Häuser besetzen nennt man in den Niederlanden "kraken" – bald soll es verboten werden © pixx/photocase

Die ideale Hausbesetzung geht so: Haus finden (es muss ein Jahr leer gestanden haben), mit etwa 50 Mann anrücken, Tür aufbrechen (dabei stehen alle so eng beisammen, dass nicht erkennbar ist, wer das Eisen ansetzt) und dann mit Tisch, Stuhl und Matratze einziehen (das symbolisiert, dass man wirklich in dem Haus wohnen will). Anschließend ruft man die Polizei, die einen als neuen Besitzer anerkennt – diese Tipps gibt der Amsterdamer Hausbesetzer René, 23, bedürftigen Kommilitonen.

Etwa 10000 Studenten suchen in Amsterdam eine Bleibe. Einige nehmen sie sich einfach. Bisher war das sogenannte kraken in den Niederlanden erlaubt, denn trotz steigender Mieten stehen viele Immobilien leer. Spekulanten kaufen Gebäude, um sie nach Jahren ohne Nutzung zu höheren Preisen wieder zu verkaufen. Andere sanieren, bis die Wohnungen für Mieter zu teuer sind. »Wir setzen ein Zeichen gegen diese menschenfeindliche Geldmacherei«, sagt René.

Künftig könnte er dafür ins Gefängnis kommen, deswegen will er seinen Nachnamen nicht hier lesen. Im Oktober tritt ein Gesetz in Kraft, das kraken mit bis zu 32 Monaten Haft bestraft. »Hände weg vom Eigentum anderer Leute« ist die Devise von Brigitte van der Burg, deren rechtsliberale Partei für Freiheit und Demokratie bei den Wahlen im Juni die meisten Stimmen erhielt. Manche Hausbesetzer brächten Krach und Chaos.

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Weil andere kraker aber die Häuser instandhalten oder gar vor dem Abriss retten, steht die Mehrheit der Amsterdamer hinter ihnen. Tausende kamen zur Kundgebung gegen das Gesetz. »Kein Gesetz kann eine Idee unterdrücken«, sagt René. »Es geht um eine bessere Stadt, die nicht nur Reichen vorbehalten ist.« Gerade hat er seine Bachelorarbeit abgegeben. Ihr Thema: »Das Recht auf die Stadt.«