»Ich habe einen ganz einfachen Geschmack, ich bin immer mit dem Besten zufrieden.« Schon als Schüler hat Oscar Fingal O’Flahertie Wills Wilde eine Vorliebe für schöne und teure Dinge. Am liebsten trägt er Lila und Scharlachrot, er liebt gutes Essen, und sein Leben lang wird er Schulden machen. Wilde stammt aus einem wohlhabenden, intellektuellen Elternhaus. Sein in den Ritterstand erhobener Vater ist Irlands führender Augen- und Ohrenarzt, seine exzentrische Mutter Übersetzerin und politisch engagierte Lyrikerin.

Mit knapp 17 Jahren schreibt sich der junge Ire im heimatlichen Dublin am Trinity College ein, für das er ein Stipendium gewonnen hat. Er ist nun Student der Klassischen Philologie, langweilt sich aber häufig in den Vorlesungen und schläft gern bis in den Nachmittag. Trotzdem gewinnt er mehrere Wettbewerbe und ein weiteres Stipendium. Er hat ein fotografisches Gedächtnis, kann blitzschnell und dennoch gründlich lesen. 1,90 groß und mit langen dunklen Locken, unterscheidet sich Wilde stark von anderen Studenten. Seine ausgefallenen Anzüge entwirft er selbst; er schreibt Gedichte, und statt in Studentenkneipen zu gehen, unterhält er im Salon seiner Eltern bekannte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur mit seiner Parlierkunst.

Irland wird ihm schließlich zu eng. Mit 20 Jahren bekommt er ein Stipendium des Magdalen College in Oxford. 1876 beginnt er eine Beziehung mit einer jungen Frau, die später den Dracula- Autor Bram Stoker heiraten wird. Er dekoriert sein Zimmer mit Lilien und teuren Antiquitäten und bemerkt: »Es fällt mir von Tag zu Tag schwerer, auf dem hohen Niveau meines blauen Porzellans zu leben.« Der Ausspruch macht ihn erst in Oxford und dann in ganz England berühmt.

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Doch obwohl er witzig, liebenswert und hilfsbereit ist und darüber hinaus ein großzügiger Gastgeber, schafft ihm seine exaltierte Art auch Feinde. Wilde verprügelt mehrere Kommilitonen, die ihn verspotten, eckt mit frechen Bemerkungen bei Dozenten an und rasselt aus Trägheit durch Prüfungen. Als er von einer Reise zu spät zurückkehrt, wird er für ein Trimester vom Unterricht ausgeschlossen und verliert sein Stipendium für ein halbes Jahr. Seinen Abschluss macht er 1878 aber mit Auszeichnung. Zudem gewinnt er den Lyrikpreis der Universität Oxford.

Erfolglos bewirbt sich Wilde als Uni-Dozent und Schulinspektor. Er zieht nach London in eine Künstler-WG und feiert mit den Reichen und Schönen. Auf Vortragstourneen spricht er über seine Ästhetiktheorie und gibt Tipps zur Wohnungsgestaltung. Er heiratet und bekommt zwei Söhne.