Professoren-Kolumne "Was machen Professoren eigentlich noch selbst?"
Professoren haben meist ihre Assistenten und Hilfskräfte. Arbeiten sie eigentlich noch selbst? Kolumnist Professor Breithaupt klärt auf.

Studenten lernen am meisten, wenn man ihnen Verantwortung gibt, meint Professor Fritz
Die Frage ist berechtigt: Studentische Hilfskräfte korrigieren Klausuren, bereiten Vorlesungen vor und halten Tutorien. Und die Assistenten prüfen. Ein Skandal? Im Gegenteil! So werden die Studenten ernst genommen. Man lernt, wenn man erklärt. Man lernt, wenn man Halbgott spielt. Nichts bringt einem so viel bei wie die Verantwortung für andere. So soll es sein. Ein Traum.
Allerdings nur für die wenigen, die die Aufgaben übertragen bekommen. Die Mehrheit der Studenten wird zu lange zu klein gehalten. Dabei sind sie keine Schüler, denen man etwas eintrichtern muss, sondern selbst auf dem Weg zum Forscher und Lehrer. Die Unis müssen dies unterstützen. Zauberlehrlinge willkommen!
Die Frage unterstellt, dass wir Profs faul sind. Ich bin der Erste, der das zugibt. Aber damit meine ich nicht, dass wir jede Klausur selber korrigieren sollten. Sondern dass wir zu selten den Mut haben, unsere Studenten einmal selbst ranzulassen.
Für den Prof bedeutet das nicht etwa weniger, sondern eine andere Art von Arbeit: Er muss die Studenten beobachten, Rückmeldungen geben, inhaltliche Punkte mit ihnen durchsprechen. Je mehr sich beide Seiten dabei aufeinander einlassen, desto mehr wird der Prof vom Überwacher zum Förderer. Und das sollte seine eigentliche Aufgabe sein!
Professor Fritz Breithaupt, 43, erklärt an dieser Stelle regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrt an der Indiana University, USA
- Datum 01.12.2010 - 14:41 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.10.2010 Nr. 06
- Kommentare 27
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










sagt eigentlich alles:
"Professor Fritz Breithaupt, 43, erklärt an dieser Stelle regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrt an der Indiana University, USA"
Und genau weil wir uns andauernd mit USA vergleichen haben wir auch das Bologna-Problem!
...sondern weil wir die falschen Lehren daraus ziehen. Der knappen aber treffenden Erklärung von Fritz Breithaupt, wie gute Lehre auszusehen hat, ist kaum etwas hinzuzufügen.
...sondern weil wir die falschen Lehren daraus ziehen. Der knappen aber treffenden Erklärung von Fritz Breithaupt, wie gute Lehre auszusehen hat, ist kaum etwas hinzuzufügen.
so mag das vielleicht in den Staaten sein (leider hat es sich für mich nie ergeben, dort zu studieren), aber in DE sieht die Realität anders aus. Ich bin seit vielen Semestern Hiwi und wiss. Angestellter, habe diesbzgl. unter vielen Profs gearbeitet und nein, so wirklich hat sich keiner darum gekümmert, was so passiert, bis auf wenige Ausnahmen.
Es gibt hier Professoren, die lassen ganze Vorlesungen von Assistenten halten, während sie auf Dauerdienstreisen sind.
Wie im gesamten deutschen Bildungssystem fehlt hier einfach das Leistungsprinzip - nach dem Motto: Einmal Prof, immer Prof.
Schöne Grüße aus Heidelberg
Humor in allen Ehren, wir bitten dennoch um eine Beteiligung mit sachlichen Beiträgen. Danke, die Redaktion/fk.
Studentinnen in den Ausschnitt stieren.
...sondern weil wir die falschen Lehren daraus ziehen. Der knappen aber treffenden Erklärung von Fritz Breithaupt, wie gute Lehre auszusehen hat, ist kaum etwas hinzuzufügen.
Ich musste gerade daran denken, wie ich die Vorlesung "Numerische Mathematik I" hörte. Eigentlich eine staubtrockene Zahlenspielerei. Doch der Prof verstand es wie ein Zauberkünstler, die abstrakten Strukturen in Szene zu setzen.
.
Einmal ließ er sich durch seinen Assistenten vertreten. Der machte die Sache sauber und fehlerfrei, hatte auch eine bessere Handschrift. Aber die Studenten scharrten, quasselten und murrten.
.
Es ist wie bei einem guten Fußballtrainer: Wenn das Endspiel gegen England 3:1 in der 85. Minute steht, dann wechselt der auch mal den unerfahrenen Hoffnungsträger ein.
Schön wär's wenn auch an der Uni ankommt, was an vielen Schulen (zugegeben, nicht an allen) allmählich Einzug hält: der Lehrer als Förderer! Aber viele Unis sind überfüllt, die Studiengänge oft verschult -im alten, wenig motivierenden Sinne - und das hierarchische Denken nach wie vor in den Köpfen.
Meine Professoren in Heidelberg (eine sogenannte "Exzellenz-Uni") leiten zu zweit mit wenigen Dozenten und noch weniger Geld ein Institut von über 250 Leuten (die meisten Bachelor & Magister, einige Master und ein paar Doktoranden). Die Seminare sind proppenvoll, die Karten noch aus Zeiten des Kalten Krieges (da gibt es noch die Sowjetunion). Ich bezweifle, dass man denen groß Faulheit vorwerfen kann, vor allem wenn man bedenkt, dass die Hauptaufgabe guter Professoren heute nicht Lehre, sondern Forschung sein soll. Ganz zu schweigen von den Gremien und Sitzungen, in denen man vertreten sein muss/will.
Da träumt man natürlich von amerikanischen Verhältnissen
Man hört so etwas ab und zu und aus Interesse würde es mich interessieren wo das so ist.
Ich habe schon an etlichen Instituten und Lehrstühlen gearbeitet und habe nie beobachtet, dass Studenten Vorlesungen vorbereiten (das könnten diese auch nicht) oder Assistenten geprüft haben (das dürften diese auch nicht), außer wenn letztere habilitiert waren. Vorlesungen wurden auch nur vom Professor oder den Habilitanden (die Lehre nachweisen müssen) am Lehrstuhl gehalten, wobei man vereinzelt gegenseitig einspringt wenn die Termine das erfordern.
In meiner Erfahrung hat ein Professor verdammt viel zu tun mit Lehre, Gutachten, Anträgen und Forschung (besonders gemessen an dem Gehalt, das heute gezahlt wird), so dass Ihre Aussagen nicht nur übertrieben sondern völlig falsch sind.
Ich kann mir vorstellen, dass Sie auf meinen Beitrag anspielen. Das Fachgebiet nenne ich jetzt mal nicht, sonst hätte ich zuviel verraten. Ich möchte mit meiner Aussage auch nichtmal die Profs direkt kritisieren, sondern die innerfakultative/universitäre Aufgabenverteilung und sinnfreie Sparmaßnahmen.
Wie Sie richtig sagen, Gutachten, Anträge und Forschung... und Gremien... und Prüfungsvorsitz und und und. Ich kann verstehen, dass niemand mehr Lust auf Lehre hat.
Ich kenne konkrete Beispiel frisch habilitierter Personen, die auf eine Grundvorlesung mit 600 Anfängern gesetzt werden, und zwar über 3 Semester. Da ein solcher Dozent, eben noch kein Prof, über keinen großen Verwaltungsapparat geschweige denn Assistenten verfügt, bleibt ein großer Teil an ihm hängen. Das legt die eigene Forschung über ein Jahr praktisch lahm... gerade in einer solchen Karrierephase fatal.
Das Prüfungsamt wechselt momentan semesterweise von Prof zu Prof, niemand will´s machen, niemand ist eingearbeitet... anstatt einfach mal eine Person nur hierfür einzustellen.
Kurzum, ich hätte als Prof auch keine Lust auf Lehre.
Viele sehen es als lästige Pflicht und das spürt der Student (z.B.: "Wenn Sie bei mir die mündliche Prüfung ablegen wollen, stellen Sie sich schonmal darauf ein, dass..."), man kann sich den Rest denken.
Ich kann mir vorstellen, dass Sie auf meinen Beitrag anspielen. Das Fachgebiet nenne ich jetzt mal nicht, sonst hätte ich zuviel verraten. Ich möchte mit meiner Aussage auch nichtmal die Profs direkt kritisieren, sondern die innerfakultative/universitäre Aufgabenverteilung und sinnfreie Sparmaßnahmen.
Wie Sie richtig sagen, Gutachten, Anträge und Forschung... und Gremien... und Prüfungsvorsitz und und und. Ich kann verstehen, dass niemand mehr Lust auf Lehre hat.
Ich kenne konkrete Beispiel frisch habilitierter Personen, die auf eine Grundvorlesung mit 600 Anfängern gesetzt werden, und zwar über 3 Semester. Da ein solcher Dozent, eben noch kein Prof, über keinen großen Verwaltungsapparat geschweige denn Assistenten verfügt, bleibt ein großer Teil an ihm hängen. Das legt die eigene Forschung über ein Jahr praktisch lahm... gerade in einer solchen Karrierephase fatal.
Das Prüfungsamt wechselt momentan semesterweise von Prof zu Prof, niemand will´s machen, niemand ist eingearbeitet... anstatt einfach mal eine Person nur hierfür einzustellen.
Kurzum, ich hätte als Prof auch keine Lust auf Lehre.
Viele sehen es als lästige Pflicht und das spürt der Student (z.B.: "Wenn Sie bei mir die mündliche Prüfung ablegen wollen, stellen Sie sich schonmal darauf ein, dass..."), man kann sich den Rest denken.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren