Technik an Hochschulen Schauen und klauen
Teure Flachbildschirme sind schwer angesagt bei Hochschulen – und bei Dieben.
© Sean Gallup/Getty Images

Die Uni Essen-Duisburg plant, 12.500 Euro für immerhin acht 52-Zoll-Flachbildschirme auszugeben
Deutsche Unis haben ein neues Statussymbol entdeckt: den Flachbildschirm. An Säulen und Wänden glänzend, kündet er von Wohlstand und technischem Fortschritt. So befindet sich in Leipzig vor jedem der 21 Hörsäle ein 15-Zoll-Bildschirm, der die Raumbelegung und Informationen zu Studium und Campus anzeigt.
In Aachen reihten sich »optische High-Tech-Apparate, chemische Messgeräte, Kameras, Flachbildschirme und Brutschränke im Wert von über 550.000 Euro aneinander«. So rühmt sich die Uni in ihrem Magazin RWTHinsight. Und die Uni Essen-Duisburg plant, 12500 Euro für immerhin acht 52-Zoll-Flachbildschirme auszugeben. Das Geld stammt aus Studiengebühren .
Ob die Mittel auf diese Art sinnvoll eingesetzt werden, ist die Frage: An der Universität Frankfurt beispielsweise haben manche Mitarbeiter Flachbildschirme mit einer Größe von bis zu 24 Zoll, auf denen man zwei Anwendungen nebeneinander anzeigen kann. Dies könne im Einzelfall praktisch sein, sei aber für den Arbeitsalltag »eigentlich nicht erforderlich«, sagt ein Mitarbeiter. Der 42-Zoll-Flatscreen vor der Mensa der Universität Koblenz-Landau dient allein dazu, den Speiseplan und die Busfahrzeiten anzuzeigen.
Das Magazin der Uni Bochum musste 2006 melden, die Zahl der Einbrüche an der Uni habe stark zugenommen. Bei den Dieben stünden moderne Flachbildschirme ganz oben auf der Beliebtheitsskala. So wurden seit dem Jahr 2005 in Bochum 80 Flachbildschirme im Wert von 38.846,07 Euro gestohlen. Bei 28 weiteren Flatscreens konnte die Schadenshöhe nicht beziffert werden – da die entsprechende Abteilung »keine Quittungen oder Belege über den Kauf« der Bildschirme vorliegen hatte, wie Jennifer Knutzen vom Gebäudemanagement erklärt.
Um des Problems Herr zu werden, gründete die Ruhr-Universität Bochum eine Projektgruppe. Sie startete eine Aufklärungskampagne und setzte eine Belohnung für hilfreiche Hinweise aus. Wer etwas zu den gestohlenen Schirmen weiß, kann 1000 Euro bekommen.
- Datum 19.10.2010 - 08:52 Uhr
- Quelle ZEIT Campus 06/2010
- Kommentare 11
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...vielleicht sollte der Gesetzgeber hier ein wenig nachregulieren und den Universitäten gestatten das Geld für Bildung auszugeben?
Hier in England hat meine Uni kürzlich einen Raum sarniernt und komplett umgebaut - OK, die Tische wahren alt (aber benutzbar) und die Stühle wahren ein Gräuel - soweit sehe ich der Renovierung positiv entgegen.
Aber warum jetzt in dem Raum alle PCs ersetzt wurden - die alten waren technisch einwandfrei - an neuen Computern bestand kein Bedarf.
Ein typischer Fall von Geldverschwendung - das Gleiche gilt für das was deutsche Unis nun wohl anstellen - es gibt sinnvolle "Upgrades" aber hier scheint es eher ein Fall von "Geld ist da, was können wir kaufen" zu sein.
Da es in Hochschulen wie im öffentlichen Dienst funktioniert, "muss" jede Abteilung ihre jährlichen Mittel ausgeben, damit im Folgejahr nicht gekürzt wird.
Wird gekürzt und man braucht im Folgejahr doch wieder mehr, ist es ein riesiger bürokratischer Akt das durchzubekommen.
Allein aus diesem Grund wird ständig neuer Sch**** gekauft. Ein schäbiges System ist das. Bei mir an der Hochschule wurden u.a. Belichtungssysteme für den "Fotographen" (ein normaler Mitarbeiter) gekauft um die Fotoqualität der Studentenausweise zu verbessern..... Etwa 10.000€ sollen die gekostet haben.
Da man aber zu faul ist die Dinger jedes Semester 1 mal aufzustellen wenn die Fotos gemacht werden, stehen diese nun im Lager rum.
*THUMBS UP*
und dann wird es für so unnützes Zeug rausgehauen.
Wenn's sie glücklich macht nur weiter...
Flachbildschirme gibt es heute überall und in der Regel sind sie sinnvoll - als Informationstafeln in Flughäfen und Bahnhöfen, in Kongresszentren und sogar in Einkaufzentren, wo sie interaktive Lagepläne zeigen.
Warum ist es nicht in Ordnung, wenn man an der Uni mit der Zeit geht? Wäre es sinnvoller, wenn mehrere tausend Studenten, die täglich die Mensa besuchen, sich vor einem A4-Plan drängen, um sich über das Angebot zu informieren? Sollte man - wie an meiner Uni - Zettel an die Räume hängen, die den Gesamtbelegungplan zeigen und sich in der Regel binnen Tagen überholt haben?
Ebenso ist es kleinlich den Mitarbeitern ihre 24-Zoll-Bildschirme zu verleiden. Braucht man ja nicht. Stimmt - den PC streng genommen auch nicht. Kladde und Ablage tun es ja auch. Aber eben nicht so effizient. Da stattet mal ein Arbeitgeber seine Leute anständig aus und es ist auch wieder falsch.
Dass an Unis geklaut wird liegt daran, dass sie öffentlich zugänglich sind. Die Erfahrung mit meiner Uni ist aber, dass so etwas in der Regel nicht noch einmal passiert, weil eine Lösung gefunden wird - Gitterboxen für die Beamer, Sicherung der Bildschirme durch unzugängliche Montage oder Sicherheitsglas davor.
Auch Hochschulen dürfen Flachbildschirme haben. Das ist keine Aufregung wert.
via ZEIT ONLINE plus App
Dual-screen Setups, wie hier beschrieben sind häufig durchaus sinnvoll. Referenzdokumente auf den einen, Arbeitsumfeld auf den anderen. Oder Kommunikation auslagern und einen Bildschirm für inhaltliche Arbeit reservieren.
Das braucht nicht jeder, kann aber sinnvoll sein.
Was die PR-Flachbildschirme angeht: Eine Farce. Busfahrtzeiten und Speisepläne sind ja noch akzeptabel, aber PR-Botschaften der Uni, völlig losgekoppelt von der realen Situation sind zynisch. Beschädigte Toiletten, nicht geputzte Fenster, defekte Sitze in Höhrsälen, aber dafür einen PR-Flatscreen.
Nebenbei wären Beamer wohl ohnehin die billigere Alternative.
Angesichts der Tatsache dass man 24-Zöller schon für den Preis einer Ersatzlampe eines Beamers bekommt (nominelle Lebensdauer 2500h - Sprich ca. 1 Jahr bei 8h/d Betrieb), sind Beamer sogar deutlich teurer als LCDs.
Angesichts der Tatsache dass man 24-Zöller schon für den Preis einer Ersatzlampe eines Beamers bekommt (nominelle Lebensdauer 2500h - Sprich ca. 1 Jahr bei 8h/d Betrieb), sind Beamer sogar deutlich teurer als LCDs.
Es gibt meiner Meinung nach eine einfache Lösung für das Problem der mangelnden Studienplätze. Nicht selten gibt es Studienrichtungen mit einem Ausländeranteil aus nicht EU Staaten, der zwischen 10 und 20% liegt. Hier könnten einfach weniger Zulassungen für nicht EU Bürger für den Zeitraum der erhöhten inländischen Nachfrage nach Studienplätze vergeben werden. Ausgenommen natürlich die Vertraglich geregelten Austauschprogramme. Schon gibt es einige Studienplätze die zur Verfügung stehen, ohne Mehrkosten.
Was hier als pure Geldverschwendung auftritt hat einen sehr unschönen Hintergrund. Mehr Personal bedeutet Verpflichtungen, sprich Kosten für die Zukunft, und die darf eine Hochschule nicht eingehen, also muss das Geld anderweitig ausgegeben werden und für die Lehre bleibt alles beim alten.
vielleicht, aber darum geht es hier doch gar nicht.
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