium an: Wer sich für Soziologie interessiert, kann das Fach Techniksoziologie wählen und sich so für Unternehmen interessanter machen. Innerhalb des Studienfachs lohnen Spezialisierungen auf wirtschaftsnahe Bereiche. Für viele klassische Fächer – wie Germanistik oder Biologie – kommt zur Absicherung außerdem ein Lehramtsstudium infrage.
Während seiner letzten Arbeitslosigkeit hat der promovierte Astronom Freistetter ein Blog angefangen. Weil das gut lief, plant er heute, Artikel für Zeitschriften zu schreiben, vielleicht auch ein Buch. Kollegen von ihm entwerfen Websites oder programmieren Software, weil sie die Programmiersprachen als Astronomen ohnehin beherrschen. Bertram Welker empfiehlt, sich Forschungsprojekte zu suchen, die von Unternehmen finanziert werden. »Regelmäßig werden Wissenschaftler von diesen Unternehmen abgeworben – manchmal auch noch Jahre nachdem das Projekt schon vorbei ist«, sagt Welker.
Niemand weiß sicher, ob er das Zeug zum Professor hat, selbst diejenigen nicht, die am Ende eine Stelle kriegen. Die wichtigste Frage lautet deshalb: Wie lange soll ich es versuchen? »Durststrecken sind in der Wissenschaft normal«, sagt Annedore Bröker von der Hamburger Arbeitsagentur. Wenn die Rückschläge aber kein Ende nehmen, muss man die Reißleine ziehen. »Etwa bis Mitte, Ende 30 funktioniert die Integration in den Arbeitsmarkt noch gut«, sagt Bröker. Danach werde es schwieriger. In Karriereschritten heißt das: »Nach der Promotion sind noch viele Wege denkbar. Wenn danach Jahre als Postdoc folgen, in denen es nicht vorangeht, wird es eng.« Wer zu spät aus der Wissenschaft aussteigt, findet in den Zeitungen kaum noch passende Stellenanzeigen. »Man kann sich dann nur noch auf gut Glück und initiativ bewerben und muss sich in jedem Satz entschuldigen, dass man dem Profil nicht entspricht.«
Wer seine Karriere als Wissenschaftler an den Nagel hängt, für den gilt dieselbe Regel wie für Boxer: They never come back . Aus der Wirtschaft zurück in die Wissenschaft – das funktioniert nur in wenigen Fächern, beispielsweise bei Ingenieuren. Für die meisten Forscher ist es ein Abschied für immer. »Man muss sich in Frieden von seiner alten Laufbahn verabschieden«, sagt Bröker. Rausfinden, ob es Zeit für den Ausstieg ist, kann man bei einem Gespräch mit Bröker oder ihren Kollegen bei der Arbeitsagentur. Sie wissen, ab wann die Chancen in der Wirtschaft schwinden. Wenn es bis dahin in der Wissenschaft nicht geklappt hat, sollte man die Konsequenzen ziehen.
Sein eigener Chef werden. Wissenschaftler haben oft Ideen, aus denen eine Firma entstehen kann; es müssen ja nicht immer Mikrochips oder Astronautenanzüge sein. Das Exist-Programm der Bundesregierung unterstützt Gründer mit Geld, mit Beratung und mit Büros an der Uni (www.exist.de) . »Wir prüfen die Geschäftsidee und stellen mit den Gründern einen Businessplan auf«, sagt die Berliner Exist-Mitarbeiterin Karin Kricheldorff. Gefördert werden neue Produkte und Dienstleistungen. Bedingung: Die Zeit an der Uni darf nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Aus welchem Fach die Gründer kommen, ist egal. »Es gibt einen Schwerpunkt bei den Technik- und Naturwissenschaften«, sagt Krichelsdorff. Aber auch andere Antragsteller haben Erfolg: Architekten, die virtuelle Galerien entwerfen, oder Filmstudenten, die 3-D-Filme produzieren. Selbst kuriose Dienstleistungen haben es in die Förderung geschafft – etwa eine Agentur, die Testkunden an Ladenbesitzer vermittelt, die dort einkaufen, anrufen oder etwas klauen.
Der Abschied von der Wissenschaft ist für viele schmerzhaft. Kian-Harald Karimi überlegt eine Weile. Berufswechsel und Existenzgründung – für ihn sei das nichts. Dafür liebe er seine Arbeit einfach zu sehr. »Wenn mir Studenten nach der Vorlesung danken, rührt mich das richtig. Dann denke ich: Verdammt noch mal, du kannst nicht einfach alles hinschmeißen!« Und wenn Studenten selbst in die Wissenschaft wollen und ihn um Rat fragen? Dann antwortet Karimi allen Rückschlägen zum Trotz: »Es wird nicht einfach, aber wenn du es wirklich willst, probier es!«
- Datum 29.06.2010 - 07:51 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus 04/2010
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der tenor des artikels suggeriert, dass es nur eine einzige möglichkeit gibt als wissenschafterIn zu arbeiten, bzw. "in den Arbeitsmarkt integriert zu sein" - mit einer professur. da wäre es um die wissenschaft schlecht bestellt.
der tipp sich ein "projekt zu suchen, das von unternehmen bezahlt wird" klingt in zeiten wie diesen fast zynisch - und zeigt in keiner weise mit welchem aufwand man diesen aufträgen "hinterherläuft".
in meiner umgebung hat sich für wissenschafterInnen ein modell als gut lebbar herauskristallisiert, das auf eine kombination aus selbständigkeit und angestelltenverhältnis, lehre, beratung und forschung hinausläuft. oder die gründung von kleinen personengesellschaften als forschungebgemeinschaften. mit publikationen, durchaus auch habilitationen und allem was zum wissenschaftsbetrieb dazugehört. das ist manchmal anstrengend oft ab er auch sehr zufriedenstellend.
in meinem umkreis gibt es übrigens auch wissenschafterInnen mit zweiten standbein, die davon in keinster weise überfordert waren und sind.
wenn man jedoch nur eine einzige definition für wissenschaftliche karriere zuläßt dann wird es wahrlich eng.
"Während seiner letzten Arbeitslosigkeit hat der promovierte Astronom Freistetter ein Blog angefangen. Weil das gut lief, plant er heute, Artikel für Zeitschriften zu schreiben, vielleicht auch ein Buch."
Ich dachte, das wäre eine Voraussetzung, um als Wissenschaftler zu gelten, Artikel schreiben, auch ein Buch.
Und das ist noch ein Understatement. Als einer dieser Akademiker die sich nach einer Promotion und Post-Doc Phase jetzt mit dem Ende der Karriere konfrontiert sieht kann ich nur sagen das einem auf die Dauer das Selbswertgefühl abhanden kommt. Ich bin nämlich gut in meinem Job und habe immer hart dafür gearbeitet. Aber ich arbeite in der Forschung und habe daher auch so eine Mappe mit unzähligen Bewerbungen und Absagen. Nach meinem Biologie Studium war ich damals doch tatsächlich so naiv um zu glauben das es sich hierbei um eine Berufsausbildung handle. Heute weiss ich es besser!
Ich habe inzwischen in drei Europäischen Ländern gearbeitet und ein Faktor war immer der gleiche. Man bekommt einen Zeitvertrag und am Ende fliegt man raus unabhängig davon ob man gut war oder nicht. Es werden keine festen Stellen geschaffen, nur immer drüber geredet und neu Programme gestartet die letztendlich nur extra Jobs für Bürokraten schaffen aber eben nie für die Wissenschaftler. Diese ewige auf und ab im 3-Jahre Rhythmus kann ich inzwischen als eine Art künstlich erzeugten Zustand von manischer Depression beschreiben.
Ich liebe meinen Job, aber er macht mich kaputt weil mit aller Selbstverständlichkeit die Tatsache ignoriert wird das viele Wissenschaftler keine Plan B brauchen sondern Stellen die einem die Möglichkeit geben sich auf die Arbeit zu konzentrieren.
Ich will nicht kreativ nach neuen Betätigungsfeldern suchen müssen, ich will einfach nur meine Job machen!
130.000 WissenschaftlerInnen warten auf eine von 38.000 Professuren. Ist das jetzt neuerdings ein Defekt des Systems? Oder hat das nicht System?
Artikel wie dieser suggerieren es sei eine Tugend, sich in die Karrieremechanismen des dt. Hochschulwesens einzufügen. Händeschütteln statt Literaturlisten abschreiben! Nur aufgrund von Qualifikation sind noch die wenigsten Stellen vergeben worden! Wer kann sich schon leisten die Frage zu stellen, ob die Selektionsmechanismen in Wissenschaft und Hochschule die richtigen sind, wenn er auf gerade diese angewiesen ist?
Wenigstens wird im Artikel noch darauf hingewiesen, dass der richtige Zeitpunkt für den Absprung nicht verpasst werden darf. Denn wie der Vizepräsident meiner Universität kürzlich bemerkte: "Wer noch mit 40 Jahren auf einer Lehrbeauftragtenstelle sitzt, der hat versagt." Der behält mit viel Glück seinen Idealismus, geht gar (zwangsweise) eher Lehrtätigkeiten nach als karriereförderlicher Forschung. Dass es eben diese Menschen sind, die der modernen Massenuniversität allen Widrigkeiten und eigenen Nachteilen zum Trotz noch ein wenig Leben einhauchen, bleibt totgeschwiegen. Von den Führungsriegen der Unis, die sich sonst z.T. selbst in Frage stellen müssten. Von der Politik, die nicht nur das Geld für Veränderungen nicht haben möchte, sondern sich ohnehin unter dem Slogan "Autonomie der Hochschule" aus der Verantwortung zieht. Nicht von denen, die ohnehin keine Perspektive mehr für sich sehen: intelligenzija.jimdo.com
ich glaube, es gibt einen Trugschluss in diesem Artikel und in der Allgemeinen oeffentlichen Diskussion. Als Wissenschaftler gilt man erst, wenn man Professor ist. Ich weiss nicht, woher dieses Missverständnis stammt. Vielleicht aus den guten alten Zeiten von vor 100 Jahren ? Oder aus dem US-System, wo ein Professor aber nicht gleich ein Full-Professor ist, sondern dort werden die Leute zwischen 30 und 40 nicht als Mittelbau- Angestellte sondern als Assistenz Professoren eingestellt, häufig mit eigenen (wenig) finanziellen Mitteln ausgestattet, die sich mit Drittmitteln erweitern muessen.
Fakt ist, die Unis funktionieren nicht gut, weil es keine Kontunitat an leuten gibt, mahcnmal haben die Leute nur befristete 1 Jahres Verträge.
Wissenschaftler an Max Planck Instituten oder Helmoltz haben als Drittmittel-Angestellte sehr oft 3 Jahres Verträge.
Diese Wissenschaftler zwischen 25 und 40 Jahren alt, werden oft wie Auszubildende behandelt (auch vom Gesetzgeber: Wissenschaftzeitgesetz) anstatt wie Arbeitnehmer in anderen Branchen.
Das gesammte System ist hochgradig ineffizient, da alles auf Einzelpersonen (Professoren) hinausläuft und unter den befristeten Angestellten ein gnadenloser Kampf herrscht, der Team-Arbeit fast unmöglich macht.
Vielleicht sollte man nicht Einzelpersonen fördern, sondern Teams mit Drittmitteln fördern, dies würde die Flexibilität und Konkurrenz erhalten, aber als Mitglied einer Gruppe hat man mehr Sicherheit und Planbarkeit.
Ich finde nicht, dass das System Uni schlecht funktioniert.
Natürlich macht es Sinn, einzelne Stellen dauerhaft zu besetzen und damit für Kontinuität zu sorgen. Darüber hinaus bringen aber junge und frische Doktoranden Schwung in den Wissenschaftsalltag und sorgen für neue Impulse. Dafür reichen die vorhandenen Professorenstellen, ergänzt je nach Institutsgröße und -aufgaben um einzelne Dauerstellen.
Je länger Post-Docs sich mit befristeten Stellen an Unis halten, desto geringer werden deren Aussichten, sowohl an Unis als auch erst recht in der "freien Wirtschaft" Stellen zu bekommen. Der Romanist im Artikel ist ein gutes Beispiel. Die Promotion ist durchschnittlich (Standardnote) und er hat offensichtlich erst mit 45 angefangen, sich um Professuren zu bewerben. Eine Habilitation sollte mit 35 "durch" sein. Wer dann noch 10 Jahre auf Teilzeitstellen an der Uni verbringt, ehe er Richtung Professur marschiert, kann so "außergewöhnlich" nicht sein. Sehr gut sicher, aber im Fach Romanistik gibt es eben jede Menge sehr guter Habilitanden, die auf eine Stelle warten. Auch in anderen Berufen erreicht nicht jeder die Stufe in der Hierarchie, die er erreichen möchte. Das Problem vieler Privatdozenten ist wohl, dass sie den Absprung schlicht verpasst haben.
Ok, man kann das Sytem so akzeptieren wie es jetzt ist. Inbesondere wenn man Prof ist, denn die haben als Beamte paradiesche Zustaende. Aber was genau meinen Sie mit Absprung. Absprung in die private Wirtschaft wahrscheinlich. Wuerde dort die gleiche Logik herrschen, hiesse das, wenn man dort nicht mit 45 Geschaeftsführer ist oder im Vorstand einer Firma wird man arbeitslos.
Ich finde nicht, dass das System Uni schlecht funktioniert.
Natürlich macht es Sinn, einzelne Stellen dauerhaft zu besetzen und damit für Kontinuität zu sorgen. Darüber hinaus bringen aber junge und frische Doktoranden Schwung in den Wissenschaftsalltag und sorgen für neue Impulse. Dafür reichen die vorhandenen Professorenstellen, ergänzt je nach Institutsgröße und -aufgaben um einzelne Dauerstellen.
Je länger Post-Docs sich mit befristeten Stellen an Unis halten, desto geringer werden deren Aussichten, sowohl an Unis als auch erst recht in der "freien Wirtschaft" Stellen zu bekommen. Der Romanist im Artikel ist ein gutes Beispiel. Die Promotion ist durchschnittlich (Standardnote) und er hat offensichtlich erst mit 45 angefangen, sich um Professuren zu bewerben. Eine Habilitation sollte mit 35 "durch" sein. Wer dann noch 10 Jahre auf Teilzeitstellen an der Uni verbringt, ehe er Richtung Professur marschiert, kann so "außergewöhnlich" nicht sein. Sehr gut sicher, aber im Fach Romanistik gibt es eben jede Menge sehr guter Habilitanden, die auf eine Stelle warten. Auch in anderen Berufen erreicht nicht jeder die Stufe in der Hierarchie, die er erreichen möchte. Das Problem vieler Privatdozenten ist wohl, dass sie den Absprung schlicht verpasst haben.
Ok, man kann das Sytem so akzeptieren wie es jetzt ist. Inbesondere wenn man Prof ist, denn die haben als Beamte paradiesche Zustaende. Aber was genau meinen Sie mit Absprung. Absprung in die private Wirtschaft wahrscheinlich. Wuerde dort die gleiche Logik herrschen, hiesse das, wenn man dort nicht mit 45 Geschaeftsführer ist oder im Vorstand einer Firma wird man arbeitslos.
Selbstverständlich muss man beweglich sein, will man an die Hochschule und Karriere machen, aber der Ratschlag ins Ausland zu gehen ist nur bedingt richtig.
Erstens hängt es sehr stark von der Disziplin ab. Ich kenne viele Fälle in denen -gute- Dozenten und Professoren ernsthafte Schwierigkeiten hatten und haben nach Deutschland zurück zu kommen.
Dann muss man auch bedenken: die "Höhere Töchter" Uni in Bahrain oder sonstwo ist in aller Regel als eben das in der "Szene" bekannt. Havard, MIT oder Oxford sind natürlich gern gesehen.
Von dort aus Netzwerke zu pflegen oder gar aufzubauen ist fast unmöglich. Wer ohne Netzwerke ins Ausland geht wird in aller Regel im Ausland bleiben, dort eventuell von Uni zu Uni ziehen. Auch sind die in Deutschland wichtigen Netzwerke von dort eben genau nicht erreichbar, da man nicht mal eben auf einen Kongress nach Düsseldorf fahren kann, aber kaum ein deutscher Akademiker abseits der wirklichen Spitzen beständig auf Kongressen im Ausland weilt. Dummerweise werden auch Lehrpositionen in der überwiegenden Mehrzahl auf Grund persönlicher Empfehlung besetzt, daran ändert das komplizierte wie langwierige Berufungsverfahren nichts.
Ferner ist zu bedenken, dass der Gang ins Ausland auch für den beruflichen Einstieg abseits der Hochschulen nicht ohne Risiko ist, da er die gefühlte "Berufsferne" der akademischen Bewerber aus Sicht der Personaler nur noch unterstreicht. Dies haben mir viele Arbeitsvermittler und Personalchefs genau so bestätigt.
Viele Kommentare kann hier menschlich sehr gut nachvollziehen, aber es hilft nur wirklich, wenn man ganz nuechtern analysiert, was man mit seinem Leben anfaengt: Wer sich berufen fuehlt und den Traum in seinem Gebiet als Wissenschaftler/Hochschullehrer zu arbeiten hat, der kann nicht davon ausgehen, dass er sein Leben in Deutschland verbringen wird. Man muss ehrlich klaeren, was einem wichtiger ist. Ins Ausland zu gehen, um spaeter bessere Karten in Deutschland zu haben, ist kein guter Rat, da versagt der Artikel total. Wissenschaft fordert diese totale Hingabe an das gewaehlte Fach. Prof-Stellen (besonders in D) sind Fuehrungspositionen, d.h. nicht jeder wird zum Zuge kommen koennen. Das Problem in D ist, dass es keine backup in niedrigen Positionen an der Uni gibt. Um dies zu aendern, duerfen deutsche Uni-Absolventen das Spiel der dt. Unis nicht mehr mitmachen. Ins Ausland gehen oder Uni verlassen und in der Privatwirtschaft sein Glueck versuchen - alles andere ist Selbstbetrug. Nur bei Mangel werden die Bedingungen in D besser. Wer nicht ins Ausland moechte, dem ist sein Fach auch nicht ganz so wichtig - Wissenschaft erfordert diese Hingabe. Wer eine permanente Anstellung in welchem Land auch immer in seinem Fachgebiet hat, der ist sehr erfolgreich und privilegiert, da er seinem Traum nachgehen kann. Wie alles im Leben kommt dies nicht ohne einen Preis zu zahlen. Wer dazu nicht bereit ist, sollte Uni umgehend verlassen.
Viele Kommentare kann hier menschlich sehr gut nachvollziehen, aber es hilft nur wirklich, wenn man ganz nuechtern analysiert, was man mit seinem Leben anfaengt: Wer sich berufen fuehlt und den Traum in seinem Gebiet als Wissenschaftler/Hochschullehrer zu arbeiten hat, der kann nicht davon ausgehen, dass er sein Leben in Deutschland verbringen wird. Man muss ehrlich klaeren, was einem wichtiger ist. Ins Ausland zu gehen, um spaeter bessere Karten in Deutschland zu haben, ist kein guter Rat, da versagt der Artikel total. Wissenschaft fordert diese totale Hingabe an das gewaehlte Fach. Prof-Stellen (besonders in D) sind Fuehrungspositionen, d.h. nicht jeder wird zum Zuge kommen koennen. Das Problem in D ist, dass es keine backup in niedrigen Positionen an der Uni gibt. Um dies zu aendern, duerfen deutsche Uni-Absolventen das Spiel der dt. Unis nicht mehr mitmachen. Ins Ausland gehen oder Uni verlassen und in der Privatwirtschaft sein Glueck versuchen - alles andere ist Selbstbetrug. Nur bei Mangel werden die Bedingungen in D besser. Wer nicht ins Ausland moechte, dem ist sein Fach auch nicht ganz so wichtig - Wissenschaft erfordert diese Hingabe. Wer eine permanente Anstellung in welchem Land auch immer in seinem Fachgebiet hat, der ist sehr erfolgreich und privilegiert, da er seinem Traum nachgehen kann. Wie alles im Leben kommt dies nicht ohne einen Preis zu zahlen. Wer dazu nicht bereit ist, sollte Uni umgehend verlassen.
Schon interessant, in welcher Weise da über "uns" Wissenschaftler geschrieben wird. Es wäre schön, wenn talentierten Studienanwärtern schon vor dem Studium gesagt würde, welche Hindernisse sie erwarten, besonders, wenn sie Frauen sind. Leider findet man das erst heraus, wenn es für eine andere Ausbildung schon zu spät ist, denn die Uni-Industrie züchtet sich den Nachwuchs zum Verheizen mit Bedacht, das Kleingedruckte wird gerne unterschlagen.
Auch im obigen Artikel ist mit keiner Silber erwähnt, dass ein Mensch in der Regel auch noch andere Ziele hat neben der wissenschaftlichen Karriere. Diese sind aber für viele mit der Wissenschaft unvereinbar. Versuchen Sie einmal, als Frau eine Familie zu gründen, wenn sie Hauptverdienerin sind, aber nur befristete Verträge bekommen und nicht wissen, ob sie im nächsten Jahr ans andere Ende des Landes (oder der Welt?) ziehen müssen, um Mann und Kinder zu ernähren. Das ist für einen männlichen Prof, der seine jüngere Sekretärin heiratet, bedeutend einfacher. Die Professorinnen in meinem Fachbereich (Anglistik), die mir näher bekannt sind, sind fast alle kinderlos und haben oft keine engeren persönlichen Beziehungen.
Das 6. Gebot fehlt also noch: Schlag dir die Familie und ähnliche Hobbies aus dem Kopf und verbringe statt dessen deine Freizeit mit den Kongresskontakten an der Hotelbar.
Ihnen ist hoffentlich klar, dass Sie - wem auch immer - Sexismus unterstellen, indem sie behaupten, dass Frauen per se benachteiligt werden und dabei selbst sexistisch werden. Wer sich über die schlechte Behandlung der Frauen erregt und dabei Männern unterstellt, sie würden ihre sexy junge Sekretärin ehelichen, weil das so einfach ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn man nicht ernst genommen wird.
Selbst im Fall der Übertreibung - wovon ich im Übrigen stark ausgehe - braucht man sich darüber nicht zu wundern. Denn durch sachliche Auseinandersetzung hat man sich dabei auch in diesem Fall nicht hervorgetan.
PS: Die Sekretärinnen an meinem Institut sind übrigens alle jenseits der 40.
Ihnen ist hoffentlich klar, dass Sie - wem auch immer - Sexismus unterstellen, indem sie behaupten, dass Frauen per se benachteiligt werden und dabei selbst sexistisch werden. Wer sich über die schlechte Behandlung der Frauen erregt und dabei Männern unterstellt, sie würden ihre sexy junge Sekretärin ehelichen, weil das so einfach ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn man nicht ernst genommen wird.
Selbst im Fall der Übertreibung - wovon ich im Übrigen stark ausgehe - braucht man sich darüber nicht zu wundern. Denn durch sachliche Auseinandersetzung hat man sich dabei auch in diesem Fall nicht hervorgetan.
PS: Die Sekretärinnen an meinem Institut sind übrigens alle jenseits der 40.
Ihnen ist hoffentlich klar, dass Sie - wem auch immer - Sexismus unterstellen, indem sie behaupten, dass Frauen per se benachteiligt werden und dabei selbst sexistisch werden. Wer sich über die schlechte Behandlung der Frauen erregt und dabei Männern unterstellt, sie würden ihre sexy junge Sekretärin ehelichen, weil das so einfach ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn man nicht ernst genommen wird.
Selbst im Fall der Übertreibung - wovon ich im Übrigen stark ausgehe - braucht man sich darüber nicht zu wundern. Denn durch sachliche Auseinandersetzung hat man sich dabei auch in diesem Fall nicht hervorgetan.
PS: Die Sekretärinnen an meinem Institut sind übrigens alle jenseits der 40.
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