ZEIT CAMPUS: Durchfallen kann man auch, wenn man es mit der Ethik der Wissenschaft nicht so genau nimmt.

Naumann zu Grünberg: Ja, dazu zählt alles, was gemeinhin als Schummeln bezeichnet wird, ob Sie bei der Prüfung spicken oder in der Abschlussarbeit abschreiben. Als Täuschungsversuch gilt es übrigens bereits, wenn Sie in der Abschlussarbeit vergessen haben, zu einem Zitat die Quelle zu nennen. Im günstigsten Fall dürfen Sie die Arbeit dann noch einmal schreiben. Wenn man Ihnen kriminelle Energie nachweisen kann, zum Beispiel, weil Sie einen Ghostwriter angeheuert haben, werden Sie allerdings sofort exmatrikuliert.

3. Glauben, man dürfte keinen Fehler machen

"Es ist sehr wichtig, dass Sie im Studium auch mal scheitern", sagt der Psychologe Wilfried Schumann von der Psychosozialen Beratungsstelle von Studentenwerk und Uni Oldenburg. Das klingt zunächst seltsam, aber: "Nur so lernen Sie, damit umzugehen. Denn ohne Fehler kommen Sie gar nicht durchs Leben." Lösen muss man seine Probleme aber nicht allein: Wer dabei an seine Grenzen stößt und wem auch die Freunde nicht helfen können, der kann sich an die Beratungsstelle der Hochschule wenden. "Viele Studenten fragen mich: Ist mein Problem denn schlimm genug für Ihre Sprechstunde?", sagt Schumann. "Aber ich verlange doch nicht, dass jemand laut um Hilfe schreiend in mein Büro robbt. Wer das Gefühl hat, dass etwas schiefläuft, sollte nicht zögern, die Beratung aufzusuchen." Das Studentenwerk hat 2008 deutschlandweit rund 80000 Beratungstreffen gezählt. Dabei ging es um Lernstörungen genauso wie um Versagensängste. Wer große Schwierigkeiten hat, den vermittelt Schumann an eine Klinik. Aber ein ganz normales Studientief lässt sich schon in den durchschnittlichen fünf Beratungsstunden überwinden.

Mitarbeit: Christina Rietz, Lisa Srikiow; Umfrage: Leonie Seifert