Fotostudium Verkeilte Liebespaare vor der Kamera
ZEIT CAMPUS zeigt in jeder Ausgabe Fotoarbeiten von Studenten. Diesmal von Ute Klein. Sie hat eng umschlungene Paare fotografiert.
© Ute Klein

"Die Paare waren froh, als es vorbei war", sagt Fotografin Ute Klein
ZEIT CAMPUS: Frau Klein, für Ihre Diplomarbeit haben Sie eng umschlungene Paare fotografiert. Sind das wirklich Umarmungen – oder eher Ringkämpfe?
Ute Klein: Es gehören beide Facetten zu einer Beziehung, das Zärtliche und das Aggressive. Meine Bilder lassen diese Frage mit Absicht offen. Sie zeigen ein ambivalentes Bild. Zum Teil kämpfen die Paare, zum Teil tanzen sie, zum Teil ruhen sie in sich.
ZEIT CAMPUS: Die Umarmung als Ausdruck der Beziehung.

Ute Klein, 28, hat 2009 an der Folkwang Universität der Künste in Essen ihr Diplom im Studiengang Kommunikationsdesign gemacht. Sie lebt in München und arbeitet gerade an einer neuen Serie. Sie verrät darüber nur soviel: Diesmal werden auf den Bildern keine Menschen zu sehen sein
Klein: Genau. Für eine andere Serie, die ich vorher gemacht habe, hatte ich Paare einfach nur beobachtet und dabei gemerkt, wie schwierig es ist, die Emotionen im Bild zu zeigen, auch unabhängig von den Personen. Deshalb wollte ich in dieser Serie die Gefühle durch Körpersprache zeigen. Ich will sozusagen das Innenleben der Paare nach außen kehren.
ZEIT CAMPUS: Verarbeiten Sie auch persönliche Erfahrungen?
Klein: Die Auslöser für meine Arbeiten sind eigentlich immer persönliche Momente. Und danach entwickelt das Projekt ein Eigenleben.
ZEIT CAMPUS: Welcher Moment war das hier?
Klein: Ich lebte damals in einer Fernbeziehung. Da fängt man an, grundlegende Fragen zu stellen: Wie viel Distanz können wir ertragen? Wie nahe wollen wir uns sein? Worauf können wir im Alltag verzichten? Diesen Fragen wollte ich nachgehen.
ZEIT CAMPUS: War es schwer, die Paare zu überreden, bei dem Projekt mitzumachen?
Klein: Die ersten Bilder habe ich mit Freunden gemacht, weil es leichter war, sie anzusprechen. Später habe ich auch mit fremden Leuten zusammengearbeitet, die ich wegen der Form ihrer Körper oder ihrer Haare interessant fand. Oder einfach nur deshalb, weil sie zusammen ein schönes Paar sind. Ich habe ihnen die Bilder gezeigt, die schon fertig waren. Damit hatten sie eine bessere Vorstellung, worauf sie sich einlassen.

Die Fotografin Ute Klein hat Paare dazu gebracht, sich ineinander zu verkeilen
ZEIT CAMPUS: Haben sich die Paare vor der Kamera wohlgefühlt?
Klein: Nicht immer. Manche Paare konnten sich nicht so gut auf den arrangierten Ort, die Kleidung, das Spiel mit mir und der Kamera einlassen.
ZEIT CAMPUS: Wie muss man sich das Fotografieren vorstellen – haben Sie einfach gesagt: Jetzt umarmt euch mal?
Klein: Nein, das war ein spielerischer Akt. Ich habe größtenteils bei den Paaren zu Hause fotografiert. Ich habe mir das vorher angeschaut, auch ihre Kleiderschränke, und habe dann eine Bühne arrangiert. Die meisten Posen kamen von den Paaren selbst, deshalb war es auch wichtig, dass es wirkliche Paare sind und keine Schauspieler oder Tänzer. Die wären körperlich zwar mobiler gewesen, aber man hätte keine Echtheit gespürt. Das tatsächliche Ringen miteinander, um Wünsche, Träume, Enttäuschungen und Ängste, das aus diesen Bildern spricht.
ZEIT CAMPUS: Sagen uns die Bilder eigentlich etwas über die Beziehungen dieser Paare?

Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen
Klein: Nein, meine Bilder sind keine Porträts. Jedes Paar war für mich wie das Material für einen Bildhauer. Ich habe mit ihnen meine Vorstellungen umgesetzt. Dabei ist etwas entstanden, das ich im metaphorischen Sinne Paarkörper nenne: Zwei Menschen, zwei Individuen bilden eine Form oder eben ein Paar, im Singular. Sie verschmelzen miteinander, und manchmal weiß man dann im Bild nicht mehr, welcher Fuß oder welche Hand zu wem gehört. Dieser Paarkörper ist das, was zwischen zwei Menschen existiert, die Beziehung, die Verstrickung. Die Formen, die da rausgekitzelt wurden, sind nur ein Aspekt von jedem Paar, und der hat wiederum mit jedem von uns zu tun. Das alles sagt aber nichts über die tatsächliche Beziehung dieser Paare aus.
ZEIT CAMPUS: Sieht man deswegen auch keine Gesichter?
Klein: Ja, es geht nicht darum, jemanden zu identifizieren, sondern um Körper und Emotionen. Wie nah man sich auch kommt und wie sehr man auch versucht, eins zu werden, irgendwann stellt man fest, dass man sich niemals völlig vereinen kann. Man führt eine Beziehung, man ringt und ringt und jeder versucht dabei, seine Rolle zu finden.
ZEIT CAMPUS: Was haben Sie selbst während des Fotografierens über Beziehungen gelernt?
Klein: Eine Beziehung ist immer eine Art Schutzraum. Ich glaube, die Bilder waren umso spannender, je vertrauter die beiden Liebenden miteinander waren. Das Gefühl, sich auf den anderen verlassen zu können, ist wichtig. Eines der Paare hatte großen Spaß am Fotografieren, die waren neugierig und wollten ausprobieren. Diese Freude, Dinge auszuprobieren, das hat mir gefallen, und das habe ich mitgenommen. Mir hat es imponiert, dass man nicht alles immer so ernst nehmen muss.
ZEIT CAMPUS: War es schwer, die Paare am Ende zu entwirren?
Klein: Die waren, glaube ich, ganz froh, dass es vorbei war. Das Fotografieren war sehr anstrengend, weil die Paare lange in ihrer Position verharren mussten und ihre Muskeln dabei anspannen sollten. Es gab aber auch Posen, die bequem waren.
Das Interview führte Kathrin Spirk
- Datum 04.08.2010 - 13:52 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT CAMPUS 04/2010
- Kommentare 15
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Entfernt. Bleiben Sie bitte bei einem respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh
Haben Sie die Arbeit gesehen, geschweige denn gelesen? Vorher ist ein Urteil wohl etwas schwierig.
Haben Sie die Arbeit gesehen, geschweige denn gelesen? Vorher ist ein Urteil wohl etwas schwierig.
Haben Sie die Arbeit gesehen, geschweige denn gelesen? Vorher ist ein Urteil wohl etwas schwierig.
kein Text
@ 3 lol, ja so sehe ich das auch!
Es scheint sich hier um eine relativ ungefährliche Alternative zur Loveparade zu handeln. Immerhin.
Erstaunlich, mit was für einen Mist man seinen Abschluss kriegen kann.
[Anm.: Bitte bemühen Sie sich um konstruktive Diskussionsbeiträge. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.]
Die ganzen BWLer und Ingenieure können es nicht fassen. Zu lustig wie einseitig und beschränkt manche durchs Leben gehen. Die total sinnvollen und innovativen Diplomarbeiten von Kennzahlenberechnungen bis hin zum Personalmanagement sind eine Leistung. Aber das hier?
Das sind die Leute, die vor einem modernen Kunstwerk stehen sich sagen: ahh das kann ich auch. Zu lustig
Die ganzen BWLer und Ingenieure können es nicht fassen. Zu lustig wie einseitig und beschränkt manche durchs Leben gehen. Die total sinnvollen und innovativen Diplomarbeiten von Kennzahlenberechnungen bis hin zum Personalmanagement sind eine Leistung. Aber das hier?
Das sind die Leute, die vor einem modernen Kunstwerk stehen sich sagen: ahh das kann ich auch. Zu lustig
Die ganzen BWLer und Ingenieure können es nicht fassen. Zu lustig wie einseitig und beschränkt manche durchs Leben gehen. Die total sinnvollen und innovativen Diplomarbeiten von Kennzahlenberechnungen bis hin zum Personalmanagement sind eine Leistung. Aber das hier?
Das sind die Leute, die vor einem modernen Kunstwerk stehen sich sagen: ahh das kann ich auch. Zu lustig
@ 7 solche Diplomarbeiten haben allerdings auch keinen Platz bei Zeit Online bekommen, inklusive Interview. Man schaue sich doch nur das 1. Bild an. Da kommt in mir nur eine Emotion hoch..., nämlich ein herzhaftes lachen über ein lächerliches Bild. Noch dazu eins ohne künstlerische Veredelung durch besondere Filter, Perspektiven Photoshop etc... .
Ich weiß nicht, ob das erste Bild ein Kunstwerk darstellt, aber es gefällt mir. Wenn ich meine Freundin an den Füßen kitzele, wenn sie sich gerade auf ein Buch konzentrieren möchte, entsteht oftmals wenige Augenblicke später eine genau solche Szene.
Ja, was ist denn Kunst überhaupt? Und wollen wir überhaupt eine deutliche Grenze ziehen, hier Kunst, da Trivialität, schwarz, weiß?
Wo bliebe da die Diskussion, der Austausch?
Torlinienrichter beim Fußball wären sinnvoller als das, und sogar darüber wird leidenschaftlich diskutiert.
Des weiteren teile ich die Meinung nicht, dass eine Überarbeitung mit einem Grafikprogramm notwendigerweise eine "künstlerische Veredelung" darstellt.
Ich weiß nicht, ob das erste Bild ein Kunstwerk darstellt, aber es gefällt mir. Wenn ich meine Freundin an den Füßen kitzele, wenn sie sich gerade auf ein Buch konzentrieren möchte, entsteht oftmals wenige Augenblicke später eine genau solche Szene.
Ja, was ist denn Kunst überhaupt? Und wollen wir überhaupt eine deutliche Grenze ziehen, hier Kunst, da Trivialität, schwarz, weiß?
Wo bliebe da die Diskussion, der Austausch?
Torlinienrichter beim Fußball wären sinnvoller als das, und sogar darüber wird leidenschaftlich diskutiert.
Des weiteren teile ich die Meinung nicht, dass eine Überarbeitung mit einem Grafikprogramm notwendigerweise eine "künstlerische Veredelung" darstellt.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren