Reisen Raus!
Auf eigene Faust statt all inclusive – Tipps für alle, die als Backpacker die Welt erkunden wollen.
© Sean Gallup/Getty Images

Auf eigene Faust: Zwei Backpacker laufen auf einer Straße nahe der deutschen Ostseeküste
Los geht’s
Tun: Keine Idee, wohin es gehen soll? Augen schließen, Globus anstupsen, mit dem Finger stoppen und so wie schon Eddie Murphy als Prinz aus Zamunda das Ziel festlegen. Wer noch keinen Rucksack hat, sollte sich gleich einen mit Rollen kaufen, der lässt sich auch mal hinterherziehen (zum Beispiel bei Globetrotter). Vorfreude weckt der Film Hotel Very Welcome von Sonja Heiss.
Lassen: Generalstabsmäßige Planung – irgendetwas kommt sowieso dazwischen!
Einmal zum Mitnehmen, bitte!
Tun: Platz und Gewicht spart eine Trekking-Faltschüssel (mehrere Größen, etwa von Zölzer). Das Bildwörterbuch Point it ist dort nützlich, wo man mit Englisch und Spanisch nicht weiterkommt. Ein persönlicher Gegenstand im Gepäck hilft gegen Heimweh.
Lassen: Trekking-Handtücher trocknen zwar selbst schnell, den Körper jedoch nur mäßig. Lieber ein Handtuch im Hostel ausleihen.
Ich packe meinen Koffer
Tun: Die schwersten Sachen nahe am Rücken und hoch oben im Rucksack verstauen. Die Ausrüstung in verschiedene Plastikbeutel packen – das bringt Ordnung ins Chaos. Für Schmutzwäsche eignen sich Baumwollbeutel, in denen schimmelt sie nicht so schnell. Den Rucksack mit einer Regenhülle schützen. Außen möglichst keine Gegenstände anbringen.
Lassen: Gefaltete Kleidung knittert viel zu stark. Lieber rollen.
Auf Nummer sicher
Tun: Vor der Reise die wichtigsten Notrufnummern notieren: In Europa gilt der kostenlose Euronotruf 112, in Australien 000, in Thailand 1669 (eine ausführliche Liste findet sich auf mybackpacking.de). Einreisebestimmungen checken. Durchfallmittel nicht vergessen. Nummer für Kreditkartensperrung dabeihaben. Bargeld portioniert aufbewahren.
Lassen: Sich unterwegs wie ein Weihnachtsbaum schmücken. Vorsicht, Langfinger!
Gute Nacht
Tun:So far no sofa? Es gibt auch andere kostenlose Nachtquartiere, zum Beispiel am Flughafen (sleepinginairports.net) oder auf Farmen, wo man den Schlafplatz als Gegenleistung fürs Kühemelken bekommt (wwoof.org). Wer einen leichten Schlaf hat, sollte sich Ohropax besorgen. Schnarcher darf man wecken.
Lassen: Die No-gos im Dorm: nachts das Deckenlicht anmachen. Bei der Abreise frühmorgens laut den Rucksack packen. Sex.
Go West
Tun: Wer linksrum reist, erspart sich den Jetlag. An manchen Flughäfen wird eine Extragebühr berechnet. Ob man zahlen muss oder nicht, sollte man vorher abklären.
Lassen: Es gibt kein Gebot, der Lonely Planet-Route von A bis Z zu folgen. Das tun inzwischen so viele, dass Backpacker selbst am absoluten »Insider«-Strand nicht mehr allein sind. Total überlaufen: Reisetrophäen wie die Transamericana oder der Machu Picchu.
Guten Appetit
Tun: Einheimische Spezialitäten entdecken und genießen! Wer dann auf dem Trip durch China morgens genug Reissuppe geschlürft hat, für den gibt es den heimatlichen Frühstücksgeschmack aus der Flasche in den Sorten Basic oder English (dinnerinabottle.com). Und ganz wichtig: Das Trinken nicht vergessen – je heißer, desto mehr.
Lassen: Vorsicht! Keime lauern in blutigem Fleisch und in Eiswürfeln.
1, 2, 3 – cheese!
Tun: Eine Schießanleitung für gute Urlaubsfotos steht hier: bit.ly/ZCfotos.
Lassen: Auch wenn die Strände strahlend weiß und die Frauen umwerfend schön sind: Die Zuhausegebliebenen sind von täglichen Rundmails mit Fotoanhang eher genervt.
Hello, I’m from Germany
Tun: Zumindest »Guten Tag«, »danke« und »bitte« in der jeweiligen Sprache lernen – das macht das Reisen einfacher. In Japan Alkohol auf ex trinken und Karaoke singen. Beim Essen in China einen Anstandsrest Reis übrig lassen. Und den anderen Deutschen auf dem Trip kann man ruhig mal Hallo sagen.
Lassen: Mit der linken Hand zu essen gilt in arabischen Ländern als unrein. Oben ohne zu baden ist selbst in Thailand tabu. Sich die Nase in der Öffentlichkeit zu putzen wird in China als sehr eklig empfunden. Nach dem Essen die Essstäbchen auf den Tisch legen und nicht etwa in den Reis stecken.
Home, sweet home
Tun: Den Schlafsack im Feinwaschgang mit einem speziellen Daunenwaschmittel waschen, anschließend tropfnass und ungeschleudert in einen Wäschetrockner geben. Zwei Tennisbälle dazu, dann gibt es keine Federklumpen.
Lassen: Ob thailändische Fischerhose oder indischer Sari – im Reiseland ist einheimische Kleidung dem Klima und der Kultur am besten angepasst. In Deutschland sehen solche Kulturstücke allerdings zu oft albern aus.
- Datum 06.09.2010 - 12:04 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus 05/2010
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- wozu braucht man verdammt noch mal eine Faltschüssel?
- Schnarcher können nichts fürs schnarchen und haben anrecht auf ihren Schlaf. Also gilt nicht wecken, sondern sich nach ner schnarchfreien Schlafgelegenheit umsehen
- nicht den Lonley Planet verwenden sondern eher Loose-Reiseführer. Die sind auf deutsch und besser recherchiert
- alleine reisen. Wer zu zweit reist, kommt zwar preiswerter ist aber mit dem anderen befasst und lernt so viel weniger interessante Leute kennen
Der Tipp zum Packen des Rucksacks ist im Artikel nicht ganz korrekt.
Schwere Dinge gehören wirklich ganz nah an den Körper, aber nicht nach ganz oben in den Rucksack, sondern eher in die Mitte. Bei einem Rucksack mit Querteilung ist ein guter Platz für solche Sachen in der unteren Hälfte des oberen Teils (wenn man den Rucksack auf dem Rücken hat: etwa in Höhe der unteren Brustwirbel).
Das Gewicht so zu verteilen hat den Vorteil, dass der Rucksack relativ stabil am Körper liegt, auch bei höheren Gewichten gut zu tragen ist und nicht zu sehr hin und her schwankt - die richtige Einstellung der Gurte sowie grundsätzlich eine zum Körper des Trägers passende Rucksackgröße und -form vorausgesetzt.
Übrigens: Rucksäcke mit Rollensystem mögen nett sein und auf den ersten Blick praktisch wirken. Bedenken sollte man aber immer, dass ein gutes und solides Rollensystem zusätzlich um die 1,5-2 kg auf die Waage bringt. Wer viele Wege zu Fuß zurücklegen muss / möchte, sollte besser auf ein Rollensystem verzichten. Zumal Tragen auf Dauer angenehmer ist als Ziehen, da es den Körper nicht so einseitig belastet.
Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen jeglicher Art. Danke, die Redaktion/vv
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