Mathematik Wie kann man Zahlen lieben?
Nicht jeder mag Mathe, aber fast jeder hat eine Lieblingszahl. Der Mathematikdidaktiker Günter Krauthausen erklärt, wieso.

Um einen Lieblingszahl zu haben, muss man mit Mathe nicht unbedingt viel anfangen können
Günter Krauthausen, 56, ist Professor für Mathematikdidaktik an der Universität Hamburg. Er hat Menschen über ihre Lieblingszahl befragt.
ZEIT CAMPUS : Herr Krauthausen, Mathe gilt als langweilig und Buchhaltung als staubtrocken. Trotzdem hat fast jeder eine Lieblingszahl. Warum mögen wir bestimmte Zahlen?
Günter Krauthausen : Oft werden Zahlen durch Assoziationen emotional aufgeladen. Wenn jemand beispielsweise eine gute Zeit in einer Stadt verbracht hat und ihm dabei immer wieder eine bestimmte Zahl begegnet ist, sei es als Hausnummer oder als Buslinie, hat er vielleicht immer, wenn er diese Zahl sieht, positive Gefühle. Manches hat einen kulturellen Hintergrund und wird unterbewusst tradiert. Bei uns gilt bekanntlich die 13 als Unglückszahl. In vielen Hochhäusern gibt es kein 13. Stockwerk, und schon Kinder lernen: Wenn Freitag, der 13., ist, muss man aufpassen! Im asiatischen Kulturraum kann dagegen das Wort »vier« auch für Tod stehen.
ZEIT CAMPUS : Woher kommen diese Zuschreibungen?
Krauthausen :Manches ist religiös geprägt, die Bibel etwa steckt voller Zahlen: die Heilige Dreifaltigkeit als Zeichen für Vollkommenheit, die zwölf Jünger Jesu, 40 Tage Fastenzeit. Anderes lässt sich historisch begründen, weil wir eben arabische Ziffern haben und im Zehnersystem rechnen. Wir denken, das ist ja schön praktisch.
ZEIT CAMPUS : Ist es doch auch.
Krauthausen :Ja, aber rein mathematisch betrachtet, ist das Zehnersystem ein Kompromiss aus Handhabbarkeit und der Anzahl an Ziffern, die man benötigt. Es erscheint uns natürlich, weil wir zehn Finger haben, und es ist recht überschaubar, weil man große Zahlen mit wenigen Zeichen notieren kann. Aber weil die Zehn nicht so viele Teiler hat, sind wir bei Divisionen schnell auf Brüche angewiesen. Da gibt es bessere Systeme. Die Babylonier hatten als Grundzahl die 60, eine Zahl mit sehr vielen Teilern. Noch heute gibt es davon Relikte, beispielsweise die Stunde mit ihren 60 Minuten. Computer rechnen gar im Zweiersystem. Das ist nur Gewohnheit!
ZEIT CAMPUS : Was ist denn Ihre Lieblingszahl?
Krauthausen : Ich glaube, die Acht.
ZEIT CAMPUS : Sie glauben?
Krauthausen : Ich sage bewusst, ich glaube, weil ich nicht weiß, ob das auch so war, bevor ich darüber nachgedacht habe. Ich mag die Acht, weil sie zwei Symmetrieachsen hat und sich in einem Zug schreiben lässt. Wenn man die Acht um 90 Grad dreht, hat man das Zeichen für unendlich. Das sind viele schöne Eigenschaften, aber es ist eben eine nachträgliche Rationalisierung.
ZEIT CAMPUS : Sie haben für das »Projekt Lieblingszahl« Hamburger Grundschüler und Internetnutzer befragt. Welche Lieblingszahl ist besonders häufig?
Krauthausen : Keine bestimmte. Auf jeden Fall dominieren natürliche Zahlen im ein- und zweistelligen Bereich. Kinder nennen oft ihr eigenes Alter als Lieblingszahl oder die Trikotnummer eines Fußballers.
ZEIT CAMPUS : Und Erwachsene?
Krauthausen : Da sind die Antworten vielfältiger, denn Erwachsene haben ein anderes Hintergrundwissen, eine längere Lernbiografie. Viele nennen prägnante Daten im eigenen Lebenslauf, wie zum Beispiel das Geburtsjahr oder den Hochzeitstag. Auffällig ist ein Zusammenhang zwischen Beruf und Lieblingszahl.
- Datum 06.12.2010 - 14:50 Uhr
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- Quelle ZEIT CAMPUS 06/2010
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Zahlen sind nur ein kleiner insignifikanter Bestandteil der Mathematik.
Ich habe ein "module" in meinem Mathekurs in dem eigentlich gar keine Zahlen vorkommen - Fluid Flow. - Aber Tensore brauchen auch keine Zahlen - die Zahlen kommen erst ins Spiel wenn man einen genauen Fall betrachten will - etwas zeichnen will, für Methoden braucht es sie eigentlich nicht (außer als z.B. Koeffizient)
Und der Mathematik ist ein spezieller Fall meistens egal - es geht um die Methoden, die Zusammenhänge.
Da sind zahlen nicht so wichtig.
Aber da der Artikel von Lieblingszahlen handelt... ich würde sagen ich habe keine.
... aber die deutsche Version läuft, meinem Sohn sei Dank, hier gerade rauf&runter.
> http://www.youtube.com/wa...
Nicht vergessen: Ton an und vor allem auf die Stelle um 3:00 herum warten! :)
Schönen Montag noch.
.. eben in der Zahlentheorie, dem Zweig der Mathematik, der als völlig weltfremd und archaisch galt bis .. die digitale Revolution und damit das Bedürfnis nach Vertraulichkeit kam. Dann wurde auf einmal aus einem Freak-Bereich eine der Säulen unserer Wirtschaft wurde... faszinierend!
Wo bleibt denn da die nächstliegende Frage? Nämlich jene: Welche Zahl hassen Sie am meisten? Welche ist die häßlichste, mickrigste, langweiligste...?
Ich habe keine Lieblingszahl, aber ein paar Zahlen sind mir unangenehm. Bei 53 weiß ich zum Beispiel seit meiner Jugend nicht, ob sie prim ist oder nicht, muss jedes Mal nachrechnen und deswegen hasse ich sie. Die Eulersche Zahl erzeugt bei mir auch Antipathien, denn wenn sie auftaucht, geht es meist um bald schwierigere Rechnungen. Die lustigste ist die 0, irgend wie nie da. Die nutzloseste die 1, weil sie zwar am Start für ein Zählen steht, aber wenn man nur bis zu ihr will, eigentlich damit gar nicht beginnen muss.
Die Islamfeindlichkeit nimmt in Deutschland grausige Ausmaße an. Nur die arabischen Ziffern (denn da kommen sie her), werden akzeptiert, weil sie sich so herrlich vor das Eurosymbol stellen lassen.
Warum darf der/die durchschnittliche GrundschülerIn nicht 27 Lieblingszahlen haben oder gar 36 Millionen? Ein Prof, der Grundschüler nach nur EINER Lieblingszahl fragt, sollte vor seiner Befragung erstmal die Prämissen seiner Datenerhebung reflektieren! Fördert die Reduzierung auf nur eine Lieblingszahl die Abneigung gegen alle anderen, in summa gegen die gesamte Mathematik? Wird hier womöglich das religiöse Prinzip des Monotheismus unbewusst auf die Fragestellung übertragen? Dürfen Mädchen nur eine Lieblingszahl lieben, Jungen aber mehrere? Prof. Krauthausen schlittert hier haarscharf an der Genderproblematik entlang und sollte sich schlussendlich mit feministischer Mathematik vertraut machen !
In didaktischer Verbundenheit,
Professor 9-x-klug
Mathematik kann faszinierend sein, weil sie absolut logisch ist. Aber das wird sie doch erst, wenn man sie von den Zahlen löst und Variable wie z.B. x, y etc. benutzt.
Und jetzt gibt es also inzwischen spezialisierte Professoren, die sich stattdessen mit Lieblingszahlen beschäftigen. Wenn inzwischen an den Schulen so "Mathematik" gelehrt wird...
Vielen Dank für den interessanten Artikel zwischen Natur und Kulturwissenschaften. Hier ein Gedichtchen als Gruß an Herrn Krauthausen:
"Vier Äpfel hat die Mutter
doch Kinder hat sie drei,
da kocht die kluge Mutter,
schnell einen Apfelbrei."
Es geht also auch ganz ohne sich das Rechenbein zu brechen.
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