Wirtschaftsprüfer-Examen Der Härtetest
Wer als Wirtschaftsprüfer Firmenbilanzen begutachten will, muss erst einmal selbst das Prüferexamen meistern
Nicht einmal zwei Stunden ist es her, dass Jan Brorhilker, 29, die letzte Klausur abgegeben hat. Den schriftlichen Teil des gefürchteten Examens zum Wirtschaftsprüfer hat er damit hinter sich. Vier Monate lang hat er fast nur gelernt und gerechnet, zehn Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. "Vom Sommer hatte ich fast nichts", sagt er. Trotzdem wirkt er nicht wie jemand, von dem gerade eine große Last abgefallen ist. Das mag daran liegen, dass er sich in vier Berufsjahren bei dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young an eine hohe Arbeitsbelastung gewöhnt hat. Er lehnt sich im Konferenzraum der Hamburger Zweigstelle in seinem Stuhl zurück. "Ich habe das Gefühl, dass die Prüfungsfragen in diesem Jahr besonders schwierig waren", sagt er. "Aber das dachten die Kandidaten vor mir bestimmt auch."
Das Examen zum Wirtschaftsprüfer gilt als eine der härtesten Prüfungen im deutschen Bildungswesen, weil umfassendes Wissen aus Wirtschaftswissenschaften und Recht abgefragt wird. Um sich überhaupt anmelden zu dürfen, braucht man ein abgeschlossenes Studium und etwa drei Jahre Berufserfahrung als Assistent in einer Prüfungsgesellschaft. Der Lernaufwand ist so hoch, dass die Kandidaten sich vom Arbeitgeber meist monatelang freistellen lassen. Für Vorbereitungskurse zahlen sie in der Regel mehrere Tausend Euro. Und nur etwa die Hälfte der Kandidaten besteht nach Auskunft der Wirtschaftsprüferkammer beim ersten Versuch ohne Nachprüfung.
Brorhilker hat im vergangenen Jahr schon ein ähnliches Programm bewältigt: Er hat für die Prüfung zum Steuerberater gelernt, damals mithilfe eines teuren Vorbereitungskurses. Viele gehen diesen Weg, weil sie so einen Teil des Wirtschaftsprüfer-Examens vorziehen können – wer schon Steuerberater ist, muss statt sieben nur fünf Klausuren schreiben. "Vor dem Steuerberater-Examen hatte ich zum ersten Mal die Sorge, eine Prüfung nicht zu bestehen", sagt Brorhilker, der auch ein Diplom in BWL hat. "Da ist man wirklich in einer geistigen Ausnahmesituation."
Ein enormer Aufwand für einen Beruf, der allgemein als eher öde gilt. Jan Brorhilker sieht das anders. "Ich lerne ständig ganz unterschiedliche Menschen und Unternehmen kennen, weil wir Kunden in allen Branchen haben", sagt er. "Seit ich einmal einen Musik- verlag betreut habe, weiß ich zum Beispiel, welche neuen Platten gerade erscheinen." Es wirkt fast schon routiniert, wie er gegen das Langweiler-Image ankämpft.
Ob Verlag oder Automobilzulieferer– zunächst verschafft Brorhilker sich einen Einblick in das Unternehmen, um dessen Geschäftsmodell zu verstehen. Erst dann kann er die Unternehmensführung beraten oder die wirtschaftlichen Vorgänge untersuchen. "Ein Wirtschaftsprüfer zieht sich nicht einfach in ein Hinterzimmer zurück und vertieft sich in Zahlen, sondern steht den ganzen Tag in Kontakt mit anderen Menschen", sagt er.
Die wichtigste Aufgabe eines Wirtschaftsprüfers ist die Jahresabschlussprüfung bei Unternehmen, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Dabei stellt der Prüfer fest, ob das Unternehmen sich mit seinem Lagebericht zum Jahresende korrekt präsentiert oder ob es womöglich Zahlen zu Vermögen oder Gewinn schönt. Insbesondere bei Aktiengesellschaften dienen diese Prüfungen einem öffentlichen Interesse – schließlich wollen die Aktionäre wissen, ob das Unternehmen, von dem sie Anteile gekauft haben, gut wirtschaftet. Um Unternehmen auf diese Weise durchleuchten zu können, müssen Wirtschaftsprüfer genau wissen, welche Vorgänge sich hinter den Zahlen verbergen. Daher der umfangreiche Stoff für das Examen.
Auf manche Schwierigkeiten im Berufsalltag bereitet die Prüfung allerdings nicht vor: Um Einblick in die Zahlen zu bekommen, müssen die angehenden Wirtschaftsprüfer sich bei den Kunden erst einmal durchsetzen– das gilt erst recht, wenn sie auf Ungereimtheiten stoßen. "Wenn man mit Mitte 20 als Assistent anfängt und einen Buchhalter kritisiert, der den Job seit 40 Jahren macht, stößt man natürlich nicht immer auf Begeisterung", sagt Brorhilker. Mit seinen 29 Jahren hat er aber inzwischen Übung darin, sich Respekt zu verschaffen. Den Umgang mit Kunden in schwierigen Situationen hat er in Rollenspielen gelernt. "Ich bleibe ruhig, mit einer störrischen Gelassenheit", sagt er. "Wenn mir Unstimmigkeiten auffallen, stelle ich mich oft einfach unwissend und sage: ›Tut mir leid, ich verstehe das immer noch nicht, könnten Sie es mir bitte noch mal erklären?‹"
- Datum 23.11.2010 - 16:02 Uhr
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- Quelle ZEIT CAMPUS 06/2010
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Vier Monate lernen? Und die Hälfte besteht first try?
"Vom Sommer hatte er fast nichts".
Daraus resultiert: "Eine der härtesten Prüfungen im deutschen Bildungswesen."
Der Artikel muss ein Witz sein.
Oder die Autorin hat noch nie etwas von Physikum, Ingenieurwissenschaften, oder allgemein Naturwissenschaften gehört. Aber das will ich nicht unterstellen.
Das Studium hat der WP Kandidat bereits hinter sich. i.d.R. ein abgeschlossenes Studium der Wirtschafts- oder Rechtswissenschaften. Er hat also bereits erhebliche Vorleistungen beim Studium erbracht.
Und die Stoffverdichtung sowie die Breite aus der die Themen zusammengestellt werden (Recht, BWL, VWL, Prüfungswesen, Steuerrecht,...) im WP-Examen ist vergleichsweise anspruchsvoll. Die vier Monate sind nur die "Endvorbereitung". Davor stehen (mindestens) drei Jahre berufliche Tätigkeit, die schon der Vorbereitung zugerechnet werden können.
Und dann ist noch die Examensstruktur interessant. Es kann durchaus sein, dass bei einer sehr komplexen volkswirtschaftlichen Aufgabe mit mehrseitiger mathematischer Lösung dann der Prüfer die Vorgabe gemacht hat, dass Sie nur das Ergebnis auf das Lösungsblatt schreiben. Der Rechenweg dahin ist unerheblich. d.h. ein Vorzeichenfehler und es fehlt ein guter Teil der Prüfungsleistung.
Prüfungen besteht doch jeder BWL und Rechtsstudent im Schlaf.
Aber glaube schon, dass dort ausgesiebt wird, denn man weiß wie man den Markt kleinhält. Wenn mehr Leute die Prüfung bestehen, würden die Margen geringer werden. Ist doch ein lukratrives Geschäft. Wie man an Lehman Brothers oder Anglo Irish Bank sehen konnte sind Wirtschaftsprüfer von E&Y die Besten.
Das Studium hat der WP Kandidat bereits hinter sich. i.d.R. ein abgeschlossenes Studium der Wirtschafts- oder Rechtswissenschaften. Er hat also bereits erhebliche Vorleistungen beim Studium erbracht.
Und die Stoffverdichtung sowie die Breite aus der die Themen zusammengestellt werden (Recht, BWL, VWL, Prüfungswesen, Steuerrecht,...) im WP-Examen ist vergleichsweise anspruchsvoll. Die vier Monate sind nur die "Endvorbereitung". Davor stehen (mindestens) drei Jahre berufliche Tätigkeit, die schon der Vorbereitung zugerechnet werden können.
Und dann ist noch die Examensstruktur interessant. Es kann durchaus sein, dass bei einer sehr komplexen volkswirtschaftlichen Aufgabe mit mehrseitiger mathematischer Lösung dann der Prüfer die Vorgabe gemacht hat, dass Sie nur das Ergebnis auf das Lösungsblatt schreiben. Der Rechenweg dahin ist unerheblich. d.h. ein Vorzeichenfehler und es fehlt ein guter Teil der Prüfungsleistung.
Prüfungen besteht doch jeder BWL und Rechtsstudent im Schlaf.
Aber glaube schon, dass dort ausgesiebt wird, denn man weiß wie man den Markt kleinhält. Wenn mehr Leute die Prüfung bestehen, würden die Margen geringer werden. Ist doch ein lukratrives Geschäft. Wie man an Lehman Brothers oder Anglo Irish Bank sehen konnte sind Wirtschaftsprüfer von E&Y die Besten.
Das Studium hat der WP Kandidat bereits hinter sich. i.d.R. ein abgeschlossenes Studium der Wirtschafts- oder Rechtswissenschaften. Er hat also bereits erhebliche Vorleistungen beim Studium erbracht.
Und die Stoffverdichtung sowie die Breite aus der die Themen zusammengestellt werden (Recht, BWL, VWL, Prüfungswesen, Steuerrecht,...) im WP-Examen ist vergleichsweise anspruchsvoll. Die vier Monate sind nur die "Endvorbereitung". Davor stehen (mindestens) drei Jahre berufliche Tätigkeit, die schon der Vorbereitung zugerechnet werden können.
Und dann ist noch die Examensstruktur interessant. Es kann durchaus sein, dass bei einer sehr komplexen volkswirtschaftlichen Aufgabe mit mehrseitiger mathematischer Lösung dann der Prüfer die Vorgabe gemacht hat, dass Sie nur das Ergebnis auf das Lösungsblatt schreiben. Der Rechenweg dahin ist unerheblich. d.h. ein Vorzeichenfehler und es fehlt ein guter Teil der Prüfungsleistung.
Man muss davor BWL studiert haben (Wer nichts wird, wird Betriebswirt), ein bisschen Berufserfahrung gesammelt haben und sogar mehrseitige Rechnungen durchführen können. Das ist natürlich unmenschlich. Sie haben Recht, WP muss "das härteste Examen in Deutschland" sein.
Ich will hier keine "Mein Studium ist/war des schwerste"-Diskussion anfangen. Und ich freue mich auch einen Einblick in für mich fachfremde Berufsbilder und Ausbildungen zu bekommen, aber der Titel des Artikels erinnert mich an eine Bild-Schlagzeile und der Inhalt versucht viel zu krampfhaft Ehrfurcht zu erzeugen. Schlechter Journalismus. Das kann ich so nicht unkommentiert lassen.
Man muss davor BWL studiert haben (Wer nichts wird, wird Betriebswirt), ein bisschen Berufserfahrung gesammelt haben und sogar mehrseitige Rechnungen durchführen können. Das ist natürlich unmenschlich. Sie haben Recht, WP muss "das härteste Examen in Deutschland" sein.
Ich will hier keine "Mein Studium ist/war des schwerste"-Diskussion anfangen. Und ich freue mich auch einen Einblick in für mich fachfremde Berufsbilder und Ausbildungen zu bekommen, aber der Titel des Artikels erinnert mich an eine Bild-Schlagzeile und der Inhalt versucht viel zu krampfhaft Ehrfurcht zu erzeugen. Schlechter Journalismus. Das kann ich so nicht unkommentiert lassen.
Was nützt es, dass die Prüfungen so "hart" sind, wenn die Wirtschaftsprüfer hinterher so "sanfte" Prüfungen durchführen?
Prüfungen besteht doch jeder BWL und Rechtsstudent im Schlaf.
Aber glaube schon, dass dort ausgesiebt wird, denn man weiß wie man den Markt kleinhält. Wenn mehr Leute die Prüfung bestehen, würden die Margen geringer werden. Ist doch ein lukratrives Geschäft. Wie man an Lehman Brothers oder Anglo Irish Bank sehen konnte sind Wirtschaftsprüfer von E&Y die Besten.
Das Berufsexamen für angehende Wirtschaftsprüfer ist anspruchsvoll, aber keinesfalls rechtfertigt es den Titel"
"Das härteste Examen in Deutschland". Man sollte derartige Artikel gar nicht erst publizieren, wenn man sich nicht mit dem breitem Spektrum der Examina beschäftigt hat. Es gibt zahlreiche Prüfungen die dem WP-Examen äquivalent, wenn nicht anspruchsvoller sind. Zu nennen wäre hier das 2. Staatsexmen für Juristen (11. Klausuren), die von Referendaren sehr viel abverlangt. Eine noch schwierige Prüfung ist die gefürchte notarielle Fachprüfung, die selbst von Spitzenjuristen regelmäßig befriedigend oder bisweilen gar nicht beim ersten Versuch bestanden wird. Möchte erst gar nicht von Medizinern & Co erzählen.
Also es tut mir leid aber was haben sie für eine Vorstellung von "schwer" oder "am schwierigsten"?
Ich mein wenn der WP eine Dipl. Prüfung in Theo. Physik (oder Anwandte Mathematik etc..)machne muss wird er es mit Sicherheit schwerer haben (und nicht bestehen) als ein Physiker (bzw. Mathematiker) oder? Und bezüglich Durchfallquoten: In meiner ersten Exper. Physik Vorlesung sind mehr als 2/3 durchgefallen.
Derjenige der beurteilt eine Prüfung sei "am schwierigsten" müsste ja eigentlich alle anderen schon gemacht haben...
Die Prüfung war bei mir viel leichter als die neue SAP-Zertifizierungsprüfung
Irritiert bin ich vor allem dann, wenn man den WP's erklären muß, was Deitoren und Kreditoren sind.
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