Mensagespräch mit Michael Mittermeier "Wer immer lustig ist, ist nie lustig"

Michael Mittermeier ist studierter Komiker – in seiner Magisterarbeit ging es um Stand-up-Comedy. Ein Gespräch über Klosterschulen und Einsamkeit, in dem nicht nur gelacht wird

Ein großer Wurf: Mittermeier in der Mensa der Uni München

Ein großer Wurf: Mittermeier in der Mensa der Uni München

Michael Mittermeier, 44, trifft heiser in der Mensa der LMU München ein. Am Vortag hat er die Premiere von »Achtung, Baby« gefeiert, seinem Buch über das Elternwerden. Viel reden sollte er eigentlich nicht, tut es aber doch: über seine Lehre als Reiseverkehrskaufmann und warum er sich nach einer kurzen Studienberatung in der S-Bahn doch für Politik und Amerikanistik entschieden hat.

ZEIT Campus: Herr Mittermeier, sind Sie eigentlich noch Mitglied in der Kirche?

Michael Mittermeier:
Nein, ich bin ausgetreten am selben Tag, an dem ich das Aufgebot für meine Hochzeit bestellt habe. Das war schön. Wenn du auf dem bayrischen Standesamt sitzt und austrittst – da habe ich schon ein paar böse Blicke geerntet.

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ZEIT Campus: Sie stammen aus Oberbayern, aus einem Dorf. Wie fand Ihre Familie den Austritt?

Mittermeier: Auch nicht toll. Ich komme aus einem Elternhaus, das nicht reich ist, nicht arm, aber sehr, sehr konservativ. Meine Eltern waren allerdings keine Hardcore-Katholiken. Das war eher meine Oma, die hat meinen Bruder und mich in die Kirche geschleift. Zehn Sekunden nachdem wir 18 wurden, haben wir es aber gelassen.

ZEIT Campus: Was war schlimmer für Ihre Eltern: Als Sie gesagt haben, dass Sie mit Komik Ihr Geld verdienen wollen, oder als Sie öffentlich verkündet haben, Sie wählten die Grünen?

ZEIT CAMPUS 4/2010
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Mittermeier: Das mit den Grünen war für meinen Vater wohl schlimmer. Obwohl er mich sowieso im Verdacht hatte, das nur zu machen, um ihn zu ärgern. Wir haben ständig über solche Sachen diskutiert. Ich hatte schon ein paar Jahre Politik studiert, bis wir an dem Punkt waren, an dem ich gesagt habe: »Ich verstehe ein bisschen mehr davon als du, und ich verbitte mir die blöde Unterstellung, ich würde die Grünen nur wählen, weil ich verblendet bin.«

ZEIT Campus: Sie haben Politik und Amerikanistik studiert – warum?

Mittermeier: Nach dem Abi wollte ich eigentlich gar nicht studieren. Studenten, also Nichtarbeiter, gingen mir auf den Sack. Mein Freundeskreis bestand damals aus vielen Freunden aus Grundschulzeiten, die waren oft zur Hauptschule gegangen, und da studierte natürlich keiner. Ich habe eine Lehre als Reiseverkehrskaufmann angefangen, aus dem wirren Gedanken heraus: Irgendwann sitze ich auf einer Insel und kann da die Leute unterhalten. 1987 wusste ich dann aber, dass ich einen Absprung brauche. Ich kann mit Autoritäten nicht umgehen, die auf Luft basieren. Wenn mir ein Vorgesetzter etwas erzählt, und ich weiß, dass er nicht recht hat, dann kann ich ganz eklig sein.

ZEIT Campus: Im Streit auseinandergegangen?

Mittermeier: Nein, aber ich war der Einzige von 13 Azubis, der im ganzen Jahr nicht eine einzige Reise machen durfte. Zufall war das wohl nicht. Ich wusste aber im selben Jahr, dass ich auf die Bühne will. Es gab keine Alternative. 

ZEIT Campus: Aber warum dann noch studieren?

Mittermeier: Sonst hätte ich daheim nicht umsonst wohnen können.

Leser-Kommentare
  1. Zwoa Schweiberl [Schwalben] flitz’n
    Durch’s blaue Firmament
    Und auf der Wies’n drent,
    da sitz’n
    zwölf hohe Herrn aus Heu.
    De meditier’n in tiaffer Ruah.
    I’ hock mit aa dazua
    Und schaug aufs Feld, do maaht der Bauer
    auf und o
    und über eam am blaua
    Himme[l] ziagt a Schwaiberl oiwei no
    Sei Boh [Bahn].
    Du kloane Schwoim, bald fliagst davo[n]
    Und nur im Herzn drin leucht’t uns da Sommer no[ch].

    F.R. (ca 1982)

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    • Talor
    • 29.07.2010 um 19:10 Uhr

    Mit dem Schwader fahre ich auf der Mooswiesen auf und ab und reche das Heu zusammen. Einmal sehe ich Süden die Berge, dann sehe ich die Birken im Moos. So fahre ich, bis auf der Mooswiesen lauter Zeilen aus Heu liegen. Zoana nennt sie der Schachner.

    • Talor
    • 29.07.2010 um 19:10 Uhr

    Mit dem Schwader fahre ich auf der Mooswiesen auf und ab und reche das Heu zusammen. Einmal sehe ich Süden die Berge, dann sehe ich die Birken im Moos. So fahre ich, bis auf der Mooswiesen lauter Zeilen aus Heu liegen. Zoana nennt sie der Schachner.

  2. dann drischt er auf die Kirche ein.

    Tolles Interview! Allererste Frage: Sind Sie eigentlich noch Mitglied der Kirche? Die ZEIT sollte sämtliche Interviews damit beginnen.

    • Riktam
    • 29.07.2010 um 19:04 Uhr

    wenn Sie den Mittermaier kennen würden, wüßten Sie, dass diese Frage völlig korrekt ist.

    Außerdem: Wer drischt muss damit rechnen auch gedroschen zu werden. Ja, natürlich, ich bin 1981 schon ausgetreten.

    • Talor
    • 29.07.2010 um 19:10 Uhr
    Eine Leser-Empfehlung
  3. Mit dem Schwader fahre ich auf der Mooswiesen auf und ab und reche das Heu zusammen. Einmal sehe ich Süden die Berge, dann sehe ich die Birken im Moos. So fahre ich, bis auf der Mooswiesen lauter Zeilen aus Heu liegen. Zoana nennt sie der Schachner.

    • Impuls
    • 07.01.2011 um 1:30 Uhr

    noch an solch abgelegenen katholischen Orten des südlichen Bayerns!
    In Nordbayern war das jedenfalls an einem staatlichem Gymnasium undenkbar,daß Lehrer Schüler schlagen und ja auch längst verboten.
    Schläge: Das habe ich in 1969 - 1978 kein einziges Mal gesehen oder erlebt.
    In der Grundschule haute ein alter Lehrer in 1966 mehr symbolisch mit einem Rohrstock auf die flache Hand - und das auch nur ein paar Mal im Jahr auf alle bezogen, also eher harmlos.
    Interessant ist schon an dieser Geschichte hier , daß Kaplane so gewalttätig waren.
    In den 20ern mußten in Oberbayern die Mädels bei den Nonnen auf Holzscheiten knien, bis diese bluteten,
    ist der Grund für diese Gewalt im angebl. Namen Jesu mal gründlich untersucht worden?

  4. Ich denke Michael Mittermeier bewegt sich mit seiner Art des Humors in einem Bereich, der für eher weniger anspruchvolle Zeitgenossen akzeptabel sein dürfte. Seine Form des Wortwitzes wird einfach gestrickteren Gemütern wohl genügen. Zeitgenossen welche die Pupertät aber bereits hinter sich gelassen haben, sollten die Pointen des "Comedians" Mittermeier bestenfalls ein müdes Lächeln entlocken.

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