Am schmerzlichsten spürbar ist sie wohl für jene, die nach dem Studienabschluss noch keine Stelle gefunden haben. Alle Hoffnung richtet sich dann auf dieses Praktikum. Und manchmal auch aufs nächste. Und aufs übernächste. Vielleicht werde ich ja übernommen? Vielleicht lerne ich genau die Menschen kennen, die mich weiterbringen? Vielleicht bekomme ich ein Zeugnis, das mich aus der Masse hervorhebt? Hoffnungen treiben an. Zu Überstunden. Dazu, auch noch den unsinnigsten Auftrag lächelnd zu akzeptieren. Immer engagiert zu sein, stets freundlich, nie müde. "Die Aussicht auf Übernahme ist wie eine Möhre, die man dem Praktikantenesel hinhält, um immer noch ein bisschen mehr aus ihm herauszuholen", sagt Markus Henrik, der Autor von Copy Man . Es ist ein einfacher Mechanismus: Wer hofft, hält den Mund.

Und wer unsicher ist, erst recht. Die meisten von uns haben wenig vom einsamen Helden an sich. Aufbegehren ist schwer genug; es fällt ein wenig leichter, wenn man allgemein anerkannte Regeln hinter sich weiß. Und da kommt der zweite Faktor ins Spiel: Es herrscht große Ratlosigkeit darüber, was Unternehmen denn nun eigentlich dürfen und was nicht. Dass das Gesetz den Status von Praktikanten nicht einheitlich regelt, macht die Sache nicht leichter. Zwar hat die DGB-Jugend zu Grundsätzlichem wie Urlaubsanspruch und dem Recht auf ein Zeugnis einen Überblick zusammengestellt ( bit.ly/ZCpraktirechte ) . Doch viele Fragen bleiben offen. Hat ein Praktikant einen Anspruch auf einen Betreuer? Muss er auch Arbeiten ausführen, bei denen er nichts lernt, und falls ja, in welchem Maße? Wer hat ihm etwas zu sagen?

Bei Praktika ist es oft schwer, eindeutige Prinzipien zu formulieren. Denn der Wunsch nach Klarheit kollidiert mit der Absicht, nicht weltfremd zu sein und allen Fällen gerecht zu werden. "Eigentlich raten wir von Praktika nach dem Studium grundsätzlich ab", sagt zum Beispiel Susanne Schneider von der Praktikanteninitiative fairwork. Eigentlich. Aber wenn jemand für sich wirklich keine andere Möglichkeit sähe, solle er wenigstens eine angemessene Vergütung verlangen. Und Jessica Heyser vom Deutschen Gewerkschaftsbund schiebt dem Prinzip – kein Praktikum als Absolvent – eine Ausnahme hinterher. Wolle sich jemand fachlich in eine völlig andere Richtung orientieren, könne dies bisweilen sinnvoll sein, sagt die Gewerkschaftsfrau.

Wenn es schon Schneider und Heyser manchmal schwerfällt, eindeutige Grenzen zu ziehen, so gilt das für den einzelnen Praktikanten erst recht. Denn Praktika sind ja nur in Extremfällen von vorne bis hinten fürchterlich – und genau das löst eine Fülle von Zweifeln aus. Ist ein Praktikum zum Nulltarif nicht doch okay, wenn es spannend und klasse betreut ist? Muss man einen cholerischen Chef nicht einfach mal ertragen, wenn der Rest stimmt? Sind zwei Wochen Aktensortieren wirklich so schlimm, wenn dann Besseres auf einen wartet? Klar, auf die Mischung kommt es an. Aber ob die noch gerade so stimmt oder ob die Grenze überschritten ist, ist manchmal verdammt schwer zu entscheiden.