Golgert: Bringen Sie mir die Arbeit als PDF auf einem USB-Stick. Und planen Sie lieber etwas mehr Zeit ein! Wir arbeiten hier mit einer Modeschule zusammen, da sind dann auf einen Schlag dreißig Mädels fertig und sitzen völlig aufgeregt vor den Druckern. Wenn die einfach ein, zwei Tage früher kommen würden...

12. Nicht ins Ausland gehen

Eigentlich sollte man sich das nicht entgehen lassen: Sonne, Meer, Erasmus-Partys. Und wer möchte sich schon gern von einem Arbeitgeber fragen lassen: "Wie, Sie haben sich nie rausgetraut?!" Dabei ist ein Auslandssemester gar nicht so verbreitet, wie viele denken: Nur jeder vierte Student geht dem Hochschul-Informations- System zufolge ins Ausland. Einer der häufigsten Hinderungsgründe ist das Geld. Dafür gibt es Auslandsbafög und Stipendien des DAAD. Daheimgebliebene tröstet der DAAD-Vorsitzende Claudius Habbich: "Man ist kein schlechterer Mensch, wenn man es nicht schafft, ins Ausland zu gehen." Außerdem gibt es hier ja auch viel, was man sich eigentlich nicht entgehen lassen sollte: Praktika, Freunde, Erasmus-Partys.

13. Sich mit dem Studium zu sehr beeilen

Wer ins Ausland geht oder ein Praktikum einschiebt, verliert Zeit. Pflichtveranstaltungen werden oft nur im Jahresrhythmus angeboten, da kann man schlecht ein Semester weg. Also studiert man lieber zügig, nicht dass die Kommilitonen einem am Ende den Job wegschnappen! Und dann trifft man auf einen wie Thomas Fritz, der bei McKinsey den Nachwuchs anwirbt und der sagt: "Die Studiendauer wird von Studenten gemeinhin überschätzt. Was wirklich zählt, ist die Persönlichkeit eines Bewerbers." Ein Satz, den Personalchefs aus unterschiedlichen Branchen so oder ähnlich immer wieder sagen. Wichtiger als ein schnelles Studium sind ihnen Engagement und Praxiserfahrung. Dass man dafür Zeit braucht, ist klar. Fritz etwa stellt sehr junge Berater nur ein, wenn sie mit den älteren Kollegen mithalten können. "Ich würde jedem empfehlen, ein Jahr auszusetzen und es mit sinnvollen Aktivitäten zu füllen", sagt er. "Niemand muss in der Mindeststudienzeit durchkommen."

Diese 3 Fehler sollte man auf keinen Fall machen:

1. Die Freunde für die Uni vernachlässigen

Man muss nicht bis um fünf Uhr morgens auf der Geburtstagsparty des besten Freundes bleiben, wenn am nächsten Tag eine Prüfung ansteht. Aber sich auf die Uni zu konzentrieren darf nicht heißen, die Zeit mit Freunden oder in der Beziehung auf ein Minimum zu reduzieren. "Der Leistungsdruck, den Studenten heute spüren, ist höher denn je", sagt Harald Lemke. "Weil sie glauben, dass Erfolg wichtiger sei als soziale Kontakte, nehmen sie sich immer weniger Zeit für ihr Privatleben." Lemke ist Professor für Philosophie in Lüneburg. In seinem Buch Freundschaft kann man nachlesen, wieso Freunde heute wichtiger sind denn je, etwa weil Familien nicht mehr so stabil sind wie einst. Gerade das Studium ist für ihn die Zeit, in der sich Gleichgesinnte schnell finden. "An der Universität hat man noch die Möglichkeit, Privates und Berufliches zu verbinden, indem man sich Freunde aus der gleichen Fachrichtung sucht", sagt er. "Im Berufsleben schließt man Freundschaften nicht mehr so leicht." Spätestens dann stellt man aber fest, dass einen andere Menschen viel weiter bringen als Leistung. Und dass man Freunde dringend braucht, weil sie auch da sind, wenn es einem schlecht geht – außer man hat sie vorher vergrätzt. Deswegen muss man ihnen vor dem Examen sagen, dass man jetzt zwar keine Zeit hat, mit ihnen ein Bier zu trinken – aber danach bestimmt wieder!

2. Aus Schusseligkeit durchfallen

ZEIT CAMPUS: Dirk Naumann zu Grünberg, als Anwalt für Hochschulrecht beraten Sie Studenten, die beim Abschluss aus rechtlichen Gründen durchgefallen sind. Wobei muss ich denn aufpassen?

Dirk Naumann zu Grünberg: Durchfallen kann man aus formellen Gründen, etwa wenn man die Anmeldefrist zur Abschlussklausur verpasst hat. Immer wieder erscheinen Studenten auch einfach nicht zur Prüfung und versuchen, sich danach mit einer Krankheit oder Ähnlichem herauszureden. Aber das funktioniert nicht. Sie können zwar auf Wiedereinsetzung klagen, doch die Voraussetzungen dafür sind sehr hoch.

ZEIT CAMPUS: Und wenn ich wirklich krank war?

Naumann zu Grünberg: Dann müssen Sie das belegen. Dafür reicht das Attest eines normalen Arztes aber nicht aus, und drei Tage später können Sie auch nichts mehr beweisen. Wenn Sie also am Prüfungstag mit 40 Grad Fieber aufwachen, gehen Sie zum Amtsarzt, der Ihre Prüfungsunfähigkeit bestätigen muss. Das Attest sollten Sie dann dem Prüfungsamt sofort zukommen lassen.

ZEIT CAMPUS: Und was ist, wenn ich mir den Arm gebrochen habe?

Naumann zu Grünberg: In diesem Fall halten Sie Rücksprache mit dem Prüfungsamt. Gegebenenfalls bekommen Sie bei der Prüfung einen Schreiber zur Seite gestellt, dem Sie Ihre Antworten diktieren.