Studenten von früher Der Exaltierte
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Zuchthaus und Zwangsarbeit nach "grober Unzucht"

Wilde ist der Ansicht, man müsse »sich seinen eigenen Mythos schaffen«. Er arbeitet als Journalist, schreibt Märchen und Komödien, in denen er die Oberschicht karikiert, und Das Bildnis des Dorian Gray, die Geschichte eines schönen Jünglings, dessen Ölporträt an seiner statt altert und die entstellte Fratze seines hemmungslosen Lebens zeigt. Wegen des moralischen Verfalls der Hauptperson und der angedeuteten Homoerotik wird der Roman zum Skandal. Auch Wildes Privatleben sorgt für Schlagzeilen. Der erfolgreiche Schriftsteller verliebt sich 1891 in den zwanzigjährigen Lord Alfred »Bosie« Douglas, mit dem er sich Strichjungen teilt.

Seine Homosexualität wird Wilde zum Verhängnis: 1895 wird er wegen »grober Unzucht« zu zwei Jahren Zuchthaus und Zwangsarbeit verurteilt. Nach der Haft geht er ins Exil, viele schneiden ihn. Seine geliebten Kinder sieht er nie wieder. Verarmt und öffentlich erledigt, stirbt er mit 46 Jahren in einem Pariser Hotel an einer Hirnhautentzündung. Noch kurz vor seinem Tod triumphiert sein Esprit über die Widrigkeiten der Umstände; angesichts der hässlichen Hotelzimmertapete bemerkt er: »Einer von uns beiden muss gehen.«

Heute würde Wilde Kunstgeschichte, Journalismus und Literaturwissenschaft studieren und als freier Autor für ein Lifestyle-Magazin schreiben. Abends sieht man ihn auf Vernissagen, wo er sich, charmant nach allen Seiten plaudernd, am Buffet bedient. Nachts stellt er Partyfotos, Gedichte und geistreiche Bemerkungen ins Netz und hofft, süchtig nach Anerkennung, auf enthusiastische Kommentare. Als Abschlussarbeit konzipiert er das Magazin »Flamboyant Lectures in Style and Taste«, das er bei seinem Professor einreicht. Der rät ihm begeistert, sich damit auf den Zeitschriftenmarkt zu wagen. Und Wilde? Lächelt süffisant und empfiehlt dem Prof erst mal eine neue Krawatte.

 
Leser-Kommentare
  1. Heute würde Wilde sich zwischen Kunstgeschichte, Journalismus und Literaturwissenschaft entscheiden müssen, denn mehrere Fächer kann man wegen der Umstellung auf Bachelor mit festem Stundenplan nicht mehr studieren.
    Abends sieht man ihn im ALDI putzen, weil selbst die kleinen Magazine nur Menschen "mit Erfahrung" einstellen. Nachts stellt er Partyfotos, Gedichte und geistreiche Bemerkungen ins Netz und hofft, süchtig nach Anerkennung, auf enthusiastische Kommentare.
    Nachdem er mehrere Semester wiederholen musste, weil er immer wieder einzelne Pflichtsitzungen verpasst hat und dadurch - trotz 1,0 Schnitt - seine Scheine nicht bekommt, streichen ihm seine Eltern das Geld für die Studiengebühren.
    Nach 4 Jahren geht er von der Uni ab und bezieht ALG2. Nebenbei schreibt er Romane und Gedichte, die aber auf Grund seines fortgeschrittenen Lebensalters von 28 Jahren keinen Verleger finden.

  2. Treffend beschrieben, Essartsnhabnie.

    Ein Oscar Wilde würde aber wahrscheinlich auch heute noch seinen Weg gehen.
    Die Genies die bekannt geworden sind haben letztlich doch genug Disziplin, Selbstbewusstsein und Stärke um sich durchzusetzen.

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    ... denn das sagt ungefähr soviel, wie: es werden die bekannt, die bekannt werden. Wie viele andere es vielleicht gibt, die sich aufgrund widriger Umstände nicht durchsetzen, weiß man ja gar nicht.

    ... denn das sagt ungefähr soviel, wie: es werden die bekannt, die bekannt werden. Wie viele andere es vielleicht gibt, die sich aufgrund widriger Umstände nicht durchsetzen, weiß man ja gar nicht.

  3. ... denn das sagt ungefähr soviel, wie: es werden die bekannt, die bekannt werden. Wie viele andere es vielleicht gibt, die sich aufgrund widriger Umstände nicht durchsetzen, weiß man ja gar nicht.

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  4. es sagt nicht mehr aus, als dass die, die es früher geschafft haben es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch heute schaffen. Besonderes Talent auf einem Gebiet haben viele, aber nur bei wenigen passt die Mischung, so dass derjenige mit dem Talent auch wirklich etwas anstellt und noch weniger werden damit bekannt und von denen ganz wenige unsterblich. Binsenweisheit.
    Letztlich kann kaum eine Schule, kaum eine Universität, ja selbst kaum ein System so schlecht sein, dass kein Genie sich da durchbeißt und es zu Ruhm und Ehren bringt.

  5. Nein, Oscar Wilde würde mit Sicherheit kein Alg II beziehen oder bei Aldi putzen - nicht mal essen würde er das Aldi-Zeugs. Er hätte es wohl auch nicht nötig, sich mühsam als freier Journalist durchzuschlagen. Oscar Wilde wäre heute das was er auch früher schon war: ein Gesamtkunstwerk. Mit den Widrigkeiten des Lebens hat er gelernt, auf seine Weise fertig zu werden - schließlich lautet eines seiner Bonmots "Und wenn das Leben für mich ein Problem ist, so will auch ich ein Problem für das Leben sein" (De Profundis). Heute hätte es der gute Oscar Wilde in jeder Hinsicht einfacher: wegen seiner Homosexualität würde er nicht mehr verhaftet, und seine Einkommensoptionen wären vielfältiger.

  6. Sicher ist nur das man nichts sicher sagen kann.
    Man kann nicht wissen wie sich Oscar Wilde heutzutage durchgeschlagen hätte.

    Allerdings kann man darüber spekulieren wie ein exzentrischer Freigeist in der reglementierten Gegenwart aufgenommen worden wäre. Und ich persönliche sehe für solche Menschen momentan eher wenig Sterne am Himmel.
    Vor allem wenn es hauptsächlich um geisteswissenschaftliche und weniger um kapitalistische Qualitäten geht.

    Schwierigkeiten gibt es in jeder Zeit, aber welche Tücken einem begegnen ist doch recht unterschiedlich. Und in der Jetztzeit ist es in meinen Augen das aufgeben der Freiheit. Mehr Druck, mehr Norm, was übersteht wird abgeschnitten, wer die Form nicht ausfüllt wird aussortiert.
    Und sicher fordert und fördert das auch bestimmte Typen von Genies, aber ob es die schöngeistlichen sind... ich glaube nicht!

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    [...]

    Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Die REdaktion/is

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  7. Ich hatte das Vergnügen, direkt vis-à-vis seiner damaligen Pariser Bleibe zu wohnen. Es war später, noch Jahrzehnte nach seinem Tod, das angesagteste Hotel der Jeunesse doré in den 60iger Jahren und hatte nicht einmal einen Namen. Es hiess einfach nur "L'Hotel", Rue des beaux Arts, 75006 Paris, Saint-Germain-des-Prés. Immer wenn ich ein paar Francs verdient hatte, genehmigte ich mir einen Apéro in diesem kleinen Jugendstilhotel. Dabei stiess ich auch auf zahlreiche Inschriften von Oscar Wilde, die er kurz vor seinem Tode im Jahre 1900 angebracht hatte: "Mein Gott, ich sterbe über meine Verhältnisse!"

    Eine Leser-Empfehlung
  8. [...]

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    Antwort auf "Zukunftsprognosen"

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