StudiumSoll ich einen Master machen?

Der Master hilft, das eigene Berufsbild zu schärfen. Welche Wahlmöglichkeiten Studenten dabei haben, erklärt Peter Zervakis von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Ob man nach dem Bachelor noch einen Master machen sollte, ist individuell verschieden

Ob man nach dem Bachelor noch einen Master machen sollte, ist individuell verschieden

ZEIT Campus: Herr Zervakis, als Leiter des Bologna-Zentrums begleiten Sie Bachelor und Master schon seit einigen Jahren. Wer braucht überhaupt einen Master?

Peter Zervakis: Es gibt Berufe, wo ein Master zwingend vorgeschrieben ist. Lehrer werden oder in den höheren Verwaltungsdienst eintreten kann ein Bachelorabsolvent nicht. Auch wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sollte einen Master machen; genauso erleichtert er den Ein- und Aufstieg ins mittlere und höhere Management von Unternehmen.

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ZEIT Campus: Ein höheres Einstiegsgehalt garantiert der Master ja auch.

Zervakis: In den meisten Branchen ist das tatsächlich so. Allerdings können das die Bachelorabsolventen fast überall – im Schnitt binnen zwei Jahren – wieder aufholen. Das muss also kein Argument für ein weiteres Studium sein.

ZEIT Campus: Aber promovieren kann ich nicht, ohne vorher einen Master gemacht zu haben.

Zervakis: Grundsätzlich stimmt das. Aber über die Zulassung zur Promotion entscheiden die Unis autonom. In Ausnahmefällen, die es zum Beispiel in neueren Fachrichtungen wie den Life Sciences gibt, können auch sehr wenige, besonders geeignete Bachelorabsolventen nach einem Eignungsfeststellungsverfahren zugelassen werden. Aber angehende Wissenschaftler entscheiden sich ja wahrscheinlich schon aus inhaltlichem Interesse für ein Masterstudium, um ihr Wissen aus dem Bachelor zu vertiefen.

ZEIT Campus: Was kann sonst den Ausschlag geben? 

Zervakis: Ob Sie einen Master machen, hängt von Ihrer persönlichen Lebensplanung ab. Generell sollten Sie vor oder spätestens während des Bachelorstudiums eine klare Vorstellung davon entwickeln, wo die eigenen Interessen, Stärken und Schwächen liegen, welches der passende Wunschberuf ist und welche Qualifikationen er verlangt. Dann ist die Frage: Können Sie die schon nach dem Bachelorstudium vorweisen, oder müssen Sie sich zusätzliche Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen?

ZEIT Campus: Viele Bachelorabsolventen bleiben einfach an der Uni, weil die Wirtschaftslage angespannt ist und sie fürchten, dass Unternehmen sowieso nur Masterabsolventen einstellen.

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Zervakis: Diese Angst ist in vielen Fällen unbegründet. Gerade bei großen, internationalen Firmen sind Bachelorabsolventen inzwischen beliebt, wie viele Unternehmensbefragungen belegen. Vor allem im Bereich der Wirtschafts- oder Ingenieurwissenschaften oder der Informatik. Branchen, die klassischerweise um die Besten konkurrieren, versuchen, diese schon früh an sich zu binden. So stellen Unternehmensberatungen gerne Bachelorabsolventen aus allen Fächern ein und schicken sie dann nach einem oder zwei Jahren in ein spezialisiertes Masterprogramm. Kleinere und mittelständische Unternehmen sind dagegen manchmal noch skeptisch. Aber auch das ändert sich zunehmend.

ZEIT Campus: Es ist also Quatsch, einen Master zu machen, wenn ich eigentlich lieber in den Beruf will?

Zervakis: Sie müssen sich überlegen, dass Sie für einen Master ja noch einmal ein bis zwei Jahre investieren müssen. Aus Verlegenheit einfach weiter zu studieren, ist schon deshalb wenig sinnvoll. Am Ende sollte eine Qualifikation stehen, die zu Ihrem Profil passt. Für Unentschlossene ist es gerade deswegen eine große Chance, nach dem Erststudium Berufserfahrung zu sammeln. So erkennen sie ihre Stärken und Schwächen und können diese später ausbauen oder ausgleichen. Schließlich können Sie ja nach einem oder mehreren Berufsjahren einen weiterbildenden Master machen.

Leserkommentare
    • Sted
    • 30.03.2010 um 12:10 Uhr

    was mir in dem Gespräch ein wenig zu kurz kam ist die Tatsache, dass man sich entscheiden muss nach welchem Kriterium man den Master aussucht. Gerade weil es so viele "Unentschlossene" gibt, die dem Trugschluss folgen, der Master sei der einzige Weg, einen guten Job zu finden, herrscht ein Klima der Konkurrenz und des Wettbewerbs das die Unis dazu bringt, die vorhanden Plätze extrem gering zu halten. Bei Masterstudiengängen mit 20-50 Studienplätzen werden die Chancen natürlich umso kleiner, je mehr Bewerber der Studiengang anzieht.Dann ist man gezwungen zu entscheiden: Will ich an der Uni studieren die im CHE Ranking (oder sonstwo) ganz oben steht oder nehme ich "diese Uni in Ostdeutschland" weil mir da der Platz sicher ist, die im Ranking aber schlechter abschneidet.

    In den meisten Fällen ist es doch so, dass jeder Student mit einer halbwegs guten Abschlussnote auch an einer Uni studieren möchte, die für ihre ausgezeichnete Lehre bekannt ist und einen guten Ruf hat.Es wird sich also um die wenigen Plätze an den Top-Unis gestritten und die unbekannten, bei denen der Master oft sogar zulassungsunbeschränkt ist,werden ignoriert.Das ist eine Schattenseite von Exzellenzinitiativen und Eliten-Fanatismus, die gern übersehen wird.

    Ich muss natürlich auch hinzufügen,dass diese Beobachtungen stark vom Studienbereich abhängen und es schwer ist,das allgemein zu betrachten.In meinem Fall beziehen sich die Aussagen auf die Geisteswissenschaften, insbesondere der Literaturwissenschaft.

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    Meine Erfahrung ist, dass sich auch an kleineren staatlichen Hochschulen viele Bewerber um vergleichsweise wenige Masterstudienplätze bewerben. In meinem Masterstudiengang (an einer kleinen FH, Studiengang seit 1 Jahr akkreditiert) wurde so der N.C. auf 1,5 gepusht...
    Mein Gefühl ist, dass durch das Bachelor-Mastersystem eine viel krassere Auslese von Studenten betrieben werden kann, als das vorher möglich war. Außerdem wird der Bachelorzeugnisnote ein übermäßiges Gewicht verliehen.
    Ich habe in 7 Semesetern 36 Prüfungen machen müssen. Patzer oder Durchhänger sind in so einem System nicht erlaubt, denn die wirken sich automatisch aufs Zeugnis aus, anders als im Diplom und somit auf die Chance einen bezahlbaren Master machen zu können.
    Mit dem nötigen Kleingeld, kann natürlich auch ein Bachelorabsolvent ohne "1" vor dem Komma, an einer privaten Hochschule seinen Master kaufen, auch wenn er/sie nicht die Schlauste ist.

    Meine Erfahrung ist, dass sich auch an kleineren staatlichen Hochschulen viele Bewerber um vergleichsweise wenige Masterstudienplätze bewerben. In meinem Masterstudiengang (an einer kleinen FH, Studiengang seit 1 Jahr akkreditiert) wurde so der N.C. auf 1,5 gepusht...
    Mein Gefühl ist, dass durch das Bachelor-Mastersystem eine viel krassere Auslese von Studenten betrieben werden kann, als das vorher möglich war. Außerdem wird der Bachelorzeugnisnote ein übermäßiges Gewicht verliehen.
    Ich habe in 7 Semesetern 36 Prüfungen machen müssen. Patzer oder Durchhänger sind in so einem System nicht erlaubt, denn die wirken sich automatisch aufs Zeugnis aus, anders als im Diplom und somit auf die Chance einen bezahlbaren Master machen zu können.
    Mit dem nötigen Kleingeld, kann natürlich auch ein Bachelorabsolvent ohne "1" vor dem Komma, an einer privaten Hochschule seinen Master kaufen, auch wenn er/sie nicht die Schlauste ist.

  1. ... Schönrednerei des Bologna-Prozesses.

    "So stellen Unternehmensberatungen gerne Bachelorabsolventen aus allen Fächern ein und schicken sie dann nach einem oder zwei Jahren in ein spezialisiertes Masterprogramm."

    Leider falsch. Von vielen großen Firmen wird ein Masterstudium als "Privatvergügen" angesehen und nicht unterstützt.

    "Kleinere und mittelständische Unternehmen sind dagegen manchmal noch skeptisch. Aber auch das ändert sich zunehmend."

    Natürlich ändert sich das zunehmend... schließlich kommen ja keine Abolventen mit Diplom mehr nach, sondern nur noch Leute mit Bachelor. Diese mittelständische Unternehmen haben daher gar keine Wahl, vor allem nicht bei den Ingeneurwissenschaften. Denn da hat der Bachelor die Zahl der Studienabbrecher nicht etwa gesenkt wie in den Geistes/Sozialwissenschaften, sondern sogar noch erhöht.

    Eine Leserempfehlung
  2. ...ist wohl die fehlende Durchlässigkeit zwischen Hochschulen und Universitäten in der Praxis. Hier haben die entsprechenden Komissionen schlicht geschlafen.

    Eine Leserempfehlung
    • Puzi
    • 30.03.2010 um 12:57 Uhr

    Wer sich ueberlegt im Ausland zu promovieren, sollte dabei bedenken, das zB an vielen amerikanischen Hochschulen der Eintrittsabschluss der BSc ist. Meinen deutschen MSc kann ich da einfach in die Tonne kloppen.

  3. "Oder Sie erwerben Kenntnisse in einem ganz anderen Fach und qualifizieren sich etwa mit einem Bachelor in Geschichte und einem Master in Ökonomie für die Arbeit in einem Verlag. "

    Das tönt zwar schön und gut, ist aber in Wahrheit überhaupt nicht der Fall. Die Zusatzleistungen die man als BWL Studentin in der Schweiz für andere Unis/ Fachhochschulen leisten muss reichen von 47 ECTS (als FH BWL an die UNI St.Gallen zum Beispiel) über 90 ETCS (mit FH Bachelor einen Economics Master an der Uni Zürich machen ) bis zu einem GANZEN BACHELORSTUDIUM, sollte man mit einem BWL Bachelor seinen Horizont erweitern wollen und an der Uni Zürich Populäre Kulturen/Kulturanalyse im Master machen wollen.

    Das ist nicht nur total deprimierend sondern zeigt vor allem auf dass Bologna mehr schein als sein ist. Zumindest in der Schweiz.

  4. Meine Erfahrung ist, dass sich auch an kleineren staatlichen Hochschulen viele Bewerber um vergleichsweise wenige Masterstudienplätze bewerben. In meinem Masterstudiengang (an einer kleinen FH, Studiengang seit 1 Jahr akkreditiert) wurde so der N.C. auf 1,5 gepusht...
    Mein Gefühl ist, dass durch das Bachelor-Mastersystem eine viel krassere Auslese von Studenten betrieben werden kann, als das vorher möglich war. Außerdem wird der Bachelorzeugnisnote ein übermäßiges Gewicht verliehen.
    Ich habe in 7 Semesetern 36 Prüfungen machen müssen. Patzer oder Durchhänger sind in so einem System nicht erlaubt, denn die wirken sich automatisch aufs Zeugnis aus, anders als im Diplom und somit auf die Chance einen bezahlbaren Master machen zu können.
    Mit dem nötigen Kleingeld, kann natürlich auch ein Bachelorabsolvent ohne "1" vor dem Komma, an einer privaten Hochschule seinen Master kaufen, auch wenn er/sie nicht die Schlauste ist.

    • Yman
    • 02.04.2010 um 19:20 Uhr

    1. Wenn ich als Unternehmer mal eine Stelle geschaffen habe, die von einem/r Bachelor(ette) ausgefüllt werden kann, bleibt es dabei-für immer! Master unnötig!
    2. Da der/ die BA ohnehin nur einen befristeten Vertrag erhält, kann er/ sie gern nach einigen Jahren nach einem Master oder Gehaltsanstieg fragen- läuft der Vertrag eben aus und ich nehm einen neuen BA. Ab 2011 wird das noch einfacher!
    3. Warum soll ein BA das Gehalt eines Akademikers erhalten, gegen viele Lehrabsolventen des gleichen Berufes hat er kaum eine Chance. Also nicht mehr, sondern weniger Geld- ansonsten nehme ich einen anderen!
    4. „Das ist ja gerade das Praktische am Mastermodell [...]/ Statt Germanistik [...]“
    Humbug- eben diese angebliche Spezialisierung bricht vielen das Genick. Kein Personaler schaut sich das Diploma Supplement an, es werden einfach Assessmentcenter veranstaltet. Der spezialisierte Akademiker mit breitem Grundwissen und Problemlösungskompetenz existiert eben kaum noch, in vielen Bereichen ist er/ sie deshalb völlig ungeeignet und unter dem Niveau eines Diplomabsolventen liegend. So haben dann alle irgendeinen Master, aber keiner kennt die Qualifikation. Unpraktisch!
    5. „Kleinere und mittelständische Unternehmen sind dagegen manchmal noch skeptisch. Aber auch das ändert sich zunehmend.“
    Eben, traurig!!! Da die „Reform“ gescheitert ist, wird einfach der Markt mit BA-/ MA- Absolventen überflutet, mal sehen was bei rauskommt…… den Schaden haben Unternehmen wie auch die Absolventen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo Yman,
    .
    Zitat: "Kein Personaler schaut sich das Diploma Supplement an, es werden einfach Assessmentcenter veranstaltet"
    Stimmt. Die meisten Personaler sind ja sogar zu faul, den Lebenslauf des Bewerbers anzuschauen, der gleich zum Vorstellungsgespräch erscheint!
    .
    Zitat: "So haben dann alle irgendeinen Master, aber keiner kennt die Qualifikatio"
    Aber auch Firmen, die sich wirklich für die Qualifikationen ihrer Bewerber interessieren, verlieren bei der Fülle der neuen Abschlüsse den Überblick. Meine Spitzbübin hat ihre Bachelorarbeit und eine Fallstudie aus dem Praktikum zum Vorstellungsgespräch mitgebracht. Einer von der Auswahlkommission blätterte darin und rief verwundert: "Das ist ja eine richtige wissenschaftliche Arbeit hier!"
    .
    Das sagt doch alles über die Erwartungen!

    Hallo Yman,
    .
    Zitat: "Kein Personaler schaut sich das Diploma Supplement an, es werden einfach Assessmentcenter veranstaltet"
    Stimmt. Die meisten Personaler sind ja sogar zu faul, den Lebenslauf des Bewerbers anzuschauen, der gleich zum Vorstellungsgespräch erscheint!
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    Zitat: "So haben dann alle irgendeinen Master, aber keiner kennt die Qualifikatio"
    Aber auch Firmen, die sich wirklich für die Qualifikationen ihrer Bewerber interessieren, verlieren bei der Fülle der neuen Abschlüsse den Überblick. Meine Spitzbübin hat ihre Bachelorarbeit und eine Fallstudie aus dem Praktikum zum Vorstellungsgespräch mitgebracht. Einer von der Auswahlkommission blätterte darin und rief verwundert: "Das ist ja eine richtige wissenschaftliche Arbeit hier!"
    .
    Das sagt doch alles über die Erwartungen!

    • Rudi01
    • 03.04.2010 um 9:45 Uhr

    Das Fazit der Bologna-Reform ist offensichtlich, dass derjenige Teil der Studierenden, die mit einem Bachelor abgehen, mit einer geringeren Qualifikation ins Berufsleben eintreten, als das beim Diplom der Fall war. Wenn also heute nur noch ein Bruchteil der Studierenden einen Master machen, dann hat es die Bologna-Reform geschafft, die studierfähigen jungen Menschen in Deutschland geringer zu qualifizieren,
    als das vorher der Fall war.

    Herzlichen Glückwunsch, CHE und ZEIT, da habt Ihr unserem Land einen tollen Dienst erwiesen!

    Der Bachelor als Regelabschluss senkt man das Niveau
    für alle. Den Stoff, den man als Ingenieur, Arzt oder Richter oder beherrschen muss, kann man nicht in drei statt fünf Jahren vermitteln.

    Eine Leserempfehlung

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