Mensagespräch mit Armin Rohde "Es wurde mehr gekifft als gegessen"

Armin Rohde ist mit Proletenrollen bekannt geworden und gilt heute als vielseitiger Charakterdarsteller. Ein Gespräch über LSD-Trips, Pornofilme und den Selbstmord seines besten Freundes.

Der Schauspieler Armin Rohde, 55, geht am Stock, allerdings nicht aus medizinischen Gründen. Rohde trägt immer einen zwei Meter langen Rosenholzstab mit sich, mit dem er in freien Momenten Qigong-Übungen absolviert. Zwei führt er kurz vor und holt dabei in der Mensa der Universität Essen fast eine Lampe von der Decke. Dann gibt es etwas zu essen: Currywurst, Pommes, Banane.

ZEIT: Herr Rohde, Sie sind einem größeren Publikum in der Rolle des »Bierchen« in »Kleine Haie« bekannt geworden. In dem Film ziehen drei Freunde von Aufnahmeprüfung zu Aufnahmeprüfung, von Schauspielschule zu Schauspielschule. Mussten Sie auch quer durch die Republik fahren, um angenommen zu werden?

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Armin Rohde: Ich habe drei Anläufe gebraucht. Als Erstes wurde ich in Bochum abgelehnt – unter dem Aspekt der Gruppenzusammenstellung, wie es hieß. Einer der Lehrer hatte mir aber seine Visitenkarte gegeben. Irgendwann habe ich mich getraut, ihn anzurufen, er hat mich zu sich nach Hause zum Wein eingeladen, und das Einzige, woran ich mich noch konkret erinnere, ist, wie er später weinend vor mir auf den Knien lag, meine Arschbacken festhielt und mich bat, mir einen blasen zu dürfen.

ZEIT: Und der zweite Versuch?

Rohde: In der Schauspielschule Stuttgart sollte man einen Aufsatz schreiben, warum man Schauspieler werden wollte. Das habe ich nicht gemacht.

ZEIT: Warum nicht?

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Rohde: Ich hätte das damals nicht artikulieren können. Ich wusste nur, dass ich mein bisheriges Leben mit kleinen Jobs und abgebrochener Schule nicht mehr wollte. Bei der Folkwang-Schule in Essen hat es dann geklappt. Ich weiß noch, wie ich da in diesem wunderschönen Klosterinnenhof stand und dachte: Wenn die dich hier nicht nehmen, dann haben die keine Ahnung.

ZEIT: Solides Selbstbewusstsein.

Rohde: Das muss man haben, wenn man diesen Beruf ergreifen will. Vielleicht sogar in jedem Beruf. Wenn man nicht glaubt, dass man etwas beizutragen hat, dass sich in einem etwas regt, womit man die Welt bereichern kann – dann sollte man den Job nicht machen. Das gilt für Schauspieler genauso wie für Ingenieure.

ZEIT: Sie sind davor ein Jahr lang praktisch ohne Geld durch die USA gereist. Warum?

Rohde: Easy Rider. Ich habe den Film in den späten Sechzigern im Kino gesehen, als ich eigentlich noch zu jung dafür war. Es wird dort nicht einmal ein besonders positives Bild der Staaten gezeigt, aber diese Motorradfahrten durch die Landschaften, die haben sich bei mir eingebrannt. Es wird ja heute gern so getan, als wären die Sechziger eine bunte, flippige Zeit gewesen, aber das waren sie überhaupt nicht. Die Adenauer-Jahre waren stickig. Bloß die Musik war bunt und flippig, als Gegenentwurf. Und dieses Versprechen, The Times They Are A-Changin’, war bei mir wesentlich mit den USA verbunden.

ZEIT: Wovon haben Sie bei Ihrer Reise durch die Staaten eigentlich gelebt?

Rohde: Von Luft und Liebe, ganz im Ernst. Ich hatte in Deutschland vorher als Busbegleiter, Postsortierer und mit Eisenschaufeln in einer Fabrik Geld verdient. Aber mein Erspartes ist schon in einem bitterkalten Winter in Wisconsin draufgegangen, für warme Kleidung und Roastbeef-Sandwiches. Später war ich in San Francisco, dort hatte ich einen Vetter, der in einer Armeeanlage direkt an der Golden Gate Bridge lebte. Da habe ich ein paar Wochen in der Kaserne gewohnt. Das wäre heute nicht mehr vorstellbar, so wie ich aussah: lange Haare, Rucksack, Hippieklamotten. Es wurde dort mehr gekifft und getrunken als gegessen.

Leser-Kommentare
    • Nikocc
    • 12.12.2010 um 11:16 Uhr

    Ich würde ihn gerne interviewen, wie z.B. Rainer Langhans hier http://www.memoro.org/de-... aber leider erst für Menschen ab 60 Jahren aufwärts...

  1. Ja, wunderbar wie er an sich und seine Fähigkeiten geglaubt hat und wir können uns heute an seinen schauspielerischen Fähigkeiten erfreuen Dank seiner im Erbgut verankerten Durchhaltewillens ohne seinen äußeren Willen zu schmälern.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie lesen zuviel Sarazin, Herr Sukowsky

    Ist doch nichts neues in der Tierzucht schaut man schon seit
    Urzeiten auf die Vererbung von Veranlagungen z.B bei Rennpfpferden oder auch Milchleistungen bei Kühen usw,bei Pflanzen sowieso. Getreide hat man aus Gräsern durch Auslese bekommen.
    Die Neandertaler habens hirmäßig nicht mehr gegen die Naturgewalten geschafft..............
    Sarazin hat wohl was anderes gemeint. Übrigens sein Buch kenne ich gar nicht.

    Sie lesen zuviel Sarazin, Herr Sukowsky

    Ist doch nichts neues in der Tierzucht schaut man schon seit
    Urzeiten auf die Vererbung von Veranlagungen z.B bei Rennpfpferden oder auch Milchleistungen bei Kühen usw,bei Pflanzen sowieso. Getreide hat man aus Gräsern durch Auslese bekommen.
    Die Neandertaler habens hirmäßig nicht mehr gegen die Naturgewalten geschafft..............
    Sarazin hat wohl was anderes gemeint. Übrigens sein Buch kenne ich gar nicht.

  2. dieser Typ ist einfach nur peinlich. Auch einer der wenigen Menschen, die erstmal erzählen müssen, was für eine "geile S.." sie sind, damit es den anderen auch auffallen muss. Schon vor einigen Jahren war bei mir fremdschämen angesagt, als dieser Typ als "Räuber Hotzenplotz" bei Wetten dass auf der Couch lümmelte...

    Ein Interview könnte auch so aussehen (fiktiv):

    "hatten sie mal eine Frau? Eine hohoho, 1000 am Tag." Wie heißen die denn? Hab ich vergessen, ich kam nicht zum fragen HOHOHO...

    Schade, dass Kalkofe nicht mehr aktiv ist, dieses Interview wäre gutes Material für ihn.

  3. Ein nicht ganz einfaches Leben. Daran ist nichts peinlich, Mr. BAYWATCH.

  4. toller Schauspieler, wie ich finde, sondern auch ein sehr guter Erzähler. Mir gefällt sein Humor.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. ???

  6. Google ist Ihr Freund; was soll die Frage?(??)

    Die Antwort steckt schon im ersten Satz des Artikels: "Armin Rohde ist mit Proletenrollen bekannt geworden und gilt heute als vielseitiger Charakterdarsteller."

  7. Sie lesen zuviel Sarazin, Herr Sukowsky

    Antwort auf "Ja, wunderbar"

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